300 (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel: 300
Originaltitel: 300
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2007
Länge: 116 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16 [1]
Stab
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder,
Kurt Johnstad,
Michael Gordon
Produktion: Mark Canton,
Bernie Goldman,
Jeffrey Silver,
Gianni Nunnari
Musik: Tyler Bates
Kamera: Larry Fong
Schnitt: William Hoy
Besetzung

300 ist eine US-amerikanische Verfilmung des gleichnamigen Comicromans von Frank Miller aus dem Jahr 1998. Der Film startete am 9. März 2007 in den US-amerikanischen, am 5. April 2007 in den deutschsprachigen Kinos (Deutschland, Österreich und Schweiz). Als Weltpremiere war 300 schon im Februar 2007 im Wettbewerb der Berlinale 2007 außer Konkurrenz zu sehen.

Der Film erzählt eine Episode aus den Perserkriegen, nämlich die Geschichte der Schlacht bei den Thermopylen. Ebenso wie seine Comic-Vorlage orientiert sich auch der Film an den Historien des antiken Historikers Herodot. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 445 Mio. US-Dollar ist er einer der erfolgreichsten Filme 2007.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Erzählt wird aus der Sicht von Dilios, einem Soldaten aus Sparta. Die Spartaner werden als ein Volk von gnadenlosen Kriegern gezeigt, die missgebildete und schwächliche Säuglinge gleich nach der Geburt töten und ihre Söhne mit äußerster Härte erziehen, dies wird Agoge genannt. Des Weiteren berichtet der Erzähler von der Legende eines 15-jährigen Jungen, der in einem Initiationsritual alleine in die Wildnis geschickt wird und dort gegen einen wilden Wolf besteht. 25 Jahre später ist dieser Junge König Leonidas I. von Sparta.

480 v. Chr. marschiert Großkönig Xerxes von Persien mit einer riesigen Armee nach Griechenland. Er schickt einen Boten nach Sparta, um Leonidas eine kampflose Annexion Spartas anzubieten. Dieser empfindet das Angebot als Beleidigung und wirft den Unterhändler samt seiner Begleitung in einen Brunnen. Bevor Leonidas in den Krieg zieht, um Sparta zu verteidigen, befragt er nach altem Gesetz das Orakel zu seinem Kriegsplan. Das Orakel ist jedoch von Xerxes bestochen worden und verweigert ihm den Segen unter dem Vorwand des Karneiafestes, welches neun Tage lang jegliche Kampfhandlung verbietet.

Im Rat wird Leonidas für seine Kriegspläne stark kritisiert – wegen des Orakelspruchs, vor allem aber wegen der Aussichtslosigkeit eines Kampfes gegen die zahlenmäßig weit überlegene persische Streitmacht. Trotzdem zieht Leonidas mit 300 Spartiaten, all denen, die bereits einen männlichen Stammhalter gezeugt haben, „auf Wanderschaft“. Sein Ziel ist es, die Perser an einem schmalen Pass, den Thermopylen, aufzuhalten.

Auf dem Weg dahin schließen sich die Arkadier den Spartiaten an. Damit die Perser gezwungen sind, den Pfad über die Thermopylen zu benutzen, errichten die Griechen eine Mauer aus Steinen und aus getöteten persischen Spähern. Ein körperbehinderter Exil-Spartaner namens Ephialtes warnt Leonidas vor einem verborgenen Pfad, über den die Perser die Griechen einkesseln könnten. Zugleich bittet er Leonidas, mit den Spartiaten gegen die Perser kämpfen zu dürfen. So will er den Namen seines Vaters reinwaschen, der mit ihm gleich nach seiner Geburt aus Sparta geflohen war, um die Tötung des Sohnes zu verhindern. Leonidas weist ihn zurück, da Ephialtes mit seiner Behinderung zwar einen Speer führen, sein schwacher Schildarm aber die Phalanx der Griechen schwächen könnte. Er bietet Ephialtes die Aufgabe an, statt dessen verwundete oder gefallene Krieger bzw. die Pferde zu betreuen, was dieser verletzt von sich weist.

