AID 2 Adaptives Intelligenz Diagnostikum 2
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Bei der Testbatterie AID 2[1] handelt es sich um eine Intelligenztestbatterie aus dem Inventar der psychologisch-diagnostischen Verfahren, die der Erfassung komplexer und basaler kognitiver Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen dient.
Aufbauend auf dem Vorläufer AID aus dem Jahr 1985 sowie der Version 2.1 aus dem Jahr 2000 stellt die Version 2.2 (erschienen 2009) die derzeit aktuelle Version dar.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Einsatzbereich
Sie kann für eine Altersgruppe von 6;0 bis 15;11 Jahren zur ausbildungs- und berufsbezogenen Eignungsdiagnostik, ausbildungs- und berufsbezogenen Rehabilitationsdiagnostik, zur Entwicklungsdiagnostik im frühen Kindesalter sowie zur neuropsychologische Diagnostik eingesetzt werden.
Aufgrund der Bereitstellung einer sprachfreien Instruktion für manche Unter- bzw. Zusatztests kann sie auch für diverse Fragestellung bei fremdsprachigen Testpersonen eingesetzt werden.
Durch eine speziell aufbereitete türkischsprachige Version eignet sie sich ebenso für die Vorgabe bei in deutschsprachigen Ländern lebenden Kindern und Jugendlichen mit Türkisch als Muttersprache (selbst durch ausschließlich deutschsprachige Testleiter).
[Bearbeiten] Vorgabe
Beim AID 2 handelt es sich um ein Individualverfahren, welches im Rahmen der Papier-Bleistift-Vorgabe ein Adaptives Testen realisiert. Die Vorgabedauer beträgt etwa 75 Minuten, die Durchführung der drei Zusatztests weitere 10-15 Minuten.
[Bearbeiten] Theoretisches Konzept
Die Testbatterie AID 2 orientiert sich inhaltlich am Testkonzept von Wechsler und der Investmenttheorie sensu Cattell.
Die nachweisliche Gültigkeit des Rasch-Modells erlaubt es, einen weit gestreckten Fähigkeitsbereich eindimensional zu messen.
[Bearbeiten] Aufbau
Die Testbatterie setzt sich aus elf Untertests und drei Zusatztests zusammen.
- Untertests
-
- Alltagswissen
- Realitätssicherheit
- Angewandtes Rechnen
- Soziale und Sachliche Folgerichtigkeit
- Unmittelbares Reproduzieren – numerisch („vorwärts“ und „rückwärts“)
- Synonyme Finden
- Kodieren und Assoziieren
- Antizipieren und Kombinieren-figural
- Funktionen Abstrahieren
- Analysieren und Synthetisieren-abstrakt
- Soziales Erfassen und Sachliches Reflektieren)
- Zusatztests
-
- Unmittelbares Reproduzieren-figural/abstrakt
- Merken und Einprägen
- Strukturieren-visumotorisch
[Bearbeiten] Besonderheiten
Die Unter- und Zusatztests sind zumeist Power-Tests, teilweise Speed(-and-Power)-Tests. Insgesamt sind 497 Aufgaben im freien Antwortformat enthalten. Die Verrechnung erfolgt zweikategoriell sowie drei-und mehr als dreikategoriell in drei Untertests und einem Zusatztest.
Parallelformen sowie Kurzformen stehen zur Verfügung. Sprachfreie Instruktionen zu sämtlichen Untertests zur Messung von manuell-visuellen Fähigkeiten sowie für zwei Zusatztests erweitern die Einsatzmöglichkeiten.
Anstatt eines Intelligenzquotienten (IQ; der eine kompensatorische Wirkung der einzelnen Untertests in Bezug auf die Intelligenz der Testperson voraussetzen würde) propagiert die Testbatterie eine Profilinterpretation in Bezug auf die Leistungen in den einzelnen Untertests bzw. eine Interpretation von Leistungshöhen und –tiefen.
Als besondere Testkennwerte finden sich im AID 2: Die (untere Grenze der) „Intelligenzquantität“, der Range der „Intelligenz“, der Faktor-Score für den Faktor „Informationsverarbeitung in der gesellschaftlichen Umwelt“ als „Primär-IQ“.
Ein Beiblatt für Beobachtungen der „Arbeitshaltungen“ zur qualitativen Beurteilung des Arbeits- und Kontaktverhaltens bei Leistungsanforderung erlaubt es dem Testleiter, das beobachtete Testverhalten bezüglich Leistungsmotivation, Frustrationstoleranz, Fein- und Grobmotorik, Arbeitstempo, (Dauer-)Aufmerksamkeit bzw. Ausdauer, Sprachverhalten, sprachliches Ausdrucksvermögen, Lautbildung u.a.m anhand vorgegebener Kategorien zu systematisieren.
Weiters ist ein Diagramm zum Screening von Teilleistungsstörungen enthalten. Optional kann die Auswertung mittels Computerprogramm durchgeführt werden.
[Bearbeiten] Gütekriterien
Die Split-Half-Reliabilitäten reichen von 0,70 bis 0,95. Die innere Konsistenz ist aufgrund der Geltung des Rasch-Modells gegeben. Die Stabilitäten der Untertests liegen bei Wiederholung nach einem Monat zwischen 0,64 bis 0,95 (mit Ausnahme des Zusatztests Merken und Einprägen).
