21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1)
Wappen der 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“
Truppenkennzeichen
Aktiv Mai 1944 bis Jahreswechsel 1944/45
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Waffen-SS
Truppengattung Gebirgsjäger
Typ Division
Grobgliederung Siehe Gliederung
Schlachten Partisanenkrieg in Jugoslawien
Kommandeur
Liste der Kommandeure

Die 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1) war eine Gebirgs-Division der Waffen-SS während des Zweiten Weltkrieges. Sie bestand vorwiegend aus Albanern unter deutschem Kommando.

Die Division wurde vornehmlich auf dem Balkan gegen die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee eingesetzt. Als selbstständige Einheit existierte die Division bis zum Dezember 1944. Angehörige dieses Truppenverbands verübten im Kosovo und den angrenzenden Regionen Kriegsverbrechen an der serbischen Zivilbevölkerung. Die Einheit war zudem für die Deportation einiger hundert Juden aus dem Kosovo ins KZ Bergen-Belsen verantwortlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufstellung und Organisation[Bearbeiten]

Der Vorsitzende der im September 1943 von Deutschland initiierten Zweiten Liga von Prizren unterbreitete den Deutschen im März 1944 den Vorschlag, 120–150.000 Freiwillige für den Kampf gegen jugoslawische Partisanen aufzustellen.[1] Auf Verfügung vom 17. April wurde deshalb am 1. Mai 1944 im Raum Peć/Priština/Prizren die Waffen-Gebirgs-Division der SS „Skanderbeg“ (albanische Nr. 1) errichtet. Die albanische Kollaborationsregierung hatte eine Liste von über 11.000 möglichen Rekruten nach Berlin gesandt, von denen die SS letztlich 9.275 Mann für geeignet hielt. Es wurden jedoch nur 6.500 Mann tatsächlich für die Division rekrutiert. Dazu kamen noch 300 Albaner, die vorher in der kroatischen SS-Division „Handschar“ gedient hatten. Deutsche Offiziere und Veteranen ergänzten den Personalbestand und dienten als Kader. Insgesamt hatte die Division bei ihrer Aufstellung einen Mannschaftsstand von etwas über 8.500 Soldaten und war in zwei Infanterieregimenter, ein Artillerieregiment sowie eine Aufklärungsabteilung, eine Nachrichten-Abteilung, eine Panzerjäger-Abteilung und ein Pionierbataillon gegliedert. Kommandeur der Division war der SS-Standartenführer August Schmidhuber.

Die Namensgebung wurde analog zu anderen aus Ausländern rekrutierten Verbänden vorgenommen. Divisionen die aus Angehörigen der so genannten „nordischen Rasse“ bestanden, wurden als SS-Divisionen bezeichnet, Formationen aus Angehörigen als rassisch oder sonst minderwertig angesehenen Gruppen als Waffen-Divisionen der SS.

Die albanischen Rekruten stammten zum größten Teil aus dem Kosovo. Dafür gibt es zwei Gründe: In Albanien hatte die Kollaborationsregierung kaum noch Rückhalt, und weite Teile des Landes wurden bereits von den kommunistischen Partisanen beherrscht. Außerdem war die Feindschaft zu Serben außerhalb des Kosovo, das während des Krieges mit anderen von Albanern besiedelten Gebieten zu einem Großalbanien vereint war, weniger stark ausgeprägt. Kosovarische Albaner ließen sich für die SS-Division Skanderbeg rekrutieren, weil sie gegen die Serben beziehungsweise die jugoslawisch dominierten Partisanen im Kosovo eingesetzt werden sollten. Die SS machte sich also die Feindschaft unter den Balkan-Völkern zu nutze, als sie die neue Einheit aufstellte. Aus diesem Grund erhielt die Division auch den Namen des albanischen Nationalhelden Skanderbeg.

Um die albanischen Soldaten zu motivieren, wurde auch die Rassenideologie der Nazis verwendet. Es wurde gesagt, die Albaner seien Arier, die gemeinsam mit der artverwandten deutschen „Herrenrasse“ gegen die „slawischen Untermenschen“ ins Feld zögen.

