AWO 425

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AWO
Bundeswehrmuseum Dresden 24.jpg
Simson 425 T im Militärhistorischen Museum Dresden
425 T / 425 S
Hersteller: VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl
Motordaten
Viertakt-Ottomotor
  • 248 cm³ mit 8,8 kW bei 5500/min.
  • 248 cm³ mit 10,3–11,4 kW bei 6300/min., 110 km/h
Antrieb Kardan
Radstand (mm) 1361–1375
Leergewicht (kg) 140–156
Vorgängermodell BMW R 23

Die AWO 425 war ein in der DDR gebautes Motorrad mit Viertaktmotor in zwei Modellversionen. Das Motorrad wurde in den Awtowelo- bzw. späteren IFA-Betrieb Simson im thüringischen Suhl gefertigt.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine AWO 425 auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1951

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mehrere Betriebe der früheren Waffen- und Fahrzeugproduktion im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands in eine SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) mit Namen „Awtowelo“ umgewandelt. Diese hatten die Aufgabe, Reparationsleistungen zu erfüllen. Erst nach Freigabe der Selbstverwaltung firmierte der AWO-Hersteller ab 1957[1] als VEB Fahrzeug- und Gerätewerk „Simson“ Suhl.

1948 erteilte die sowjetische Hauptverwaltung den Auftrag zur Entwicklung eines Motorrades mit Einzylinder-Viertakt-Motor, 12 PS, etwa 100 km/h Höchstgeschwindigkeit und etwa 3 l/100 km Kraftstoffverbrauch. Im Juli 1949 wurde das erste Funktionsmuster und zum 1. Mai 1950 eine erste Nullserie von 25 Motorrädern fertiggestellt. Ab September 1950 lief die Serienproduktion an. Maßgebliche Konstrukteure der AWO 425 sind Ewald Dähn, Helmut Pitz und Michael Heise. Die „4“ in der Modellbezeichnung steht für den Viertaktmotor, die „25“ für 250 cm³ Hubraum. Aufgrund von Motorleistung und Stabilität der Rahmen sind die Motorräder seitenwagentauglich. Seit Beginn 1955 wurden alle Rahmen generell mit entsprechenden Aufnahmen vorgerüstet[2].

Nach der AWO 425 T, welche sich technisch an die BMW R 23 anlehnte, wurde mit der AWO 425 S ein sportliches Modell komplett neu entwickelt. Nach einer 1956 aufgelegten und im gleichen Jahr auf der Leipziger Messe ausgestellten Vorserie[3] wurde die AWO 425 S ab 1957 in Serie produziert. 1958 erfolgten einige Verbesserungen an der 425 S: Die Lagerung der Kipphebel im Zylinderkopf wurde verbessert, sodass sich das Ventilgeräusch verringerte. Am Fahrgestell erfolgten einige Änderungen im Detail. Außerdem wurde der Auspuff höher und näher an der Maschine verlegt. Die AWO T erhielt eine zur Geräuschminderung veränderte Auspuffanlage. Ebenfalls ab 1958 war von Stoye ein passender, moderner Seitenwagen verfügbar. [4]

Werksseitig wurden zeitweilig Straßenrennmaschinen für ein Werksteam und für Privatrennfahrer [5] in Kleinserie gebaut. Nach der Aufgabe der Beteiligung am Straßenrennsport wurde für Wettbewerbszwecke eine Enduroversion, teilweise schon mit auf bis zu 350 cm³ vergrößertem Hubraum, gebaut. Daneben gab es auch noch private Umbauten zu Dreirad-Lastenträgern mit Kippvorrichtung.

Insgesamt wurden in Suhl etwa 212.000 Viertakt-Motorräder gefertigt. 1961 musste die Produktion auf Weisung übergeordneter Dienststellen trotz großer Nachfrage zugunsten von 50-cm³-Kleinkrafträdern und der MZ-Zweitakter aufgegeben werden. Die Aufnahme der Serienproduktion der Simson-Sport mit 350-cm³-Motor und neuer Gestaltung wurde dadurch verhindert[2]. Diese Entscheidung der Staatlichen Plankommission der DDR löste in Suhl große Enttäuschung aus. In Suhl sollte noch eine bei EMW entwickelte schwere Seitenwagenmaschine als AWO 700 gebaut werden. Sieben bis zehn Prototypen wurden angefertigt. Es gibt noch ein komplettes Gespann, welches in der DDR erhalten blieb und heute einem Sammler in Jüchen gehört. Zu einer Serienfertigung dieser „Boxer-AWO“ kam es nicht.

Noch zu DDR-Zeiten erlangte die AWO Kult-Status - nicht zuletzt wegen des offensichtlichen Mangels moderner Viertakt-Motorräder. Fernab staatlicher Pläne etablierte sich eine AWO-Szene, vielfach getragen von privaten Kfz-Werkstätten, die sich um Teilebeschaffung und Reparatur der Viertakter sorgten. Im ehemaligen Simson-Werk in Suhl entstand nach der Wende ein Fahrzeugmuseum. Jedes Jahr findet im ehemaligen Werksgelände ein Treffen der AWO-Fans mit ihren liebevoll gepflegten Maschinen statt.

Eigenschaften und Verbreitung[Bearbeiten]

Im Volksmund wurden die AWO auf Grund des Motorklangs respektvoll „Dampfhammer“ genannt. Die AWO war in der DDR neben der allerdings veralteten EMW R 35 als einzig verfügbares Viertakt-Motorrad sehr beliebt. Wegen fehlender Viertakter-Angebote anderer Hersteller auf dem DDR-Zweiradmarkt wurden die Motorräder später individuell umgerüstet. So wurde beispielsweise die längere und bessere Gabel aus der MZ verwendet. Große Teile des AWO-Bestandes werden bis heute liebevoll gepflegt. Heute ermöglicht die Vielzahl der noch vorhandenen AWO-Motorräder und -Ersatzteile einen guten Einstieg in die Beschäftigung mit Oldtimer-Motorrädern.

Technik[Bearbeiten]

Die AWO besitzt einen Doppelschleifen-Rohrrahmen mit hydraulisch gedämpfter Teleskopgabel vorn und Geradwegfederung (Tourenawo) beziehungsweise Schwingenfederung hinten. Die Magnetzündung arbeitete unabhängig vom 6-Volt-Bordnetz, dessen Batterie von einer auf dem vorderen Kurbelwellenstumpf aufgesetzten Lichtmaschine geladen wird. Der Zündschalter sitzt im Lampengehäuse, welches auch Kontrolllampen für Leerlauf und Lichtfunktion aufnimmt.

Ab Anfang 1954 wurde ein verbessertes Getriebe mit nach wie vor vier Gängen verbaut.[6] Ab 1955 verfügte die AWO 425 über drei Rahmenaufnahmen zur Schnellmontage des Stoye-Seitenwagen Stoye SM (Spitzschiff ohne abschließbarem Kofferraum). Die AWO Sport besitzt vier Rahmenmontagepunkte, so dass der Stoye Elastik (Spitzschiff mit Schwingfederung) oder mit kleineren Modifikationen wahlweise auch der ursprünglich für die MZ entwickelte Stoye Super-Elastik-Seitenwagen (gefedert, aufklappbar, hydraulische Seitenwagenbremse parallel zur Fußbremse) montiert werden kann. Ein Kardanantrieb mit kürzerer Untersetzung sowie ein geänderter Tachometerantrieb waren als Umrüstsatz erhältlich[2].