Nach Einschätzung des Testautors ist die Konstruktvalidität in Bezug auf ein hierarchisches Modell zu Specific Learning Disorders erfüllt. Die diskriminante Validität ist (z.B. in Bezug auf WMT, 3DW, Test d2 und PFK 9-14) gegeben. Die Übereinstimmungsvalidität hinsichtlich ausgewählter spezieller Leistungstests ist mittel bis niedrig.
Die Eichung wurde an einer repräsentativen (auch für Österreich) Stichprobe von N=977 Personen vorgenommen, durch die AID (Vorläufer)-Repräsentativerhebung (N=2.144) adjustiert und an einer Eichungskontrolle (N=844) teilweise revidiert. Alters- und geschlechtsspezifische Eichtabellen stehen zur Verfügung.
Testökonomie ist durch die Möglichkeit des adaptiven Testens (branched-Testing bei acht Untertests) gegeben. Das Gütekriterium der Fairness wird durch Angabe von schichtspezifischen Mittelwerten sowie Eichtabellen für in deutschsprachigen Ländern lebende Kinder und Jugendliche mit Türkisch als Muttersprache erfüllt.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Kubinger, K. D. (2009). Adaptives Intelligenz Diagnostikum - Version 2.2 (AID 2) samt AID 2-Türkisch. Göttingen: Beltz.
[Bearbeiten] Literatur
- Holocher-Ertl, S., Kubinger, K. D. & Hohensinn, C. (2008). Hochbegabungsdiagnostik: HAWIK-IV oder AID 2. Kindheit und Entwicklung, 17, 99-106.
- Horn, R. (2003). Intelligenztests für Kinder, Heft 1/03. Eine kritische Anmerkung zum K-ABC. Report Psychologie, 28 (3), S. 189.
- Jacobs, C., Heubrock, D. & Petermann, F. (2003). Adaptives Intelligenz Diagnostikum 2 (AID 2) von Klaus D. Kubinger und Elisabeth Wurst (Testinformationen). Diagnostica, 49 (4), 184-188.
- Jacobs, C. & Petermann, F. (2009). Adaptives Intelligenz Diagnosticum 2 (AID 2; Version 2.2) [Testbesprechung]. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 57 (4), 297-299.
- Kubinger, K.D. (2003). Kommentar zur Testrezension von Gerolf Renner, Hermann-Josef Baur & Barbara Lischke zum AID 2 (Adaptives Intelligenz Diagnostikum, Version 2.1). Report Psychologie, 28 (11/12), 677-679.
- Kubinger, K. D. (2004). On a practitioner's need of further development of Wechsler scales: Adaptive Intelligence Diagnosticum (AID 2). Spanish Journal of Psychology, 7, 101-111.
- Kubinger, K. D. (2008). Towards economic Wechsler-like testing: Adaptive Intelligence Diagnosticum (AID 2). In M. A. Lange (Ed.), Leading-Edge Psychological Tests and Testing Research (pp. 173-182). New York: Nova Science Publisher.
- Kubinger, K. D. (2008). The intelligence test-battery AID 2 as a prototypical globalized test. Testing International, 19, 13-14.
- Kubinger, K. D. (2010). Testfairness für „globalisierte“ türkische Kinder: Die Intelligenz-Testbatterie AID 2-Türkisch. Report Psychologie, 35, 72-81.
- Kubinger, K. D. & Holocher-Ertl, S. (2008). Diagnostische Verfahren. In G. Hörmann & W. Körner (Hrsg.), Einführung in die Erziehungsberatung (S. 86-100). Stuttgart: Kohlhammer.
- Preusche, I. & Leiss, U. (2003). Intelligenztests für Kinder. HAWIK-III, AID 2 und K-ABC im Vergleich. Report Psychologie, 28 (1), 12-26.
- Preusche, I., Koller, M. & Kubinger, K. D. (2006). Sprachfreie Administration von Intelligenztests nicht ohne Äquivalenzprüfung: Am Beispiel des AID 2. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 55, 559-569.
- Renner, G., Baur, H.-J. & Lischke, B. (2003). Testbesprechung zum Adaptiven Intelligenz Diagnostikum 2. Report Psychologie, 28 (11/12), 668-676.
- Schaarschmidt, U. (2000). Adaptives Intelligenz-Diagnostikum 2 (AID 2). In E. Fay (Hrsg.), Tests unter der Lupe III (S. 9–20). Lengerich: Pabst.
- Schmidt, I. & Leiss, U. (2002). Kurzbeiträge zu: Neue Tests im Vergleich, neue Forschungsergebnisse zu Problemen des diagnostischen Prozesses, erste Lösungsansätze von schon lange ungelösten Problemen der Psychologischen Diagnostik. Gegenüberstellung von Intelligenztests für Kinder und Jugendliche: HAWIK-III, AID 2 und K-ABC. Psychologie in Österreich, 22 (2-3), 16-21.
- Titscher, A. & Kubinger, K. D. (2008). An Innovative Method for Testing Children’s Achievement-Related Reactions. School Psychology International, 29, 452-465.