6. Armee (Wehrmacht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
6. Armee
Truppenkennzeichen der 6. Armee
Truppenkennzeichen
Aktiv 10. Oktober 1939 bis 8. Mai 1945[1]
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer
Typ Armee
Zweiter Weltkrieg Westfeldzug
Krieg gegen die Sowjetunion
Schlacht um Kiew (1941)
Schlacht bei Charkow (1942)
Operation Blau
Operation Braunschweig
Schlacht von Stalingrad
Operation Jassy-Kischinew
Oberbefehl
Liste der Oberbefehlshaber

Die 6. Armee / Armeeoberkommando 6 (AOK 6) war ein Großverband des Heeres der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Sie war Oberkommando jeweils wechselnder Armeekorps sowie zahlreicher Spezialtruppen. Die 6. Armee wurde besonders durch die Schlacht von Stalingrad bekannt. Einheiten der 6. Armee wurden im Krieg gegen die Sowjetunion bei Verbrechen der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD eingesetzt, u.a. beim Massaker von Babyn Jar.

Geschichte[Bearbeiten]

1939 bis 1941[Bearbeiten]

Das AOK 6 wurde am 10. Oktober 1939 durch die Umbenennung des AOK 10, das zuvor im Polenfeldzug eingesetzt war, bei der Verlegung in den Westen gebildet und unterstand hier der Heeresgruppe B. Im Mai und Juni 1940 nahm sie am Westfeldzug teil, wobei sie den linken Flügel der Heeresgruppe B bildete, die im Fall Gelb über Holland und Nordbelgien vorging. In der zweiten Phase (Fall Rot) ging sie über Somme und Oise auf Paris vor und nahm Orléans ein. Anschließend blieb sie bis zum April 1941 im Westen. Die 6. Armee wurde nach dem Westfeldzug „Bezwingerin der Hauptstädte“ genannt.

1941 bis 1942[Bearbeiten]

Ab Beginn des Unternehmens Barbarossa unterstand die Armee der Heeresgruppe Süd. Dabei kämpfte sie unter anderem im September 1941 in der Schlacht um Kiew und im Mai 1942 in der Schlacht bei Charkow. Dann operierte sie beim Fall Blau aus der Ukraine heraus in Richtung Don, welcher Anfang Juli 1942 überschritten wurde. In der Folge kämpfte sich die Armee zwischen Don und Wolga nach Stalingrad vor.[1]

Schlacht von Stalingrad[Bearbeiten]

Ende August 1942 begann die 6. Armee den Angriff auf Stalingrad und brachte, trotz hartnäckigen Widerstandes der sowjetischen 62. Armee, große Teile der Stadt unter ihre Kontrolle. In den darauf folgenden monatelangen Straßen- und Häuserkämpfen gelang es der Wehrmacht nicht, das restliche Stadtgebiet zu erobern.

Von einigen deutschen Frontoffizieren zwar vorhergesehen, kam die im November 1942 beginnende Großoffensive Operation Uranus der Roten Armee für das OKH dennoch überraschend, da man die sowjetische Truppenkonzentration völlig unterschätzt und die daraus resultierende Bedrohung verkannt hatte. Ihr Resultat war der Einschluss der 6. Armee und weiterer deutscher und verbündeter Truppen, insgesamt fast 300.000 Mann, im Kessel von Stalingrad.

Zwischen dem 31. Januar und dem 2. Februar 1943 stellte die 6. Armee den Kampf ein. Etwa 100.000 Soldaten der 6. Armee waren bis zum Ende der Kesselschlacht gefallen.

Nach den Kriegstagebüchern der 6. Armee und Tagesmeldungen der Armeekorps befand sich am Stichtag 18. Dezember 1942 eine Verpflegungsstärke von 230.300 Deutschen und Verbündeten im Kessel, darunter 13.000 Rumänen. Außerdem weisen die Meldungen 19.300 sowjetische Gefangene oder sowjetische Hilfswillige aus. Bis zum 24. Januar 1943 wurden 42.000 deutsche Verwundete, Kranke und Spezialisten ausgeflogen. 16.800 Wehrmachtsoldaten wurden nach sowjetischen Meldungen vom 10. bis 29. Januar gefangengenommen. Bei der Zerschlagung des Kessels in den letzten Januar- und ersten Februartagen ergaben sich weitere 91.000 Soldaten und gingen in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurden dann auf Auffanglager rund um Stalingrad verteilt. Die Rote Armee war Anfangs mit der Versorgung und Betreuung der Kriegsgefangenen völlig überfordert, da man bei der Schließung des Kessel um die 6. Armee lediglich von rund 90.000 Mann Gesamttruppenstärke ausgegangen war. Durch die unzulängliche Ernährung im Kessel waren die deutschen „Kampfverbände“ körperlich dermaßen geschwächt, dass von den rund 90.000 bei der Kapitulation in Gefangenschaft geratenen Kriegsgefangenen nur noch etwa 33.000 in Arbeitslager verbracht werden konnten. Die Mehrzahl war bereits nach wenigen Tagen in den Auffanglagern gestorben, viele aus Schwäche, aber auch an Verwundungen und Seuchen. Die Fahrt der gewöhnlichen Soldaten in die Arbeitslager (zum Wiederaufbau der Sowjetunion) erfolgte in ungeheizten Bahnwaggons. Verpflegung gab es nur jeden dritten Tag, sodass auch hier die Sterberate noch hoch war. Nur 18.000 Gefangene, Mannschaften und Unteroffiziere – gefangene Offiziere kamen in besondere Lager – sollen nach Angaben die Arbeitslager erreicht haben. Nur 6.000 Soldaten und Offiziere der 6. Armee überlebten die Jahre der Gefangenschaft und kehrten in die Heimat zurück.

Am 3. Februar 1943 flog Leutnant Herbert Kuntz als letzter Versorgungsflieger über Stalingrad und konnte keine deutschen Truppen mehr beobachten. Dieses Datum gilt als das Ende der 6. Armee. Allerdings orteten Piloten der deutschen Luftwaffe in der Steppe um Stalingrad noch bis Mitte Februar Kleinsttrupps von bis zu fünf Mann, die versuchten, zu den deutschen Linien zu gelangen.

Nach neueren Berichten kämpften noch bis Ende Februar 1943 rund 10.000 deutsche Soldaten, versteckt im Untergrund, in der völlig zerstörten Stadt. Einige hatten, nach der Spaltung des Kessels gegen Ende Januar, nicht von der erfolgten Kapitulation gehört, andere fühlten sich noch immer an den geleisteten Fahneneid gebunden.[2]

Nach der Neuaufstellung 1943[Bearbeiten]

Am 6. März 1943 wurde die 6. Armee aus der in Südrussland kämpfenden Armeeabteilung Hollidt bei der neuen Heeresgruppe Süd neu aufgestellt. Sie hielt zunächst Linien am Mius und musste sich im Herbst 1943 aus dem Donezbecken an den Dnepr zurückziehen. Hier hielt sie bis Anfang 1944 einen Brückenkopf bei Nikopol, den sie im Februar räumen musste. Sie zog sich hinter den Ingulez und später hinter den Bug in das rumänische Besatzungsgebiet Transnistrien zurück, wo im April aus ihr und der rumänischen 3. Armee die Armeegruppe Dumitrescu gebildet wurde. Nach weiteren sowjetischen Angriffen folgte der Rückzug hinter den Dnister. Im August 1944 erlitt der Verband als Teil der Heeresgruppe Südukraine im Zuge der sowjetischen Operation Jassy-Kischinew schwere Verluste.

Aus den Resten in Siebenbürgen abermals aufgestellt, bezeichnete man sie im September 1944 durch Unterstellung der ungarischen 2. Armee als Armeegruppe Fretter-Pico und von Januar bis März 1945 durch Unterstellung der ungarischen 3. Armee als Armeegruppe Balck. Der letzte Oberbefehlshaber, General der Panzertruppe Hermann Balck, kapitulierte im Mai 1945 in der Steiermark gegenüber den Amerikanern.

Kriegsverbrechen und Propaganda[Bearbeiten]

Hauptartikel: Verbrechen der Wehrmacht

Die 6. Armee war neben ihrer Hauptrolle als Kampfverband auch in die Eroberungs- und Vernichtungspolitik des nationalsozialistischen Regimes in der Sowjetunion einbezogen und somit an der Vollstreckung dieser Politik beteiligt. Ihre Niederlage in der Schlacht um Stalingrad wurde von der NS-Propaganda zum Mythos eines heldenhaften Opfergangs erhoben. In der deutschen Nachkriegsliteratur wurde sie zu einer von ihrer Führung gewissenlos „verratenen Armee“.

In der Zeit von 1941 bis 1943 arbeiteten Oberkommando und Einheiten der 6. Armee mit der SS und den Einsatzgruppen des SD beim Massenmord an den Juden, bei der Bekämpfung von Partisanen und angeblichen Partisanen und bei der Aushungerung der Zivilbevölkerung zusammen.

Offiziere des XXIX. Armeekorps waren an der Planung des Massakers von Baby Jar beteiligt, bei dem im September 1941 innerhalb von zwei Tagen über 33.000 Juden ermordet wurden. In Charkow bereitete das SS-Sonderkommmando Sk 4a im Einvernehmen mit dem Generalstab und der Feldkommandantur eine „Judenaktion“ vor: im Dezember wurden mehr als 20.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Charkow in ein Barackenlager außerhalb der Stadt „evakuiert“ und anschließend von der SS erschossen oder in einem Gaswagen erstickt.[3]

Oberbefehlshaber[Bearbeiten]

(Kapitulation – Neuaufstellung)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Boll, Hans Safrian: Auf dem Weg nach Stalingrad. Die 6. Armee. 1941/42, S. 260 ff. In: Hannes Heer, Klaus Naumann (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Hamburg 1995, ISBN 3-930908-04-2.
  •  Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 3: Die Landstreitkräfte 6–14. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1974, ISBN 3-7648-0942-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Burkhart Müller-Hillebrand: Das Heer. 1933–1945. Band III. Der Zweifrontenkrieg. Das Heer vom Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion bis zum Kriegsende. S. 278.
  2. Verluste 6. Armee in Stalingrad Dokumentation auf PHOENIX „Stalingrad Teil 3 – Der Untergang“
  3. Boll, Safrian: Auf dem Weg nach Stalingrad. Die 6. Armee. S. 278ff.