ATR 42

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ATR 42
ATR 42-600 in ATR-Werkslackierung
ATR 42-600 in ATR-Werkslackierung
Typ: Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland:
Hersteller: Avions de Transport Régional
Erstflug: 16. August 1984
Indienststellung: 1985
Produktionszeit: Seit 1984 in Serienproduktion
Stückzahl: 431 (Stand: 21. Juli 2014)

Die ATR 42 ist das kleinere Modell von zwei Turboprop-Regionalverkehrsflugzeugen des französisch-italienischen Herstellerkonsortiums Avions de Transport Régional. Das größere Modell ATR 72 ist die gestreckte Version der ATR 42.

Allgemein[Bearbeiten]

Bis Dezember 2012 wurden bereits 422 Exemplare der ATR 42 ausgeliefert. Zusammen mit der ATR 72 wurden bis dahin von allen "Familienmitgliedern" 1.029 Stück geliefert.[1]

Der Flugzeugtyp wird hauptsächlich für den Personentransport auf Kurzstrecken eingesetzt. Die Maschinen sind aber auch als Frachtversion erhältlich oder können nach Umbau der Zelle als Frachtflugzeug eingesetzt werden. Eine weitere Variante ist die ATR-42 Surveyor zur Seeraumüberwachung. Ein Hilfstriebwerk (APU) ist nicht vorhanden, stattdessen kann das rechte Triebwerk am Boden weiterlaufen, dessen Propeller wird dafür im Getriebe ausgekuppelt.

ATR 42 (I-RIML) der Italy First Airlines

Das Flugzeug ist mit zwei Turboprop-Triebwerken ausgestattet. Die älteren Maschinen (ATR 42-300, ab 1985 und ATR 42-320, ab 1987) haben vierblättrige Propeller. 1995 nahm die verbesserte Version ATR 42-500 den Liniendienst auf. Die Verbesserungen (laut Herstellerwebseite) umfassen das Kabineninterieur, ein erhöhtes Startgewicht MTOW, stärkere Motoren und modernere sechsblättrige Propeller. Dadurch werden Reisegeschwindigkeit und Reichweite erhöht sowie der Kerosinverbrauch gesenkt, auch werden die Flugzeuge im Landeanflug oder beim Start merklich leiser.

ATR 42 der Air Lithuania

Air Littoral (Frankreich) war die erste Fluggesellschaft, die 1985 das Flugzeug in Dienst stellte. Seit dem Zeitpunkt ist es, mit Ausnahme der Änderung der Propeller, nahezu unverändert im Einsatz.

Im Regionalflugverkehr hat die ATR 42 einen deutlichen Geschwindigkeitsnachteil gegenüber den mit Strahltriebwerk betriebenen Regionaljets. Mit den aktuellen Motoren erreicht die ATR 42 nur Geschwindigkeiten bis 556 km/h. Aktuelle Regionaljets erreichen mit über 700 km/h Geschwindigkeiten, die denen von Mittelstreckenflugzeugen in nichts nachstehen. Da es mittlerweile eine große Anzahl dieser Regional-Jets gibt (etwa die Bombardier CRJ200 oder die Regionaljets von Embraer), sah es eine Zeit lang so aus, als stünden die Flugzeuge mit Turboprop-Propeller-Motoren vor ihrem Ende. Angesichts steigender Treibstoff-Preise erfuhr der Turboprop-Antrieb im Jahre 2005 allerdings einen gewissen Aufschwung, was zu einer steigenden Nachfrage sowohl bei ATR als auch bei Bombardier (für die Q-Serie) führte.

Durch den Einbau so genannter Active Noise Reduction-Systeme wurde zudem der Propellerlärm im Kabineninneren deutlich reduziert.

Ein Vorteil der Turbopropellermaschinen gegenüber den Regionaljets ist die deutlich kürzere Start- und Landestrecke, die sie für den Einsatz auf kleineren Flughäfen interessant macht. Vergleichbare Werte für Start- und Landestrecke erreichen bei den Regionaljets nur speziell für diesen Zweck entworfene Maschinen, so etwa die BAe-146, auch Jumbolino genannt.

Der Hauptvorteil einer Turbopropmaschine ist der erheblich geringere Kraftstoffverbrauch pro Tonnenkilometer. Zum Zeitpunkt ihres Erscheinens setzte sie hier Maßstäbe – die ATR 42 verbraucht bei voller Auslastung etwa 1,8 Liter Kerosin pro Passagier und 100 km – dies entspricht der Hälfte des Verbrauchs eines modernen Jets.

