Fünfte Kolonne

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Dieser Artikel behandelt den Begriff als so genannte verdächtige Gruppierung. Siehe auch Die fünfte Kolonne, TV-Serie

Als Fünfte Kolonne werden heimliche, subversiv tätige oder der Subversion verdächtige Gruppierungen bezeichnet, deren Ziel der Umsturz einer bestehenden Ordnung im Interesse einer fremden aggressiven Macht ist.

Ursprung des Begriffs[Bearbeiten]

Der Begriff Fünfte Kolonne wurde 1936 im spanischen Bürgerkrieg geprägt, als er Anhänger der Aufständischen bezeichnete, die nach dem Putsch in den von der Regierung kontrollierten Gebieten verblieben waren, um dort bei Bedarf in Aktion zu treten. Der spanische General Emilio Mola, einer der militärischen Führer des Militärputsches gegen die Republik, hatte verkündet, er werde vier Kolonnen gegen Madrid führen; die Offensive einleiten werde jedoch „die fünfte Kolonne“, nämlich jene Schar in Madrid lauernder Anhänger Francos.[1]

Ausweitung im Zuge des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

In Großbritannien wurde der Begriff auf alle auf der Isle of Man zu internierenden „feindlichen“ Ausländer gemünzt, also auf Bürger aus den Staaten der Achsenmächte. Ähnlich verhielt es sich in Kanada und den USA.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges betrieben die Staaten des Warschauer Paktes die Ausbildung von Kommunisten aus den westlichen Ländern, die im Ernstfall gemeinsam mit Spezialkräften der Pakt-Armeen strategische Ziele im Bereich der NATO besetzen oder zerstören sollten. Umgekehrt unterstützten die NATO-Staaten antikommunistische Widerstandsgruppen im Ostblock. Daher wird der Begriff oft im übertragenen Sinne für „willige Helfer“ gebraucht, insbesondere für politische Gruppen, die bei internationalen politischen Konflikten mit dem Gegner des eigenen Landes aus ideologischen Gründen angeblich oder tatsächlich zusammenarbeiteten.

Der frühere tschechische Premierminister Miloš Zeman wandte den Begriff auf die Sudetendeutschen an, deren „Interessenvertretung“ Sudetendeutsche Partei unter Konrad Henlein während der 1930er Jahre zunehmend an Einfluss gewonnen hatte. Sie seien „die Fünfte Kolonne Adolf Hitlers“ gewesen, meinte Zeman 2002 in Zeitungsinterviews.[2]

Heutiger Sprachgebrauch[Bearbeiten]

Zur Vermeidung von Propaganda, Spionage und Sabotage erlaubt die Genfer Konvention kriegführenden Staaten, auf ihrem Staatsgebiet befindliche Angehörige feindlicher Staaten zu internieren. Diese stehen also unter dem Generalverdacht, eventuell mit dem feindlichen Ausland zusammenzuarbeiten. Doch auch diesseits militärischer Auseinandersetzungen wird Fünfte Kolonne gern als abwertendes, oft auch verleumdendes Schlagwort für tatsächliche oder angebliche politische oder wirtschaftliche Konkurrenten eingesetzt.

Ein Beispiel lieferte in den 1980er Jahren Heiner Geißler im Rahmen der Diskussion um die Stationierung der US-Mittelstreckenraketen. Er bezeichnete die SPD als die „Fünfte Kolonne der anderen Seite“, in diesem Falle also des „Ostblocks“.[3]

Die Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991 unmittelbar nach dem Zweiten Golfkrieg wurde unter anderem mit dem Verdacht begründet, die dort lebenden Palästinenser agierten als Fünfte Kolonne Saddam Husseins. Nachdem der Anführer der PLO, Jassir Arafat die irakische Invasion in Kuwait begrüßt hatte, wurden nach der Entsetzung Kuwaits binnen weniger Wochen mehrere Hunderttausend Palästinenser aus Kuwait und weiteren Golfstaaten vertrieben, die politische und finanzielle Unterstützung der PLO brach zusammen.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Polish Ministry of Information: The German Fifth Column in Poland. Hutchinson, London 1941.
  • Bilek Bohumil: Fifth Column at Work. Description of German minority in Czechoslovakia. Trinity, London 1945.
  • Ernest Hemingway: The Fifth Column. Penguin, Harmondworth 1966.
  • Louis de Jong: The German Fifth Column in the Second World War. Fertig, New York 1973.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  The Merriam-Webster New Book of Word Histories. 1991, S. 178–179 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  2. News, abgerufen am 14. Mai 2011
  3. Siehe Rheinische Post 2. März 2010, abgerufen am 14. Mai 2011
  4. Angry welcome for Palestinian in Kuwait, BBC News, 30. Mai 2001.

Weblinks[Bearbeiten]