AEG-Turbinenfabrik

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Giebelform und Achsenraster des Gebäudes sind durch die Dreigelenkbinder vorgegeben
750 Jahre Berlin, Briefmarke 1987

Die um 1909 erbaute AEG-Turbinenfabrik in der Huttenstraße 12–19 im Berliner Ortsteil Moabit ist das Schlüsselwerk und eines der bekanntesten Bauwerke der Industriearchitektur Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Fabrikgelände gehörte zunächst der Ludwig Loewe & Co. AG, die mit August Thyssen und der Thomson Houston Electric Company im Jahr 1892 die Union-Elektricitäts-Gesellschaft (UEG) gegründet hatte. Ziel des Unternehmens war der Einstieg in die wachsende Elektroindustrie, und so wurden an diesem Standort überwiegend elektrische Straßenbahnen produziert. Doch schon bald geriet die UEG in wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) übernahm das Unternehmen 1904 und plante den Bau einer neuen Turbinenfabrik, da die bereits vorhandene Fabrik des Unternehmens zu klein wurde.

Mit dem Bau der neuen Halle wurde der Architekt Peter Behrens beauftragt. Behrens war seit 1907 bei der AEG als künstlerischer Berater angestellt und gestaltete vom Firmensignet, der Gebrauchsgrafik bis hin zu den Gebäuden den Gesamtauftritt des Unternehmens. Zunächst durch die Entwicklungen des Jugendstils beeinflusst, orientierte sich der Architekt bald hin zum Deutschen Werkbund, der seinerseits von der britischen Arts-and-Crafts-Bewegung beeinflusst war.

Der Bau[Bearbeiten]

Schild an der AEG-Turbinenfabrik

Die Turbinenhalle wurde 1909 unter Peter Behrens als leitendem Architekten und Bauingenieur Karl Bernhard in der Huttenstraße 12–16 / Ecke Berlichingenstraße in Moabit errichtet. Der ursprüngliche Baukörper misst 25,6 + 12,5 Meter in der Breite und hat eine Höhe von 25 sowie eine Länge von 123 Metern. Im Jahr 1939 wurde die Halle durch Jacob Schallenberger und Paul Schmidt in Richtung Norden verlängert. Der gesamte Bau wurde auf seine Funktion als Produktionsort für Turbinen hin erarbeitet. Das Werk gehört heute zur Siemens AG, die dort ein Gasturbinenwerk betreibt. Bemerkenswert ist, dass in dieser Fabrik heute noch das Produkt hergestellt wird, für welches das Bauwerk ursprünglich errichtet wurde.

Die bisherigen Fabriken der AEG waren zu dieser Zeit meist als „zinnenbewährte Stadtburgen“ bekannt, in denen Technologie in einem altbackenen Mantel historisierender Gestaltung auftrat. Unter den Vorgaben und Vorstellungen der AEG, einen eindrucksvollen und kultivierten Bau im großen Stil zu entwerfen, schuf Peter Behrens eine Industriearchitektur, die aus der Klammer des Versteckens hinter historischen Fassaden heraustrat und sich zu einem neuen Selbstbewusstsein wandelte.

Das Gebäude steht seit 1956 unter Denkmalschutz und wurde 1978 restauriert. An der Südseite befindet sich ein Schild mit Angaben zum Bau, Architekten, Denkmalschutz und zur Restaurierung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.), Jürgen Tomisch (Bearb.): Deutsche Denkmaltopographie, Denkmale in Berlin, Bezirk Mitte, Ortsteile Moabit, Hansaviertel und Tiergarten. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005, ISBN 3-86568-035-6, S. 292–298.
  • William J. R. Curtis: Moderne Architektur seit 1900. englische Erstausgabe von 1982, 2002.
  • Peter Behrens: Umbautes Licht. München 1990.
  • F. Neumeyer, T. Buddensieg, H. Rogge, u. a.: Industriekultur – Peter Behrens und die AEG 1907–1914. 1993.
  • Herbert Kurth, Aribert Kutschmar: Baustilfibel. Berlin 1964.
  • Epochen der Kunst. Unterrichtswerk in vier Banden, Band 4, München 1989, S. 176.
  • Jan Gympel: Geschichte der Architektur. Köln, 1996
  • Jürgen Tomisch: Bezirk Mitte. Ortsteile Moabit, Hansaviertel und Tiergarten. Petersberg 2005
  • Louis Sullivan: The tall office office building artistically considered. Lippincott's Magazine, März 1896.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AEG-Turbinenfabrik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.528213.3245Koordinaten: 52° 31′ 42″ N, 13° 19′ 28″ O