3. Sinfonie (Beethoven)

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Titelblatt der Eroica

Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie in Es-Dur, op. 55 mit dem Beinamen „Eroica“ entstand in den Jahren 1803 bis 1804.

Instrumentierung und Satzbezeichnungen[Bearbeiten]

Satzbezeichnungen
  1. Satz: Allegro con brio
  2. Satz: Marcia funebre (Adagio assai)
  3. Satz: Scherzo (Allegro vivace)
  4. Satz: Finale: Allegro molto – Poco Andante – Presto
Instrumentierung
2 Flöten
2 Oboen
2 Klarinetten
2 Fagotte
3 Hörner
2 Trompeten
Pauken und
Streicher

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Beethoven war als junger Mann begeisterter Anhänger der Französischen Revolution (1789–1799) und später zeitweise ein Bewunderer Napoleons, der u. a. die Freiheitsideen der Revolution durch Gesetzgebung und Kriege in ganz Europa verbreitete. Napoleon wurde spätestens seit seinen spektakulären Siegen in Oberitalien Mitte der Neunziger Jahre häufig von republikanisch orientierten Intellektuellen in ganz Europa mit dem griechischen Titanen Prometheus verglichen, der den Göttern Feuer stahl, um die unvollkommenen Menschen zu vollenden und zu befreien. Er galt damit auch als ein Held der Aufklärung. (Allerdings änderte sich später Beethovens Haltung Napoléon gegenüber, nachdem dieser sich selbst zum Kaiser erhoben hatte. Diese Tat weckte Beethovens Hass auf Napoléon, da er laut Beethoven die Idee der Revolution verraten habe.)

Diesen Gedankengang stellte Beethoven im Jahr 1802 allegorisch verschlüsselt in seiner Musik zu dem Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ musikalisch dar, das zeigt, wie die stumpfsinnigen Menschen durch künstlerische Erziehung des Titanen Prometheus bei den Göttern und Musen auf dem antiken Götterberg Parnass erst ihre volle Menschlichkeit erlangen.

Für das optimistische Finale verwendete Beethoven einen einfachen selbst komponierten „Kontratanz“ aus der vergangenen Karnevalssaison, vielleicht um zu betonen, dass seiner Meinung nach die Zukunft nicht den Göttern und Königen gehörte, sondern dem aufstrebenden Bürgertum.

In der für ihn persönlich nicht einfachen Zeit (Ertaubung) nach 1800 suchte Beethoven musikalisch und beruflich nach neuen Wegen, da er selbst keine Perspektiven für seine Zukunft sah, durch Ähnlichkeiten in seinen Werken. So plante er eine Zeit lang, von Wien nach Paris überzusiedeln und als Präsentationsstück seine 3. Sinfonie Napoleon zu widmen: Er nannte sie Sinfonia grande, intitolata Bonaparte. Entsprechend ließ er sich in der großen Anlage und in vielen Details der Sinfonie vom Handlungsverlauf des Prometheus-Balletts leiten, was man am deutlichsten daran erkennt, dass im Finale mehrere Variationen über den Prometheus-Kontretanz erklingen, außerdem finden sich Elemente der Handlung in der Sinfonie wieder.

Aus Enttäuschung über Napoleon, der sich 1804 selbst zum Kaiser krönte, nahm er, laut Überlieferung seines Jugendfreundes Ferdinand Rieß, die Widmung an Napoleon mit den Worten „Ist der auch nicht anders, wie ein gewöhnlicher Mensch! Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize frönen; er wird sich nun höher, wie alle Anderen stellen, ein Tyrann werden!“ zurück. 1806 betitelte er seine 3. Sinfonie nun als „Sinfonie, komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern“. Sie trug die Überschrift „Heroische Sinfonie“, auch Eroica genannt.[1]

In seiner "Eroica" hatte Beethoven sowohl Anleihen aus der französischen Revolutionsmusik (vor allem im zweiten Satz) als auch Anklänge an die Bach'sche Polyphonie verwendet, was sich als musikalische Vision einer deutschen republikanischen Gesellschaft deuten ließe. Die Tatsache, dass Beethoven trotz seiner Enttäuschung über die Krönung Napoleons zum Kaiser seine Symphonie musikalisch unverändert ließ, lässt sich am plausibelsten damit interpretieren, dass er nach wie vor an den von Napoleon verratenen Idealen der Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ festhielt und sie für Deutschland nun nicht mehr durch, sondern u.a. auch im Kampf gegen Napoleon verwirklicht sehen wollte.

