305. Infanterie-Division (Wehrmacht)

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305. Infanterie-Division
Logo der 305. Infanterie-Division
Eines der vier Truppenkennzeichen der 305. ID
Aktiv 15. Dezember 1940 bis 1945 US-Gefangenschaft in Italien
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer
Typ Infanteriedivision
Grobgliederung Gliederung
Aufstellungsort Ravensburg
Spitzname Bodensee-Division, „Fels im Meer”
Zweiter Weltkrieg Krieg gegen die Sowjetunion
Schlacht von Stalingrad

Italienfeldzug

Kommandeure
Liste der Kommandeure
Insignien
Weiteres Truppenkennzeichen : Meerjungfrau Meerjungfrau als Truppenkennzeichen
Ein weiteres Truppenkennzeichen Truppenkennzeichen
Ein weiteres Truppenkennzeichen Truppenkennzeichen

Die 305. Infanterie-Division war ein Großverband der Wehrmacht und wurde an der Ostfront unter anderem in der Schlacht von Stalingrad eingesetzt.

Divisionsgeschichte[Bearbeiten]

Die 305. ID wurde am 15. Dezember 1940 als bodenständige Division der 13. Aufstellungswelle im Raum Ravensburg aus je einem Drittel der 78. Infanterie-Division und der 296. Infanterie-Division aufgestellt.

Mit Verfügung vom 7. Februar 1942 wurde die Division in eine Angriffsdivision umformiert. Im Juli 1942 erfolgte die Verlegung an die Ostfront. Ab dem 13. Oktober 1942[G 1]nahm die 305. ID an der Offensive auf die nördlichen Industriekomplexe in der Schlacht um Stalingrad teil und wurde bis Mitte November 1942 in schwere Gefechte um die Geschützfabrik „Rote Barrikaden“ verwickelt. Die Division wurde im Januar 1943 bei Stalingrad vollständig vernichtet.

Bereits mit Verfügung vom 17. Februar 1943 wurde die 305. ID in der Bretagne neu aufgestellt. Andere Quellen berichten, dass die Neuaufstellung erst im Sommer 1943 stattfand. Die Division nahm anschließend am Italienfeldzug teil und kam 1945 nördlich des Gardasees in amerikanische Gefangenschaft.

Stalingradschlacht[Bearbeiten]

Die 305. Infanterie-Division unter dem Kommando von Generalleutnant Kurt Oppenländer war während der Stalingradschlacht dem VIII. Armeekorps unterstellt und verteidigte in der Anfangsphase am 3. September 1942 den Brückenkopf von Kletskaia in der Kotluban-Region.[G 2] Dort musste sie die 384. ID ersetzen, die während der Schlachten östlich des Dons schwere Verluste erlitt. In diesem Korridor zwischen Don und Wolga wurde die Nordflanke der 6. Armee durch eine starke Ansammlung von Verbänden der Roten Armee bedroht.[G 3] Während der ersten Kotluban-Offensive unter General Schukow vom 3. bis zum 12. September 1942 versuchte die 24. und 4. Panzerarmee im Sektor Vertiachii-Samofalowka vergeblich die starke Verteidigungslinie der 305. ID und 76. ID zu durchdringen.[G 4]

Am 14. September 1942 wurde die Kampfstärke der Infanterie-Bataillone der 305. ID wie folgt beziffert: 3 stark (700 Mann und mehr), 2 mittel (500-700), 4 durchschnittlich (400-500), ein Pionier-Bataillon durchschnittlich (300-400).[G 5]

Erst am 13. Oktober 1942 traf die 305. ID auf dem Kriegsschauplatz in Stalingrad ein.[G 6] Hitler blies die Planungen für eine Offensive auf Astrachan ab und erlaubte Paulus seine Kräfte für die Eroberung des taktisch wichtigen Industriebezirk im Norden von Stalingrad mit Reserven zu verstärken. Weichs befahl die 79. Infanterie-Division und die 305. ID aus ihrer Position auf der Landbrücke zwischen Don und Wolga abzuziehen. Oppenländer bewerkstelligte die Verlegung der Division innerhalb des geplanten Zeitrahmens in ihre neuen Ausgangsstellungen westlich von Stalingrad und ermöglichte, dass seine Truppen uneingeschränkt für den am 14. Oktober 1942 geplanten Großangriff zur Verfügung standen.[G 7] Obwohl die 305. ID mit ihren 9 Infanterie-Bataillonen von Paulus als frisch und ausgeruht bezeichnet wurde, hatte sie während der Donschlachten dennoch Kräfte gelassen und zeigte Abnutzungserscheinungen. Eingesetzt werden sollten IR 576 und 578 in Planquadrat 85b4 und IR 577 mit einer Panzerschwadron der 24. ID (Kampfgruppe Schulte) nordöstlich des Schnellhefterblocks über die Zhitomrisk-Balka[1] in Richtung über die Eisenbahnlinie auf die Ziegelei und den Südsektor der Traktorenfabrik.

