7. Sinfonie (Sibelius)

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Die 7. Sinfonie C-Dur, op. 105 ist die letzte vollendete und erhaltene Sinfonie und eines der letzten Orchesterwerke des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Die Uraufführung fand am 24. März 1924 in Stockholm unter Sibelius' eigener Leitung statt. Die Orchesterbesetzung ist 2.2.2.2-4.3.3.0-Pk-Str; die Aufführungsdauer beträgt ca. 22 Minuten.

Merkmale und Kompositionsgeschichte[Bearbeiten]

Die 7. Sinfonie ist formal betrachtet außergewöhnlich, denn sie besteht nur aus einem einzigen Satz. Diese Konzeption stand jedoch nicht zu Beginn der Komposition, sondern war ein langer Weg, der mit Skizzen zu einem viersätzigen Werk begann und allmählich über die Dreisätzigkeit zur Einsätzigkeit fortschritt. Sibelius’ sieben Sinfonien sind uneinheitlich in Bezug auf die Sätze: Ein erstmaliger Verstoß gegen die traditionelle Viersätzigkeit findet sich schon in der 3. Sinfonie, in deren Finalsatz ein anfänglich vierter Satz mit eingeflossen ist. Nach der 7. Sinfonie arbeitete Sibelius in den Jahren 1928–1933 an einer weiteren, seiner 8. Sinfonie. Ob er diese vollendete, ist nicht genau geklärt. Sibelius verbrannte alle Entwürfe um 1945.[1] Außerdem ließ seine Schöpfungskraft in den späten 1920er-Jahren infolge übermäßigen Alkoholkonsums nach. Nach der 7. Sinfonie entstanden nur noch wenige Werke, u. a. die Tondichtung Tapiola (1926). Dennoch lebte der Komponist noch über dreißig Jahre, ohne dass er jemals wieder komponierte.

Die 7. Sinfonie hat eine lange Entstehungsgeschichte. Der Komponist erwähnte sie erstmals im Dezember 1918, Skizzen datieren jedoch bereits aus dem Jahre 1914, als er an der 5. Sinfonie arbeitete. Erst nach der Uraufführung unter dem Titel "Sinfonische Fantasie Nr. 1" änderte Sibelius die Werbezeichnung in Sinfonie, um den Unterschied zu seinen ebenfalls einsätzigen Sinfonischen Dichtungen zu betonen.

Sibelius wollte seine Sinfonien immer als absolute Musik verstanden wissen: „Meine Sinfonien sind zuerst und zuletzt Musik und ohne äußeren Anlass erdacht.“ Den Beginn der Sinfonie entwickelte Sibelius aus einem Thema der niemals komponierten Tondichtung Kuutar („Weiblicher Mondgeist“), das er in Skizzen mit „Tähtölä“ („Wo die Sterne glühen“) bezeichnete.

Stimmen zur 7. Sinfonie[Bearbeiten]

“Despite the limitations of its extent, it is the climax of his creative work and its music is a concentration of the essence of the other symphonies’ best qualities.”

„Trotz ihrer Kürze ist sie der Höhepunkt seines Schaffens. Ihre Musik ist eine Konzentration der Essenz der besten Eigenschaften seiner anderen Sinfonien.“

Simon Parmet[2]

„Die siebte Sinfonie ist etwas absolut Neues und Revolutionäres in der Geschichte der Sinfonie. Mit der Siebten und „Tapiola“ ging die Ära der Dur-Moll-Tonalität zu Ende – aber wie fantastisch!“ Veijo Murtomäki, Musikwissenschaftler

„Die 7. formt ein Paar mit der 6., aber dies ist nicht autobiographisch. Das Ego wurde vernachlässigt, und die Dinge sind vom Standpunkt der Menschheit aus gesehen. Der Komponist wendet sein Augenmerk von sich selbst ab, um höhere Kräfte zu erreichen. Die Siebte ist heilige Musik. Dieses Stück ist auch sehr schwer zu spielen.“ Osmo Vänskä, Dirigent

Literatur[Bearbeiten]

  • Kalevi Aho: The symphonies of Jean Sibelius. In: Jean Sibelius, Tone Poet of the Finnish Forests. Metsäliitto/Metsä Group, Helsinki 1999, ISBN 952-90-9319-5, S. 51–73.
  • Joachim Brügge: Jean Sibelius, Symphonien und Symphonische Dichtungen. Ein Werkführer. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-58247-9, S. 97–101.
  • Peter Revers: „Musik wie klares, kaltes Wasser“. Zu den Symphonien Nr. 5–7 von Jean Sibelius. In: Hartmut Krones (Hrsg.): Jean Sibelius und Wien. Böhlau, Wien 2003, ISBN 3-205-77141-9, S. 135–142 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Arnold Whittall: The later symphonies. In: Daniel M. Grimley: The Cambridge companion to Sibelius. Cambridge Univ. Press, Cambridge u. a. 2004, ISBN 0-521-81552-5.
  • Jochem Wolff: Jean Sibelius. Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105. In: Wulf Konold (Hrsg.): Konzertführer Romantik. 2. Auflage. Schott, Mainz 2007, ISBN 978-3-254-08388-3, S. 828–829.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die achte Symphonie – 1928–1933 bei sibelius.fi
  2. Simon Parmet: The Symphonies of Sibelius: A Study in Musical Appreciation. Translated by Kingsley A. Hart. Cassell, London 1959 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).