AFS Interkulturelle Begegnungen

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AFS Intercultural Programs (ursprünglich American Field Service, kurz AFS) ist eine der weltweit größten Austauschorganisationen für junge Menschen, die als Austauschschüler oder Freiwillige in sozialen oder ökologischen Projekten längere Zeit (14 Tage bis 12 Monate) im Ausland verbringen.

Austausch[Bearbeiten]

Der Austausch findet derzeit zwischen rund 60 Ländern auf allen Kontinenten statt. AFS ist als gemeinnützig anerkannt, arbeitet nicht-kommerziell und auf ehrenamtlicher Basis. AFS ist eine nichtstaatliche Organisation, deren Ziele Völkerverständigung (insbesondere der Weltfriede) und interkulturelles Lernen sind. Im Zusammenleben mit Menschen aus einer anderen Kultur und durch die Auseinandersetzung mit anderen Werten, Lebensweisen und Denkstrukturen entwickeln die Teilnehmer interkulturelle Kompetenz. AFS versteht sich dabei als Organisation, die ihren Schwerpunkt auf den kulturellen Austausch und das interkulturelle Lernen legt, der Spracherwerb wird dabei als der primäre Zugang zu einer fremden Kultur betrachtet – der Erwerb der Sprache stellt somit bei weitem nicht das Ende des kulturellen Lernprozesses dar, sondern ist Basis für das tiefere Eintauchen in eine fremde Kultur.

Weltweit gibt es derzeit über 100.000 aktive ehrenamtliche Mitglieder bei AFS. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Vorbereitung, Betreuung und Nachbereitung der Programmteilnehmer. Daneben verfügt jedes Land über einen ehrenamtlichen Vorstand sowie eine Geschäftsstelle mit Angestellten, die die Arbeit der Ehrenamtlichen koordiniert und unterstützt.

Die internationale Dachorganisation AFS International wird außerdem von einem internationalen Vorstand, dem Board of Trustees, begleitet. Die Mitarbeiter der internationalen Koordinierungsstelle in New York stehen den nationalen Organisationen beratend zur Seite.

Geschichte der Organisation[Bearbeiten]

Gegründet wurde AFS 1915 in Paris als „American Field Service“ von jungen Amerikanern, die in der Folge in beiden Weltkriegen freiwillige Sanitätstransporte durchführten. Bereits zwischen den beiden Kriegen wurde mit einem Austauschprogramm für französische und amerikanische Studenten begonnen. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Schüleraustausch ins Leben gerufen, gestützt von der Idee, dass junge Menschen die besten Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen seien.

Während der ersten Jahrzehnte konzentrierten sich die Begegnungen auf Austausche von und nach USA. Seit den 70er Jahren sind Austausche zwischen allen beteiligten Ländern möglich. Anfang der 90er Jahre wurde die bis dahin US-amerikanisch geführte Organisation umfassend reformiert. Seither besteht AFS aus einem Netzwerk unabhängiger Partnerorganisationen in den beteiligten Ländern. Verbunden sind sie neben dem internationalen Vorstand vor allem durch gemeinsame Vereinbarungen und Qualitätsstandards.

Seit 1997 bietet AFS in Zusammenarbeit mit ihrer chinesischen Partnerorganisation China Education Association for International Exchange (CEAIE, Bildungsvereinigung für Internationalen Austausch in China), einen langfristigen Schüleraustausch für chinesische Schüler im Ausland an. Die CEAIE ist eine vom chinesischen Außen- und Bildungsministerium gegründet Austauschdachorganisation, die AFS's Auswahl und Betreuung in China organisiert. Seit dem Jahr 2001 können internationale Schüler auch ein Jahr in China verbringen.[1]

Grundsatzerklärung[Bearbeiten]

„AFS ist eine internationale, unabhängige und gemeinnützige Ehrenamtlichenorganisation, die interkulturelle Programme durchführt, um Menschen in der Entwicklung ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten und ihres Verständnisses zu unterstützen, die erforderlich sind, um eine gerechtere und friedvollere Welt zu schaffen. AFS hilft Menschen in ihrem Bestreben, sich als verantwortungsvolle Bewohner dieser Erde für den Frieden und ein besseres Verständnis zwischen den unterschiedlichen Kulturen dieser Welt einzusetzen. AFS ist der Überzeugung, dass die Entwicklung des Friedens ein dynamischer Prozess ist, der durch Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Intoleranz gefährdet wird. AFS setzt sich für die Würde des Menschen und den Wert eines jeden Menschenlebens sowie aller Völker und Kulturen ein. AFS fördert die Achtung der Menschenrechte und der Grundrechte ohne jede Diskriminierung von Rasse, Geschlecht, sexueller Identität, Sprache, Religion oder gesellschaftlicher Stellung. AFS gestaltet seine Programme im Bewusstsein seiner Grundwerte: der Würde, der Achtung von Unterschieden, der Harmonie, des Einfühlungsvermögens und der Toleranz.“