Bevor die Angriffe beginnen, geben die Perser den Griechen Gelegenheit, die Waffen niederzulegen, doch Leonidas entgegnet nur: „Kommt und holt sie euch“. Die Griechen wehren die ersten Angriffe der Perser ab. Daraufhin bittet Xerxes Leonidas zu einer Audienz und versucht, ihn zur Aufgabe zu bewegen. Leonidas lehnt jedoch ab und schlägt mit seinen Männern auch die nächste Angriffswelle zurück.

In der Zwischenzeit versucht die Gattin von Leonidas, Königin Gorgo, den Senat zu überzeugen, ihren Mann mit der Armee zu unterstützen und für die Freiheit Spartas zu kämpfen. Senator Theron nutzt die durch sein Geschlecht gegebene Vormachtstellung aus und erpresst die Königin. Er wird ihr im Senat nicht widersprechen, dafür muss sie Theron zu Willen sein. Um ihren Mann zu retten, geht die Königin auf das Angebot ein. Theron bricht jedoch sein Wort und beschuldigt sie im Senat, sich ihm und anderen angeboten zu haben. Daraufhin ersticht ihn die Königin, und aus seiner Tasche fallen persische Münzen – so erkennt der Senat Theron als Verräter.

Währenddessen wird bekannt, dass Ephialtes den geheimen Pfad an die Perser verraten hat. Die Lage der Griechen ist damit aussichtslos, denn ohne die strategisch günstige Stellung am Thermopylen-Pass sind sie den zahlenmäßig weit überlegenen Persern nicht gewachsen. Die Arkadier ziehen sich deswegen zurück. Der verwundete Dilios wird von Leonidas nach Sparta geschickt, um von dem tapferen Kampf gegen die Perser zu berichten. Sein einziger Wille ist es, dass sich das Volk der Griechen an seine Tat erinnere. Dilios schließt sich den Arkadiern an und begibt sich auf die Reise nach Sparta.

Der König bleibt mit seinen verbliebenen Kämpfern zurück, um sich dem letzten Gefecht zu stellen. Ein letztes Mal schlägt er ein Kapitulationsangebot aus, da er lieber als freier Grieche sterben will, anstatt als Kriegsherr der Griechen unter Xerxes weiterzuleben. So kämpfen er und seine Männer bis zum Tod gegen die weit überlegenen Perser, erreichen aber dadurch das nach ihrer Vorstellung höchste Lebensziel: Im Krieg für Sparta als freier Mann zu fallen. Und bei diesem letzten Kampf widerlegt Leonidas die Behauptung des persischen Großkönigs, eine Gottheit und damit unverwundbar zu sein, indem er den persischen Großkönig mit einem geschleuderten Speer im Gesicht verletzt.

Ein Jahr später ist Dilios selbst Anführer der Armee der Griechen und stellt sich nun den Persern bei Plataiai mit 10.000 Spartiaten, die ein Heer von 30.000 Griechen anführen. Da die persische Streitmacht diesmal nur um ein „lächerliches“ Dreifaches größer ist, gäbe es – so Dilios – „gute Aussichten für jeden Griechen“.