Einsatz, Kriegsverbrechen und Auflösung[Bearbeiten]

Die SS-Division Skanderbeg sollte zur Partisanenbekämpfung in Jugoslawien eingesetzt werden. Während des Sommers operierte sie im Kosovo und im Norden Mazedoniens weniger als militärischer Verband, denn als Terrororganisation gegen die Zivilbevölkerung. Eine unbekannte, aber zweifellos große Zahl von Serben wurde innerhalb weniger Wochen ermordet bzw. aus dem Kosovo vertrieben. Schmidhuber meldete schon im April 1944, dass 40.000 Serben aus dem Kosovo vertrieben worden waren. Der SS-Führer ging davon aus, dass noch mehr als 100.000 Serben vertrieben werden sollen.

Im Mai 1944 ordnete er die Errichtung des Konzentrationslagers Priština als „Erziehungslager“ für politisch, insbesondere kommunistisch Verdächtige und Schuldige an. Als Wachmannschaften wurden gediente Freiwillige der SS-Division Skanderbeg eingeteilt.

Am 28. Juli 1944 ermordeten Angehörige der Division im Dorf Veliko 380 Einwohner, darunter 120 Kinder, und setzten 300 Häuser in Brand. Die Juden im Kosovo wurden, soweit sie nicht hatten fliehen können, gefangen genommen und ins KZ Bergen-Belsen deportiert. In Skopje unterstand der Einheit ein Lager, in das die mazedonischen Juden verbracht wurden, bevor man sie in deutsche KZs abtransportierte. Die Gewalt der SS-Einheit richtete sich auch gegen die Volksgruppe der Roma.

Militärische Erfolge gegen die Tito-Partisanen konnte die Division nicht erringen. Die Partisanen kontrollierten zu diesem Zeitpunkt schon weite Teile des Kosovo, praktisch den ganzen Süden Serbiens um Vranje und die angrenzenden mazedonischen Gebiete. Im Operationsgebiet der Division riefen die Tito-Partisanen am 2. August 1944 die Republik Mazedonien aus.

Die Kampfkraft der albanischen Division war gering und viele ihrer Angehörigen verabschiedeten sich nun aus dem bereits verlorenen Krieg. Aufgrund der hohen Desertionsrate wurde im September 1944 beschlossen, die Division aufzulösen. Wie im Fall der bosnischen SS-Division „Handschar“ bildete das deutsche Personal eine Kampfgruppe, die dann im Verband der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ weiterkämpfte.

Im Oktober 1944 wurde die Division nach Skopje verlegt. Im August war Bulgarien aus dem Krieg ausgeschieden und das vormals bulgarische Besatzungsgebiet musste nun von deutschen Truppen kontrolliert werden, damit der Rückzugsweg für die in Griechenland stehenden Verbände offen blieb. Die Truppe musste nun gegen die mittlerweile mit der Sowjetunion verbündeten Bulgaren kämpfen.

Zum Jahreswechsel 1944/45 existierte die Division nicht mehr als eigenständiger Verband. Die Reste der Truppe gingen im Januar 1945 nach Kosovska Mitrovica zurück. Wenige Soldaten erreichten über Brčko im Norden Bosniens bis zum Mai 1945 Österreich, wo sie das Kriegsende erlebten.

Nachwirken[Bearbeiten]

Die SS-Division Skanderbeg und die von ihr verübten Kriegsverbrechen wurden in den 1990er Jahren zum Thema der Geschichtspolitik und dienen seither als Munition im Kosovo-Konflikt.

