21er Haus

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21er Haus
21er haus1.jpg
Das 21er Haus, September 2011
Daten
Ort Wien 3., Schweizer Garten, Arsenalstraße
Art Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts
Architekt Karl Schwanzer; Restaurierung, Adaptierung und Erweiterung 2009–2011: Adolf Krischanitz
Eröffnung 1958 als Österreich-Pavillon bei der Weltausstellung Brüssel,

1962 Museum des 20. Jahrhunderts (20er Haus); 1979–2001 Dependance des Museums moderner Kunst; ab 15. November 2011: Dependance der Österreichischen Galerie Belvedere

Leitung Agnes Husslein-Arco
Website www.belvedere.at/house21

Das 21er Haus ist ein Gebäude, das 1958 als österreichischer Pavillon zur Expo 58 in Brüssel errichtet und 1962–2001 in Wien als Museum des 20. Jahrhunderts (Spitzname 20er Haus) bzw. als Dependance des aus ihm hervorgegangenen Museums moderner Kunst genutzt wurde. Es wurde dazu von Brüssel in den Schweizer Garten im 3. Wiener Gemeindebezirk, Landstraße, transferiert.

Am 15. November 2011 wurde das Gebäude nach Um- und Ausbau als Dependance der Österreichischen Galerie Belvedere wiedereröffnet und trägt nun in Hinblick auf die Kunstbetrachtung aus heutiger Sicht den Namen 21er Haus.[1][2] Es zeigt nun österreichische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im internationalen Kontext[3][4] und wird von seiner Leitung als Museum für zeitgenössische Kunst[5] definiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Beim 20er Haus (auf Wienerisch meist Zwanz'ger-Haus genannt), seit 2011 21er Haus, handelt es sich um den von Karl Schwanzer entworfenen Österreich-Pavillon bei der Weltausstellung 1958 in Brüssel. Er wurde mit dem Grand Prix ausgezeichnet.[6] Die an vier Pylonen hängende Stahlkonstruktion wurde nach der Weltausstellung zerlegt, von Belgien nach Österreich transportiert und an der Arsenalstraße 1 im Schweizer Garten wieder aufgestellt. Offene Bereiche und das Erdgeschoß wurden verschlossen bzw. überdacht.

Mit einer Eröffnungsausstellung[7] wurde das Gebäude als Museum des 20. Jahrhunderts (M20) am 20. September 1962 eröffnet.[8] Über das neue Museum und die erste Ausstellung, Kunst von 1900 bis heute, hieß es, das Museum stelle einen solchen Einbruch in die Wiener Museumstradition dar, „dass man sich unwillkürlich beim ersten Betreten des Museums wie auf exterritorialem Boden vorkommt“. Werner Hofmann, bis 1969 Gründungsdirektor des M20, schrieb anlässlich der Eröffnung: „Das neue Haus besitzt die Signatur unseres Zeitalters, seine räumliche Anlage trägt dem Umstand Rechnung, dass die Kunst dieses Jahrhunderts ein kraftvolles, oft aggressives Selbstbewusstsein zur Schau trägt, das nach Weite und Offenheit verlangt.“ Das Museum war das erste von der seit 1918 bestehenden Republik Österreich neu erbaute.

1969–1979 fungierte Alfred Schmeller als Direktor, gefolgt von Dieter Ronte, bis 1989 erster Direktor des Museums Moderner Kunst (Haupthaus ab 1979: Gartenpalais Liechtenstein). Es nützte nun das 20er Haus als Ausstellungshalle, bis das mumok 2001 in sein neues Haus im neuen Museumsquartier (ehemalige Hofstallungen) umzog.

Gegenwart[Bearbeiten]

Das leer stehende Gebäude, 2007
Das auf vier Pylonen ruhende Stahlskelett, Jänner 2009

2002 wurde das damalige 20er Haus vom Unterrichtsministerium an die Österreichische Galerie Belvedere übergeben, doch fehlte längere Zeit das Geld für die nötige Neugestaltung. Das denkmalgeschützte Bauwerk stand jahrelang leer. 2008 wurde unter der Verantwortung der 2007 bestellten Belvedere-Direktorin Agnes Husslein mit Umbauarbeiten begonnen; Architekt der Rekonstruktion war Adolf Krischanitz. Die Tragfähigkeit der Stahlkonstruktion wurde an die geltende Bauordnung angepasst, der 75 Meter lange Vorbau der 1960er Jahre wurde wieder aufgestellt; auf dem ehemaligen Parkplatz wurde ein Büroturm errichtet.[9]

Ein rund 250 m² großer Ausstellungsraum im Untergeschoß des Hauses ist dem Bildhauer Fritz Wotruba und seinem künstlerischen Umfeld gewidmet (Wotruba-Stiftung). Die Artothek des Bundes wurde im zweiten Untergeschoß untergebracht und im November 2012 eröffnet.[10] Adolf Krischanitz und Hermann Czech gestalteten die Möblierung des neuen Restaurants, Bernhard Cella führt im Sinne einer künstlerischen Intervention den Museumsladen. Das von seiner Bestuhlung und Wandabwicklung her im Wesentlichen auf die Expo 58 zurückgehende Kino, nunmehr nach dem Sponsor Blickle-Kino genannt, wird seit 2012 wieder bespielt.

Am 20. September 2011 erfolgte im Beisein von Bundesministerin Claudia Schmied die Feier zur Fertigstellung des Gebäudes, im Anschluss erfolgte die Verleihung des BC21 Art Award an junge, innovative Künstlerinnen.[11] Am 15. November 2011 wurde der Museumsbetrieb aufgenommen. Belvedere-Direktorin Agnes Husslein Arco sagte dazu: Der Mythos des 20er Hauses basierte auf einer unkonventionellen und interdisziplinären Programmatik, und diese wollen wir fortführen.[12]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Belvedere-Expansion: Agnes Husslein: „Wir bekommen eine herrliche Plattform“, Interview von Andrea Schurian, Website der Tageszeitung Der Standard, Wien, 9. September 2011
  2. ORF Wien - Start für Umbau des 20er-Hauses
  3. 20er Haus wird zum 21er Haus, oesterreich.orf.at, 12. August 2011
  4. Wiedergeburt eines Kunstkraftwerks: 20er Haus plus eins, ORF-Website, 21. September 2011
  5. Wegweiser zum 21er Haus, gesehen 29. Dezember 2011
  6. DerStandard Das Jahrhunderthaus, abgerufen 30. Mai 2014
  7. Zwei Funkstreifenwagen für das Museum des 20. Jahrhunderts: Vierfache Bewachung für das neue Wiener Museum. Das Haus im Schweizergarten soll Heimstatt der Moderne auf jeglichem Gebiet der Kunst werden. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 22. September 1962, S. 7.
  8. Dr. Schärf war der erste Gast bei den Modernen: Museum des 20. Jahrhunderts in Wien eröffnet. Aus Weltausstellungspavillon wurde Heimstätte der modernen Kunst – Der Umbau kostete 33,5 Millionen. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 21. September 1962, S. 7.
  9. Jan Tabor: Als Österreich im 20. Jahrhundert angekommen war, in: Wochenzeitung Falter, Wien, Nr. 35 / 2009, S. 21
  10. Website der Artothek, Stand vom 17. Dezember 2012
  11. Der Kunstpreis auf der Website des Belvederes, abgerufen 15. Oktober 2011
  12. Meldung vom 15. November 2011 auf der ORF-Website

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: 20er Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.18583333333316.383333333333Koordinaten: 48° 11′ 9″ N, 16° 23′ 0″ O