3i

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3i Group PLC
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Rechtsform Public limited company
ISIN GB00B1YW4409
Gründung 1984 - Vorgesellschaft besteht seit 1946
Sitz London
Leitung Michael Queen(CEO)
Mitarbeiter 750
Branche Finanzwirtschaft
Produkte InvestmentanlagenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.3i.com

3i Group PLC (3i steht für Investors in Industries) ist ein Private-Equity-Unternehmen, das an der Londoner Börse notiert und im FTSE 250 vertreten ist. Die Gruppe entstand 1946 als Arbeitsgemeinschaft britischer Banken, um in Industrien zu investieren und gilt somit als der älteste noch aktive Finanzinvestor. 1987 verkauften die beteiligten Banken ihre Anteile, wodurch diese Arbeitsgemeinschaft in eine Public Limited Company (PLC) umgewandelt wurde. Heute ist die 3i-Gruppe eines der größten öffentlich gehandelten Private Equity Unternehmen der Welt, das weltweit operiert.

Neben dem heutigen Kerngeschäft mittelständische Buy-out, Wachstums- und Infrastrukturfinanzierungen war 3i auch im Geschäftsfeld Risikokapital mit selektiven Start-up- und Frühphasen-Finanzierungen aktiv. 3i ist heute in 14 Ländern auf 3 Kontinenten (in Europa, Asien und Nordamerika) vertreten. Im Geschäftsjahr 2006 hat die 3i-Gruppe rund 2,3 Milliarden Euro investiert. In den letzten zehn Jahren hat 3i mehr als 150 Börsengänge und in den letzten fünf Jahren mehr als 400 Veräußerungen von Unternehmen durchgeführt. Insgesamt verwaltet die Gesellschaft 10,7 Milliarden Euro in verschiedenen Investmentfonds unterschiedlicher Investitionsarten.

Geschichte[Bearbeiten]

3i wurde 1945 von zwei britischen Finanzinstituten als Arbeitsgemeinschaft gegründet, um mit Risikokapital in Unternehmen zu investieren. Ab der Gründung bis in die 70er Jahre konzentrierte sich die Investitionstätigkeit auf Großbritannien. Eine Investition in dieser Zeit waren bspw. 17.000 £ in das Unternehmen Bond Helicopters, welches später zum größten zivilen Hubschrauberbetreiber der Welt mit einem Unternehmenswert von 80 Millionen £ wurde.

Mit der Eröffnung von Büros in Deutschland und Frankreich im Jahr 1984, welche den Grundstein für das bald darauf folgende internationale Netzwerk von 3i bildeten, begann 3is schrittweise Expansion ins Ausland. 1987 verkauften die beteiligten Banken schließlich ihre Anteile, wodurch diese Arbeitsgemeinschaft in eine Public Limited Company (PLC) umgewandelt wurde. Dadurch wurde der Börsengang von 3i im Jahr 1994 möglich, welcher in einer Marktkapitalisierung von 1,5 Milliarden £ resultierte. Infolgedessen wurde 3i in den FTSE 100 Index der Londoner Börse aufgenommen. Wegen zu geringer Marktkapitalisierung ist die 3i dort heute nicht mehr notiert. 1997 erfolgte mit der Eröffnung eines Büros in Singapur die Expansion nach Südostasien und im Jahr 1999 die Ausweitung des Risikokapitalgeschäfts in den USA mit der Eröffnung von Büros im Silicon Valley und in Boston.

2000 wurde das 1987 von Falk F. Strascheg gegründete deutsche Venture Capital Unternehmen Technologieholding übernommen[1].

2001 wurde die Organisationsstruktur von 3i auf die drei Geschäftsbereiche Buy-outs, Wachstumsfinanzierung und Risikokapital neu ausgerichtet und in diesem Zuge die Präsenz in Skandinavien durch Akquisitionen und Eröffnung eines Büros in Kopenhagen verstärkt. Im selben Jahr führte 3i ebenfalls das erste Management-Buy-out in Japan nach westlichem Stil durch und eröffnete ein Büro in Hongkong.