Von albanischer Seite hat es bisher kaum historische Untersuchungen zu diesem Thema gegeben. Die Kollaboration von Teilen der albanischen Eliten und der Bevölkerung mit den italienischen Faschisten und den deutschen Nationalsozialisten wird kaum thematisiert. Bis heute weit verbreitet ist die Interpretation aus dem kommunistischen Albanien, wonach das Volk fast einmütig gegen die Okkupanten kämpfte und nur einige Elemente der Bourgeoisie mit dem Feind gemeinsame Sache gemacht haben. Zum Teil werden die Kollaborateure zu aufrechten albanischen Patrioten umgedeutet, denen gar nichts anderes übrig blieb, als mit den Deutschen gegen die Jugoslawen für ein Großalbanien zu kämpfen. Eine differenzierte eigene historische Forschung zu Widerstand und Kollaboration steht noch aus.

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Auf der serbischen Seite rückte die albanische Kollaboration und nicht zuletzt die SS-Division Skanderbeg ins Zentrum des Interesses. Die Verbrechen der Kollaborateure wurden intensiv untersucht und dokumentiert und in einem zweiten Schritt für den Kosovo-Konflikt instrumentalisiert. Zum einen verschweigt man die Rolle der albanischen Partisanen beim Widerstand gegen die Nazis weitgehend, zum anderen konstruiert man eine Kontinuität von der SS-Division bis zur UÇK. Der im Zweiten Weltkrieg an den Serben begonnene Genozid sei in den 1990er Jahren von den Albanern mit den gleichen Mitteln und der gleichen ideologischen Ausrichtung fortgesetzt worden.

Gliederung[Bearbeiten]

  • Waffen-Gebirgsjäger-Regiment der SS 50 (albanisches Nr. 1) (I. – III.)
  • Waffen-Gebirgsjäger-Regiment der SS 51 (albanisches Nr. 2) (I. – III.)
  • Waffen-Gebirgs-Artillerie-Regiment der SS 21 (albanisches Nr. 1) (I. – IV.)
    • SS-Gebirgs-Aufklärungs-Abteilung 21
    • SS-Sturmgeschütz-Abteilung „Skanderbeg“
    • SS-Gebirgs-Panzerjäger-Abteilung 21
    • SS-Gebirgs-Pionier-Bataillon 21
    • SS-Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 21
    • SS-Sanitäts-Abteilung 21
    • SS-Wirtschafts-Bataillon 21
    • SS-Divisionstruppen 21
    • SS-Gebirgs-Feldersatz-Bataillon 21

Kommandeure[Bearbeiten]

  • April bis 1. Mai 1944 SS-Brigadeführer Josef Fitzthum
  • 1. Mai 1944 bis Januar 1945 SS-Brigadeführer August Schmidhuber
  • SS-Obersturmbannführer Alfred Graf (i. V.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung – Geschichte – Sprache und Literatur – Kultur – Politik – Gesellschaft – Wirtschaft – Recht; LIT-Verlag 2006, Seite 286..

Literatur[Bearbeiten]

  • Chris Bishop: SS – Hitler’s Foreign Divisions. Foreign Volunteers in the Waffen SS, 1940–45. Spellmount, Staplehurst 2005, ISBN 1-86227-289-1.
  • Albert Ramaj: Bedrängte Juden im Kosovo im Zweiten Weltkrieg. In G2W, (Zürich), 2/2007, S. 20–21.
  • Nicholas J. Costa, Shattered Illusions. Albania, Greece and Yugoslavia. Columbia University Press, New York 1998, ISBN 0-88033-418-5.
  • Bernd Jürgen Fischer: Albania at War, 1939–1945. Purdue University Press, West Lafayette 1999, ISBN 1-55753-141-2.
  • Laurent Latruwe, Gordana Kostic, La division Skanderbeg. Histoire des Waffen-SS albanais des origines idéologiques aux débuts de la guerre froide. Godefroy de Bouillon, Paris 2004. ISBN 2-84191-172-1.
  • Georg H. Stein, The Waffen-SS. Hitler's Elite Guard at War. Cornell University Press, Ithaca 1966. ISBN 0-8014-9275-0.
  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 4. Die Landstreitkräfte 15–30. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Osnabrück 1976, ISBN 3-7648-1083-1.

Weblinks[Bearbeiten]