Im Sommer 1804 gab es eine Privataufführung auf Schloss Eisenberg, einem Landsitz des Fürsten Lobkowicz, der für einige Monate das alleinige Aufführungsrecht innehatte, weitere folgten im August 1804 und am 3. Januar 1805 im Palais des Fürsten sowie im Haus des Bankiers Würth am Hohen Markt. Die öffentliche Uraufführung fand am 7. April 1805 im Theater an der Wien statt.[1]

Musik[Bearbeiten]

Allegro con brio[Bearbeiten]

Hauptthema des 1. Satzes

Der erste Satz der Eroica beginnt mit einer Dreiklangsmelodie, die durch eine zweitaktige Einleitung vorbereitet wird. Diese zwei Schläge erfolgen jeweils auf der Eins eines Taktes. Dieses "Motto" taucht im ersten Satz immer wieder an wichtigen Stellen auf. Insofern ist es überhaupt keine übliche Einleitung, wie man sie in der 1. und 2. Sinfonie findet, oder in praktisch allen Haydn-Sinfonien, vielmehr ist man damit von der ersten Note an mittendrin (ein Anzeichen für den neuen Weg, den Beethoven vor der Komposition erwähnte). Sehr bemerkenswert ist auch, dass der Satz in ungeradem (3/4) Takt geschrieben ist – normalerweise stand der erste Satz einer Symphonie in geradem Zeitmaß. Der 3/4-Takt macht den Kopfsatz – trotz aller Dynamik, Gewalt und Betonung des Rhythmischen – auch tänzerisch. Ein Vorbild ist hier möglicherweise Mozarts ebenfalls in Es-Dur stehende Sinfonie KV 543, deren erster Satz im 3/4-Takt steht. Große Ähnlichkeiten finden sich mit der Anacréon Ouvertüre von L. Cherubini aus 1802. Das Tänzerische steht auch im Gegensatz zu den Erwartungen vieler Zeitgenossen hinsichtlich einer "Schlachtensinfonie", die die Eroica eben nicht ist. Das erste Thema ist nie wie zu erwarten ein Hauptthema, sondern eine motivische Idee, da es sich aus Dreiklangsbrechungen zusammensetzt. Die ersten Takte dieser Idee sind identisch mit dem Thema der Intrada von Mozarts Singspiel Bastien und Bastienne KV 50. Da aber Beethoven Mozarts Singspiel kaum gekannt haben dürfte, ist diese Übereinstimmung vermutlich Zufall. Außerdem sollte auffallen, dass diese motivische Idee im Schlusssatz der 6. Sinfonie " Pastorale" in leicht abgewandelter Form wieder auftritt.

Mittels durchbrochener Arbeit erscheint dieses Thema (zu Synkopen-Begleitung) danach noch in anderen Instrumenten (Violinen, Flöten, Klarinetten) und am Ende des Hauptsatzes kehrt es in interessanter Instrumentation wieder (Durchführung): Holz mit Blech und tiefen Streichern, die restlichen Instrumente begleiten. Das zweite Thema erscheint in Takt 45 und ist nur sehr kurz (einen Takt lang, jedoch versetzt). Es ist ein Überleitungsthema in der Doppeldominante (ähnlich dem in der 9. Sinfonie). In Takt 63 beginnt der Seitensatz in B-Dur (V. Stufe = Dominante), der zwei neue Themen bringt. Das erste ist von Kaskaden geprägt, das zweite ein sehr drängendes, zuerst von den Holzbläsern vorgetragenes Thema (ebenfalls in B-Dur). Die Schlussgruppe beginnt in Takt 109, sie bringt eine Kombination der beiden ersten Themen (Hauptsatz). Die Durchführung (Takt 152) arbeitet zu Beginn ebenfalls mit diesen zwei Themen, es tauchen jedoch schon bald die mottoartigen „Tutti-Schläge“ wieder auf, nun allerdings nicht mehr vom ganzen Orchester vorgetragen. Auch das kaskadenartige Thema taucht nun bald auf. Ab Takt 248 beginnt das ganze Orchester mit Synkopen und den berühmten 45 sforzati, man erreicht einen weiteren Höhepunkt, der auch an die 5. Sinfonie erinnert. In Takt 284 erscheint ein neues Thema, das nicht in der Reprise, sondern erst in der Coda wieder auftaucht. Über einem Sekundakkord von B7 beginnen die Hörner mit dem Hauptthema in Es-Dur (der berühmte „falsche“ Horneinsatz), die Reprise beginnt 2 Takte später, nun wirklich in Es-Dur. Die Coda beginnt in Takt 561 und arbeitet hauptsächlich mit dem Thema aus der Durchführung. Mit den „Tutti-Schlägen“ des Orchesters endet der längste Kopfsatz beethovenscher Sinfonik (Takt 691, ca. 15 Minuten 40 Sekunden im vom Beethoven geforderten raschen, aber umstrittenen Originaltempo).

