5. Sinfonie (Mozart)

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Die Sinfonie B-Dur KV 22 ist eine klassische Sinfonie in drei Sätzen von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach der Zählweise der Alten Mozart-Ausgabe trägt sie die Nummer 5.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entstehungsgeschichte

Eigentlich hatten die Mozarts nach ihrem Aufenthalt in England direkt nach Paris reisen wollen. Aufgrund inständiger Bitten eines holländischen Gesandten und wohl auch wegen guter Einnahmeaussichten ließ sich Leopold Mozart dann aber doch dazu bewegen, einen Umweg über Den Haag zu machen. Hier hielten sich die Mozarts von September 1765 bis April 1766 auf und gaben diverse Konzerte. Dabei wurde neben den Londoner Sinfonien (KV 16, KV 19, KV 19a, KV 19b) auch KV 22 aufgeführt, die Mozart im Dezember 1765 in Den Haag komponierte. Der Anlass war wahrscheinlich ein Konzert am 22. Januar 1766. [1]

Hamann (1990)[2] berichtet zur Entstehung von KV 22: „Am 10. September erreichten sie nach großen Strapazen endlich Den Haag, quartierten sich bei einem Uhrmacher ein und gaben zwei Tage später schon das erste Konzert am Hof der Niederlande, aber ohne Nannerl: Sie brach nach der Ankunft zusammen und konnte nicht mehr auftreten. Es ging ihr sehr schlecht. Die Ärzte rätselten: Waren es die Pocken? Nein, offenbar litt sie an Typhus. Leopold Mozart: „Ich sah meine Tochter täglich abnehmen; sie hatte nun nichts mehr als Haut und Knochen… Der Arzt hatte selber keine Hoffnung mehr.“ Vater und Mutter versuchten, die Kranke in langen Gesprächen auf den Tod vorzubereiten, sie „von der Eitelkeit dieser Welt, von dem glückseligen Tode der Kinder“ zu überzeugen, „da inzwischen der Wolfgangl im anderen Zimmer sich mit seiner Musik unterhielt.“ Er durfte wegen der Ansteckungsgefahr nicht zur Schwester und komponierte in dieser Zeit seine dritte Sinfonie [Anm.: gemeint ist KV 22]."

Ein Mitglied des Amsterdamer Stadsschouwburg-Orchesters, Georg Anton Kreusser, hat wahrscheinlich KV 22 gehört oder sogar mit aufgeführt, denn er verwendete den Anfang vom 1. Satz für seine eigene Sinfonie in Es-Dur op. 5 Nr. 4.[1]

Je nach Standpunkt kann man neben KV 22 auch noch die lockere Folge kurzer Stücken für kleines Orchester und Cembalo KV 32 ("Galamathias musicum") als Holländische Sinfonie bezeichnen. Der Begriff „Sinfonie“ war damals noch nicht so stark festgelegt wie heute, bspw. wurde KV 22 in den Flugblättern von 1765 als Ouvertüre angekündigt.

[Bearbeiten] Zur Musik

Besetzung: 2 Oboen, 2 Hörner in B, 2 Violinen, Viola, Cello, Kontrabass. In Einspielungen von Orchestern auf Instrumenten mit „alter“ Stimmung bzw. auf Originalinstrumenten werden zudem Cembalo und Fagott als Continuo zur Verdoppelung der Bass-Stimme eingesetzt, wie es damals üblich war.
Aufführungszeit: Ca. 8 Minuten.


1. Satz: Allegro
B-Dur, 4/4-Takt, 98 Takte, frühe Sonatensatzform
Das 1. Thema ist durch Vorhalte, Sforzandi, Triller und Bewegung in Sexten gekennzeichnet. Es wird mit einem 14 Takte langen Orgelpunkt auf B unterlegt, der um 1765 weit über Westeuropa verbreitet war (im Stile der Mannheimer Sinfoniker). Nach einem kurzen Crescendo bis zum Forte beginnt nach Akkordschlägen in der Dominante F-Dur eine Überleitung zum 2. Thema in der Doppeldominante C-Dur, welche die gerade erreichte Bewegung durch Sforzandi und Pausen etwas bremst. Ab Takt 23 (2. Thema) fließt die Bewegung dann wieder in Form eines Dialoges zwischen den 1. und 2. Violinen. Es folgt von Takt 31 bis 39 ein neuer Abschnitt, bei dem ein Tremolo von einer Bassbewegung unterlegt ist. Eine solche Struktur findet sich z. B. auch bei KV 19, KV 43 und KV 73. Nach der Schlussgruppe von Takt 39 bis 46, die wieder das Motiv vom 1. Thema aufgreift, schließt sich ein Durchführungsteil an, der das Einleitungsthema durch f-Moll und c-Moll führt. Im Überleitungsteil zum 2. Thema (Takt 65 bis 72) wechselt Mozart sehr effektvoll von Moll nach Dur. Die Reprise setzt dann in Takt 73 mit dem 2. Thema in B-Dur ein. Der Rest des Satzes entspricht im Wesentlichen der Exposition.