Die Magnetzündung bereitete mitunter Schwierigkeiten aufgrund von Magnet- und Spulenschäden. Zahlreiche Fahrzeuge wurden nachträglich auf Batteriezündung umgerüstet, was aber den Nachteil der Abhängigkeit von der Batterieladung mit sich brachte. Vielfahrer rüsteten ihr Fahrzeug daher teilweise mit beiden Zündsystemen aus, sodass bei Ausfall der Magnetzündung durch Umstecken des Zündkabels auf Batteriezündung umgeschaltet werden konnte. [7]

AWO 425 – „Touren-AWO“[Bearbeiten]

Die Touren-AWO im Originalzustand
Leistung: kW (12 PS)
Hubraum: 248 cm³
Hub: 68 mm
Bohrung: 68 mm
Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen mit Geradwegfederung
Kraftübertragung: Viergang-Getriebe mit Kardanantrieb
Tankvolumen: 12 Liter
Benzinverbrauch: 3,3 Liter / 100 km
Elektrische Anlage: Gleichstrom-Lichtmaschine mit 6 V / 45 W

Das Modell wurde bis 1956 als „AWO 425“, später dann als „Simson 425“ bezeichnet. Es wurden im Zeitraum zwischen 1950 und 1961 127.000 AWO 425 (Fahrgestelle von 000 001 bis 125 865)[2] gebaut.

AWO 425 SPORT – „Sport-AWO“[Bearbeiten]

Die Sport-AWO (Sitzbank nicht original)
Leistung: 10,3 kW (14 PS) (bis 1959)
11,4 kW (15,5 PS) (bis 1961)
Hubraum: 248 cm³
Hub: 68 mm
Bohrung: 68 mm
Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen mit Schwinge und Federbeinen
Kraftübertragung: Vier-Gang-Getriebe mit Kardanantrieb
Tankvolumen: 16 Liter
Benzinverbrauch: 3,7 Liter / 100 km
Elektrische Anlage: Gleichstrom-Lichtmaschine mit 6 V / 60 W

Das völlig neu konzipierte Fahrwerk mit Hinterradschwingenfederung sorgte zusammen mit dem verbesserten Motor und den Vollnabenbremsen für höhere Sicherheit und Fahrkomfort. Während die ersten Modelle eine sportliche Doppelsitzbank besaßen, wurde diese ab 1958 durch komfortable, aber etwas klobige Einzelsitzkissen mit Griff für den Sozius abgelöst. Es wurden etwa 85.000 Maschinen im Fahrgestellbereich 150.000 bis 234.746 produziert[2].

Das Modell wurde bis 1958 als „AWO 425 SPORT“, später dann als „Simson Sport“ bezeichnet. Die Magnetzündung der AWO wurde baugleich auch in der polnischen SFM Junak verbaut. Für Eskortefahrzeuge wurde eine Kleinserie mit dem 350-cm³-Motor der Enduroversion hergestellt. Diese Motorversion gab es als Nachrüstsatz auch im Handel, allerdings nur in begrenzter Anzahl.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eduard Werner: Ostdeutsche Motorradklassiker Simson 425 und Simson Sport. Uwe Welz Verlag, 1999, ISBN 3-933177-04-9.
  • Die 250 ccm – "AWO 425". In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1951, S. 165–166.
  • Was gibt es Neues? In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1952, S. 332 (technische Verbesserungen an der AWO 425).
  • 7000 km mit dem AWO-Gespann. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1955, S. 237–242.
  • Sport-AWO 425 S. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1956, S. 224–226.

Verbesserungsvorschläge[Bearbeiten]

  • Einbau einer Öldämpfung in die AWO-Teleskopgabel. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1957, S. 33.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AWO 425 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Simson mit neuen Typenbezeichnungen. In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1957, S. 76.
  2. a b c d e Eduard Werner: Ostdeutsche Motorradklassiker Simson 425 und Simson Sport. Uwe Welz Verlag, 1999, ISBN 3-933177-04-9.
  3. Kraftfahrzeuge auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1956. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1956, S. 84–85.
  4. Verbesserungen an Simson-Motorfahrzeugen. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1958, S.236
  5. Kraftfahrzeugtechnik 4/1957, S.157.
  6. Das neue Getriebe der AWO 425. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1955, S. 22–23.
  7. AWO mit Doppelzündung. In: Kraftfahrzeugtechnik, Heft 9/1955, S. 324-325.