AV Fryburgia

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Wappen Zirkel
Das sechsgeteilte Wappen der AV Fryburgia Zirkel der AV Fryburgia
Basisdaten
Hochschule/n: Universität Freiburg (Schweiz)
Gründung: 1918
Gründungsort: Freiburg im Üechtland
Verbände: Schweizerischer Studentenverein
Farben: Burschen:
FryburgiaBurschenband.jpg

orange-weiss-grün mit silberner Perkussion

Fuchsen:
FryburgiaFuxenband.jpg

orange-weiss mit silberner Perkussion
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: nichtschlagend
Wahlspruch: Treu, ehrlich und stolz!
Feldgeschrei (Panier): Sonne, ringe Dich durch!
Mitglieder insgesamt: ca. 300
Aktive: 25
Website: www.fryburgia.ch

Die AV (Akademische Verbindung) Fryburgia ist eine Hochschulverbindung und Sektion des Schweizerischen Studentenvereins[1] an der Universität Freiburg (Schweiz). Männliche Studenten aller Fakultäten können in den Verein aufgenommen werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Als in den Jahren nach der vorletzten Jahrhundertwende das Verbindungsleben mehr und mehr die damaligen Studenten in Anspruch nahm und Kommerse, Kneipen und Bälle sowohl deren eigentliches Studium wie auch das studentische Budget in Mitleidenschaft zogen, regte sich in den Kreisen der damals einzigen Deutschschweizer Freiburger Verbindung des Schweizerischen Studentenvereins (Schw. StV) – der AKV Alemannia – Widerstand. Die herrschenden strengen Sitten machten es schwierig, einem geregelten Studienalltag nachzugehen und sogenannte Bummelsemester häuften sich. Zudem kam das Verbindungswesen, obwohl damals die Mitgliedschaft in einer Verbindung für die Studenten die Regel war, immer stärker in Verruf.

Im Jahr 1918 kam es deshalb zu einer Trennung – ein Teil der Alemannia spaltete sich ab und gründete eine eigene Verbindung, die AV Fryburgia. Diese Verbindung wollte sich wieder stärker auf das Studium konzentrieren und reduzierte die Präsenzpflicht ihrer Mitglieder. Zugleich wurde der Trinkzwang abgeschafft, bei grundsätzlicher Beibehaltung des Komments (dem einer Verbindung eigenen Regelwerk der Trinksitten). Damit war die sogenannte Reformbewegung des Schw. StV in Freiburg angekommen und die AV Fryburgia war nach der AV Berchtoldia (Bern) die zweite Reformverbindung.[2] Die AV Froburger (Basel) und die AV Welfen (Zürich) zogen nach, wobei letztere Verbindung unter massgeblicher Beteiligung von Fryburgern gegründet wurde.

Die AV Fryburgia gehörte anschliessend bis in die 1970er-Jahre hinein zu den grossen und dominanten Verbindungen in Freiburg. Lediglich in den Kriegsjahren war das Verbindungsleben sehr eingeschränkt, weil ein grosser Teil der Verbindung im Aktivdienst war. 1937 ging aus der AV Fryburgia die Tochterverbindung AV Staufer hervor. Im Gegensatz zur Trennung von der AKV Alemannia fast 20 Jahre vorher, spaltete sich diese Verbindung aber friedlich von der AV Fryburgia ab und zwischen den beiden Verbindungen bestanden stets freundschaftliche Banden. Dasselbe gilt auch für die CA Rezia, welche aus der Bündner Fraktion der Fryburgia im Jahr 1957 entstand.

Die AV Fryburgia am Zentralfest Sursee 2011

Im Zuge der 68er Bewegung kam es im Schw. StV abermals zu einer Reformbewegung. Im Amtsjahr des Centralpräsidenten Altermatt (heute emeritierter Professor der philosophischen Fakultät und Altherr der AV Fryburgia) beschloss die Generalversammlung des Schw. StV, dass die Verbindungen jeweils für sich entscheiden können, ob sie künftig auch Frauen in die Aktivitas aufnehmen wollen. Im Gegensatz zu ihren Tochterverbindungen entschied sich die AV Fryburgia dafür, es beim Status quo zu belassen und weiterhin nur männliche Studenten aufzunehmen. So kam es, dass die Fryburgia heute die einzige männliche StV-Verbindung auf dem Platz Freiburg ist, welche nicht dem «Block» (dem Bund akademischer Kommentverbindungen) angehört.

Die 68er-Bewegung brachte es auch mit sich, dass die Studentenverbindungen trotz der Öffnung für Frauen schrumpften. Auch die Mitgliederzahlen der AV Fryburgia gingen zurück und pendelten sich trotz zwischenzeitlichen Hochs auf einem deutlich tieferen Niveau ein.[3]

Noch heute wendet sich die Verbindung gelegentlich gegen den häufig konservativen Mainstream des Schw. StV. So hat die Verbindung im Herbstsemester 2010 ein Communiqué des StV-Rats zurückgewiesen, in welchem dieser die sogenannte Stipendieninitiative des VSS ablehnte und dem Initiativkomitee ihrerseits die Unterstützung zusicherte.[4]

Grundprinzipien[Bearbeiten]

Die AV Fryburgia ist eine sogenannte Reformverbindung. Obwohl sie einen Trinkkomment hat und diesen pflegt, gibt es keinen Trinkzwang. Die Verbindungsaktivitäten sollen auf ein vernünftiges Mass beschränkt bleiben. Das Zentrum des Verbindungslebens ist der wöchentliche Stamm, der für die aktiven Mitglieder obligatorisch ist. Es wird Wert auf ein zügiges und erfolgreiches Bestehen des Studiums gelegt. Des Weiteren werden die Mitglieder dazu ermuntert, Sport zu treiben, wozu die Verbindung auch selbst Gelegenheit bieten will.

