5,56 x 45 mm NATO

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
5,56 x 45 mm NATO
Patrone (Munition) Kaliber 5,56 × 45 mm NATO (Cartridge cal .223 Remington)
Allgemeine Information
Kaliber 5,56 × 45 mm NATO
(.223 Remington)
Hülsenform Flaschenhalshülse,
Randlos mit Ausziehrille
Maße
Hülsenschulter ⌀ 9,00 mm
Hülsenhals ⌀ 6,43 mm
Geschoss ⌀ .224 inch / 5,69 mm
Patronenboden ⌀ 9,60 mm
Hülsenlänge 44,70 mm
Patronenlänge 57,40 mm
Gewichte
Geschossgewicht 3,56–3,95
(zivil bis 4,03) g
Pulvergewicht 1,62 g
Gesamtgewicht 11,20 g
Technische Daten
Geschwindigkeit V0 ca. 1.000 m/s
Geschossenergie E0 ca. 1.800[1] J
Listen zum Thema

Die Patrone 5,56 × 45 mm NATO ist eine bei den Armeen der NATO weit verbreitete Munition für Handfeuerwaffen. Im zivilen Bereich wird die Patrone als .223 Remington bezeichnet und ist dann in der Regel mit Geschossen für Jagd oder Sport versehen.

Die SAAMI (Sporting Arms and Ammunition Manufacturers' Institute) weist auf geänderte Wandstärken der verwendeten Patronenhülsen und verstärkte Ladungen der in der NATO verwendeten Variante der Patrone hin, die eine Typenabweichung nach den SAAMI-internen Messmethoden und Toleranzen impliziert. Im Gegensatz zur nationalen SAAMI, deren Standards nur auf die angeschlossenen Mitglieder Einfluss haben, behandelt die international anerkannte C.I.P. (Commission Internationale Permanente pour l’Epreuve des Armes à Feu Portatives) die etwas unterschiedlichen Typen der Patrone 5,56 × 45 mm NATO/.223 Rem. als typengleich, da die Abweichungen in den von der C.I.P. zugrundegelegten Messungen innerhalb der Toleranzen der C.I.P.-Standards liegen.

Aufgrund der Erkenntnisse aus den Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs bestand bei den Militärs das Bedürfnis nach neuen, leichten Waffen zur späteren Ablösung älterer Waffen, unter anderem des Karabiners M1 Carbine oder der Thompson-Maschinenpistole, deren verwendete Munition .30 Carbine und .45 ACP sich weder im Nah- noch im Fernbereich als besonders effektiv erwies. Also ging die Entwicklung neuer Waffen – zum Beispiel nach dem Prinzip des deutschen Sturmgewehr 44, dessen Name ein Synonym für die neue Generation von Waffen wurde – mit der Entwicklung neuer Munition einher.

Entwicklung[Bearbeiten]

Maße der 5,56 × 45 mm NATO (.223 Remington)

Auf Basis der Analyse der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges entstand der Wunsch nach einer neuen Militärpatrone. Die Forderungen dafür waren typischerweise geringeres Gewicht, hinreichend gestreckte Flugbahn für ca. 300 m effektive Reichweite, kontrollierbare Feuerstöße und geringere Produktionskosten.

In Deutschland entstand noch während des Kriegs das mittlere Sturmgewehrkaliber 7,92 × 33 mm, das weltweite Nachkriegsentwicklungen beeinflusste. Während auf sowjetischer Seite 1943 ein ähnliches Kaliber (7,62 × 39 mm) geschaffen wurde, entstanden in Europa bereits verschiedene dem späteren Kaliber 5,56 mm ähnliche Versuchspatronen.

Als Ausgangspatrone für die weitere Entwicklung benutzte man ab 1957 die Patrone 5,6 × 43 mm (.222 Remington). Die randlose Flaschenhalshülse wurde verlängert und der Pulverraum vergrößert. Außerdem wurden neue Treibladungsmittel und Geschosse verwendet.[2]

Die Forderung nach einer leichteren Patrone und auch nach leichteren Waffen hatte ihren Grund nicht zuletzt in der Logistik. Angefangen vom Hersteller, über Munitionsdepots, Etappen-Depots, bis hin zur Drei-Tage-Ausrüstung des Soldaten belastet die Munition durch ihr Gewicht die logistische Leistungsfähigkeit. Die Patrone im Kaliber 5,56 × 45 mm wiegt weniger als die Hälfte der üblichen cal-.30-Patronen. Durch die weiter fortschreitende Nutzung halbautomatischer und automatischer Waffen im Gefechtsfeld stieg auch der Munitionsverbrauch im Verhältnis zu den früher üblichen Mehrladebüchsen (Gewehre und Karabiner) mit 5-Schuss-Ladestreifen und Magazinkasten. Mit der Halbierung des Patronengewichtes konnten Soldaten nun entsprechend mehr Munition mit sich führen oder mit leichterem Gepäck unterwegs sein – je nach Aufgabe und Einsatz.

Die Forderung nach einer höheren Leistung der Munition bezog sich in erster Linie auf die kleineren Waffen der US-Army, dem M1 Carbine und der Thompson Maschinenpistole. Die beim M1 Carbine verwendete Patrone cal .30 Carbine stammte noch aus einer Entwicklung für Kurzwaffen und die cal-.45-ACP-Patrone der Thompson war die Standard-Patrone der US-Army-Kurzwaffe, der M1911 A1 Government, die beide auf mehrere hundert Meter Entfernung wegen mangelnder Präzision ungeeignet waren und im Nahkampf keine gute barrikadebrechende Wirkung hatten. Die leichteren Geschosse der 5,56 × 45-mm-Patrone haben eine flachere Flugbahn als die Langpatronen mit ca. 7,5-7,92 mm Kaliber, die bis dahin Standard bei den Langwaffenkalibern waren. Ein weiterer Vorteil leichterer Munition (geringere Geschossgewichte und geringere Ladung) ist der geringere Impuls und somit Rückstoß, was insbesondere die Kontrollierbarkeit der Waffe beim Abgeben von Feuerstößen erleichtert. Bei diversen Waffen wie zum Beispiel dem M16 wurde die Kontrollierbarkeit dadurch weiter verbessert, dass die Schulterstütze nicht mehr angewinkelt wurde und der Rückstoß somit nicht mit Hebel auf die Schulter wirkt. Durch die geringe Geschossmasse besitzt die Munition weniger Energie als Geschosse von klassischen Langpatronen wie dem Kaliber 7,92x57 mm.

Die Produktionskosten wurden durch die fortgesetzte Verwendung von Messing für die Patronenhülsen zumeist nur wenig vermindert. Andere Munitionsprodukte setzten zwischenzeitlich auf Stahllegierungen für die Patronenhülsen. Später relativierte sich das, da die Verfahren zu Herstellung von Messing verbilligt wurden und es neue Wiederverwertungsverfahren gab.

NATO-Standardisierungsmaßnahmen führten jedoch zuerst zur Übernahme der Gewehrpatrone Kaliber 7,62 × 51 mm NATO (.308 Win.) als neues Standardkaliber, die heute noch partiell in der Standardbewaffnung von Armeen und vor allem bei den mittleren Maschinengewehren (M240, M60, MG3) Verwendung findet.[3]

In den USA erkannte man jedoch schnell, dass auch diese neue Patrone noch nicht die ideale Lösung war. Man experimentierte dort unter anderem in den SALVO-Projekten mit Mehrfachgeschossen und Patronen im Kaliber .22. Ziel war es, mehr Geschosse verschießen zu können, die über eine möglichst hohe Geschwindigkeit bei geringer Masse (Gewicht) verfügen.

