Aadu Hint

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Aadu Hint (eigentlich Adolf Edmund Hint; * 28. Dezember 1909jul./ 10. Januar 1910greg. im Dorf Külasema, Insel Muhu; † 26. Oktober 1989 in Tallinn) war ein estnischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Aadu Hint verbrachte seine Kindheit auf dem Bauernhof Kopli im Dorf Kuusnõmme (heute Landgemeinde Lümanda) auf der größten estnischen Insel Saaremaa. Von 1923 bis 1929 besuchte er das Gymnasium in der Inselhauptstadt Kuressaare. Von 1929 bis 1936 war er Grundschullehrer im Dorf Rootsiküla (Gemeinde Kihelkonna). Anschließend war er von 1936 bis 1940 Lehrer in der südestnischen Stadt Tartu.

Hint stand marxistischen Ideen nahe. 1940 trat Hint in die Kommunistische Partei Estlands (EKP) ein. Mit der ersten sowjetischen Besetzung Estlands (1940/41) übernahm er die Redaktion der Zeitschrift Viisnurk. Während des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Estlands (1941-1944) kämpfte Hint in der Roten Armee. Später war er hinter der Front tätig.

Während der sowjetischen Besetzung Estlands (1944-1991) blieb Hint weiter politisch aktiv. Er war unter anderem Abgeordneter des Obersten Sowjets der Estnischen SSR und des Obersten Sowjets der UdSSR. Kurzzeitig war er 1945/46 Vorsitzender des Estnischen Fischerverbands. Das Leben am und mit dem Meer spielte bei Hint eine wesentliche Rolle.

Literarisches Werk[Bearbeiten]

Von 1946 bis zu seinem Tod war Hint als freiberuflicher Schriftsteller aktiv. Mit dem Schreiben hatte er bereits Anfang der 1930er Jahre begonnen. 1934 erschien der Roman Pidalitõbi („Die Lepra“). 1936 folgte Vatku tõbilas. Beide handeln von der Lepra, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf der Insel Saaremaa noch auftrat.

Bereits ein Jahr erschien Hints psychologischer Roman Kuldne värav. 1939 veröffentlichte er den Seeroman Tulemees. Das Leben am Meer und auf See sowie das Schicksal der Strandbewohner und Fischer zieht sich durch das gesamte literarische Schaffen Hints.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Hint die Jugendromane Vesse poeg (1948) und Angerja teekond (1950). Zur gleichen Zeit erschienen die Dramen Tagaranna meeste kalakuunar (1947) und Kuhu lähed, seltsimees direktor (1949).[1] Bekannt wurde auch Hints später Roman Oma saar (1985).

Von 1951 bis 1966 erschien Hints Hauptwerk, der Roman Tuuline rand, in vier Bänden (1951, 1954, 1960 und 1966). Das Werk handelt vom Leben armer estnischer Inselbewohner ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Teile des Romans wurden 1971 von dem estnischen Regisseur Kaljo Kiisk verfilmt. Das Werk schildert breit angelegt und über mehrere Generationen das Leben einer weit verzweigten Familie von Strandbewohnern und Fischern von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die sowjetischen Zensurbehörden äußerten starke Kritik an dem Roman, da er nicht ausreichend die proletarische Revolution und die estnisch-sowjetische Freundschaft berücksichtige. Daher wurden in späteren Auflagen dem ersten Band zehn Kapitel angefügt, die das Arbeiterleben und die Revolution in Tallinn behandeln.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Aadu Hint erhielt für sein literarisches Werk zahlreiche Auszeichnungen. 1950 und 1967 wurde Hint mit dem „Staatspreis der Estnischen SSR“ geehrt. 1955 wurde ihm der Titel eines „Verdienten Künstlers der Estnischen SSR“ verliehen, 1965 die Auszeichnung „Volksschriftsteller der Estnischen SSR“. 1982 gewann er den „Friedebert Tuglas Novellenpreis“. Hint war darüber hinaus Träger des Leninordens.

Privatleben[Bearbeiten]

Aadu Hint war der ältere Bruder des estnischen Ingenieurs und Erfinders Johannes Hint (1914-1985).

Aadu Hint war von 1937 bis 1941 mit der estnischen Lyrikerin Debora Trull (später Debora Vaarandi, 1916-2007) verheiratet. In zweiter Ehe lebte Hint von 1941 bis 1958 mit der Schriftstellerin Minni Nurme (1917-1994) zusammen. Hint schloss 1961 seine dritte Ehe mit Elve Sooviste. Aadu Hint hatte acht Kinder. Die bekannteste Tochter ist die Schriftstellerin Eeva Park (* 1950).

Aadu Hint liegt auf dem Friedhof von Kihelkonna auf der Insel Saaremaa begraben.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eesti Elulood. Tallinn: Eesti Entsüklopeediakirjastus 2000 (= Eesti Entsüklopeedia 14) ISBN 9985-70-064-3, S. 90
  2. Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Berlin, New York 2006 (ISBN 3-11-018025-1), S. 554-556 und S. 599-602