Traktorenwerk[Bearbeiten]

Der Angriff begann am Montag, den 14. Oktober 1942 mit einem beispiellos großangelegten Artilleriebeschuss und massivem Bombenteppich aus 1250 Kampf-Flugzeugen, hauptsächlich Stukas. Es folgten staffelförmig Infanterie und Panzerkeile, die Grenadiere der 305. ID versuchten im schnellen Vorstoß die Stellungen der 37. Gardeschützen-Division in der unteren Arbeitersiedlung „Traktorenwerk“, an der Eisenbahnlinie und in der Südspitze des Traktorenwerks im verwundbaren 90°-Winkel der 62. Armee zu überrennen.[G 8] Es gelang den Kampfpanzern relativ schnell in die Gräben der Gardeschützen an der Eisenbahnlinie einzudringen, an der Zhitomirsk Straße wurde das 90. SR/95. SD von der 37. GSD abgetrennt und vernichtet. IR 576 und 578 kämpften sich Haus für Haus an die Fabrik heran.[G 9]Nach zunehmend schweren und blutigen Kämpfen wurde um 15 Uhr eine Häuserreihe im Planquadrat 96d4, 100-300 m vom Traktorenwerk erreicht, der Angriff sollte über Nacht fortgesetzt werden.[G 10] Die Verluste der 305. ID betrugen am 14. Oktober 1942: 84 Gefallene, 283 Verwundete und 15 Vermisste.[G 11] Mit großer Entschlossenheit verteidigten sie im Süden des Sektors die Zugänge zur Ziegelei. Zangen der 305. und 389. ID schlossen auf ihrem Vormarsch nach Osten immer wieder Gardeschützen-Einheiten ein.[G 10] IR 577 drang im Planquadrat 94 nachts in die Ziegelei ein und eroberte ein Teil der Erdöltanks und einen kleinen Uferabschnitt an der Wolga. Die Südhälfte des Traktorenwerks war seit den frühen Morgenstunden in deutschem Besitz, der Nordteil etwas später um 9 Uhr am 15. Oktober 1942. IR 576 stand zusammen mit IR 546 (389. ID) im Nordsektor der Traktorenfabrik, IR 578 im Südbereich und IR 577 in der Zieglei. Der weitere Vormarsch der deutschen Angriffsverbände wurde von sowjetischem Artilleriefeuer aus Geschützbatterien vom östlichen Wolgaufer aufgehalten. Während des gesamten Tages bekämpfte die 14. PD flankiert von IR 576 und 578 anhaltenden Feindwiderstand in den völlig zerstörten Fabrikhallen des Traktorenwerks, während IR 577 die Entscheidung in der Ziegelei herbeiführen wollte. Dabei wurde auch ein wichtiger Fähranleger der Roten Armee an der Mündung des Mokraia-Meschetka-Flusses genommen und die Gruppe Gorokhow in Rynok und Sparatanowka vom Rest der 62. Armee im Traktorenwerk abgeschnitten. Südlich der Traktorenfabrik marschierte IR 577 zusammen mit Kampfgruppe Schulte (24. PD) auf die Eisenbahnlinie nördlich der Geschützfabrik „Barrikaden“ und drang in die Pribaltiskaja Straße inmitten des Stadtviertels Minussinsk ein. Von dort aus konnten Schultes Panzer bereits das Nordende der Geschützfabrik sowie W. I. Tschuikow's Hauptquartier im Wolgasteilufer beschießen. Die 95. SD wurde entsandt, um die Nordzugänge der Geschützfabrik „Barrikaden“ zu blockieren. Am Ende des 15. Oktober 1942 bilanzierte die Rote Armee, dass die 37. GSD und 95. SD während der Kämpfe um das Traktorenwerk 75 % ihrer Mannschaftsstärke verloren hatten. Der erbitterte Widerstand der überlebenden Sowjetsoldaten und das extrem schwierige Gelände verhinderten einen Zusammenbruch der 62. Armee in den Industriekomplexen.[G 12]