[Bearbeiten] Hintergrund

  • Die historischen Ereignisse berichtet Herodot in dem 7. Buch seiner Historien.[2]
  • Die Dreharbeiten mit einem Budget von ca. 60 Millionen US-Dollar (ca. 44 Millionen Euro) wurden am 17. September 2005 in Montréal, Québec, Kanada gestartet und im Jahr 2006 mit der Post-Produktion beendet.[3]
  • Der Film wurde ähnlich wie auch schon Frank Millers Sin City im Digital-Backlot-Verfahren inszeniert. Das bedeutet, dass die Schauspieler auf Sets vor blauen bzw. grünen Wänden (Bluescreen-Technik) agiert haben und die Hintergründe nachträglich in der Post-Produktion des Films mit Computeranimationen eingefügt wurden. Lediglich eine Szene zu Beginn des Films, in der ein Bote auf die Kamera zureitet, wurde im Freien (aber dennoch vor einer grünen Leinwand) gedreht.
  • Am Startwochenende spielte 300 in den amerikanischen Kinos 70,9 Millionen US-Dollar ein, davon 3,4 Millionen in IMAX-Kinos. Hiermit übertraf er den Film Superman Returns, der bisher das beste Startergebnis in IMAX-Kinos erzielte. Zudem gelang dem Film der bisher beste März-Start.[4] Mittlerweile gehört der Film mit weltweit über 450 Mio. US-Dollar Einspielergebnis zu den 70 erfolgreichsten Filmproduktionen aller Zeiten [5].
  • Warner veröffentlichte den Film nicht nur auf DVD sondern auch auf Blu-Ray, HD-DVD und UMD. Dadurch beteiligte sich das Unternehmen nicht an dem Streit um den Nachfolger der DVD.
  • Insgesamt erschien der Film in sechs Versionen:
    • Einzel-DVD;
    • limitierte 2-DVD-Sonderedition im Digibook und Schuber inkl. 32-seitigem Buch;
    • streng limitierte 2-DVD-Sammleredition in Stahl-Hülle (Steel Book) mit Helm, 32-seitigem Buch und Sammelkarten;
    • Blu-Ray;
    • HD-DVD;
    • UMD
  • Laut Produzenten Mark Canton, Gianni Nunnari und Bernie Goldmann soll jetzt an 300 - Teil 2 gearbeitet werden.[6].

[Bearbeiten] Musik

  • Die weibliche Stimme, die auf dem Soundtrack in diversen Liedern zu hören ist, stammt von der iranischstämmigen Sängerin Azam Ali, die schon des Öfteren mit Tyler Bates zusammengearbeitet hat.

Kritik wurde von Kommentatoren[8] am Song „Message for the Queen“ laut, für den Tyler Bates zwar zeichnet, dessen Melodie jedoch der des Volksliedes „Zajdi, zajdi jasno sonce“ (übersetzt in etwa: Geh' unter, geh' unter, gleißende Sonne) von der Balkanhalbinsel ähnelt. Inzwischen hat Bates zugegeben, sich an der bulgarischen Version des Liedes orientiert zu haben [9]

Derartige Vorwürfe gegen Tyler Bates sind nicht neu in der amerikanischen Filmkomponistengemeinde: Kritik an Bates wurde geübt, da er verschiedene bereits vorher existierende Filmmusiken anderer Komponisten ohne große Änderungen für die Musik von 300 verwendete.[10][11][12] Hervorgehoben wurde insbesondere das Plagiat der Hauptthemen des Films Titus: die Filmmusik-Cues „Returns a King“ und „Come and get them“ sind zwei in Tonart, Harmoniefolge, Tempo, Rhythmus, Orchestrierung, Melodie und Chorarrangement nahezu identische Kopien des Cues „Victorious Titus“ von Elliot Goldenthal. Die Finalmusik von 300 („Remember us“) basiert vollständig auf dem „Finale“ des Titus-Soundtracks. Weitere Plagiatsvorwürfe beziehen sich u. a. auf die widerrechtliche Verwendung von Musik aus den zwei Troja- Soundtracks – sowohl des offiziellen von James Horner als auch des nicht verwendeten von Gabriel Yared – sowie aus dem Film Black Hawk Down (Musik: Hans Zimmer).

Dennoch erklärt Bates auf seiner eigenen Webseite[13] in Bezug auf den Film 300, dass seine Musik ein „eigenständiges Timbre besitzt“ und eine orchestrale „Klangpalette“ umfasst, die für diese Art von Filmen bislang unbekannt war.