Die Farben der Verbindung

Die Verbindung ist farbentragend und lehnt die Mensur als Überbleibsel der als unchristlich betrachteten Duelltradition strikt ab. Ebenso wird das in Blockverbindungen immer noch übliche Prunkgehabe, beispielsweise in Form des Chargierens zu Pferde, abgelehnt. Auch das Tragen von Bierzipfeln ist unüblich; die orange Mütze wird in ihrer schlichtesten Form aus Tuch und ohne Stickereien getragen.

Merkmale[Bearbeiten]

Wahlspruch[Bearbeiten]

Der Wahlspruch der AV Fryburgia lautet Treu, ehrlich und stolz! (kurz: T. e. u. s.!) und deklariert die Werte, welchen die Mitglieder nachleben sollen. Das Panier ist „Sonne, ringe Dich durch!“, die letzte Zeile der Couleurstrophe, welche Optimismus und Lebensfreude verkörpern soll.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Verbindung ist fünfgeteilt. Hinter den Farben und dem Zirkel der Fryburgia zeigt das Wappen in der oberen Hälfte die Farben des Schw. StV (Rot-Weiss-Grün), das Schweizerkreuz und die aufgehende Sonne (siehe Abschnitt Wahlspruch). In der unteren Hälfte findet sich das alte Logo der Universität und das Stadtwappen von Freiburg wieder.

Couleurstrophe[Bearbeiten]

Die Couleurstrophe wurde der Fryburgia von Abbé Joseph Bovet geschenkt und ist eine der wenigen Couleurstrophen mit eigener Melodie – also eine Melodie, welche nicht einem bereits bestehenden Lied folgt.

De clair soleil, la tête auréolée
au fond du cœur la flamme du devoir
chantons leurs airs, en joyeuse envolée
dans ses murs gris, Fribourg aime a les voir:
Fryburgia, Fryburgia, c'est toi, c'est ta cohorte
preux troubadours, servants de l'idéal
dont la devise, impérative et forte
s'en va quérir l'astre à l'éclat royal!
Sonne, Sonne, ringe Dich durch!
Sonne, Sonne, ringe Dich durch!

Couleurpfiff[Bearbeiten]

Der Couleurpfiff dient als Erkennungszeichen unter den Mitgliedern. Er besteht aus den ersten 4 Klängen des Studentenlieds "Dort wo der Rhein".

Varia[Bearbeiten]

In Thomas Hürlimanns später verfilmten Roman Der grosse Kater wird die AV Fryburgia als jene Verbindung erwähnt, welche in jungen Jahren die beiden Hauptfiguren Kater und Pfiff zusammengeführt hat.[5] Der Vater des Autors, der ehemalige Bundespräsident Hans Hürlimann, trug als Mitglied der AV Fryburgia das Vulgo Tiger.

Bekannte Mitglieder (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Urs Altermatt (*1942), em. Professor für Allgemeine und Schweizerische Zeitgeschichte an der Universität Freiburg
  • Eduard Amstad (*1922), alt Bundesrichter und alt Ständerat
  • Marc Amstutz (*1962), Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Freiburg
  • Daniel Anrig (*1976), Kantonsgerichtspräsident des Kantons Glarus
  • Mario Cavigelli (*1965), Regierungsrat (CVP) des Kantons Graubünden
  • Adolf Faller (1913–1989), Arzt, Professor und Direktor des Anatomischen Instituts an der Universität Freiburg
  • Urban Federer (*1968), Abt des Klosters Einsiedeln
  • Kurt Furgler (1924–2008), alt Bundesrat (CVP) und ehemaliger Bundespräsident
  • Hans Hürlimann (*1918, †1994), alt Bundesrat (CVP) und ehemaliger Bundespräsident
  • Peter Jäggi (1909–1975), Professor für Zivil- und Handelsrecht an der Universität Freiburg
  • Stefan Keller (*1976), Gerichtspräsident am Ober- und Verwaltungsgericht des Kantons Obwalden
  • Ulrich Lampert (1865–1947), Professor für Kirchen-, Staats- und Völkerrecht an der Universität Freiburg (Präsident der Altherrenschaft zur Zeit der Gründung)
  • Marcel Niggli (*1960), Dekan der juristischen Fakultät der Universität Freiburg und Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie
  • Johannes Baptist Rösler (1922–2009), deutscher Politiker (CDU)
  • Thomas Steger, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Regensburg
  • Hubert Stöckli (*1966), Professor für Zivil- und Handelsrecht an der Universität Freiburg
  • Hans Wiprächtiger (*1943), alt Bundesrichter (SP)

Literatur[Bearbeiten]

  • Niklaus Duss (Hrsg.): Fryburgia 1918–1993, Freiburg i. Ue. 1993.
  • Matthias Halter: Reform zwischen Fortschritt und Beharrung. Die Akademische Verbindung Fryburgia zu Freiburg im Uechtland. In: Studentica Helvetica 12. Jg., 1996, Nr. 24, S. 67–76.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 192.
  2. Die Renaissance: Verband Schweizerischer katholischer Akademiker-Gesellschaft, 1904–1996, S. 125 Online
  3. N. Duss (Hrsg.): Fryburgia 1918–1993, Freiburg i. Ue., 1993.
  4. stipendieninitiative.ch
  5. T. Hürlimann: Der grosse Kater, Zürich, 1998 und Frankfurt a. M., 2000, S. 30 ff.