Militärische Version[Bearbeiten]

Von der ATR 42 entwickelte Alenia Aeronautica eine Seeaufklärer-Variante mit der Bezeichnung ATR 42 MP Surveyor. Sie dient als Patrouillenflugzeug und wird vorwiegend von Küstenwachen oder ähnlichen Organisationen eingesetzt.[2] Beschafft wurden Flugzeuge dieses Typs von der italienischen Guardia Costiera und der Guardia di Finanza, weitere Flugzeuge gingen nach Nigeria (Nigerian Air Force) und Libyen (General Security Agency). [3]

Frachtversion[Bearbeiten]

Von der ATR 42 wurden durch verschiedene Firmen auch Umbauten zum Frachter vorgenommen. Die bekannteste Version ist ein Bulk Freighter wobei die gesamte Kabine ausgeräumt und mit vertikalen Netzen in verschiedene Frachträume aufgeteilt wird. Die ATR 42 kann dabei ökonomisch bis zu ca. 5 Tonnen Fracht aufnehmen. Eine ATR 42-320 als Frachter wird z.B. durch Farnair mit Basis in Basel, Schweiz eingesetzt.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Bis einschließlich 13. September 2010 gab es 21 Zwischenfälle mit Totalschaden,[4] darunter folgende:

  • Am 15. Oktober 1987 stürzte eine ATR 42-300 der Aero Trasporti Italiani auf dem Flug von Flughafen Mailand-Linate nach Köln-Bonn am Conca di Crezzo aufgrund Vereisung ab. Alle 37 Insassen starben.[5]
  • Am 11. Oktober 1999 stürzte ein allein fliegender Air Botswana-Pilot eine ATR 42-320 absichtlich in zwei weitere ATR 42 am Boden, nachdem seine Forderungen nach Gesprächen mit dem Präsidenten von Botswana und weiteren Entscheidungsträgern nicht erfüllt wurden.[6]
  • Das bisher schwerste Unglück mit einer ATR 42 ereignete sich am 21. Februar 2008 in Venezuela, als eine ATR 42-300 der venezolanischen Fluggesellschaft Santa Barbara Airlines kurz nach dem Start in Mérida in bergigem Gelände abstürzte. Dabei kamen alle 46 Insassen ums Leben.[7]
  • Am 27. Januar 2009 landete eine ATR 42 Frachtmaschine der Empire Airlines im Auftrag von Federal Express auf dem Lubbock Preston Smith International Airport vor dem Aufsetzpunkt und rutschte bei gefrierendem Regen von der Landebahn. Durch ein geringes Feuer wurden die zwei Piloten leicht verletzt.[8]
  • Am 11. Februar 2010 führte eine ATR 42 der Trigana Air Service eine Notlandung in einem Reisfeld ca. 30 km vom Sultan Aji Muhamad Sulaiman Airport durch, nachdem nacheinander beide Triebwerke Leistung verloren hatten. Zwei Passagiere erlitten Beinbrüche.
  • Am 13. September 2010 stürzte eine ATR 42 der Airline Conviasa bei einem Inlandsflug in Venezuela bei der Ciudad Guayana ab, nachdem der Pilot vorher technische Probleme gemeldet hatte. Von den 51 Menschen an Bord starben 17; 34 wurden teilweise schwer verletzt.[9][10]

Technische Daten[Bearbeiten]

ATR 42 der UTair
ATR 42 MP Surveyor der Guardia di Finanza
Kenngröße ATR 42-300 ATR 42-320 ATR 42-500
Länge 22,67 m 22,67 m 22,67 m
Spannweite 24,57 m 24,57 m 24,57 m
Höhe 7,59 m 7,59 m 7,59 m
Kabinenbreite 2,57 m 2,57 m 2,57 m
Kabinenhöhe 1,91 m 1,91 m 1,91 m
Reichweite
(mit 48 pax)
1.150 km (630 NM) 1.150 km (630 NM) 1.550 km (840 NM)
Geschwindigkeit 491 km/h (265 kn) 498 km/h (269 kn) 556 km/h (300 kn)
Max. Startgewicht 16.700 kg 16.700 kg 18.600 kg
Max. Zuladung 4.950 kg 4.950 kg 5.450 kg
Max. Treibstoffgewicht 4.500 kg 4.500 kg 4.500 kg
Max. Sitzplätze 50 50 50
Triebwerke (2x) Pratt & Whitney Canada
PW120 Turboprop 1.470 kW (2.000 PS)
Pratt & Whitney Canada
PW121 Turboprop 1.544 kW (2.100 PS)
Pratt & Whitney Canada
PW127 Turboprop 1.764 kW (2.400 PS)
Propeller (2x) Hamilton Standard 4-Blatt Hamilton Standard 4-Blatt Hamilton Standard 6-Blatt

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Regional figures in all corners of the globe. atraircraft.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  2. ATR 42 MP Surveyor (Version vom 20. Juli 2008 im Internet Archive)
  3. ATR 42 MP Bestellungen
  4. ASN Aviation Safety Database results. aviation-safety.net. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  5. ASN Aircraft accident ATR-42-312 I-ATRH Conca di Crezzo. aviation-safety.net. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  6. ASN Aircraft accident ATR-42-320 A2-ABB Gaborone-Sir Seretse Khama International Airport (GBE). aviation-safety.net. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  7. ASN Aircraft accident ATR-42-300 YV1449 Mérida-A Carnevalli Airport (MRD). aviation-safety.net. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  8. Flugunfallbericht der NTSB vom 26. April 2011 (englisch, PDF) ntsb.gov. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  9. Venezuelan plane crash death toll rise to 17. xinhuanet.com. 15. September 2010. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  10. ASN Aircraft accident ATR-42-320 YV1010 Puerto Ordaz Airport (PZO). aviation-safety.net. Abgerufen am 26. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ATR 42 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien