AQUA-Institut

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Das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH (kurz: AQUA-Institut) ist ein im wissenschaftlichen Umfeld angesiedeltes Dienstleistungsunternehmen, das sich auf Qualitätsförderungsprojekte im Gesundheitswesen spezialisiert hat. Es wurde 1995 in Göttingen gegründet. Seit Ende 2009 setzt das AQUA-Institut im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) den Aufbau einer bundesweiten und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung im Gesundheitswesen (SQG) gemäß § 137a SGB V um.[1]

Aufgaben des Instituts nach § 137a SGB V[Bearbeiten]

Die Aufgabe des AQUA-Institutes ist es, den G-BA bei der Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben, insbesondere bei der Fortführung und Fortentwicklung der bisher sektoralen Qualitätssicherung hin zur Durchführung einer sektorenübergreifenden Qualitätssicherung durch folgende Leistungen zu unterstützen:

  • Entwicklung von Verfahren zur Messung und Darstellung der Versorgungsqualität,
  • Dokumentation und datentechnische Umsetzung,
  • Unterstützung bei der Durchführung der einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung,
  • Veröffentlichung von Ergebnissen in geeigneter Weise und in einer für die Allgemeinheit verständlichen Form.

Das AQUA-Institut ist insbesondere damit beauftragt:

  • für die Messung und Darstellung der Versorgungsqualität möglichst sektorenübergreifend abgestimmte Indikatoren und Instrumente zu entwickeln,
  • die notwendige Dokumentation für die einrichtungsübergreifende Qualitätssicherung unter Berücksichtigung des Gebotes der Datensparsamkeit zu entwickeln,
  • sich an der Durchführung der einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung zu beteiligen und, soweit erforderlich, weitere Einrichtungen einzubeziehen sowie
  • die Ergebnisse der Qualitätssicherungsmaßnahmen durch die Institution in geeigneter Weise und in einer für die Allgemeinheit verständlichen Form zu veröffentlichen.

Arbeitsweise und Zielsetzungen der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung im Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Die Entwicklungsschritte der Qualitätssicherung gemäß § 137a SGB V werden in einem der Öffentlichkeit zugänglichen Methodenpapier aufgezeigt, das die grundlegenden Vorgehens- und Arbeitsweisen bei der Entwicklung von Verfahren zur Durchführung der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung beschreibt. Die erarbeiteten und mit dem G-BA abgestimmten Verfahren gelten bundesweit, die Umsetzung der Qualitätssicherungsmaßnahmen erfolgt auf der Länderebene. Das AQUA-Institut arbeitet dabei eng mit den entsprechenden Landesstellen zusammen.

Bei der Entwicklung der oben genannten Inhalte sind die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Spitzenverband der Krankenkassen, der Verband der privaten Krankenversicherungen, die Bundesärztekammer, die Bundeszahnärztekammer, die Bundespsychotherapeutenkammer, die Berufsorganisationen der Krankenpflegeberufe, die wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften, die für die Wahrnehmung der Interessen der Patienten und der Selbsthilfe chronisch kranker und behinderter Menschen maßgeblichen Organisationen auf Bundesebene (koordiniert von der BAG Selbsthilfe e.V.) sowie der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patienten, Wolfgang Zöller (CSU), beteiligt.

Die sektorenübergreifende Qualitätssicherung führt die bisher getrennten Qualitätssicherungen des ambulanten und des stationären Sektors zusammen. Gesundheitspolitisches Ziel ist es, die Qualitätsanforderungen beider Sektoren sinnvoll aufeinander abzustimmen, um im Interesse von Patienten und Leistungserbringern eine bessere und effizientere Versorgungsqualität zu erreichen.

Mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz von 2007 wurde der Gemeinsame Bundesausschuss nach § 137a SGB V verpflichtet, eine fachlich unabhängige Institution zur Messung und Darstellung der Qualität der medizinischen Versorgung zu beauftragen. Bei der 2009 durchgeführten europaweiten Ausschreibung unterlag die seit 2001 tätige Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) und die Tätigkeit nach § 137a SGB V im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses endete zum 31. Dezember 2009. Ab 1. Januar 2010 übernahm das AQUA-Institut der bisherigen bundesweiten stationären Qualitätssicherung.[2] Gegen die Vergabe an das AQUA-Institut klagte BQS vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG) in Essen, die diese im August 2009 abwies.[3][4]

Sonstiges[Bearbeiten]

Abseits des SQG-Projektes ist das Institut nach wie vor in weiteren Leistungsbereichen der Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen engagiert. Zu nennen sind insbesondere die Betreuung ärztlicher Qualitätszirkelprojekte auf Landesebene, Evaluationsprojekte im Bereich der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) und der Pharmakotherapie. Überdies ist das AQUA-Institut der deutsche Anbieter des Qualitätsmanagementsystems EPA (Europäisches Praxisassessment) sowie eines in Zusammenarbeit mit der AOK entwickelten Qualitätsindikatorensystems für Arztpraxen (QISA). Seit 2010 ist die Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ) das offizielle Publikationsorgan (auch) des AQUA-Institutes.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des G-BA. Abgerufen am 22. Mai 2010
  2. Qualitätssicherung: Vergabe an das AQUA-Institut rechtmäßig, Deutsches Ärzteblatt vom 7. August 2009
  3. http://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/297/
  4. Qualitätssicherung: BQS oder AQUA Bibliomed News vom 3. März 2009
  5. Deutsches Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin. Mitteilung vom 23. Februar 2010

51.5396194444449.9313Koordinaten: 51° 32′ 23″ N, 9° 55′ 53″ O