7 Tage, 7 Köpfe

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Seriendaten
Originaltitel 7 Tage, 7 Köpfe
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) 1996–2005
Produktions-
unternehmen
RTL
Rudi Carrell GmbH
Länge 45 Minuten
Genre Comedy
Produktion Rudi Carrell, Susanne Hoffmann (bis 2002)
Moderation Jochen Busse
Erstausstrahlung 23. Februar 1996 auf RTL Television
Besetzung
Nebenfiguren

prominente Gäste, vorzugsweise aus dem Bereich Kabarett und Comedy

7 Tage, 7 Köpfe war eine satirische Talkshow von RTL, welche auf die vergangene Woche zurückblickte. Es handelte sich um die letzte bedeutende Show von Rudi Carrell, die er aber nicht selbst präsentierte, sondern dies Jochen Busse überließ. Carrell nahm lediglich als Stammgast daran teil, bis er sich 2002 zurückzog und nur noch gelegentliche Kurzauftritte hatte.

Die Show[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Rudi Carrell erreichte bei RTL nicht mehr den Erfolg wie zuvor bei der ARD. Die Sehbeteiligung von Die Post geht ab! enttäuschte, jene von Rudis Urlaubsshow fiel zwar ordentlich, nicht aber überwältigend aus. Da es gerade viele Talkshows insbesondere im Nachmittagsprogramm gab, kam er auf die Idee der satirischen Talkshow. Schon nach der Pilotsendung war er sich sicher, dass es ein Erfolg werde, aber die Unterhaltungschefin von RTL bezweifelte dies. Es kam dann aber doch zur ersten Staffel mit 30 Folgen.[1]

Konzept[Bearbeiten]

7 Tage, 7 Köpfe lief freitagabends - in der Regel um 22.15 Uhr - und bestand entsprechend dem Titel aus sieben Teilnehmern, nämlich dem Moderator und sechs Gästen. Man saß halbkreisförmig an Tischen und behandelte ebenfalls entsprechend dem Titel die Ereignisse der letzten Woche. Dazu sprach der Moderator ein Thema an und bat einen Gast, dazu etwas anzumerken. Wie bei all seinen Fernsehsendungen, so achtete Carrell auch hier darauf, dass optische Gags vorkamen. In der ursprünglichen Version setzten sich die Gäste je zur Hälfte aus Komikern und Journalisten zusammen. Es zeigte sich aber, dass eine Besetzung nur mit Komikern wirkungsvoller war, so dass man zur zweiten Staffel die Journalisten wegließ.

Arbeitsweise[Bearbeiten]

Carrell gründete zur Produktion von 7 Tage, 7 Köpfe die Rudi Carrell GmbH und beteiligte sich daran mit 49 % sowie Susanne Hoffmann mit 51 %. Letzteres damit diese im Falle von Carrells Tod versorgt war. Mit der Drehbuchautorin Hoffmann arbeitete Carrell schon seit Rudis Tagesshow zusammen, zudem war es seine Geliebte. Die beiden begannen samstags mit dem Auswerten von Nachrichten, um an Gags zu gelangen. Dienstags ließen sie dann den Gästen und den Gagautoren die voraussichtlichen Themen zukommen und mittwochs fuhren sie zum Hotel Maritim nach Köln, wo Carrell eine Suite bewohnte. Auf einer Konferenz wurden dann die Ideen der Gäste, der Gagautoren sowie von Carrell und Hoffmann zusammengetragen. Damit erstellte man dann ein exaktes Drehbuch, wobei auch eine Stoppuhr zum Einsatz kam.[1] Am Nachmittag vor der Ausstrahlung wurde 7 Tage, 7 Köpfe dann vor Studiopublikum aufgezeichnet. Dies geschah im Studio 19 der Magic Media Company in Hürth-Kalscheuren.