Die Struktur des Satzes zeigt Anklänge an die Sonatensatzform, doch werden weder 1. Teil (Exposition) noch 2. Teil (Durchführung und Reprise) wiederholt. Die typische Sonatensatzform war zu dieser Zeit noch in Entwicklung begriffen.


2. Satz: Andante
g-Moll, 2/4-Takt, 57 Takte
Zaslaw (1986)[1] nimmt für diesen Satz eine A-B-A – Form mit Coda an. Es wird hier dagegen eine andere Form vorgeschlagen, die sich noch der Liedform zuordnen lässt:

  • A-Teil (Takt 1 – 10): periodisch aufgebautes Motiv in g-Moll (4 Takte, die einmal wiederholt werden) mit Quinte, gefolgt von 2 Takten mit abfallendem Unisono („Seufzen“);
  • B-Teil (Takt 10 – 21): sequenziertes, neues Motiv mit charakteristischem Auftakt (Sexte, Quinte, Quarte) mit versetzten Einsätzen der beiden Violinen; Modulation von c-Moll nach B-Dur;
  • A-Teil (Takt 22 – 31): Wie oben, aber nun in der Tonikaparallele B-Dur, Ende wieder mit kurzem, fallendem Unisono;
  • B´- Teil (Takt 31-37): kleiner Abschnitt mit Abwandlung vom Motiv des B-Teils, endet ebenfalls mit kurzem fallenden Unisono, B-Dur;
  • A-Teil (Takt 38 – 45): wie Takt 1 – 10, aber ohne Unisono-Ende, g-Moll;
  • B-Teil (Takt 45 – 50): wie Takt 10 – 15, c-Moll;
  • C-Teil oder Coda (Takt 51-57): Aushauchen des Satzes mit Wechsel von c-Moll und g-Moll – Harmonien.

Zaslaw (1986)[1] hebt die „erstaunliche Intensität musikalischer Gestik“ hervor und meint damit wahrscheinlich die „melancholische“ Chromatik und die in den B-Teilen auftretenden Strukturimitationen.


3. Satz: Allegro molto
B-Dur, 3/8-Takt, 97 Takte, Rondo-Form
Die Rondo-Abschnitte werden folgendermaßen eingeteilt:

  • A-Teil: Takt 1-20: Refrain, einfache Melodie basierend auf einem B-Dur-Dreiklang und kräftigen B-Dur Akkorden. Die Melodie wird von Takt 11-20 einmal wiederholt. Sie erinnert an die Einleitung des Quartetts „Signore, die fuori son già i suonatori“ aus dem Finale des 2. Aktes der Hochzeit des Figaro. [1]
  • B-Teil: Takt 21-30: kurzer Abschnitt mit dem Charakter eines Zwischenspiels.
  • A-Teil: Takt 31-50.
  • C-Teil: Takt 51-66: kurzer Abschnitt mit Aufwärts – Abwärtsbewegung zunächst in C, dann in F, ebenfalls mehr zwischenspielartiger Charakter.
  • A-Teil: Takt 67-86.
  • Coda: Takt 87-97: jeweils 2 Vorhalte auf Es (Dominante) im Piano, die von Unisono-Läufen in B (Tonika) „aufgelöst“ werden.

Dieses recht stürmische Finale weist den damals typischen "Kehraus"-Charakter auf und bildet so einen Kontrast zur düsteren Klangfarbe des 2. Satzes.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d e Zaslaw, N. (1986): Textbeitrag zu Wolfgang Amadeus Mozart: Early Symphonies 1764-1771. Einspielung der Academy of Ancient Music; Konzertmeister Christopher Hogwood (Aufnahme 1982). London, Decca Records 1986.
  2. B. Hamann: Nichts als Musik im Kopf. Das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart. Ueberreuter, Wien 1990.

[Bearbeiten] Weblinks, Noten

[Bearbeiten] Siehe auch

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