Der heutige 3i-Chief Executive Officer (CEO) Philip Yea und der aktuelle Finance Director Simon Ball wurden 2004 auf ihre Posten berufen. 2005 schloss sich mit der Eröffnung von Büros in Shanghai und Mumbai eine weitere Verstärkung der Geschäftstätigkeit in Südostasien an. Im selben Jahr wurde 3i vom European Venture Capital Journal mit dem Preis Venture Capital House of the Year 2005 ausgezeichnet. 2006 erfolgte die Eröffnung eines Büros in New York. 2007 bekam 3i mit dem European Mid-Market Firm of the Year 2007 von den Private Equity News einen weiteren Preis verliehen.

Im März 2008 gab 3i bekannt, aus dem Geschäft mit Risikokapitalfinanzierungen auszusteigen, da man damit in den Jahren 2002 bis 2007 keine Gewinne erwirtschaftet habe.[2]

Unternehmen[Bearbeiten]

Die 3i Group ist eine internationale Beteiligungsgesellschaft, welche in Europa, Asien und Nordamerika mit eigenen Büros vertreten ist und bislang in mehr als 30 Ländern Investitionen tätigte, wobei 14 Länder die Basis der Geschäftstätigkeit ausmachen. Die Kerntätigkeiten stellen Wachstumsfinanzierung, Infrastrukturfinanzierung und Buy-outs dar. Hierbei sind die Hauptinvestitionsbereiche von 3i die 6 Branchen Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Technologie, Neue Medien, Konsumgüter und Automobilindustrie. Das Unternehmen beschäftigt derzeit über 750 Mitarbeiter, wovon über 250 im Investmentbereich tätig sind.

In den vergangenen fünf Jahren begleitete 3i insgesamt 44 Börsengänge von Unternehmen unterschiedlichster Branchen und verkaufte im selben Zeitraum 450 Unternehmen. Mit Stand vom 31. März 2007 hatte 3i eine Marktkapitalisierung von 7,6 Milliarden Euro und hatte im zum 31. März 2007 endenden Geschäftsjahr insgesamt 2,3 Milliarden Euro in verschiedene Unternehmen investiert. Im selben Geschäftsjahr lagen die 3i-Investitionen in jedem der vier Kerngeschäftsfelder im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. 2007 betrug der kumulierte Wert des weltweiten Portfolios 7,5 Milliarden Euro, welches sich aus Investitionen in mehr als 750 Unternehmen zusammensetzt. Das gesamte verwaltete Fondsvolumen von 3i beläuft sich einschließlich externer Fonds von 3,5 Milliarden Euro auf insgesamt 10,7 Milliarden Euro.

3i in Deutschland[Bearbeiten]

3i ist seit 1984 mit eigenen Büros in Deutschland vertreten. Die 3i Deutschland Gesellschaft für Industriebeteiligungen mbH besitzt Niederlassungen in Frankfurt am Main, München und Stuttgart, welche im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv sind. Die Buy-Outs sowie die Wachstumskapitalinvestitionen werden aus dem Frankfurter Büro gesteuert, weiter befinden sich dort die Verwaltungsmitarbeiter der deutschen Niederlassungen. In München wurden die Risikokapitalaktivitäten gebündelt, auch bedingt durch die regionale Ballung von Technologieunternehmen in der Region. In Deutschland liegen vor allem Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen im Fokus von 3i.

Seit 2005 ist Stephan Krümmer Partner und Geschäftsführer der Aktivitäten im deutschsprachigen Bereich. Vor seiner Tätigkeit bei 3i führte er als Deutschlandgeschäftsführer und Leiter des Investmentbanking die Rothschild GmbH in Frankfurt am Main.

Management[Bearbeiten]

Im März 2007 wurde der ehemalige Vorstandschef von Mobilcom, Thorsten Grenz, als „Operating Partner“ für das Buyout-Geschäft in Deutschland ins pan-europäische Buyout-Team von 3i geholt. Zusammen mit Tim Harrison und Iain McRitchie in London, Jerome Girzsyn in Paris konzentriert sich Grenz in einem gesonderten Team auf Investitionen in Unternehmen, die nach Ansicht von 3i „deutliches Potenzial zur Optimierung der Kapitalstruktur und der operativen Leistungsfähigkeit haben“.[3]

3is Position im Private-Equity-Umfeld[Bearbeiten]

Das Private-Equity-Umfeld ist in der Vergangenheit mehrfach für aggressive, rein auf kurzfristige Gewinnorientierung ausgerichtete Unternehmensstrategien stark kritisiert worden, in Deutschland insbesondere in der sogenannten „Heuschreckendebatte“ im Frühjahr 2005. 3i legt jedoch Wert darauf, dass es in seiner 60-jährigen Unternehmensgeschichte fast nur mittel- und langfristige Investitionen in Unternehmen getätigt und auch intern eine entsprechende Unternehmenskultur der Beständigkeit aufgebaut habe. Darüber hinaus distanzierte sich 3i von anderen, wegen ihrer aggressiven Geschäftstätigkeit in die Kritik geratenen, Private-Equity-Fonds. [4] Aufgrund seiner Listung im FTSE 250 der Londoner Börse ist 3i dazu verpflichtet seine Aktivitäten zu dokumentieren.

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Buy-Out[Bearbeiten]

Im Buy-Out-Bereich konzentriert sich 3i auf Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen im Bereich zwischen 100 Millionen und 1 Milliarde Euro Unternehmenswert. Dabei wird in die unterschiedlichsten Branchen investiert.

So wurde Anfang 2004 der Generikahersteller Betapharm vom Hexalkonzern übernommen und im Jahr 2006 an das indische Pharmaunternehmen Dr. Reddy’s Laboratories Ltd. wieder weiterverkauft. Ebenfalls im Frühjahr 2006 übernahm 3i den Maintaler Auto-Zulieferer Rasmussen GmbH.

Im Februar 2007 erwarb 3i den Verlag VNU Business Media Europe, welcher vom Mutterkonzern VNU im Rahmen einer Umstrukturierung veräußert wurde. Der deutsche Zweig, VNU Business Publications, welcher unter anderem die IT-Zeitschriften PC Professionell und Internet Professionell herausbrachte, wurde im Juni 2007 von 3i geschlossen, was zur Entlassung der 75 Angestellten des Münchner Verlagsbüros führte. [5] Im Juni 2007 übernahm 3i 40 Prozent an der Reederei Scandlines. Weitere 40 Prozent übernahm Allianz Capital Partners, die restlichen 20 Prozent die Deutsche Seereederei. Im Juli 2007 erwarb 3i die Deutz Power Systems von der Deutz AG für einen Kaufpreis von 360 Millionen Euro. Das Unternehmen ist auf Gasmotoren für die Energieerzeugung spezialisiert und besonders im Biogas/Spezialgas-Sektor aktiv.

Growth Capital/Wachstumsfinanzierung[Bearbeiten]

Der Bereich 3i Growth Capital konzentriert sich auf Minderheitsbeteiligungen an führenden mittelständischen Unternehmen mit einer starken Marktposition. Den Unternehmen kann frisches Eigenkapital zur Finanzierung von Wachstumsvorhaben zur Verfügung gestellt werden (Kapitalerhöhung), und es können Minderheitsanteile von veräußerungswilligen Gesellschaftern erworben werden (Privatplatzierung), wobei in der Realität oftmals eine Kombination beider Formen vorliegt. Das von 3i investierte Kapital liegt in der Regel zwischen 50 Mio. und 250 Mio. € pro Beteiligung.

