A.C.A.B.

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A.C.A.B. steht für die englischsprachige Parole „All cops are bastards“ (wörtlich „Alle Polizisten sind Bastarde“). Diese wird von zahlreichen Jugendsubkulturen verwendet (siehe auch: Autonome, Skinheads, Hooligans und Ultras oder auch Punks).[1]

Graffiti an einer Notrufsäule

Geschichte[Bearbeiten]

Der genaue Zeitpunkt der Entstehung ist unklar. A.C.A.B. ist eine häufig anzutreffende Gefängnistätowierung in Großbritannien. In Form von Tätowierungen, Aufnähern, Buttons, Schriftzügen auf Jacken und Häuserwänden sowie als Songtexte fand das Akronym in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren Eingang in die Jugendsubkulturen des Punk und Oi!. Später wurde der Slogan von Teilen der neonazistischen Szene übernommen. In die frühen 1980er datieren auch die Titel A.C.A.B der deutschen Punkband Slime oder der Londoner Oi!-Band The 4-Skins. Der Slogan wird auch als 1312 codiert dargestellt, entsprechend der Position der Buchstaben im Alphabet.

Weitere und ergänzende Bedeutungen[Bearbeiten]

Neben der bekannten Deutung als All Cops are Bastards (im englischen Sprachraum manchmal auch als All Coppers are Bastards ausgesprochen)[2] haben sich eine Vielzahl von Backronymen und Abwandlungen gebildet. In der linken Szene verwenden einige Menschen alternativ „All Cops are Bullshit“, da der Begriff „Bastard“ auch rassistisch verwendet wird (z. B. „Rheinlandbastarde“). Darüber hinaus kommen aus der linksextremen Szene auch Ergänzungen, wie All colours are beautiful (Alle Farben sind schön) oder all communists are beautiful[3] (Alle Kommunisten sind schön). Weit verbreitet im Bereich der Punk-, Skinhead- und Fußballkultur ist die auf die gemeinsame Präferenz von alkoholischen Getränken zurückgehende Aussprache zu Acht Cola Acht Bier,[4] die häufig auch in 8 ColaBier abgewandelt wird. Darüber hinaus gibt es bei Neonazis die antisemitische Variante A.J.A.B. All Jews are Bastards. Bei Autonomen ist die Abwandlung Autonome Chaoten argumentieren besser hingegen sehr beliebt. Andere mögliche Deutungen sind z. B.: Always carry a bible (Habe immer eine Bibel dabei), All chicks are beautiful (Alle Hühner(=junge Frauen) sind schön). Die Arts & Crafts Association Bornholm wird ebenfalls so abgekürzt.[5] Bei Fußballfans findet das an die Ortsbezeichnung Copacabana angelehnte Wortspiel CopACABana Verbreitung.[6]

Rechte an A.C.A.B. und Klage[Bearbeiten]

Im deutschen Raum sicherte sich der Textilhändler Troublemaker in der Zeit von 1998 bis 2007 die Rechte an A.C.A.B.[7] und sah sich umgehend mit einer Strafanzeige eines Polizisten konfrontiert, die jedoch keinen Erfolg hatte. Trotz dieses Gerichtsbeschlusses weist Troublemaker auf seiner Internetpräsenz darauf hin, dass es leicht zur Konfiszierung von A.C.A.B.-Textilien kommen könne und in einem solchen Fall kein Ersatz geleistet würde.[8]

A.C.A.B. in der Rechtsprechung[Bearbeiten]

Graffiti an Häuserwand

Deutschland[Bearbeiten]

Das Amtsgericht Tiergarten entschied 2000 in einem Beschluss, dass die im Tragen eines Bekleidungsstücks mit der Abkürzung A.C.A.B. implizierte Aussage Alle Polizisten seien Bastarde höchstens eine Beleidigung eines Kollektivs sein könne; dieses Kollektiv sei aufgrund der unüberschaubaren Masse an Polizisten jedoch nicht ausreichend definierbar. In der Begründung des Beschlusses heißt es dazu wie folgt:

„Im vorliegenden Fall kann es sich angesichts der tatsächlichen Umstände (Tragen eines T-Shirts mit dem Aufdruck „A.C.A.B.“) nur um die Beleidigung eines Kollektivs handeln, da dies die Abkürzung für den englischen Satz „All Cops Are Bastards“ sein soll. […]“

„Nach der Rechtsprechung des BGH und des BVerfG (vgl. BVerfG NJW 1995, 3303, 3306, sog. zweite „Soldaten sind Mörder“-Entscheidung) ist es verfassungsrechtlich zwar grundsätzlich unbedenklich, die Ehre eines Kollektivs zu schützen. Jedoch muss das Kollektiv, um beleidigungsfähig zu sein, klar abgrenzbar sein. […]“

„Sollte es sich bei der […] Abkürzung „A.C.A.B.“ um den englischen Satz „All Cops Are Bastards“ handeln, ist damit eine unüberschaubar große Gruppe, nämlich „alle Polizisten“ („All Cops“) getroffen. „Alle Polizisten“ ist jedenfalls nach der Rechtsprechung des BVerfG (3306 f. zum Problem der Formulierung „Alle Soldaten“) kein ausreichend definiertes Kollektiv. […] Es kann daher nicht mit der für eine Verurteilung wegen Beleidigung notwendigen Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Angeschuldigte seiner Missachtung grundsätzlich allen Polizisten gegenüber als den Vertretern der Staatsgewalt, völlig unabhängig von ihrer Nationalität, ausdrücken wollte. Dies ist als (strafbare) Beleidigung einer unüberschaubaren großen Personengruppe zu werten.“

Amtsgericht Berlin-Tiergarten, Beschluss vom 19. Januar 2000[9]

Das Amtsgericht hat in diesem Urteil in Anlehnung an das „Soldaten sind Mörder“-Urteil des Bundesverfassungsgerichts verdeutlicht, dass nur eine definierbare und eingrenzbare Gruppe durch die Aussage ACAB beleidigt werden könne.

Der 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart hat für den umgekehrten Fall, dass sich „ACAB“ gegen eine klar eingegrenzte Gruppe von Polizisten richte, die Strafbarkeit wegen Beleidigung bestätigt.

„[Der Tatverdächtigte] rief einem Polizeibeamten, [..], aus einiger Entfernung laut „A.C.A.B.“ zu und zeigte dabei mit ausgestrecktem Arm auf den Polizeibeamten. Es ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden, dass der Tatrichter der genannten Buchstabenkombination den Sinngehalt „all cops are bastards“ beigemessen habe. Denn die Abkürzung „A.C.A.B.“ wird in Jugendsubkulturen und auch in der Neonazi-Szene für diese englischsprachige Parole verwendet und andere Deutungen sind im vorliegenden Fall auszuschließen. Die individuelle Bezeichnung eines Polizeibeamten („cop“) als „bastard“ ist sowohl in der englischen wie auch in der deutschen Sprache objektiv ehrverletzend und ist nach den Urteilsfeststellungen auch subjektiv gewollt als ehrverletzend geäußert worden, ohne dass es dazu irgendeinen Anlass gegeben hätte. Die Formalbeleidigung ist daher weder durch Wahrnehmung berechtigter Interessen gemäß § 193 Strafgesetzbuch noch durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 Grundgesetz gerechtfertigt.“

Oberlandesgericht Stuttgart, Beschluss vom 23. Juni 2008[10]

Das Amtsgericht Regensburg verurteilte am 25. Januar 2012 einen Fußballfan, der anlässlich eines Fußballspiels ein T-Shirt mit der Aufschrift „COPACABANA“ trug, wobei die Buchstabenfolge „ACAB“ farblich abgehoben war, wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe.[11] Das Gericht argumentierte, es liege eine „Kollektivbeleidigung“ vor, welche sich gegen die bei dem Fußballspiel eingesetzten Polizeikräfte als „abgrenzbar[en] und überschaubar[en]“ Personenkreis richte.

