3. Raketenbrigade
Die 3. Raketenbrigade (abgekürzt 3. RBr) war ein dem Militärbezirk III unterstellter Truppenteil der Raketentruppen und Artillerie der Nationalen Volksarmee der DDR. Die in Tautenhain stationierte Brigade war mit operativ-taktischen Raketen ausgerüstet.
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[Bearbeiten] Geschichte
Die sowjetischen Einsatzgrundsätze unterschieden bei Boden-Boden-Raketen strategische, operativ-taktische und taktische Raketen. Raketensysteme strategischer Bedeutung wurden in den Strategische Raketentruppen zusammengefasst. Truppenteile, die mit operativ-taktische Raketenkomplexen mit Reichweiten von mehreren hundert Kilometern ausgerüstet waren, wurden den Korps und Armeen (im Frieden Militärbezirke) zugeordnet. Taktische Raketenkomplexe wurden den motorisierten Schützen- und Panzerdivisionen zugeordnet. Mit operativ-taktischen Raketen sollen Kernwaffeneinsatzmittel, Kommandozentralen, Verkehrsknotenpunkte, Flugplätze, Häfen Stützpunkte und Konzentrierungsräume von Truppen des Gegners bekämpft werden. Nachdem das System 8K11 im Jahr 1955 in die Bewaffnung der Sowjetarmee aufgenommen wurde, begann Anfang der 1960er Jahre die Aufstellung von Raketentruppen in den mit der UdSSR verbündeten Staaten. In der DDR wurde 1962 zunächst die 5. Raketenbrigade in Stallberg aufgestellt. Zu dieser Brigade gehörte ab 1968 die III. Raketenabteilung. Diese mit dem operativ-taktischen Raketenkomplex 8K14, der vom Air Standardization Coordinating Committee (ASCC) der NATO die Bezeichnung Scud-1b erhielt, ausgerüstete Einheit wurde im April 1975 nach Tautenhain verlegt und bildete die Basis für die Aufstellung der 3. Raketenbrigade. Die Brigade selbst wurde am 25. Mai 1975 aufgestellt. Zur Brigade gehörten zunächst zwei Raketenabteilungen, die mit dem Waffensystem 8K14 ausgerüstet waren. In jeder Abteilung waren drei Startbatterien vorhanden. Genutzt wurden zunächst noch die Startrampen 2P19. Die Brigade war dem Chef Raketentruppen und Artillerie im Kommando des Militärbezirkes III unterstellt. Im September 1976 nahm die Brigade an der Übung Merkur 76 teil. Während der Übung wurden drei operativ-taktische Raketen gestartet.
Am 1. März 1978 erhielt die 3. Raketenbrigade ihre Truppenfahne, am 29. Februar 1980 wurde ihr der Ehrenname Otto Schwab verliehen.
Im Jahr 1979 begann die Umrüstung der Brigade auf Startfahrzeuge 9P117M bzw. 9P117M1. Im Herbst 1980 wurde die Struktur der Brigade geändert, die Anzahl der Startbatterien wurde von drei auf zwei je Abteilung reduziert. Am 1. September 1988 wurde von der 4. Startbatterie der II. Raketenabteilung auf dem sowjetischen Staatspolygon in Kapustin Jar[1] letztmals eine operativ-taktische Rakete gestartet.
Mit dem Befehl 42/90[2] des Ministers für Nationale Verteidigung wurden die beiden Raketenbrigaden mit Wirkung vom 01. April 1990 aus der operativen Gefechtsbereitschaft herausgelöst. Die Waffensysteme 8K14 der 3. Raketenbrigade wurden an die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland übergeben. Die Brigade sollte zu einer Raketenbrigade taktischer Bestimmung umgebildet und mit den taktischen Raketenkomplexen 9K52 Luna-M und 9K79 Totschka ausgerüstet werden. Dazu wurden der Brigade die Raketenabteilungen der 4. und 11. motorisierten Schützendivision sowie der 7. Panzerdivision unterstellt. Diese Planungen wurden jedoch nicht mehr vollständig umgesetzt. Im Ergebnis der politischen Wende des Jahres 1989 wurde die Brigade wie die gesamte NVA am 2. Oktober 1990 aufgelöst.
[Bearbeiten] Struktur und Ausrüstung
Die Brigade bestand 1989 aus:[3]
- der Führungsbatterie
- der meteorologischen Batterie
- der I. Raketenabteilung, ausgerüstet mit operativ-taktischen Raketen 8K14
- der II. Raketenabteilung, ausgerüstet mit operativ-taktischen Raketen 8K14
- der Pionierkompanie
- der Instandsetzungskompanie
- der Kompanie materielle Sicherstellung
- dem Wachbataillon
In der I. und II. Raketenabteilung waren neben der Führungsbatterie je drei Startbatterien mit je zwei Feuerzügen vorhanden. In jedem Feuerzug war ein Startfahrzeug 9P117M bzw. 9P117M1 vorhanden. Insgesamt gehörten zur Brigade zwölf Startfahrzeuge des Waffensystems 8K14.
