2. Sinfonie (Dvořák)

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Fotografie Antonín Dvořáks aus dem Jahr 1868

Die Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 4 ist eine Sinfonie des böhmischen Komponisten Antonín Dvořák.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Werk entstand 1865, im gleichen Jahr wie Dvořáks 1. Sinfonie. Zur Entstehungszeit der Sinfonie blieb die Liebe des Komponisten zu seiner Klavierschülerin Josefina Čermáková unerwidert, deren Schwester Anna er später heiratete. Unter diesem Eindruck der unglücklichen Liebe, drückt die Sinfonie ein Ringen und Fügen in das Schicksal aus.

Zur Musik[Bearbeiten]

Besetzung[Bearbeiten]

2 Flöten, Piccoloflöte, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Waldhörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauke, Streichinstrumente

1. Satz: Allegro con moto[Bearbeiten]

Der erste Satz ist mit seiner schweifenden Harmonik von einer „unendlichen Melodie“ im Sinne Richard Wagners geprägt. Dennoch lassen sich zwei Hauptthemen erkennen. Das erste begintt zögernd in den Streichern und entwickelt sich über ein Tutti von den Pauken unterstützt zu einem bewegt fließenden Motiv. Das zweite Thema erscheint zunächst in den Holzbläsern und lässt ich im teilweise rhapsodischen sinfonischen Geschehen schwierig abgrenzen. Der Satz schließt mit einer bewegten Coda, welche das zweite Thema aufnimmt.

2. Satz: Poco adagio[Bearbeiten]

Der zweite Satz drückt mit seinem notturnoartigen Charakter am stärksten die Abhängigkeit vom Schicksal aus. Seine sanfte Instrumentierung und Melodik werden von einigen dramatischen Momenten unterbrochen. So wirkt der Satzbeginn nicht nur friedlich, sondern gleichzeitig, durch bewegte Umspielungen der Akkorde in den Streichern, bedrohlich. Anschließend fließt das Hauptthema in den Streichern breit dahin und entwickelt sich langsam. Den Celli kommt hier oft die Aufgabe der Melodiebildung zu, was typisch für Dvořák ist. Der längste Satz der Sinfonie schließt nach einigen dramatischen Ausbrüchen friedlich mit einem Akkord der Holzbläser.

3. Satz: Scherzo, Allegro con brio[Bearbeiten]

Der pastorale dritte Satz enthält Anklänge an Felix Mendelssohn Bartholdy. Es ist der untypischste Scherzo-Satz der Sinfonien Dvořáks. Die Thematik ist eher verhalten und nicht so tänzerisch-vergnügt und volkstümlich wie üblich. Das sich langsam entwickelnde Hauptthema wird schließlich doch im Orchestertutti wiederholt und mit Trompetenfanfaren zu einem optimistischen Höhepunkt geführt. Der anschließende Mittelteil enthält am ehesten volkstümliche Elemente, mit einem leichten Thema der Holzbläser. Der Satz schließt langsam und verhalten nach der Wiederholung des Scherzo-Teils.

4. Satz: Finale, Allegro con fuoco[Bearbeiten]

Das Finale stellt den künstlerischen Höhepunkt der Sinfonie dar. Nach Einsatz in der „falschen“ Tonart A-Dur folgt ein bewegtes Hauptthema in B-Dur. Kurz darauf stellt das Cello in erhabender Größe, begleitet von Streicherpizzicati, ein zweites gesangliches Thema vor. Im folgenden musikalischen Verlauf, der erneut nicht völlig nach Sonatensatzform verläuft, sondern häufig rhapsodische Form annimmt, wird das erste Thema bevorzugt. Es wird mannigfaltig verarbeitet. Das vorwärtsdrängende Geschehen endet in einer triumphalen Coda, welche der Sinfonie ein jubelndes Ende verleiht.

Wirkung[Bearbeiten]

Nach Vollendung der Sinfonie wollte Dvořák das Werk drucken lassen, musste jedoch feststellen, dass ihm hierzu die finanziellen Mittel fehlten. Das Werk lag erst einmal still, bis Dvořák viele Jahre später bereits erfolgreich mit dem Verleger Fritz Simrock zusammenarbeitete, und sich des vergessenen Werkes erinnerte. Die Sinfonie wurde gedruckt und die Uraufführung erfolgte am 11. März 1888, über 20 Jahre nach ihrer Entstehung. Adolf Čech dirigierte das Orchester des Prager Nationaltheaters. Das Werk wurde weitestgehend positiv aufgenommen.

Die 2. Sinfonie gehört zu den frühen, noch nicht ganz ausgereiften Werken des Meisters. Dennoch lassen sich bereits viele typische Wesenszüge Dvořákscher Sinfonik und ein Geschick für die Meisterung der sinfonischen Form feststellen. Das Werk gehört heute zwar zu den seltener aufgeführten Sinfonien Dvořáks, erfreut sich dennoch einer nicht geringen Beliebtheit.

Belege[Bearbeiten]

  • Christoph Hahn, Siegmar Hohl (Hg.), Bertelsmann Konzertführer, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München 1993, ISBN 3-570-10519-9

Weblinks[Bearbeiten]