Marcia funebre (Adagio assai)[Bearbeiten]

Der zweite Satz aus Beethovens Eroica ist ein Trauermarsch (it.: Marcia funebre) in c-Moll und besteht aus drei Teilen im relativ langsamen Tempo Adagio. Er verweist auf den Usus bei Totenehrungen in Frankreich ab 1789.[2]

Gleich am Anfang beginnen die Violinen mit einem klagenden ersten Motiv, das sie über rollenden Bässen spielen; in Takt 9 wird das Thema in mit einem trostvollen Klang in der Oboe wiederholt. Das zweite Thema beginnt in Takt 17 und endet in Takt 27. Ab Takt 16 spielt ein c-Moll-Thema die Hauptrolle, das immer weiter fortgeführt wird. Später, in Takt 69, beginnt der zweite Teil, der wiederum in C-Dur [3]steht und von einem Tripelfugato geprägt ist. Ab Takt 80 wird das zweite Thema weiterentwickelt und verändert, bis in Takt 89 die Coda folgt, die das erste Motiv fragmentarisch verwendet und es mit den rollenden Bässen am Beginn des Satzes ausklingen lässt. Während des Satzes hört das Publikum einige Beispiele der menschlichen Emotion. (Schicksalsschläge (moll) Freude (C-Dur))

Scherzo (Allegro vivace)[Bearbeiten]

Das Scherzo als 3. Satz der Sinfonie war eine große Neuerung in der Zeit, in der das Publikum mit einem Menuetto rechnete. Das Scherzo ist vom leichten und beschwingten Tempo Allegro vivace erfüllt. Alles fließt und geht beinahe nahtlos ins andere über. Bestandteil ist das anfängliche achtundzwanzigtaktige Staccato der Streicher, welches das Hauptthema des Satzes vorstellt. Es folgt ein Hörner-Trio bis zum Takt 75. Weiter geht es mit den hastenden Staccatobewegungen der Streichergruppe. Bis zum Takt 93 strömte alles im Pianissimo dahin, wodurch beim Hörer das unaufhörliche und laufende Gefühl einer Gespanntheit und das Warten auf eine Überraschung entstand. Nun aber setzt schlagartig das Fortissimo, und mit ihm das im ganzen Orchester gespielte Hauptthema in Es-Dur ein. Ab Takt 115 werden Elemente des gebrochenen Es-Dur-Dreiklangs in das Staccatogeschehen eingefügt, zwischen Holzbläsern und Streichern wird ein Motiv in Sekundschritten hin- und hergeworfen. Abgelöst wird das Gesamtbild durch ein Hörnerterzett in Takt 143, das wiederum ein Motiv aus einem Es-Dur-Dreiklang spielt. Dadurch wird eine separate Gegenwelt zum vorherigen Trio geschaffen; das Orchester darf nunmehr nur kurze Einwürfe beisteuern.

Finale (Allegro molto-Poco Andante-Presto)[Bearbeiten]

Der vierte Satz besteht vor allem aus Variationen, deren Hauptthema einem Motiv aus Beethovens Ballett Die Geschöpfe des Prometheus entspringt. Als Vorarbeit für den vierten Satz der Sinfonie können hier die Eroica-Variationen gesehen werden.

Das Grundtempo ist ein Allegro molto; der Satz beginnt mit einer toccatenhaften Pizzicato-Passage der Streicher, die elf Takte währt. Anschließend wird das Bassthema zweimal vorgestellt, zuerst im dreistimmigen, dann im vierstimmigen Satz. In Takt 59 kommt ein melodischer Kontrapunkt hinzu; das Thema wird ab Takt 75 zu einem Fugato und dieses wiederum schließlich ab Takt 84 vom ganzen Orchester gespielt. Takt 107 leitet eine Überleitung nach c-Moll ein, ab hier wird das Bassthema sowohl im Original als auch gespiegelt verwendet, in die Gesamtform fließen immer wieder neue Ideen mit ein, die Gestaltungsform scheint frei, hält sich aber immer noch auf dem Grund des Themas, die Kontrapunktik wird stark ausgereizt.

Das Tempo verlangsamt sich alsbald zum Poco Andante, bei dem sich das Thema auf alle Instrumente verteilt und choralartig ausbreitet. Es folgt ebenso ein überraschender Wechsel nach As-Dur, und das Thema wird nachfolgend zum sechsten Mal variiert. Mit Takt 431 beginnt schließlich die Coda mit Sechzehntelläufen im schnellen Presto, um stürmend, fanfarenfroh und phänomenal in der heroischen Tonart Es-Dur zu landen. Prachtvoll wird der Satz beendet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Geck/ Peter Schleuning: „Geschrieben auf Bonaparte“. Beethovens „Eroica“: Revolution, Reaktion, Rezeption. Reinbek 1989, ISBN 3-499-18568-7
  • Renate Ulm (Hrsg.): Die 9 Sinfonien Beethovens. Entstehung, Deutung, Wirkung. Vorwort von Lorin Maazel. 6. Auflage. Bärenreiter, Kassel u. a. 2009, ISBN 978-3-7618-1241-9, (Bärenreiter-Werkeinführungen)
  • Mosaik Opernführer Konzertführer, Mosaik-Verlag, Ausgabe 1979, ISBN 3-570-02582-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Beethovens 3.Sinfonie
  2. Harenberg Kulturführer Konzert, Verlag Brockhaus In Der Wissensmedia; S.65
  3. http://petrucci.mus.auth.gr/imglnks/usimg/6/6e/IMSLP00608-Beethoven_-_Symphony_No.3_Mov_2.pdf