Auszug von der Grundsatzerklärung[2]

AFS weltweit[Bearbeiten]

Am AFS – Programm nehmen folgende Nationen teil:

Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Bosnien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Volksrepublik China, Costa Rica, Dänemark, Deutschland, Dominikanische Republik, Ecuador, Estland, Färöer-Inseln, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Grönland, Großbritannien, Guatemala, Honduras, Hongkong, Indien, Indonesien, Irland, Island, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malaysia, Malta, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Panama, Paraguay, Peru, Polen, Portugal, Philippinen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Thailand, Tschechien, Türkei, Tunesien, Ungarn, USA, Venezuela, Zypern

AFS in Deutschland[Bearbeiten]

Der AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. ist ein gemeinnütziger Verein und Träger der freien Jugendhilfe. 2008 feierte die deutsche AFS-Organisation ihr 60-jähriges Bestehen, Schirmherrin des Jubiläumsjahres war Bundesjugendministerin Dr. Ursula von der Leyen. AFS ist bundesweit in mehr als 100 lokalen Komitees vertreten, in denen etwa 3.800 ehrenamtliche Mitarbeiter für AFS aktiv sind. Sie betreuen Gastschüler und Gastfamilien vor Ort und führen die Auswahlen, Vor- und Nachbereitungen für die Austauschschüler durch. Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, sich ehrenamtlich auf überregionaler Ebene zu engagieren (Weiterbildung, Moderation, Projektarbeit etc.).

An Austauschschüler aus finanziell schwachen Familien werden unter gegebenen Umständen Teilstipendien vergeben. Mehr als 30 Prozent der jährlichen AFS-Programmteilnehmer erhalten Stipendien, die von verschiedenen Förderern vergeben werden: Unternehmen, Stiftungen, öffentliche Träger sowie der AFS-Stipendienfonds. Spezielle Stipendienprogramme gibt es für Migrantenkinder, Schüler aus bestimmten Regionen Deutschlands und Mitarbeiterkinder. Seit 2008 gibt es in Berlin bundesweit erstmals ein spezielles Stipendium für Realschüler, das von der Kreuzberger Kinderstiftung vergeben wird. Weitere Stipendien sind an bestimmte Länder gebunden. Außerdem organisiert AFS Deutschland für einen Teil der PPP-Stipendiaten den Aufenthalt in den USA.

2010 nahmen 1.156 Schüler aus Deutschland an dem fast einjährigen Austauschprogramm teil. Umgekehrt lebten 804 Gastschüler aus 49 Ländern für ein Schuljahr in Gastfamilien in Deutschland.

AFS bietet seit mehr als 10 Jahren auch Plätze in Freiwilligendienstprogrammen an, u. a. im weltwärts-Programm (seit 2008), im Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) und im Community Service Program (CSP). An den Freiwilligendienstprogrammen nahmen im Jahr 2010 364 junge Erwachsene teil.

Geleitet wird der Verein von einem 10-köpfigen ehrenamtlichen Vorstand, dem auch der hauptamtliche Geschäftsführer angehört. Derzeit besteht der geschäftsführende Vorstand aus dem Vorsitzenden Patrick Ulmer, seinem Stellvertreter Alex Weiser, dem Schatzmeister Nils Ostendorf und dem Geschäftsführer Mick Petersmann.[3]

Die Geschäftsstelle von AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. befindet sich in Hamburg. Regionalbüros befinden sich in Stuttgart (Süd), Mainz (Mitte), Berlin (Ost), Köln (West) und im bestehenden Büro in Hamburg (Nord). Insgesamt hat der Verein rund 70 hauptamtliche Mitarbeiter.

AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. ist Unterzeichnerin der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[4]

AFS in Österreich[Bearbeiten]

Arrival Camp 2007 in Linz

AFS Austauschprogramme für interkulturelles Lernen (kurz: AFS Österreich) hat rund 4.000 Mitglieder und etwa 500 ehrenamtliche Mitarbeiter (Freiwillige genannt). Sie betreuen österreichweit in direktem Kontakt Gastfamilien und Gastschüler aus dem Ausland. Dabei werden sie von den hauptamtlichen Mitarbeitern des Wiener AFS-Büros unterstützt.