ACAB als direkter Zuruf ist somit eine strafbare Beleidigung, das Tragen eines T-Shirts mit der Aufschrift kann ebenfalls als solche bewertet werden.[12]

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wird die Äußerung der Parole A.C.A.B zumindest als Anstandsverletzung gewertet, welche verwaltungsrechtlich, etwa mittels Organstrafverfügung, geahndet werden kann. Strafrechtliche Urteile hinsichtlich einer Bekleidung sind in Österreich bislang nicht bekannt.

Musikalische Umsetzung[Bearbeiten]

Musikalisch wurde die Abkürzung bereits in den 1980er-Jahren des Öfteren aufgegriffen, so von einer der ersten Oi!-Bands, The 4-Skins aus England (die oftmals als Erfinder der Parole angesehen werden), oder 1981 von der deutschen Punkband Slime.

Die Losung fand weitere musikalische Verwendung durch:

Verwendung als Autokennzeichen[Bearbeiten]

Ein von Hamburgern in Aachen gegründeter Verein, der der linken Szene zuzurechnen ist, kaufte 1992 einen von der Polizei ausgemusterten Wasserwerfer. Das Straßenverkehrsamt erteilte 2010 die Zulassung zum Straßenverkehr und das erwünschte Kennzeichen AC AB 1910 – eine Kombination des Begriffs "All Cops Are Bastards" mit dem Gründungsjahr des FC St. Pauli. Als der Verein den Wasserwerfer bei einer Demonstration in Aachen nach einem Spiel der Alemannia gegen St. Pauli im Februar 2012 einsetzen wollte, führte dies zu einem langwierigen (noch nicht abgeschlossenen - Stand Dezember 2012) Verwaltungs- und Gerichtsverfahren.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  • Benedikt Klas/ Caroline Blatt, "ACAB" – Strafbare Beleidigung von Polizisten?, HRRS 8/2012, 388 - 393 (Online)
  • Mark A. Zöller, Beleidigung von Polizeibeamten durch Verwendung der Abkürzung „A.C.A.B. - zu OLG Karlsruhe, Urt. v. 19. Juli 2012 – 1 (8) Ss 64/12 – AK 40/12, Zeitschrift für das Juristische Studium (ZJS) 2013, 102(Online, PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ACAB (All Cops Are Bastards) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Netz-gegen-Nazis.com zur Begrifflichkeit acab
  2. So in der Textversion der 4-Skin-Songvariante
  3. "all communists are beautiful" als T-Shirt-Spruch
  4. Vgl. hierzu u. a. hier und die entsprechenden milieubedingten Verweise bei google
  5. http://www.acab.dk/ACAB%20members.htm
  6. Regensburg-digital: Vorsicht: cop-ACAB-ana ist in Regensburg strafbar
  7. Markenregister beim Deutschen Patent- und Markenamt, Az. 39823280.6; Marke am 8. August 2007 gelöscht.
  8. Allgemeine Geschäftsbedingungen von Troublemaker (vorletzter Punkt)
  9. Beschluss des Amtsgerichts Tiergarten vom 19. Januar 2000, Az. 238 Cs 877/99
  10. Zitiert nach Presseerklärung des Oberlandesgericht Stuttgart, zum Urteil vom 8. Juli 2008, Az. 1 Ss 329/08
  11. Amtsgericht Regensburg, Urteil vom 25. Januar 2012 - 30 CS 104 Js 9183/11 - , abgerufen am 24. Oktober 2013.
  12. Vorsicht: cop-ACAB-ana ist in Regensburg strafbar, regensburg-digital, aufgerufen am 24. Oktober 2013.
  13. Songtext von we are ACAB
  14. Youtube.com Video von ACAB
  15. Auf der EP „Fratelli d'Italia“
  16. Songtext von ACAB auf magistrix.de
  17. Eintrag bei Discogs
  18. SPIEGEL Online - LTO vom 26. November 2012, Besondere Betriebserlaubnis für Ex-Polizeifahrzeuge - Wasserwerfer und Panzer als Zweitwagen
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