[Bearbeiten] Comic und Drehbuch

Vergleicht man den Comic von Frank Miller mit dem von Zack Snyder adaptierten Drehbuch, so ist vor allem die visuelle Umsetzung eine authentische Wiedergabe der Farbpalette und der Stimmung der Vorlage. Die Storyführung hingegen wurde durch verschiedene Handlungsstränge und Figuren ergänzt, die im Comic nicht vorkommen. Auffälligste Änderung ist die Auseinandersetzung von Leonidas' Frau, Königin Gorgo, mit dem spartanischen Senat bzw. dem korrupten Senator Theron. Die Königin ist im Comic eine eher grobschlächtige Person mit einem einzigen, kurzen Auftritt. Im Film wird sie zu einer ausgesprochen attraktiven und schlagfertigen Frau. Die Figuren des Senators Theron sowie des Sohnes von Leonidas kommen im Comic gar nicht vor. Gekürzt wurde im Film die Rolle des Krüppels Ephialtes. Dessen Auftritte nehmen in der Comic-Vorlage mehr Raum ein; die mehrdeutige Beziehung zwischen Ephialtes und Leonidas ist im Comic auch visuell stärker herausgestrichen. Die Darstellung von Protagonist Leonidas ist im Comic deutlich düsterer und negativer als im Film. Vor allem die in den Film eingebaute, liebevolle Beziehung zu Frau und Kind gibt Leonidas eine menschliche Facette, die es im Comic nicht gibt.

Frank Miller äußerte sich zu Fragen, ob er die Verfilmung seines Comics für gelungen halte, entsprechend ambivalent. Einerseits erklärte er, von der visuellen Umsetzung begeistert zu sein. 300 sei bei Snyder in dieser Hinsicht "in guten Händen". Andererseits äußerte er sich kryptisch in Bezug auf die inhaltlichen Änderungen. Es sei ihm klar gewesen, dass die Film-Adaption des Comics einige Änderungen nötig gemacht habe. Er habe sich als Berater zur Verfügung gestellt, habe sich aber letztendlich im Hintergrund gehalten. Angesprochen auf die Zusammenarbeit mit Zack Snyder erklärte Miller, diese habe kaum stattgefunden. Man habe das ein- oder andere besprochen, letztendlich sei es aber Snyders Film, nicht seiner. Auch betonte er, er werde in Zukunft seine Werke nur noch selbst adaptieren und verfilmen. Bei der Verfilmung seines Comics Sin City wirkte Miller als Co-Regisseur mit.[14]

Der dem Film zugrundeliegende gleichnamige Comic erscheint bei Cross Cult, ebenso wie die Dokumentation der Filmentstehung 300: The Art of the Film, ISBN 978-3-936480-29-0.

[Bearbeiten] Kritiken und Kontroverse

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Statt Aufzählung von Zitaten ist ein Überblick über die Rezeption des Films in Fließtext gewünscht. -- Don-kun Diskussion Bewertung 09:45, 11. Apr. 2009 (CEST)

  • Cinema: Sicher, der martialische Erzählkommentar aus dem Off und das Gerede von „Ehre“ und „guten Kriegern“ nervt bisweilen, aber darin spiegelt sich ein wesentlicher Bestandteil der beschriebenen Kultur. Es stellt sich so einiges auf den Kopf, wenn man den armen Spartanern unterstellt, ihr Körperkult sei ein Folgeschaden der „Triumph des Willens“-Ästhetik von Leni Riefenstahl. Comic und Film sind stilisierte Fantasy-Abenteuer vor realem Hintergrund. Nicht mehr, nicht weniger. Fazit: Werkgetreue Comicverfilmung mit überwältigender Optik und kunstvoll stilisierten Kampfszenen.[15]
  • Lukas Foerster von „critic.de“ beurteilt 300 als wenig gelungenen „Versuch, ein Comic nicht durch eine Auseinandersetzung mit der Struktur des Mediums, sondern durch eine direkte Übertragung der visuellen Bildinhalte auf die Leinwand zu transportieren“, des Weiteren als gnadenlos pathetisch übersteigert, „auf Dauer äußerst ermüdend“, sowie „um einiges plumper, marktschreierischer und anstrengender“ als Regisseur Snyders Remake Dawn of the Dead.[16]
  • Thomas Willmann von „artechock film“ sieht 300 auf der Berlinale 2007 als einen plumpen „lächerlich unbeholfenen Irakkriegs-Durchhalte-Propagandastreifen (oder Irankriegs-Vorbereitungs-Propagandastreifen) […], ein zweistündiges Manowar-Video […], eine unheilige Allianz aus faschistoider Geisteshaltung und peinlich pubertärer Ästhetik.“[17]
  • epd Film 4/2007 S. 41: „Die Schlacht bei den Thermopylen […] als bildgewaltiger, blutgesättigter Comic, dessen politische Parallelen in der Gegenwart ambivalent bleiben.“
  • Thomas Lindemann von der „Welt“ (18. April 2007, S. 29) zieht Parallelen zur Videospiel-Ästhetik, bei der sich der Film seinen Look geliehen habe: "Wer bei Ben Hur und Gladiator vergeblich nach dem Vorbild dieses Raumgefühls gesucht hat, sollte vielleicht einmal eine aktuelle Spiele-CD in seinen Computer schieben." [18]
  • Claudius Seidl von der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ möchte den Film schon deshalb verteidigen, weil er „sein Publikum, mit der ganzen Wucht seiner Inszenierung, dazu zwingt, sich endlich bewusstzumachen, wie viel Fiktion in jenen Erzählungen steckt, welche wir für Geschichtsschreibung halten.“ Auch auf die ideologischen Vorwürfe und den aktuellen Konflikt zwischen Abendland und Morgenland geht er ein und schließt mit den Worten „Da werden wir Kinogänger wohl wachsam sein, die Lage weiter beobachten – und auf keinen Fall jenen Kritikern glauben, die, wenn etwas nur schnell, laut und neu ist, vorsorglich die Alarmglocken läuten. Wann immer in der europäischen Geschichte das Abendland gerettet wurde, waren das Szenen, vor denen es jeden Abendlandsverteidiger graust.“ [19]
  • Joachim Schätz macht bei falter.at keinen Hehl aus der Deutungsbeliebigkeit der Handlung: "Der Männlichkeitsirrsinn um Blut, Boden und Kriegerehre fährt einem in „300“ so unverblümt und undistanziert mit dem Arsch ins Gesicht, dass jede spitzfindig argumentierte Ideologiekritik daran abprallt wie die Pfeile der Perser an den Spartanerschilden. [...] Zwischen exzessiven Zeitlupenaufnahmen vom Perserprügeln und der stur seriellen Aufeinanderfolge von Schlacht zu Schlacht wird kaum mehr im engeren Sinne gehandelt. Nicht mehr Comic und noch nicht Videospiel, sieht „300“ aus wie das hybride missing link einer Verwertungskette.[20]

[Bearbeiten] Die Sichtweise des Regisseurs bzw. Drehbuchautors

Rund um die Premiere auf der Berlinale 2007 konfrontierten Journalisten den Regisseur und Drehbuch-Autoren von 300, Zack Snyder, mit zahlreichen Fragen bezüglich der oben genannten Kritikpunkte. Diese „überraschten und amüsierten“ den US-Amerikaner, der damit nach eigenen Worten nicht gerechnet habe (in den USA wurde der Film in weniger starkem Umfang kritisiert als in Europa). Den Vorwurf, Handlung und Charakter des Films entsprüngen einer faschistischen Gedankenwelt, bestritt Snyder dahingehend, dass er ausdrücklich betonte, dass diese Gedankenwelt nicht die seine sei. „Es ist schlecht, unbeabsichtigt einen faschistischen Film zu machen“, scherzte er.

Snyder will den Film als Geschichte verstanden wissen, „die sich eine Gruppe unmoralischer Menschen“ erzählen würde. An anderer Stelle erklärte er, die Story sei so, als wenn sie „ein Spartaner einem anderen Spartaner am Lagerfeuer erzählen würde“. Bei dieser Gelegenheit würde natürlicherweise übertrieben und idealisiert. Die unreflektierte Position, aus der heraus die Stereotypen der Überhelden auf der einen und der Untermenschen auf der anderen Seite entstünden, mache den besonderen Reiz der Geschichte aus. Dieser Reiz wiederum bestehe aus der „grenzverschiebenden Schaulust“, die diese Form der Darstellung wecke.

Während Snyder den faschistoiden Charakter der Darstellung also gar nicht abstritt, wehrte er sich energisch gegen den Vorwurf, der Film sei faschistische Propaganda. In zahlreichen Szenen des Films werde die „Distanz“ und die „Doppelbödigkeit“ zu der Moral der Protagonisten deutlich. Dem Zuschauer werde durch Ironie und vor allem durch die erkennbar übertriebene Inszenierung deutlich gemacht, dass die Protagonisten „moralisch bankrott“ und deshalb keine Vorbilder sein könnten.

Auf die Frage, inwieweit der Film historisch nachvollziehbar sei, erklärte Snyder, er habe „viel recherchiert, aber wenig verwendet.“ Er habe sich so dicht wie möglich an der Comic-Vorlage von Frank Miller orientiert, die auf eine realistische Darstellung wie etwa eine authentische Kostümierung bewusst verzichtet hätte. 300 müsse man in diesem Zusammenhang „wie eine Oper“ oder wie „ein Kabuki oder ein griechisches Drama“ sehen. Struktur und Form seien dort nicht so, „dass man sagen würde: Das ist jetzt Wirklichkeit.“ An anderer Stelle formulierte Snyder es so: „Die Wahrheit kann eine gute Geschichte ruinieren.“

In puncto exzessiver Gewaltdarstellung outete sich Snyder in den Interviews als Fan der „Ästhetik der Gewalt“ und liebe „detaillierte Actionszenen“. Warum das so sei, darüber denke er „nicht wirklich nach“. Auf die Frage nach der (homo-)erotischen Komponente von 300 antwortete Snyder, dass es anscheinend nicht möglich sei, „nackte Männerkörper zu inszenieren, ohne notwendig als schwul konnotiert zu werden.“ Dass er - anders als in der Comic-Vorlage - auf die Darstellung vollständig nackter Männer verzichtet hat, begründete Snyder mit der damit einhergehenden zusätzlichen Verschärfung der Filmfreigabe-Problematik in den USA.

Auf den Vorwurf, der Film sei „Bush-Propaganda“, ein Durchhalte-Film für Irak-Soldaten und ein Seitenhieb gegen den Iran, antwortete Snyder, er könnte verstehen, dass diese Parallelen gezogen würden, allerdings wären diese zu keiner Zeit beabsichtigt gewesen. Er äußerte, eine Politisierung des Films sei deshalb abwegig und er wolle damit die Konflikte mit dem Irak und dem Iran „nicht kommentieren“. Allerdings ärgerte er sich wegen der impliziten Kritik vieler Journalisten an der Bush-Regierung, dass „wir offenbar in einer Welt leben, in der die Idee verpönt ist, für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.“

[Bearbeiten] Historische Ungenauigkeiten

Der Film versucht, den Comic von Frank Miller ästhetisch genau für das Medium Film umzusetzen. Ein Versuch, historische Genauigkeit zu erzielen, hätte diese Grundidee zerstört, da sich Frank Miller selbst nicht sonderlich um historische Genauigkeit bemühte, sondern vor allem ästhetische Maßstäbe anlegte. Dementsprechend ist es müßig, einen Abgleich des Films mit den Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft, Historiographie und Archäologie zu versuchen - am deutlichsten lässt sich dies im Auftreten von phantasievollen Monstern auf der Seite der persischen Armee erkennen.

Da sich aber mittlerweile eine große Gruppierung von Cineasten damit beschäftigt, historische und/oder logische Ungereimtheiten in Filmen aufzudecken, sei hier auf einige wenige, unsystematisch zusammengestellte Ungenauigkeiten verwiesen:

  • 300 Spartaner und die Arkadier werden im Film erwähnt. Nach dem Bericht von Herodot bestand die Armee aus 4.200 Mann, davon 300 Spartanische Hopliten, 2.120 aus Arkadien, 400 aus Korinth, 200 aus Phleius, 80 aus Mykenai, 700 von Boiotern und Thespiern und 400 Thebaner.
  • Aufbau und Prinzip der Phalanx sind stark vereinfacht bzw. nicht richtig dargestellt. Die Phalanx bestand aus mehreren Reihen (meist 4-8 oder mehr) stark gepanzerter Hopliten. Diese kämpften primär mit ihren Stoßlanzen, die bis zu 7 Meter lang waren. Durch die dichte Reihenformation wurde der Gegner beim Ansturm durchbohrt. Für den Fall, dass die Reihen durchbrochen wurden, wendete man erst im Einzelkampf das Kurzschwert an.
  • Die Darstellung Xerxes I. als großen, kahlen Halbgott steht im Widerspruch zu zeitgenössischen Wandreliefs, die ihn als bärtigen Lockenkopf zeigen.
  • Die Rüstung bestand aus Beinschienen (meist Bronze) sowie dem Brustpanzer (Glockenpanzer), die vor Schlachten angelegt wurden. Im Film sind die Spartaner mit Lendenschurz, Beinschienen, Armschienen, Helm und Umhang bekleidet.
  • In der Schlussszene ist die Rede von 10.000 Spartiaten. Sparta hatte zu Blütezeiten nie mehr als 8.000 bis 9.000 Spartiaten und in der besagten Schlacht von Plataiai nahmen gemäß Herodot 5.000 Spartiaten teil.
  • Die Darstellung der persischen Soldaten ist historisch unkorrekt. So werden die Soldaten praktisch vermummt und verhüllt dargestellt. Zur damaligen Zeit trugen persische Soldaten jedoch weite, offene Kleidung. Die im Film auftretenden Truppen der Perser ähneln eher mittelalterlichen osmanischen als persischen Soldaten.
  • Die bevorzugte Waffe der damaligen persischen Truppen war der Speer und nicht das Schwert. Das Schwert wurde nur sehr selten als Angriffswaffe verwendet.
  • Zur damaligen Zeit waren Piercings unter den Persern praktisch unbekannt und daher auch nicht verbreitet. Die Idee, dass Xerxes und seine Heerführer Piercings trugen oder sich mit Ketten schmückten, ist daher weit hergeholt. Im Film werden die Perser (inklusive Xerxes) als Halbnackte gezeigt, die ihre Armeen führen. Das ist historisch ebenfalls nicht richtig: zur damaligen Zeit trugen die persischen Könige und Generäle weite, sehr farbenfrohe Kleidung.
  • Die Perser besaßen um 480 v. Chr. noch keine Kenntnisse von Schwarzpulver. Trotz allem werden im Film persische Soldaten gezeigt, die die Spartiaten mit explosiven Kugeln angreifen.
  • Spartaner wurden schon seit der Kindheit dazu erzogen, nur zu sprechen, wenn es nötig war. Im Film geben sie des öfteren Kampfschreie von sich.
  • Im Film werden die fünf Ephoren als Orakelpriester dargestellt, die sich von Persien bestechen lassen und vom Krieg abraten. Der Film vermischt dabei die fünf obersten Beamten der Spartaner, die sich aber nicht gegen den Krieg stellten mit dem Orakel von Delphi, welches tatsächlich zugunsten der Perser prophezeite. Weder die Ephoren noch die Priester von Delphi waren, wie im Film dargestellt, von Aussatz befallene Greise.
  • Der historische Verräter Ephialtes war weder spartanischer Herkunft noch war er missgestaltet.

[Bearbeiten] Problematik mit Iran

Aufgrund der negativen Darstellung der Perser hat sich der Iran, dessen Einwohner sich als Nachfahren dieses Großreiches sehen, auch bei den Vereinten Nationen über den Film beklagt, mit der Begründung, er sei ein Propagandafilm, der auf die aktuelle Situation im Nahen und Mittleren Osten anspiele und gleichzeitig die Perser als einfältige, grausame Barbaren darstelle. Mit dem Sandalenfilm über die Schlacht zwischen Persern und Spartanern am Thermopylen-Pass hätten die USA „eine neue Front im Krieg gegen den Iran“ eröffnet, hieß es im iranischen Fernsehen.[21] Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna, sagte der iranische Kulturminister Hussein Safar Harand, dass die Filmemacher sich an den iranischen Menschen rächen wollten und ihre glorreiche Geschichte und ihren Ruf in Frage stellen.[22] Der kulturpolitische Berater von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, Javad Schamgari, warf den USA vor, sein Land erniedrigen zu wollen. In den USA, wo der Film ein Kassenschlager ist, sind manche iranischstämmige Amerikaner erbost darüber, dass sich Perserkönig Xerxes als rachsüchtiger und launischer Tyrann gebärdet. Davon sei in der Geschichtsschreibung nichts überliefert. Die Spartaner, so die Kritiker, würden andererseits viel fortschrittlicher dargestellt als sie in Wirklichkeit gewesen seien. Auch der Kritiker des „New Yorker“ zeigte Verständnis für die empörten Iraner: Man könne ihnen nicht vorwerfen, dass sie kein Verständnis für amerikanische Popkultur hätten.

  • Der persischstämmige grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour bringt im Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Empörung über den Film in Iran mit mangelndem Selbstvertrauen seitens der Iraner in Verbindung; sie fühlten „sich durch die Darstellung der Perser schlicht verunglimpft“, weshalb sich dort eine Welle der Entrüstung ausbreite. Besonders die krasse Schwarz-Weiß-Darstellung im Film beschmutze den antiken Glanz der Perser. Zwar kritisiert Nouripour 300 und das zweifelhafte Wertesystem der Spartaner, viel schlimmer jedoch sei die mangelnde Souveränität und das fehlende Selbstbewusstsein Irans im Umgang mit einem Film: „Je kleiner das Selbstbewusstsein, desto größer der Schmerz.“ [23]
  • Andreas Platthaus, Redakteur bei der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, weist in einem Gespräch in der 3sat-Sendung Kulturzeit vom 4. April 2007 darauf hin, dass natürlich ein Volk wie die Iraner, das sich auch sonst in der Welt nicht gut verstanden fühlt, mehr Probleme mit diesem Film hat, als beispielsweise die Griechen damit, dass die Athener als „Schwuchteln” beschimpft werden. Trotzdem sei der Film einer der erfolgreichsten, die seit Jahren in Athen in die Kinos gekommen sind.[24]

[Bearbeiten] Altersfreigabe

In den Vereinigten Staaten erhielt der Film wegen seiner drastischen Gewaltdarstellung in den Kampfszenen und einiger Darstellungen von Sexualität sowie Nacktheit von der MPAA ein R-Rating, welches unter 17-jährigen nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten oder eines anderen Erwachsenen Eintritt zur Vorstellung gewährt.[25] In Deutschland erhielt der Film die Freigabe FSK 16.[1]

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Freigabebescheinigung http://www.spio.de/fskonline/PDF/0702/109191K.pdf
  2. [1] Ab Seite 646 finden sich die Originalzitate, die auch teilweise im Film vorkommen
  3. IMDb
  4. Hordes Drive '300' to Record
  5. [2]
  6. Interview mit Mark Canton, Gianni Nunnari und Bernie Goldmann
  7. IMDb
  8. Valentina Gjorgievska. Plagijat na "Zajdi, zajdi" vo film za Spartancite (Mazedonisch) , Špic, 27. März 2007. 
  9. Чия е “Зайди, зайди, ясно слънце”? (Bulgarisch) , 30. August 2007. 
  10. Filmmusikkritik (Scoremagacine; spanisch und englisch)
  11. Filmmusikkritik (Movie-Wave)
  12. Filmmusikkritik (Music on Film)
  13. Tyler Bates' Internetauftritt
  14. http://www.ugo.com/ugo/html/article/?id=16424
  15. 300 Neu im KinoFilmdetail Seite
  16. Lukas Foerster: 300 in critic.de
  17. Thomas Willmann: Berlinale 2007 – Die Berlinale-Hülse in „artechock film“ vom 14. Februar 2007, Online-Ressource, abgerufen am 20. Februar 2007
  18. Stechschritte - das Kino wird zum Videospiel, Besprechung in der Welt
  19. Comic-Gemetzel nach Herodot
  20. Joachim Schätz: "Wer ist Xerxes?" - Besprechung des Films (Filmzentrale.com)
  21. www.welt.de, 2. April 2007, Miriam Lau
  22. Tagesspiegel: Iranische Regierung kritisiert US-Film „300“ 4. April 2007
  23. Nouripour, Omid: Der verletzte Stolz der Iraner, Spiegel Online, 8. April 2007
  24. Web-TV auf www.3Sat.de
  25. IMDb

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