7. Jahrhundert
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Das 7. Jahrhundert begann am 1. Januar 601 und endete am 31. Dezember 700.
Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 200 bis 300 Millionen Menschen geschätzt.[1] In Europa konsolidierten sich die aus der Völkerwanderung hervorgegangen germanisch beherrschten Reiche der Franken, Westgoten und Langobarden. Der Begründung des Islam folgte die Islamische Expansion, die eine signifikante Änderung der Herrschaftsverhältnisse im Mittelmeerraum sowie im Nahen und Mittleren Osten zur Folge hatte. Den indische Subkontinent teilten sich mehrere Fürstentümer, die miteinander konkurrierten, sich jedoch auch kulturell beeinflussten. China gewann unter der Tang-Dynastie an Größe, Macht und Einfluss.
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Entwicklungen [Bearbeiten]
In Europa ist dieses Jahrhundert Teil des Frühmittelalters (ca. 600-1050). Zu Beginn des Jahrhundertes gelingt es dem merowingischen König Chlothar II. das Frankenreich wieder zu vereinen. Er musste jedoch den ihn unterstützenden Adeligen im Edictum Chlotharii weitgehende Rechte einräumen. Diese Urkunde gilt als wichtige Stufe im frühmittelalterlichen Feudalisierungsprozess. Ab 639 zerfällt das Reich erneut in selbständige Teile. Am Ende des Jahrhunderts begann der Aufstieg der Pippiniden, der späteren Karolinger über das Amt des Hausmeiers. Im folgenden Jahrhundert einigten diese das Frankenreich und vergrößerten es zur dominierenden Macht West- und Mitteleuropas.
Iro-schottische Mönche zogen von Irland und Schottland vorwiegend nach England und ins fränkische Reich aus, um die Bevölkerung zum christlichen Glauben zu bekehren oder diesen bei ihr zu vertiefen. Dazu gründen sie zahlreiche Klöster. Bei der Bekehrung der Angelsachsen kam es zu Differenzen mit römischen Missionaren, die England von Süden im Auftrag des Papstes missionierten. Diese wurden in der Synode von Whitby zugunsten der römischen Missionare beigelegt. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts war die Christianisierung Englands abschlossen.
Slawische Stämme ließen sich ab 615 auf dem Balkan dauerhaft nieder.
Auch im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten endete spätestens in der Jahrhundertmitte die Spätantike.
Das persische Sassanidenreich eroberte unter Chosrau II. ab 603 weite Gebiete des Byzantinischen Reiches, das durch einen Umsturz geschwächt war. Die Eroberung Syriens, Palästinas und schließlich Ägyptens (619) war für Byzanz besonders wirtschaftlich ein schwerwiegender Verlust. Der seit 610 regierende byzantinische Kaiser Herakleios schaffte es durch einen siebenjährigen Krieg, für den er alle Ressourcen seines Reiches mobilisierte, die verlorenen Gebiete von den Persern zurückzuerobern. Nach dem Friedensschluss zwischen den Kriegsparteien (629) ließ der Krieg beide Reiche geschwächt zurück.
Ab dem Beginn des Jahrhunderts warb Mohammed auf der arabischen Halbinsel Anhänger und stiftete eine der Weltreligionen, den Islam. Unter seinen Nachfolgenden, den sogenannten „rechtgeleiteten Kalifen“, begann die Islamische Expansion. Die Araber eroberten große Gebiete des byzantinischen Reiches, wie Syrien, Palästina und Ägypten, was Byzanz dauerhaft großer wirtschaftlicher Ressourcen beraubte. Ferner eroberten sie das persische Sassanidenreich vollständig.
In der Mitte des Jahrhunderts kam es unter den Muslimen zu Auseinandersetzungen über das Kalifat von ʿAlī ibn Abī Tālib. In deren Folge wurde sein Gegenspieler Muʿāwiya I. als Kalif von einem Teil der Muslime anerkannt, die die Glaubensrichtung der Sunniten begründeten. Die Parteigänger Alis begründeten die Glaubensrichtung der Schiiten. Muʿāwiya I. war der erste Kalif der Umayyaden-Dynastie und verlegte die Hauptstadt des Kalifats nach Damaskus. Unter den Umayyaden wurde das Kalifenreich weiter ausgedehnt, so dass es gegen Ende des Jahrhunderts unter anderem die gesamten byzantinischen Gebiete Nordafrikas umfasste. Während die ersten Kalifen die Gesellschafts- und Verwaltungsstrukturen der eroberten Gebiete weitgehend bestehen ließen, setzte zum Ausgang des Jahrhunderts eine zunehmende Arabisierung ein, wobei die Arabische Sprache das Griechische und Persische als Amtssprache ablöste.
In China wurde 618 die Sui-Dynastie von der Tang-Dynastie abgelöst. Die Sui-Kaiser vollendeten am Anfang des Jahrhunderts einige Großprojekte, wie die Erweiterung des Kaiserkanals und die Befestigung der Nordgrenze. Für deren Verwirklichung forderten sie sehr große Opfer von der Bevölkerung, die sich mit zahlreichen Revolten wehrte. Hinzu kamen militärische Auseinandersetzungen mit den Kök-Türken. Vor dem Hintergrund dieser Probleme konnte General Li Yuan die Macht erringen und als Kaiser Tang Gaozu die Tang-Dynastie begründen. Nachdem er das durch Unruhen belastete Reich befriedet hatte, dehnten seine Nachfolger die Reichsgrenzen insbesondere nach Nordwesten, entlang der Seidenstraße, mit militärischen Mitteln stark aus. Durch Intrigen und Machtränke stieg Wu Zetian in der zweiten Jahrhunderthälfte von einer kaiserlichen Konkubine, zur faktischen Herrscherin (ab 660) und schließlich zur Kaiserin Wu Zhao (690) auf.