Geschützfabrik “Barrikaden”[Bearbeiten]

Um die Erfolge des LI. Armeekorps vom 14./15. Oktober 1942 auszubauen, befahl Seydlitz-Kurzbach seine Truppen umzuorganisieren und gegen die Verteidigungsanlagen der 62. Armee nördlich der Geschützfabrik „Barrikaden“ einzusetzen. Die 14. PD, 24. PD und 305. ID sollten die Geschützfabrik nehmen, während die 389. ID den letzten Feindwiderstand im Traktorenwerk ausschalten sollte. Über Nacht gingen die reorganisierten Einheiten in ihre neuen Ausgangsstellungen:

  • linke Grenze: IR 576 und 578 sollten südlich der Ziegelei den Abschnitt zwischen Eisenbahnlinie und Wolga nehmen und südlich entlang der Pribaltiskaia Straße und dem Lenin Prospekt angreifen
  • Zentrum: 103. Grenadier- und 36. Panzer-Regiment (14. PD) sollten die Eisenbahnlinie stürmen und über die Tramvainaia Straße in die Mitte der Geschützfabrik eindringen
  • rechte Grenze: 64. Kradschützen-Bataillon (14. PD) und IR 577 sollten von der Tramvainaia Straße bis zum Stadion im engen Kontakt zur 24. PD den Südsektor der Geschützfabrik “Barrikaden” erobern[G 13]

Der Angriff wurde am 16. Oktober 1942 durchgeführt. Im Norden der Geschützfabrik kam es zu einer Panzerschlacht, in der 16 deutsche Panzer vernichtet wurden. Die Infanterie erreichte nach hartnäckigem sowjetischen Widerstand um 16 Uhr die mittlere Gasse der Geschützfabrik, während im Nordostsektor schwere Kämpfe anhalten. Die Rote Armee führte Reserven über die Balkas in das Kampfgeschehen. Bei Nachtanbruch gehörte die nördliche Hälfte der Geschützfabrik “Barrikaden” dem 103. Grenadier-Regiment und IR 576. IR 578 wurde zwischen Lenin Prospekt und Wolgaufer in schwere Gefechte mit den Rotarmisten verwickelt. IR 577 vertrieb die Regimenter 161 und 241 895. SD östlich des Stadions und verdrängte sie in Positionen in der Skulpturnaia Straße. Weiterhin gelang es IR 577 die Abwehrstellungen südlich der Tramvainaia-Straße zu überrennen und die eingegrabenen Panzer der 84. PB zu vernichten. Um die Geschützfabrik nicht vollständig zu verlieren, entsandte Tschuikow in der Nacht auf den 17. Oktober 1942 die 138. Schützen-Division an das westliche Wolgaufer zu ihrer Rückeroberung. Das erste eingetroffene Regiment, das 650. SR schuf ein dichtes Netzwerk aus Barrikaden, Maschinengewehrstellungen und Befestigungen in der Fabrik, welches von den Deutschen nicht mehr überrannt werden konnte.[G 14] In der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober 1942 ließ Paulus das LI. Armeekorps abermals umorganisieren, um die Reste der Geschützfabrik „Barrikaden“, den Skulpturny Parkn und den Somorsk Sektor zu nehmen. IR 577, 578 und 576 sollten die verbleibenden Werkhallen unter deutsche Kontrolle bringen. IR 578 und 576 hatten den Auftrag den Ostteil der Fabrik zu nehmen und bis zum Wolgaufer von eingegrabenen Rotarmisten zu säubern, IR 577 sollte den Feindwiderstand im Skulpturny-Park vernichten. Dabei konnten einige Sturmgeschütze zur Unterstützung bereitgestellt werden.[G 15] Am 17. Oktober 1942 stießen IR 578 und 576 auf immer starker werdenden Widerstand der 138. SD im Nordostsektor der Geschützfabrik, nach einem vorläufigen Geländegewinn von 700 Metern brach ihr Sturm im konzentrierten Abwehrfeuer aus ausgebauten Stellungen und Bunkern der Roten Armee entlang der Baltiskaia-Straße zusammen. Der Südwestbereich der Fabrik war mittlerweile vom PzGren-Regiment 103 gesichert worden.[G 16] Am 18. Oktober 1942 nach erneuter Reorganisation der Angriffskräfte des LI. Armeekorps gewann der Kampf in der Barrikadenfabrik an beispielloser Härte. Die Grenadiere Oppenländers gingen in jeder Fabrikhalle einzeln vor und versuchten sowjetische Infanteristen und Pioniere aufzuspüren und zu vernichten. Die 138. SD und versprengte Einheiten der 308. SD hatten den ausdrücklichen Befehl die Geschützfabrik „Barrikaden“ um jeden Preis zu halten. Dabei wurde jeder Raum und jede Mauerspalte in den Trümmern zur Verteidigung genutzt. Die Deutschen machten Fortschritte, jedoch in einem quälend langsamen Tempo, je dichter sie sich der Wolga näherten, umso intensiver wurde das sowjetische Artilleriefeuer vom anderen Ufer. Die Schlacht um „Barrikady“ entwickelte sich zu einer Reihe bösartiger und chaotischer Raum-zu-Raum- und Halle-zu-Halle-Gefechte mit enormen Verlusten auf beiden Seiten.[G 17] Im Norden war IR 578 mit 768. SR und südlich davon IR 576 mit 650. SR in einen erbarmungslosen Kampf um jede Werkstatt und Fabrikhalle verwickelt, so dass die Tagesziele nicht erfüllt werden konnten. Die Ziegelei und die Balka südlich der Geschützfabrik verblieben im Besitz der Roten Armee, auf dem Werksgelände der Geschützfabrik „Barrikaden“ wurden die mittleren und nördlichen Werkhallen gehalten. Tschuikow bemerkte, dass die Stärke und die Kampfmoral der deutschen Angreifer stark gesunken war und dass sie nach seinen Beschreibungen „in ihrem eigenen Blut ertrinken“.[G 18] Vor allem die Verluste unter den Offizieren und Unteroffizieren waren überproportional hoch. Major Emmendörfer von der 305. ID berichtete, dass sechs seiner acht Offiziere innerhalb kurzer Zeit im Fabrikgelände fielen.[2]

Vor den Angriffsvorbereitungen auf das Stahlwerk „Roter Oktober“ zwang ein dreitägiger herbstlicher Starkregen vom 19. auf den 22. Oktober 1942 die Einstellung weiterer größerer Operationen im Norden von Stalingrad. Tschuikow nutzte diese Phase für weitere stärkere Gegenangriffe. Am 19. Oktober 1942 entwickelten sich heftige Kämpfe zwischen IR 576 und 578 im Nordsektor der Fabrik auf einem von Bombentrichtern übersäten Gelände, als das 768. SR und 344. SR den Grenadieren durch Maschinengewehrfeuer und Mörser- und Artillerieunterstützung schwere Verluste zufügten. Der deutsche Versuch Halle 6 (Produktionshalle) und Halle 4 (Montagehalle) zu nehmen wurde zu einem sehr langwierigen und blutigen Unternehmen, welches schließlich von Oppenländer abgebrochen wurde.[G 19] Die Schwächephase der Deutschen wurde von der Roten Armee für eine Serie von überraschenden Gegenangriffen genutzt. Als Reaktion darauf, befahl Seydlitz-Kurzbach seinen Soldaten sich einzugraben, wo auch immer sie sich befanden, erhöht wachsam zu sein und eigene Artillerie- und Mörserbeobachter in den vorderen Linien einzuweisen. Meldungen der 62. Armee zufolge hätte die 305. ID bereits einen Verlust von 70 % ihrer Truppen erlitten und die „Grabenstärke“ ihrer Kompanien sei auf 35 Soldaten gesunken, 2000 deutsche Soldaten seien seit dem 17. Oktober 1942 in der Geschützfabrik „Barrikaden“ bereits gefallen und 45 Panzer vernichtet. Nach Meldungen der 6. Armee betrugen die Verluste am 19. Oktober 186 Männer: 34 Gefallene, 137 Verwundete und 15 Vermisste. Das Fehlen ausreichender Winterbekleidung würde die Kampfmoral der deutschen Infanterie weiter schwächen. Auch am 20. Oktober wurden bei anhaltendem Regen außer bewaffneter Aufklärung keine größeren Operationen durchgeführt.[G 20]

Die Kampfstärke der 305. ID sank in der Zeit vom 12. auf den 19. Oktober 1942 auf 9 schwache (300-400 Mann) Infanterie-Bataillone und ein schwaches (200-300) Pionier-Bataillon.[G 21]