Für die Versorgung der Brigade mit Raketentriebwerken und Treibstoff war die Bewegliche Raketentechnische Basis 3 (BRTB-3) in Jena verantwortlich. Diese unterstand dem Chef Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kommando des Militärbezirkes III. Die NVA verfügte für das Waffensystem 8K14 weder über konventionelle, noch über nukleare Gefechtsköpfe. Diese wären im Kriegsfall durch sowjetische Truppen zugeführt worden.
[Bearbeiten] Übungen und Einsatz
Die 3. Raketenbrigade bildete die Hauptfeuerkraft der in der sogenannten luxemburgischen Operationsrichtung handelnden 3. Armee der verbündeten Truppen. Dabei sollte die Brigade zur Bekämpfung von Stellungstruppen der NATO, ihrer Führungs- und Luftverteidigungsmittel sowie von Reserven eingesetzt werden. Damit verbunden war der massierte Einsatz von Kernwaffen. Die Brigade sollte mit den Raketenabteilungen der Divisionen und den Raketeneinheiten und -truppenteilen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland am sogenannten 1. Kernwaffenschlag der Front teilnehmen. Durch Vernichtung von Kernwaffeneinsatzmitteln, Gruppierungen gegnerischer Verbände, Führungsstellen, Flugplätzen und Einrichtungen der Luftverteidigung sowie logistischer Einrichtungen sollten nach den Vorstellungen der sowjetischen Militärführung günstige Voraussetzungen für das Stoppen des Angriffes der NATO-Truppen und ihrer Zerschlagung auf ihrem eigenen Territorium geschaffen werden. Die Offiziere der NVA hatten dabei keinen Einfluss auf die Zielplanung.[4] Die Übernahme und Montage nuklearer Gefechtsköpfe und der Einsatz von mit diesen Gefechtsköpfen bestückten Raketen wurden daher im Frieden von den Einheiten der Brigade regelmäßig geübt. Erst mit den 1985/87 stattfindenden Diskussionen zur Durchführung von Verteidigungsaufgaben änderten sich die Einsatzgrundsätze. Die im Ergebnis dieser Diskussionen 1988 publizierte neue Verteidigungsdoktrin betonte den defensiven Charakter der Kampfhandlungen. In der 1988 durchgeführten Übung Freundschaft-88 wurden im Militärbezirk III erstmals Details einer hartnäckigen Verteidigung auf taktischer Ebene geübt.[5] Im Zuge dieser Neuorientierung wurde vermehrt der Einsatz von Raketen mit konventionellen Gefechtsköpfen durch die Raketentruppen der NVA geplant und geübt.
Übungsstarts operativ-taktischer Raketen wurden auf dem Staatspolygon Kapustin Jar durchgeführt. Dabei übte ab 1963 die 5. Raketenbrigade im Wechsel mit der 3. Raketenbrigade. Insgesamt wurden 96 operativ-taktische Raketen aller Typen in Kapustin Jar durch Einheiten der NVA gestartet.
[Bearbeiten] Kommandeure
- 1. Mai 1975 - 30. März 1976 Oberstleutnant Armin Hoffmann
- ab Juli 1975 Oberstleutnant Karl-Heinz Hoffmann (mit der Führung beauftragt)
- 1. April 1976 - 31. August 1982 Oberst Friedrich Peters
- 1. September 1982 - 31. August 1985 Oberst Gerhard Boh
- 1. September 1985 - 2. Oktober 1990 Oberstleutnant Ewald Winzer
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ in diesem Artikel werden die zum damaligen Zeitpunkt üblichen Ortsbezeichnungen verwendet
- ↑ siehe Faksimile
- ↑ Raketentruppen NVA, Gliederung der Führung der 5. Raketenbrigade
- ↑ siehe Lautsch: Zur operativen Einsatzplanung der V. Armee in: Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Die Streitkräfte der DDR und Polens in der Operationsplanung des Warschauer Paktes
- ↑ siehe u. a. Naumann
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Literatur
- Wilfried Kopenhagen: Die Landstreitkräfte der NVA. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02297-4
- Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Die Streitkräfte der DDR und Polens in der Operationsplanung des Warschauer Paktes, Militärgeschichtliches Forschungsamt, 2010.
- Klaus Naumann (Hrsg.): NVA. Anspruch und Wirklichkeit. Nach ausgewählten Dokumenten. 2. Auflage. Mittler, Hamburg u. a. 1996, ISBN 3-8132-0430-8 (Offene Worte).