Im Hochland von Tibet gründete Songtsen Gampo das Königreich von Tibet, indem er die dort heimischen Fürstentümer nacheinander unterwarf. Im Zuge einer Expansionspolitik führte Tibet unter seinen Nachfolgern in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Kriege mit China über die Kontrolle des Tarimbeckens, in dem Teile der Seidenstraße verlaufen. Dabei gelang es Tibet in den 670er Jahren größere Teile des Beckens unter seine Kontrolle zu bringen. In den 690er Jahren konnte China diese Gebiete wieder zurückerobern. Im 7. Jahrhundert konnte sich der Buddhismus erstmals in Tibet etablieren, während er sich im folgenden Jahrhundert flächendeckend verbreiten konnte.
Auf der südostasiatischen Insel Sumatra wurde das Königreich Srivijaya gegründet, das buddhistisch geprägt war. Es dehnte sich durch Eroberungen bis zum Ende des Jahrhunderts auf große Teile des Südens der Insel aus. In den folgenden Jahrhunderten beherrschte es wesentliche Teile des heutigen Malaysias und Indonesiens und stieg zur regionalen See- und Handelsmacht auf.
In Japan, indem das 7. Jahrhundert der Asuka-Zeit zugeordnet wird, erfolgten durch den Kaiserhof weitreichende Reformen. Die sogenannte 17-Artikel-Verfassung war eine Schrift zur ethischen Ausübung der Herrschaft, die sowohl von der Staatsreligion, dem Buddhismus, als auch von konfuzianischen Einflüssen geprägt war. Durch die Taika-Reformen wurde der japanische Zentralstaat etabliert. Die in dieser Zeit errichteten staatlichen Strukturen sowie die Entwicklung der Kultur richteten sich stark am Vorbild des chinesischen Kaiserreiches aus.
- Die Überlieferung der südamerikanischen Moche-Kultur bricht ab. Wahrscheinlich infolge einer Klimakatastrophe kommt es zu Hungersnöten und Bürgerkriegen.
Ereignisse [Bearbeiten]
Europa [Bearbeiten]
- 639: Nach dem Tod des letzten bedeutenden merowingischen Königs, Dagobert I., übernehmen die Hausmaier der jeweiligen Reichsteile die tatsächliche Macht im Frankenreich.
- 664: Die Synode von Whitby war für die Angelsachsen ein wichtiger Schritt weg von der iroschottischen und hin zur römischen Kirchenordnung.
- 687: Durch seinen Sieg in der Schlacht bei Tertry gewinnt Pippin der Mittlere das Hausmeieramt im gesamten Frankenreich und legt damit die Grundlage zum Aufstieg der Pippiniden, der späteren karolingischen Dynastie.
Mittelmeerraum und Naher Osten [Bearbeiten]
- 622: Hidschra, Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina.
- 632: Tod Mohammeds.
- 636: errangen die arabischen Heere in der Schlacht am Jarmuk einen entscheidenden Sieg byzantinischen Truppen, dem die Eroberung großer byzantinischer Gebiete folgte.
- 643: Eroberung Tripolitaniens durch die Araber.
- 651: Tod des letzten persischen Großkönigs Yazdegerd III.; das Sassanidenreich fällt der arabischen Expansion zum Opfer.
- 681: Gründung des Bulgarischen Reiches auf der östlichen Balkan-Halbinsel, vgl. Großbulgarisches Reich.
- 698: fällt mit Karthago der letzte wichtige oströmisch-byzantinische Stützpunkt in Nordafrika an die Araber.
Asien [Bearbeiten]
- 604: Der japanische Prinzregent Shōtoku Taishi erließ die 17-Artikel-Verfassung (憲法十七条 Kenpō-jūshichi-jō).
- 645: Das japanische Adelshaus der Nakatomi beendet die politische Herrschaft der Familie Soga. Im Jahr darauf werden die Taika-Reformen erlassen, die Verwaltung, Steuerrecht und die Grundbesitzverhältnisse neu ordneten.
- 645: Ōsaka wird japanische Hauptstadt.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
- Herakleios, byzantinischer Kaiser, besiegt das Sassanidenreich
- Chosrau II., letzter bedeutender sassanidischer Großkönig
- Mohammed, Gründer des Islam
- Songtsen Gampo, Begründer des (König-)Reich von Tibet
Erfindungen und Entdeckungen [Bearbeiten]
- Im Kaiserreich China kommt erstmals in kleineren Mengen Papiergeld in Umlauf.
- Araber verkochen erstmals Öl und Lauge miteinander und schaffen somit die Seife in ihrer heute bekannten Form.
- Entwicklung der Windmühle in Persien.
- Die Masoreten (jüdische Schriftgelehrte) entwickeln ein Vokalpunktierungssystem, um die korrekte Aussprache des Hebräischen fest zu halten.
- Einführung des islamischen Kalenders.
- Erforschung Indiens auf dem Landweg durch den chinesischen Entdecker Xuanzang.
- In der chinesischen Provinz Jiangsu wird zwischen dem Jangtsekiang und dem Huang He der „Kaiserkanal“ erbaut.
- Erste schriftliche Zeugnisse der altmalaiischen Sprache.
Weblinks [Bearbeiten]
- Ingrid Heidrich: Einführung in die Geschichte des Mittelalters – 7. Jahrhundert (überarbeitete elektronische Fassung von Einführung in die Geschichte des europäischen Mittelalters, H-C-I, Bad Münstereifel 2003, ISBN 3-00-010998-6)