Ein prominentes Beispiel für eine Minderheitsbeteiligung ist das im Sommer 2007 eingegangene Engagement bei Foster + Partners, dem weltweit führenden Architekturunternehmen mit Sitz in London. Weitere Beispiele aus dem Jahre 2007 sind der Einstieg bei dem Familienunternehmen Mold-Masters, dem Weltmarktführer im Bereich Heißkanaltechnologie sowie die Beteiligung an dem belgischen Unternehmen KNEIP, einem Outsourcing-Dienstleister für den Finanzsektor. Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum sind die Beteiligung an Pilatus, dem weltmarktführenden Hersteller von Turbopropflugzeugen, im Jahre 2005 sowie die Investition in Novem, Weltmarktführer für Edelholzinnenausstattung für Automobile, die im Jahre 2004 durchgeführt wurde.

Weiter investierte man beispielsweise Anfang 2001 in das Diskotheken- und Tonträgerunternehmen Ministry of Sound und 2006 in Electrawinds, einem führenden Anbieter erneuerbarer Energie in Belgien.

Risikokapital / Venture Capital[Bearbeiten]

Die Risikokapitalabteilung von 3i investierte sowohl in junge, als auch bereits etablierte Unternehmen. Die typische Investitionshöhe lag dabei zwischen 2 Millionen und 50 Millionen Euro pro Beteiligung.

So stieg 3i im Januar 2006 beim Zahlungsdienstleister ClickandBuy (Webpay AG) ein. Mit dem dadurch zur Verfügung gestellten Kapital plant die Webpay AG in den nächsten Jahren in Europa, USA und Lateinamerika zu expandieren. [6] Ebenfalls 2006 investierte 3i in das US-amerikanische Unternehmen Demand Media Inc. Das Unternehmen wurde vom MySpace-Mitgründer und ehemaligen MySpace-Vorsitzenden Richard Rosenblatt gegründet und wird von ihm geleitet. [7] Im April 2007 verkaufte 3i zusammen mit den Co-Investoren HG Capital und Neuhaus Partners die Versandapotheke DocMorris an den Pharmahändler Celesio. Im Mai 2007 schließlich brachte 3i den Brennstoffzellenhersteller Smart Fuel Cell an die Börse.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Infrastrukturbereich von 3i legt seinen Schwerpunkt auf Mehr- und Minderheitsbeteiligungen in Infrastrukturprojekten und investiert in der Regel zwischen 30 Millionen und 400 Millionen Euro pro Beteiligung.

Im Februar 2007 brachte man die Tochtergesellschaft 3i Infrastructure Limited an die Börse, welche als Vehikel für die zukünftigen Infrastrukturinvestitionen von 3i dient. So wurde Anfang 2007 in das Project Alpha Schools investiert, welches den Bau von 10 Schulen in Schottland finanziert.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite des Strascheg Center for Entrepreneurship
  2. Martin Arnold, Sven Clausen: 3i hat genug gewagtVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter. ftd.de am 25. März 2008, abgerufen am 25. März 2008
  3. 3i-Deutschland-Pressemitteilung: 3i holt Industriemanager ins Buyout-Team. Auf: Finanzplatz München Initiative. 12. März 2007, abgerufen am 6. September 2007
  4. Daniel Schäfer: Finanzinvestor 3i kurz vor dem Kauf der „Berliner Zeitung“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. Oktober 2005, abgerufen am 6. September 2007
  5. Levente J. Dobszay: Das Ende von PC und Internet Professionell. Auf: weblog.internet-pro.de. 17. April 2007, abgerufen am 6. September 2007
  6. Pressemeldung ClickAndBuy: 3i unterstützt die internationale Expansion des Zahlungsdienstes ClickandBuy mit 20 Millionen Euro. 3. Januar 2006, abgerufen am 6. September 2007
  7. Matt Marshall: Demand Media raises $100M for Web site land grab. Auf: VentureBeat. 29. September 2006, abgerufen am 6. September 2007

Weblinks[Bearbeiten]