52-Hertz-Wal

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Ein Spektrogramm des 52-Hertz-Walgesangs
Das Signal des 52-Hertz-Wals, aufgenommen im nordöstlichen Pazifik. Es wurde um den Faktor 10 beschleunigt, sodass es für Menschen bei 520 Hz besser hörbar ist.

52-Hertz-Wal ist der Name, der einem individuellen Wal gegeben wurde, der auf einer für ihn charakteristischen Frequenz von 52 Hertz singt, einer sehr viel höheren Frequenz als die anderer Wale. Vermutlich ist es das einzige Exemplar mit einem derartig hohen Walgesang. Man bezeichnet dieses Tier deshalb auch als „den einsamsten Wal der Welt“.[1][2][3]

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Tonsignatur ist die eines Wales, aber auf einer ungewöhnlichen Frequenz. Mit 52 Hertz ist sie nur geringfügig höher als der tiefste Ton einer Tuba.[4] Die Klangfolge ist nicht die eines Blauwals oder Finnwals – sie ist kürzer und häufiger sowie auf einer höheren Frequenz.[1] Blauwale singen normalerweise bei 15–20 Hz, Finnwale bei 20 Hz.[5]

Die Wanderungen des 52-Hertz-Wals sind unabhängig von der Bewegung und Anwesenheit anderer Wale.[4] Sie ähneln denen von Blauwalen, bezüglich ihrer zeitlichen Abfolge jedoch denen von Finnwalen.[6] Jahrelang wurde das Tier von August bis Dezember im Pazifik registriert, während es sich im Januar und Februar offenbar außerhalb der Reichweite der Hydrophone befand. Es wanderte bis zu den Aleuten und dem Kodiak-Archipel und kam im Süden bis zur Küste von Kalifornien, wobei es täglich zwischen 30 und 70 Kilometer zurücklegte. Die aufgezeichnete Strecke schwankte saisonal zwischen 708 km und 11.062 km in der Saison 2002/2003.[7]

Wissenschaftler der Woods Hole Oceanographic Institution waren bisher nicht in der Lage, das Tier zu identifizieren. Sie spekulieren, dass es sich um ein körperbehindertes Tier oder eine Hybride zwischen einem Blauwal und einer anderen Art handelt.[4]

Die Stimme des Tiers wurde seit 1992 etwas tiefer, was darauf hindeutet, dass es gewachsen ist.[1] Die Tatsache, dass es so lange beobachtet wurde und weiter gewachsen ist, weist auf eine gute Gesundheit hin. Trotzdem bleibt der Wal ein Einzelfall, da nur ein Tier pro Saison mit einer solchen Stimme geortet wurde.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Wal wurde von einem Team der Woods Hole Oceanographic Institution entdeckt. Sein Rufzeichen wurde zuerst 1989, und dann wieder 1990 und 1991 aufgezeichnet.[7] 1992, nach dem Ende des Kalten Krieges, hat die U.S. Navy einige Aufnahmen und Spezifikationen ihrer SOSUS Anti-U-Boot-Hydrophon-Arrays von der Geheimhaltung befreit und machte damit aufgezeichnete Daten für Wissenschaftler zugänglich.[4][6] Von 1992 bis 2004 wurde der 52-Hertz-Walgesang mit diesem Geräuschüberwachungssystem regelmäßig nachgewiesen.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Bryan Nelson: 52 Hertz: The Loneliest Whale in the World. Discovery.com. 20. Mai 2012. Abgerufen am 17. September 2012.
  2. Emily Willingham: 52-Hertz song of world's loneliest whale. EarthSky. 31. März 2011. Abgerufen am 23. September 2012.
  3. Ben Anderson: 'World's loneliest whale' pays visit to Alaska. Alaska Dispatch. 5. Januar 2011. Abgerufen am 17. November 2012.
  4. a b c d Andrew C. Revkin: Song of the Sea, a Cappella and Unanswered. In: New York Times, 21. Dezember 2004. Abgerufen am 17. September 2012. 
  5. John Copley: Lonely whale's song remains a mystery. New Scientist. 10. Dezember 2004. Abgerufen am 17. September 2012.
  6. a b Watkins, William A.; George, Joseph E.; Daher, Mary Ann; Mullin, Kristina; Martin, Darel L.; Haga, Scott H.; DiMarzio, Nancy A. February 2000. "Whale call data for the North Pacific: November 1995 through July 1999 occurrence of calling whales and source locations from SOSUS and other acoustic systems". Woods Hole Oceanographic Institution. Technical report. WHOI-00-02.
  7. a b c d Lonny Lippsett: A Lone Voice Crying in the Watery Wilderness. In: Oceanus. Woods Hole Oceanographic Institution. 5. April 2005. Abgerufen am 17. September 2012.