Im Zuge der Offensive auf das Stahlwerk „Roter Oktober“ am 23. Oktober 1942 sollten weiter nördlich IR 578, 576 und 577 mit Kampfgruppen in Kompanie- bzw. Bataillonsstärke ihre Ziele mit der Einnahme des östlichen Teils von „Barrikaden“ und dem Wolgaufer in ihrem Sektor weiter verfolgen. Die stärkste dieser Kampfgruppen war IR 578 auf der rechten Flanke der Division mit 6 Panzern der 24. PD zur Unterstützung im Südsektor der Fabrik, die beiden anderen Gruppen aus IR 576 und 577 gegen den zentralen und nördlichen Fabrikabschnitt. Die offizielle Kampfstärke der 305. ID lag noch bei 3345 Soldaten, was jedoch bezweifelt werden muss. Es wurden eine Reihe von Spähtrupps entsandt, um die Feindstärke in den Balkas aufzuklären und den Feind in Richtung auf das Wolgaufer zurückzudrängen, welche jedoch alle scheiterten.[G 22] Die Kämpfe in der Geschützfabrik “Barrikaden“ auf dem Gleisgelände, in den Lagerhäusern und zerstörten Fabrikhallen wurden mit voller Intensität wieder aufgenommen. IR 576 und 577 kamen im Nordabschnitt nur 100 Meter vorwärts, da der Widerstand der sowjetischen Truppen zu stark war. Dabei entrissen die Rotarmisten Halle 4 aus dem Besitz der Wehrmacht und konnte weder vom starken Flankenfeuer der Gruppe von Below (24. PD) noch durch zahlreiche Stukanangriffe verhindert werden. Um 12 Uhr 30 wurde Paulus informiert, dass die 305. ID nicht mehr in der Lage sei, einen größeren Sturmangriff durchzuführen. Trotzdem musste sie den Angriff mit den gleichen Zielen am nächsten Tag wiederholen.[G 23] Am 24. Oktober 1942 wurden Teile der Halle 6b (Mechanische Werkhalle) erobert, bis SR 344, 768 und 650 ihre Verteidigungsstellungen stabilisieren konnten. Später am Tag setzten sich IR 578 und 577 durch, nahmen den Rest der Mechanischen Werkhalle und Halle 4 im Norden. Damit war der Südwest- und Zentralbereich der Geschützfabrik in deutschem Besitz. Major Ustinow befahl in seiner verzweifelten Lage im Gefechtsstand des 895. SR Salven aus Katjuscha-Raketenwerfern direkt auf seine Position abzufeuern, da der deutsche Fortschritt nicht mehr aufzuhalten sei. Oppenländer wiederholte den Zustandsbericht seiner Division an das OKW, dass die 305. Infanterie-Division stark erschöpft und abgekämpft sei und nicht mehr in der Lage Gefechtsmissionen jeglicher Art durchzuführen.[G 24] Am 25. Oktober 1942 erreichten die Kompanien der 305. ID in einer großen Kraftanstrengung, dass die 138. SD und 339. SR/308. SD über die Trümmer und Schutthaufen in den Ostbereich der Geschützfabrik zurückgedrängt werden, konnten jedoch nicht alle sowjetischen Scharfschützenpositionen in den zerbombten Fabrikhallen und Werkstätten ausfindig machen. In Tschuikow's Report wird von großen Erfolgen der Rotarmisten im heldenhaften Behaupten ihrer Stellungen berichtet und dass deutsche Grenadiere unfähig für den Nahkampf seien.[G 25]

Am 26. Oktober 1942 ist die Kampfstärke der 305. ID mit 5 Infanterie-Bataillonen schwach (300-400 Mann) und 4 völlig erschöpft und abgekämpft (weniger als 300), Pionier-Bataillon 305 ebenfalls abgekämpft (weniger als 200).[G 26]

Die 79. Division nahm im Angriff die restlichen Teile des Metallurgischen Werkes „Roter Oktober“. Nördlich davon griffen Teile der 14. Panzer-Division und 305. Division aus der Brotfabrik und der Fabrik „Rote Barrikade“ in Richtung Wolga an und erreichten das Ufer bis einschließlich Treibstofflager. Nördlich davon stehen Teile der 305. Division im harten Kampf zwischen Geschützfabrik und Wolga. Wetter: klar, sonnig, trocken.

Lagebericht des Oberkommando des Heeres am 28. Oktober 1942[3]

Zwischen dem 28. und 29. Oktober 1942 drangen deutsche Maschinenpistolen-Schützen in die Novoselskaia Straße östlich der Geschützfabrik vor und drangen in kleinen Gruppen zum Wolgaufer vor, wo sie im Nahkampf vernichtet wurden.[G 27] Die 305. ID berichtete von 300 Gefallenen und von einer aktuellen Infanteriestärke von 1200 Soldaten.[G 28]

Aufgrund der gescheiterten Eroberungsversuche der beiden Fabriken wurde die Berichterstattung auf Veranlassung von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels zensiert:

Der Minister führt aus, dass eine Verwendung der Bezeichnungen „Rote Barrikade“ oder „Roter Oktober“ für die Fabriken in Stalingrad und ein Hinweis auf die Verteidigung dieser Fabriken durch die Arbeiter in der deutschen Propaganda unerwünscht seien; durch diese Bezeichnungen würden die hier und da immer noch vorhandenen kommunistisch infizierten Kreise angesprochen.

Tagesparole des Reichspressechefs vom 22. Oktober 1942[4]

Operation Hubertus[Bearbeiten]

Im Rahmen der ursprünglichen Planung zur Operation Hubertus und der Beseitigung der letzten sowjetischen Brückenköpfe am westlichen Wolgaufer im November 1942 wollte Paulus die stark abgenutzte 305. ID durch die 24. PD zu ersetzen und die Grenadiere für eine Ruhephase von der Front abziehen. Diese Pläne wurden mangels Reserven und Alternativen revidiert und die 305. ID nach Verstärkung durch Sturmpionier-Bataillone erhielt den Auftrag den östlichen Teil von „Barrikady“ bis zum Wolgaufer im Norden der Landezone der 62. Armee zu erobern.[G 29] Dazu erhielt die 305. ID zwei Pionier-Bataillone, ein Sturmgeschütz-Bataillon und eine Panzerschwadron der 24. PD. für die Operation am 11. November 1942.[G 30] Am 1. November 1942 ersetzte Oberst Bernhard Steinmetz Generalleutnant Kurt Oppenländern im Divisionskommando.[G 31] Am 10. November 1942 war die gesamte Geschützfabrik “Barrikaden” von den deutschen Grenadieren freigekämpft, nur im Abschnitt hinter der Fabrik und dem Wolgaufer befanden sich noch Befestigungen der 62. Armee.[G 32] Am 11. November 1942 ging die 305. ID für ihren letzten Angriff in Stalingrad vor, wobei die Sturmpioniere die Vorhut bildeten.[G 33]

An der rechten Grenze gingen IR 577 am 11. November 1942 zusammen mit PiBtl. 336 gegen SR 344 und 650 vor, IR 578 gegen die Hauptmacht der 138. SD und IR 576 in der Mezenskaia-Straße gegen Truppen der 95. SD. Insgesamt 5 Infanterie-Regimenter der 305. und 389. ID kämpften sich ihren Weg durch ein gigantisches Areal aus Trümmern und Schutt, welches sich sanft ab zur Wolga neigte und dann abrupt in einem tiefen Steilufer endete. Den Hauptangriff führten Steinmetz 305. ID mit dem IR 576 und 578 am rechten Flügel und im Zentrum mit dem Ziel die Erdöltanks am Wolgaufer zu zerstören. Auf dem Weg der Sturmgruppe von IR 578 und PiBtl. 50 lagen zwei Schlüsselgebäude der sowjetischen Verteidigung: die Apotheke und das Kommissarshaus, beide 400 Meter von der Wolga entfernt. Im Kommissarshaus befand sich das Hauptquartier von Generalmajor Ljudnikow, Kommandant der 308. SD. IR 576 und PiBtl. 294 bahnten sich ostwärts ihren Weg frei in die Mezenskaia Straße zwischen der Fabrik und einer größeren Balka, um an die Öltanks zu gelangen. IR 577 und PiBtl. 336 bildete die kleinere Sturmgruppe und sollte die sowjetische Verteidigungslinie südlich der Ziegelei bis zum Haus Nr. 78 werfen, machten jedoch kaum Geländegewinne. In einem Überraschungsangriff gelang es den Grenadieren und Pionieren der Gruppe IR 578 rasch in die nähere Umgebung der Apotheke zu gelangen, während PiBtl. 50 keine Möglichkeit fand in das Kommissarshaus einzudringen. Bei Anbruch der Nacht berichtete die 305. ID, sie habe 2000 Rotarmisten östlich der „Barrikady“-Fabrik eingeschlossen und beabsichtigte diese am nächsten Tag zu vernichten. 3 Gebäude wurden erobert und 400 m Boden östlich der Fabrik besetzt. Außerdem wurde angemerkt, dass hier andere Kampftechniken als bislang praktiziert zum Erfolg führen würden. Als Resultat des ersten Tages der Operation Hubertus wurden die Fabrikschornsteine der Fabrik zum Einsturz gebracht und ein Keil zwischen der 138. SD und 95. SD getrieben.[G 34] Die Verluste in Höhe von 445 Soldaten der 305. ID und 389. ID waren ein hoher Preis für die geringen Geländegewinne.[G 35]

Am 12. November 1942 ebbte die Wucht der Attacke des Vortages stark ab und es wurden hauptsächlich gewaltsame Aufklärungsaktionen im Gefechtsfeld unternommen, die mit wütenden Gegenangriffen der Roten Armee schwerpunktmäßig in der Zone der Öltanks begegnet wurden. 21 Soldaten der 305. ID fielen dabei und 21 wurden schwer verwundet.[G 36] 5 der 12 Divisionen des LI. Armeekorps (79. ID, 94. ID, 305. ID, 389. ID und 100. JD) erlitten während dieser Phase der Schlacht 70 % der Gesamtverluste, also 9409 Soldaten. IR 578 wurde erneut verstärkt, um den Angriff auf das Kommissarshaus zu wiederholen. Der Fokus lag weiter auf der Eroberung des Abschnittes östlich von „Barrikady“, da die Kräfte im Stahlwerk „Roter Oktober“ für weitere Offensivbemühungen zu schwach waren. Im Bereich „Barrikady“ konzentrierten sich die Gefechte auf die Rohbauten wie Haus Nr. 78 und 79 im Bereich Pribaltiskaia Straße und Lenin Prospekt.[G 37] Die 138. SD war mittlerweile am 13. November 1942 von allen Seiten in ihrem als “Ludnikows Insel“ bezeichneten Geländeabschnitt eingekesselt. Major Eberhard Rettenmaier, Kommandeur des 2. Btl./IR 578 führte ausgehend von der Apotheke und Haus Nr. 79 den Angriff auf das Kommissarshaus. Auch in den Ruinen des P-förmigen Gebäudes entwickelten sich schwere Kämpfe. Am Abend hatten die Deutschen Haus Nr. 66, 77, 81 und das P-förmige Gebäude in ihrem Besitz. Im Laufe der mit ungewöhnlicher Härte und Verzweiflung geführten Gefechte fiel schließlich auch das Kommissarshaus durch IR 578.[G 38] Am 14. November 1942 versuchte Steinmetz' Division mit 3000 Soldaten den verbleibenden Uferstreifen zwischen Kommissarshaus und Wolga zu nehmen, was jedoch aufgrund der Vielzahl der gegnerischen Bunkerstellungen und dem wütenden Widerstand am Wolgasteilufer scheiterte. Es konnten nicht einmal mehr als 10 Meter gewonnen werden, wobei die Verluste so stark anstiegen, dass der Angriff am Abend abgebrochen werden musste.[G 39] Die Kräfte auf beiden Seiten neigten sich dem Ende entgegen und so wurden bis zum Beginn der sowjetischen Offensive Uran am 19. November 1942 nur eine Reihe unbedeutender Häuser bei stark nachlassendem Kampfeinsatz erobert.[G 40]

Gliederung[Bearbeiten]

  • Infanterie-Regiment 576
    • I. Btl.
    • II. Btl.
    • III. Btl.
  • Infanterie-Regiment 577
    • I. Btl.
    • II. Btl.
    • III. Btl.
  • Infanterie-Regiment 578
    • I. Btl.
    • II. Btl.
    • III. Btl.
  • Artillerie-Regiment 305
  • Pionier-Bataillon 305
  • Feldersatz-Bataillon 305
  • Panzerjäger-Abteilung 305
  • Aufklärungs-Abteilung 305
  • Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 305
  • Divisions-Nachschubführer 305

Veränderungen in der Gliederung der 305. ID von 1942 bis 1944

1942 1944
IR 576 GR 576
IR 577 GR 577
IR 578 GR 578
Artillerie-Regiment 305
Füsilier-Bataillon 305
Feldersatz-Bataillon 305
Panzerjäger-Abteilung 305
Pionier-Bataillon 305
Nachrichten-Abteilung 305
Versorgungseinheiten 305

Personen[Bearbeiten]