Stammbesetzung und ihre Running Gags[Bearbeiten]

Jochen Busse (1996-2005)

Jochen Busse war weniger ein Moderator, er spielte vielmehr einen Moderator. So begann er stets mit den Worten: Ich begrüße sie in meiner bekannt liebenswürdigen Art ... und bat zum Ende jeder Sendung: Bleiben Sie uns gewogen. Da Busse bekannt für seine elegante Kleidung war, wurde er Opfer von Witzen über Bügelfalten

Journalisten (1996–1997)

Bei den in der ersten Staffel vorkommenden Journalisten handelte es sich um Bärbel Schäfer und Milena Preradovic, die bei RTL tätig waren, sowie um Hellmuth Karasek.

Rudi Carrell (1996–2002)

Carrell wollte ursprünglich nur bei den ersten sieben Folgen dabei sein, um mit seiner Prominenz die Serie populär zu machen. Der gigantische Erfolg bewog ihn aber, sieben Jahre dabei zu sein. Dann befand er: Ich bin der Produzent der Sendung und muss darauf achten, dass nicht nur alte Leute auf dem Bildschirm zu sehen sind. und hatte nur noch gelegentliche Kurzauftritte, um optische Gags zu präsentieren. Carrell machte häufig Witze über die Nase von Mike Krüger und übergoß ihn immer wieder mit Wasser. Als er 1997 ein Hörgerät bekam, machte er darüber ebenfalls Witze.[1]

Karl Dall (1996–1997)

Der Sender befand ursprünglich, man habe ein jugendliches Publikum, für das Karl Dall zu alt sei.[1] Carrell konnte sein Vorschlag aber durchsetzen und Dalls Gags kamen dann auch ausgezeichnet an. Die Zusammenarbeit endete aber rasch, da er zu improvisieren begann. Dies duldete Carrell aber nicht, in seiner Sendung hatte alles exakt nach Absprache abzulaufen. Nach dem Ausscheiden sagte er: Wir waren die dicksten Kumpel und er hat mich zweimal wahnsinnig enttäuscht.[2]

Mike Krüger (1996-2005)

Mike Krüger war ein alter Bekannter von Carrell, die beiden kannten sich seit 1975, als Krüger in Am laufenden Band auftrat. Obwohl jünger als Dall, fand der Sender auch ihn ursprünglich als zu alt und das er seine Karriere schon hinter sich habe.[1] Krüger hatte dann aber einen bedeutenden Anteil am Erfolg der Show. Er machte häufig Witze über Rudis Alter sowie über Holländer und ihre Wohnwagen. 1997 veröffentlichte er daraufhin sogar das Album Rudi - mit dem gelben Nummernschild. Ein weiterer Standard war die „fürchterliche Kindheit“, welche Krüger immer mit den Worten einleitete: Ja sie wissen es alle … ich hatte eine … (Publikum: „Ooooohhh“) fürchterliche Kindheit.

Gaby Köster (1996–2005)

Gaby Köster war ein RTL-Vorschlag, dem Carrell sofort zustimmte.[1] Er sagte über sie: Sie ist für mich eine der komischsten Frauen der Welt.[2] Köster war Opfer von Frauenwitzen aller Art. Selbst machte sie Gags über ihre immer nörgelnde Oma Finchen.

Kalle Pohl (1997–2005)

Kalle Pohl war Opfer von Witzen über Kleinwüchsige. Selbst machte er Gags über seinen umwerfender Erfolg bei Frauen, die er mit den Worten einleitete: Ja, ich als Frauentyp ...; über sein immer wütenden Vetter Hein Spack, wozu der Ausspruch gehörte: Ey wat is los, dumm Sau?, und seine sich immer beklagende Tante Mimi.

Bernd Stelter (1997–2005)

Bernd Stelter empfand 7 Tage, 7 Köpfe als eine Show, an der er selbst gerne teilnehmen würde. Carrell fragte ihn dann tatsächlich, ob er teilnehmen wolle. Stelter war Opfer von Witzen über Dicke.