Patronen des Kalibers 5,56 × 45 mm NATO in einem M16-Magazin

Während die Armalite Division of Fairchild Engine & Airplane Co. als Nachfolger des Sturmgewehrs AR10 (Kaliber 7,62 × 51 mm NATO) das AR-15 im neuen Kaliber entwickelte, befasste sich die Firma Sierra Bullet Co. mit der Entwicklung der Munition. Munition und Waffe (dann als M16 von Colt gebaut) wurden schließlich ab 1962 von den US-Streitkräften übernommen und ab 1969 Standardausrüstung. In den Folgejahren wurden dann auch in Europa Waffen für dieses Kaliber gefertigt. Die erste Waffe dieser Art war das FN CAL.[4]

Die Patrone gibt es in diversen Varianten. Bei der US-Armee wurde sie mit 3,56-g-Geschoss als M193 eingeführt und später um die Leuchtspurmunition M196 ergänzt. In Belgien wurde die Patrone SS 109 mit einem 3,95 g schweren Geschoss[5] entwickelt für eine geänderte Zuglänge im Lauf entwickelt.

Dese Patrone zum Vorbild für das Kaliber 5,56 × 45 mm NATO, dem neuen Standardkaliber in den NATO-Armeen seit den frühen 1980er Jahren.[6] Es wird in den meisten aktuellen Sturmgewehren (Colt M4, Heckler & Koch G36, Steyr AUG, FAMAS, AK-101) verwendet. Für das SIG 550 verwendet die Schweizer Armee die Ordonnanzpatrone Gw Pat 90. Da die Patrone Gw Pat 90 jedoch weitgehend kompatibel zur Patrone 5,56 × 45 mm NATO ist, findet diese Patrone vor allem auch bei Exportwaffen Verwendung. Auch einige Maschinengewehre (wie das M249 oder das MG4) sowie einige wenige (zumeist polizeiliche) Scharfschützengewehre verschießen dieses Kaliber.

Jagdlicher Einsatz[Bearbeiten]

Die .223 Rem ist neben der .222 Rem im Gültigkeitsbereich des deutschen Bundesjagdgesetzes die kleinste auf Rehwild zugelassene Patrone, da sie gerade noch die gesetzlich vorgeschriebene Energie von 1000J[7] auf 100m erreicht. Im ASPI liegt sie damit bei kurzen Entfernungen unter der Stoppwirkung einer .357mag.

Kritik[Bearbeiten]

Gegen Ende der 1960er-Jahre gab es einige Beschwerden vor der Genfer Konvention gegen die Munition, die zu diesem Zeitpunkt in dem von der US-Army eingeführten Gewehr M16 Verwendung fand. Hauptargumente waren dabei die angeblich absolute letale Wirkung durch Geschosszerlegung, Geschossinstabilitäten im Körperinneren oder den sogenannten Gewebeschock, der angeblich durch Hochgeschwindigkeitsgeschosse mit mehr als 800 m/s Mündungsgeschwindigkeit verursacht würde. Alle diese angeblichen Eigenschaften konnten – bis auf die Geschosszerlegung – in späteren unabhängigen Studien nicht nachgewiesen werden. Bestätigt ist somit nur, dass sich die Vollmantelgeschosse der Munition auch auf größere Entfernungen im Ziel überschlagen und dabei zerbrechen und splittern können. Das verstärkt die wundballistische Wirkung und erhöht die Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher Verletzungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Die deutschen Heereskaliber 7,92 × 57 mm, 7,62 × 51 mm und 5,56 × 45 mm im Vergleich

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. für 3,6 g Geschossmasse
  2. http://www.waffeninfo.net/mun_223.php
  3. NATO Standardization Agreement STANAG 2310
  4. FN FNC (AK5) auf WaffenHQ.de
  5. http://www.waffen-der-welt.alices-world.de/infantry_weapons/munition/556x45.html
  6. NATO Standardization Agreement STANAG 4172
  7. http://www.gesetze-im-internet.de/bjagdg/__19.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank C. Barnes: Cartridges of the World. A Complete and Illustrated Reference for Over 1500 Cartridges. 10. Auflage, Krause Publications, Iola WI 2006, ISBN 0-89689-297-2.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse. Band 2: Ballistik, Wirksamkeit, Messtechnik. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-7276-7145-9.
  • Wiederladen. Herausgeber: Dynamit Nobel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: 5,56x45mm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien