66/67 – Fairplay war gestern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel 66/67 – Fairplay war Gestern
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2009
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Carsten Ludwig
Jan-Christoph Glaser
Drehbuch Carsten Ludwig
Produktion Alexander Bickenbach
Manuel Bickenbach
Jon Handschin
Musik Dirk Dresselhaus
Kamera Ngo The Chau
Schnitt Sarah Levine
Besetzung

66/67 – Fairplay war gestern ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2009. Der Film handelt von einer Clique gewaltbereiter Fußballfans im Umfeld von Eintracht Braunschweig.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film beginnt mit einer Rückblende rund um eine sechsköpfige Hooligan-Truppe von Eintracht Braunschweig, die allesamt versuchen, ihr Leben mit ihrer Leidenschaft in Einklang zu bringen. Im Film werden auch die einzelnen Probleme der sechs Jungs näher interpretiert wie bei Florian, dem Anführer, welcher auf Aufpasser der Gang fungiert, wie bei Tamer, der um den Erhalt seiner Kneipe "66/67", die als Treffpunkt ihrer Szene gilt, und um seinen todkranken Vater kämpfen muss oder wie bei Henning, welcher mit seinem Beruf als Polizist unzufrieden ist.

Eines Nachts brechen vier der sechs Jungs in das Eintracht-Stadion ein, um die Kopie der Meisterschale zu stehlen, um damit ihren Kumpel Christian zu überraschen, der seiner Freundin Mareille einen Heiratsantrag machen will. Dabei werden sie eben von Christian, welcher als Wachmann bei der Braunschweiger Wach- und Schließgesellschaft arbeitet, überrascht und fliehen. Christian stellt wutentbrannt Florian, der beim Einbruch nicht da war, zur Rede, welcher ihn aber letztlich beruhigen kann.

Schließlich ist der große Tag da - alle Mitglieder treffen sich zur Überraschung bei einem Heimspiel der Eintracht im Stadion (bis auf Otto, der als Stadionverbotler auffliegt und draußen bleiben muss), um die ahnungslose Mareille durch Christians Heiratsantrag zu überraschen. Dieses Vorgehen geht vollkommen in die Hose, als Mareille vor dem Publikum flieht und somit die Trennung besiegelt. Christian, vollkommen am Boden zerstört, zieht sich nach dieser Enttäuschung in den Hintergrund zurück.

Die sechs Jungs erhalten schließlich einen Anruf von rivalisierenden Fans von Hannover 96, die um eine Schlägerei auf einen Rastplatz nahe Lehrte angefragt hatten. Florian überredet Christian, der zunächst aufgrund seiner privaten Situation vom Dach springen will, dabei mitzumachen. Angekommen am Rastplatz, erhalten die Jungs per Anruf die Nachricht vom Rückzug der Hannoveraner. Frustriert suchen sie sich eine andere Fangruppe in Rot, die am Rastplatz weilt, schlagen diese brutal zusammen und fliehen schließlich. Florian sucht schließlich Özlem in Berlin auf, welche ihm kindisches Verhalten an den Kopf wirft und es zum endgültigen Bruch zwischen den beiden kommt.

Am nächsten Morgen findet Henning auf seinem Arbeitsplatz eine Vermisstenanzeige von Mareille und zudem fliegt er als einer der Einbrecher ins Eintracht-Stadion auf, da sein Vater das eingesteckte Autogrammportrait von Paul Breitner findet und ihn deshalb vom Dienst suspendiert. Henning benachrichtigt die Jungs vom Verschwinden Mareilles und bringt Christian damit in Verbindung, der zuletzt nichts von sich hat hören lassen. In einer Laube im Schrebergarten von Christians Schwiegereltern findet Florian schließlich die masochistisch verletzte Mareille, die so von Christian zugerichtet wurde.

Die Rückspanne endet schließlich und geht in die Trauerfeier von Tamers Vater Ahmet in der Kneipe "66/67" über, wo alle anwesend sind. Florian versucht Özlem nochmal zum Bleiben zu überreden, aber ohne Erfolg. Überglücklich erfahren Florian und Otto an einer Straßenecke anhand feiernder Eintracht-Fans, dass die stark abstiegsgefährdete Eintracht doch noch den Klassenerhalt geschafft hat.

Produktion und Filmstart[Bearbeiten]

66/67 ist eine Produktion von Frisbeefilms und Jetfilm in Koproduktion mit der ZDF-Reihe Das kleine Fernsehspiel und ARTE. Gedreht wurde im Juli und August 2008 zu großen Teilen in Braunschweig, darunter an vielen Originalschauplätzen der dortigen Fankultur, wie zum Beispiel dem Eintracht-Stadion. Weitere Drehorte waren Wolfsburg, Berlin und Istanbul.

Der Film wurde am 27. September 2009 beim Zurich Film Festival uraufgeführt. Am 10. November 2009 wurde er während des immer im November stattfindenden Filmfests zum ersten Mal in Braunschweig gezeigt. Am 19. November 2009 lief er mit 25 Kopien in den deutschen Kinos an, wo er etwa 11.000 Zuschauer erreichte. Am 29. Januar 2011 wurde er auf ARTE erstmals im Fernsehen gezeigt.[1]

Weiteres[Bearbeiten]

Der Titel "66/67" ist eine Anspielung auf den bislang einzigen Gewinn der deutschen Fußball-Meisterschaft durch Braunschweig in der Bundesligasaison 1966/67.

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films urteilt: „Ein dramaturgisch stimmig entwickelter Ensemblefilm, der durchaus die Faszinationskraft des am Fußball nur oberflächlich festgemachten Zusammengehörigkeitsgefühls zu vermitteln weiß, aber auch zeigt, welche Verdrängungsmechanismen durch die martialische Gruppendynamik am Leben erhalten werden.“[2]

Tomasz Kurianowicz nennt den Film in der FAZ „herausragend“ und stuft ihn „als einen der wenigen und wichtigen deutschen Generationenfilme der Gegenwart“ ein. Dabei lobt er neben den Darstellern auch Drehbuchautor bzw. Regisseur und vergleicht das Filmende mit Flauberts Erziehung des Herzens.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

66/67 – Fairplay war gestern gewann das Goldene Auge als bester Film im deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb des Zurich Film Festival 2009 und war für den Grimme-Preis 2012 nominiert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 66/67 – Fairplay war gestern bei mediabiz.de, abgerufen am 21. April 2011
  2. 66/67 – Fairplay war gestern im Lexikon des Internationalen Films
  3. Tomasz Kurianowicz: Eintracht in Braunschweig, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Januar 2011