Kommandeure der 305. ID
Dienstzeit Dienstgrad Name
15. Dezember 1940 bis 12. April 1942 Generalleutnant Kurt Pflugradt
12. April bis 1. November 1942 Generalmajor Kurt Oppenländer
1. November 1942 bis 31. Januar 1943 Oberst Bernhard Steinmetz
5. März 1943 bis Dezember 1944 Generalleutnant Friedrich Wilhelm Hauck
Dezember bis 29. Dezember 1944 Oberst Friedrich Trumpeter
29. Dezember 1944 bis 8. Mai 1945 Generalmajor Friedrich von Schellwitz
Stabsoffiziere (Ia) der 305. ID
Dienstzeit Dienstgrad Name
Dezember 1940 bis März 1941 Oberstleutnant Franz von Bierbauer zu Bernstein
März bis Dezember 1941 Major Max Freiherr von Schade
Dezember 1941 bis 14. März 1942 Oberstleutnant Kuhn
März 1942 bis 2. Februar 1943,
danach in Kriegsgefangenschaft
Oberstleutnant Rudolf Paltzo
15. März 1943 bis 1. März 1944 Oberstleutnant Ludwig-Philipp Graf von Ingelheim, genannt
Echter von und zu Mespelbrunn
1. März 1944 bis 1. April 1945 Oberstleutnant Wilhelm Schuster
1. April bis Mai 1945 Major Wolfgang Lambrecht genannt Spieth
  • Major Eberhard Rettenmaier, Bataillonskommandeur II. Btl./IR 578[5]
Rettenmaier berichtete als einer der wenigen Augenzeuge von der Einnahme taktisch bedeutsamer Gebäude wie dem Kommissarshaus und der Apotheke östlich der Geschützfabrik „Barrikaden“ im Rahmen der Operation Hubertus im November 1942.[6] Rettenmaier verarbeitete seine Erlebnisse im Buch „Das Ende der 305. „Bodensee“ Division in Stalingrad".

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ritterkreuzträger

  • Oberst Willy Winzer, Regimentskommandeur, IR 578, verliehen am 3. November 1942.
  • Major Wilhelm Braun, Abteilungskommandeur, II. Btl./IR 576, verliehen am 20. Januar 1943
  • Oberstleutnant Hans-Georg Brandt, Regimentskommandeur, IR 577, verliehen am 22. Januar 1943

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Hauck, „Eine deutsche Division in Russland und Italien – 305. Infanteriedivision 1941 – 1945“, Podzun, Dorheim 1975, 468 Seiten, ISBN 3-7909-0031-1.
  • David M. Glantz: Armageddon in Stalingrad: September-November 1942 (The Stalingrad Trilogy, Volume 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009, ISBN 978-0-7006-1664-0.
  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 9. Die Landstreitkräfte 281 – 370. Biblio-Verlag, Bissendorf 1974, ISBN 3-7648-1174-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Auf den Seiten des Buchs:

  • David M. Glantz: Armageddon in Stalingrad: September-November 1942 (The Stalingrad Trilogy, Volume 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009
  1. S. 136
  2. S. 31-32
  3. S. 40
  4. S. 48, 102
  5. S. 137
  6. S. 138
  7. S. 353-355
  8. S. 375-379
  9. S. 384
  10. a b S. 386
  11. S. 782
  12. S. 393-396
  13. S. 401
  14. S. 405-407
  15. S. 410-412
  16. S. 416-417
  17. S. 421-423
  18. S. 425-427
  19. S. 429-431
  20. S. 433-434
  21. S. 460
  22. S. 468-469, 474, 475, 477
  23. S. 484-485, 487, 489
  24. S. 492-495
  25. S. 500
  26. S. 503
  27. S. 512
  28. S. 518
  29. S. 611-612, 614-615
  30. S. 617-618
  31. S. 621
  32. S. 634
  33. S. 644
  34. S. 646-651
  35. S. 655
  36. S. 657-659
  37. S. 661-662
  38. S. 664-667
  39. S. 671-672
  40. S. 679-680, 685-686, 689, 697, 706

Weitere Nachweise

  1. ukrainische Löß-/Erosionsschlucht
  2. Janusz Piekalkiewicz: Stalingrad. Anatomie einer Schlacht. Heyne, München 1993, S. 301
  3. Janusz Piekalkiewicz: Stalingrad. Anatomie einer Schlacht. Heyne, München 1993, S. 330-331
  4. Janusz Piekalkiewicz: Stalingrad. Anatomie einer Schlacht. Heyne, München 1993, S. 314
  5. biographische Daten unbekannt
  6. Hans Wijers: Der Kampf um Stalingrad, die Kämpfe im Industriegelände, 14. Oktober bis 19. November 1942. Brummen 2001, S. 166, 172, 177