Die ersten AFS-Austauschschüler aus Österreich brachen 1949 in die USA auf. Mittlerweile nehmen jährlich rund 300 Jugendliche aus Österreich an den AFS-Austauschprogrammen teil. Sie lernen für eine Dauer von drei Monaten, sechs Monaten bis hin zu einem Jahr ein anderes Land, seine Sprache, Kultur und Menschen kennen.

Im Gegenzug kommen rund 140 junge Menschen aus aller Welt mit AFS nach Österreich. Hier leben sie zwischen drei Monaten und einem Jahr bei Gastfamilien über ganz Österreich verteilt. Den Austauschschülern und ihren Gastfamilien wird während der Programmdauer ein ehrenamtlicher Betreuer zur Seite gestellt, welcher als Ansprechperson dient um bei Unklarheiten, Schwierigkeiten und Problemen zu helfen. Darüber hinaus finden verschiedene Betreuungsveranstaltungen statt.

Das AFS-Büro in Wien wird von Generalsekretärin Johanna Nemeth geleitet, während Doris Strauß die ehrenamtliche Vorsitzende der Organisation ist. AFS Österreich ist in neun Landeskomitees gegliedert, welche den österreichischen Bundesländern entsprechen. Die 9 Landeskomitees sind als eigenständige Vereine organisiert und tragen gemeinsam AFS Österreich.

AFS in der Schweiz[Bearbeiten]

AFS Interkulturelle Programme in der Schweiz ist eine politisch und konfessionell neutrale, weltweit tätige, gemeinnützige Organisation von Freiwilligen und ein Partnerland des AFS-Netzwerkes. Jedes Jahr nehmen rund 350 junge Menschen aus der Schweiz für 3 bis 11 Monate an einem AFS-Kulturaustauschprogramm teil. Rund 250 Jugendliche sind in der Schweiz im Austausch und lernen die Kultur, die Menschen und die Sprache besser kennen.

AFS ist als Verein organisiert mit entsprechenden Statuten und Handelsregistereintrag. Oberstes AFS Schweiz Gremium ist die Generalversammlung, bei der alle zahlenden Vereinsmitglieder (zurzeit mehr als 1’500) des jeweiligen Geschäftsjahres stimmberechtigt sind. Geführt wird der Verein durch einen 9-köpfigen Vorstand. Die täglichen Aufgaben rund um den Kulturaustausch werden von der Geschäftsstelle in Zürich mit 17 Mitarbeitern zusammen mit über 1000 freiwilligen Mitarbeitern bewältigt.

1953 ist AFS Schweiz Teil des Netzwerkes geworden und die ersten Schweizer Jugendlichen konnten Erfahrungen im Kulturaustausch sammeln. Im Jahr 2003 feierte AFS Schweiz deshalb ihr 50-Jahr-Jubiläum und organisierte eine Benefiz Gala zugunsten von Jugendlichen, deren finanzielle Situation einen Austausch nicht erlaubt hätte.

AFS in Europa (EFIL)[Bearbeiten]

Auf europäischer Ebene arbeitet EFIL (European Federation for Intercultural Learning) als Dachverband vieler AFS-Partnerländer in und um Europa. Dem EFIL-Netzwerk gehören derzeit 22 AFS-Partnerländer an: Ägypten, Belgien (flämische und französische Organisation), Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Island, Italien, Lettland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Türkei, Tunesien und Ungarn.

EFIL betreibt keinen aktiven Schüleraustausch zwischen Ländern, sondern unterstützt Mitgliederorganisationen im Bereich des interkulturellen Lernens. Die Hauptaktivitäten umfassen Networking und Lobbying, Training und Seminare für Freiwillige und Hauptamtliche, Aufbau neuer Partnerländer in Europa und die Koordination von europaweiten Projekten.

Das EFIL-Büro hat seinen Sitz in Brüssel und wird von Generalsekretär Paul Claes geführt. Der Vorsitzende des ehrenamtlichen Vorstandes ist Roberto Ruffino, Mitbegründer, langjähriger Freiwilliger und ehemaliger Generalsekretär von AFS Italien.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: American Field Service - AFS Intercultural Programs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
AFS-Organisationen im deutschsprachigen Raum
Weiterführende Links

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. AFS Schüleraustausch mit China (Stand 9. März 2005; PDF; 1,1 MB).
  2. Grundsatzerklärung (PDF; 37 kB) auf afs.de, abgerufen am 14. Februar 2013.
  3. Impressum auf afs.de
  4. www.transparency.de, abgerufen am 27. Februar 2014