Oliver Welke (2002–2005)

Als Nachfolger für sich selbst wünschte sich Carrell Dieter Nuhr, über den er sich mit den Worten äußerte: Er ist einer der besten Komiker[2]. Dieser hatte aber zu viele Verpflichtungen, als dass er jeden Freitag zu 7 Tage, 7 Köpfe hätte kommen können. So nahm man Oliver Welke, der ebenfalls mehrfach wechselnder Gast gewesen war und den Carrell ebenfalls für talentiert hielt: Er ist der perfekte Mann auf meinen Platz.[3] Welke war Opfer von Witzen über Haarausfall.

Wechselnde Gäste[Bearbeiten]

Der siebte Platz und wenn ein Stammgast einmal nicht kommen konnte, auch noch dessen Platz wurden mit ständig wechselnden Gästen besetzt. Dabei gab es anfänglich ein großes Spektrum, es reichte Sepp Maier, der regelmäßig als Amateurkomiker auftrat, über Journalisten wie Friedrich Nowottny oder Marcel Reif und Sängern wie Campino oder Howard Carpendale bis hin zu Politikern wie Gregor Gysi oder Jürgen Möllemann. Man ging dann aber zunehmend dazu über, sich auf professionelle Komiker zu beschränken. Dies erlaubte es auch, talentierte Anfänger bekannt zu machen, was beispielsweise mit Michael Mittermeier geschah.[1] Carrell sagte über ihn:Wie der den Saal beherrscht und die Kamera, das ist Weltklasse. Da stimmt alles.[2] So saßen dort über 70 verschiedene Prominente, unter anderem Simone Solga, Rolf Miller, Ingo Appelt, Mario Barth, Django Asül, Olli Dittrich, Lisa Fitz, Dieter Nuhr, Atze Schröder, Piet Klocke, Jörg Knör, Maren Kroymann, Alf Poier, April Hailer, Stefan Raab, Heinz Schenk, Hans Werner Olm, Willy Astor, Ingo Oschmann, Bernhard Hoëcker, Hennes Bender, David Leukert, Anka Zink, Eckart von Hirschhausen, Manes Meckenstock, Ludger Stratmann, Mathias Richling, Jürgen von der Lippe, Thomas Hermanns, Ina Müller und Oliver Pocher.

Da Harald Schmidt nie unter den Gästen war, trat er in den letzten fünf Minuten der letzten Folge auf und spielte den darüber Enttäuschten, dass 7 Tage, 7 Köpfe ende und er nun nicht mehr kommen könne. Rudi Carrell war zu diesem Zeitpunkt bereits so erkrankt, dass er Harald Schmidt bei seinem Besuch lediglich wortlos mit einem Glas Wasser überschüttete.

Erfolg und Ende[Bearbeiten]

7 Tage, 7 Köpfe erreichte schon mit der ersten Staffel 5 Mio. bis 7 Mio. Zuschauer, ausgezeichnete Werte für eine derart kostengünstige Show. So kam es auch zu Nachahmern, insbesondere zu Blond am Freitag. 1998 erreichte Carrell wieder Platz fünf unter den beliebtesten Fernsehstars, nach Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Hanns Joachim Friedrichs und Hans-Joachim Kulenkampff.[1] Erst 2005 fiel die Quote unter 10 %, woraufhin Carrell beschloss, die Show einzustellen.[3] Am 30. Dezember 2005 wurde die letzte Folge, welche als Das große Finale bezeichnet wurde, ausgestrahlt. Die Jubiläumsshow 30 Jahre RTL enthielt einen kleinen Rückblick auf die Sendung, bei der Gaby Köster als Stargast dabei war.

Preise[Bearbeiten]

Das Format wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Show erhielt dabei so renommierte Fernseh- und Zuschauerpreise wie den Goldenen Löwen, den Bambi und den Goldenen Gong.

2004 ging ein Sonderpreis des Deutschen Comedypreises an 7 Tage, 7 Köpfe, da die Show bereits 250 Mal auf RTL auf Sendung war und Maßstäbe in der deutschen Fernseh-Comedy gesetzt habe.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Ein Leben für die Show, Kapitel 11 Erfahrungen an neuen Ufern
  2. a b c d Ein Leben für die Show, Kapitel Kollegenschelte
  3. a b Ein Leben für die Show, Kapitel 12 Hinter den Kulissen