Aaron T. Beck

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Aaron Temkin Beck (* 18. Juli 1921 in Providence, Rhode Island) ist ein US-amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut. Er gilt als Vater der Kognitiven Verhaltenstherapie und ist Mitglied des Scientific Advisory Boards der False Memory Syndrome Foundation. Etwa gleichzeitig mit Albert Ellis veränderte er die klassische Verhaltenstherapie und ergänzte sie um kognitive Konzepte, die er vor allem auf die Psychotherapie der Depression anwandte.

Leben[Bearbeiten]

Beck entstamme einer jüdischen Familie.[1] Die Vorfahren mütterlicher- und väterlicherseits seien anfang des 20. Jahrhunderts aus Russland ausgewandert.[1] Er habe in der Kindheit unter schweren Krankheiten gelitten und deswegen einen Teil der frühen Schulbildung versäumt.[1] Man habe ihn deswegen eine Zeitlang als dumm eingeschätzt und er selbst habe diese Einschätzung zeitweilig geteilt.[1]

Er studierte bis 1942 an der Brown University und wechselte dann zur Yale University, wo er 1946 in Psychiatrie promovierte. Eine der frühesten Veröffentlichungen stamme aus dem Jahr 1953, als Beck als Psychiater in der US Army tätig war.[1] Er habe 5 Soldaten untersucht, die nach der versehentlichen Erschießung von Kameraden in Korea psychotische depressive Symptome entwickelten.[1] Manche Begriffe die Beck im Artikel verwendete, wie "unbewusste Feindseligkeit" oder "Abwehrmechanismen" lassen noch seine Erfahrungen mit psychoanalytischen Denkmodellen erahnen.[1] 1954 sei Beck Dozent an der University of Pennsylvania Medical School geworden, wo er mehr als 40 Jahre arbeitete.[1] In der darauffolgenden Zeit habe er der Psychoanalyse gegenüber eine Skeptische Haltung entwickelt, möglicherweise, weil er von den Ergebnissen seiner eigenen Analyse enttäuscht gewesen sei.[1] 1959 sei er bereits außerordentlicher Professor gewesen und versuchte anhand von Träum skeptisch zu prüfen, ob depressive Patienten tatsächlich, wie in einem psychoanalytischen Konzept angenommen, das Bedürfnis zu leiden hätten.[1] Das Ergebnis habe ihn veranlasst, sich von der Psychoanalyse abzuwenden.[1] Beck selbst verorte die Ursprünge seiner Ideen in die Zeit zwischen 1960 und 1964.[1] A. T. Beck hat eine Tochter Judit S. Beck, die als Psychologin ebenso Bücher über die kognitive Verhaltenstherapie veröffentlicht hat.[1]

Während des Koreakrieges arbeitete er im Valley Forge Hospital. 1976/1977 war er Präsident der Society for Psychotherapy Research.[2] 2006 erhielt er den Albert Lasker Award for Clinical Medical Research und 2011 den Prinz-Mahidol-Preis. Derzeit ist er Professor Emeritus am Psychopatholgischen Institut der University of Pennsylvania. Seine Forschungsgebiete liegen in den Bereichen Psychotherapie, Psychopathologie, Suizidforschung und in der Entwicklung von Diagnoseverfahren.

Psychologische Grundannahmen[Bearbeiten]

Aaron T. Beck begann seine therapeutische Tätigkeit als Psychoanalytiker. Er stellte jedoch bald fest, dass die psychoanalytische Arbeit mit depressiven Patienten nicht zu den gewünschten Ergebnissen führte, und entwickelte die kognitive Therapie, mit der er wesentliche Erfolge erzielte. Die kognitive Methode setzt an den negativen Denk- und Betrachtungsweisen und den daraus resultierenden automatischen Gedanken an. Beck sieht psychische Störungen als Folge fehlangepasster Einstellungen, einer einseitigen Betrachtungsweise und damit verbundenen Denkfehlern sowie automatischer Gedanken an.

Schemata, negative kognitive Triade und kognitive Verzerrungen[Bearbeiten]

Beck betont in seinem Ansatz vor allem die Bedeutung von Gedanken (Kognitionen) für die Entstehung von Depressionen. Er geht davon aus, dass bereits in der Kindheit Überzeugungen (Schemata) gelernt werden, die durch Merkmale der Situationen aktiviert werden und bestimmte Gedanken hervorrufen. Bei depressiven Patienten seien dies negative Bewertungen in Bezug auf sich selbst, ihre Umwelt und ihre Zukunft. Diese drei Denkinhalte werden auch als kognitive Triade bezeichnet. Neue Erfahrungen, die den Überzeugungen widersprechen könnten, würden so interpretiert, dass sie den Überzeugungen eher bestätigen. Diesen Vorgang nennt Beck kognitive Verzerrung.

Automatische Gedanken[Bearbeiten]

Von zentraler Bedeutung für das Empfinden und die depressiven Symptome des Patienten sind nach Beck die so genannten „automatischen Gedanken“. Hierunter versteht man schnell ablaufende, blitzartig auftretende, subjektiv plausibel erscheinende und sich unfreiwillig einstellende Kognitionen, die zwischen einem Ereignis (externaler oder internaler Art) und einem emotionalen Erleben (Konsequenz) liegen. Die automatischen Gedanken sind zumeist im Sinne der oben beschriebenen Denkfehler verzerrt. Diese sich aufdrängenden automatischen Gedanken sind den Patienten zumeist zu Beginn der Therapie nicht bewusst, können jedoch bewusst gemacht werden und sind dadurch der therapeutischen Bearbeitung zugänglich.

Depressogene Grundannahmen[Bearbeiten]

Die automatischen, situationsspezifischen Gedanken liefern laut Beck die Zugangsmöglichkeit zu den dahinter liegenden, grundlegenderen und situationsübergreifenden „depressogenen Grundannahmen“. Depressogene Grundannahmen sind jene dysfunktionale Überzeugungen, die den Betreffenden zur Depression prädispositionieren. Die Grundannahmen sind nicht unmittelbar bewusst und können vom Patienten meist erst nach längerer Introspektion artikuliert werden. Sie sind schwerer zu erkennen und zu bearbeiten als automatische Gedanken. Beck zählt einige Grundannahmen auf, die zur Depression dispositionieren, hier einige Beispiele (aus Wilken, 1998, S. 28):

  1. Um glücklich zu sein, muss ich bei allem, was ich unternehme, Erfolg haben.
  2. Um glücklich zu sein, muss ich immer von allen Menschen akzeptiert werden.
  3. Wenn ich Fehler mache, bedeutet das, dass ich unfähig bin.
  4. Ich kann ohne dich nicht leben.
  5. Wenn jemand anderer Meinung ist als ich, bedeutet das, dass er mich nicht mag.
  6. Mein Wert als Mensch hängt davon ab, was andere von mir denken.

Die Analyse[Bearbeiten]

  1. Beschreibung der kognitiven Grundannahmen, die den automatischen Gedanken zu Grunde liegen.
  2. Beschreibung der automatischen Gedanken, die einer Person aufgrund problematischer Ereignisse durch den Kopf gehen.
  3. Es wird erforscht, bei welchen Ereignissen die automatischen Gedanken auftreten. In diesem Zusammenhang ist es von wesentlicher Bedeutung, was genau nun die automatischen Gedanken in der jeweiligen Situation ausgelöst hat.
  4. Weiterhin versucht die Analyse zu erfassen, welche Gefühle, welches Verhalten und welche körperlichen Reaktionen mit den automatischen Gedanken verbunden sind. Denn so können die körperlichen Symptome beispielsweise schon ein erster Anhaltspunkt dafür sein, wie, wo und wann diese Grundannahme entstanden sein könnte.
  5. Im letzten Schritt versucht der Analytiker herauszufinden, welche prägenden Erlebnisse der Klient in seiner Kindheit erfahren musste. Gleichzeitig wird untersucht, inwieweit die Erlebnisse für die Entstehung, als auch für die Aufrechterhaltung der Grundannahmen verantwortlich sind.

Die Therapie[Bearbeiten]

Grundannahme des therapeutischen Vorgehens[Bearbeiten]

Werden die Kognitionen inhaltlich verändert so wird auch das Erleben, das Fühlen und das Verhalten einer Person sich verändern. Eine Korrektur von dysfunktionalen Kognitionen führt zumindest zu einer Besserung des Zustandes der depressiven Person.

Ziel der Therapie[Bearbeiten]

Das Hauptziel der Kognitiven Therapie nach der Beckschen Theorie ist es die verzerrten, nicht realitätsgerechten Kognitionen, die der depressiven Störung des Klienten zu Grunde liegen, zu verändern in Richtung auf eine realitätsadäquatere Wahrnehmung und Interpretation der Realität. Das depressive Denken, das als global, eindimensional, absolutistisch, irreversibel und bewertend beschrieben wird, soll hin zu einem differenzierten Denken mit den Attributen konkret, mehrdimensional, relativierend, reversibel und nicht wertend beeinflusst werden. Der Klient soll im Laufe der Therapie lernen, seine verzerrten, nicht realitätsgerechten Kognitionen selbständig zu identifizieren und letztlich auch zu verändern.
Bevor die kognitive Therapie im engeren Sinne stattfinden kann, werden in der Regel verhaltenstherapeutische Maßnahmen eingeleitet um das Aktivitätsniveau des Klienten schrittweise zu steigern, da Inaktivität sehr häufig bei depressiven Patienten auftritt.

Sechs Schritte der kognitiven Umstrukturierung[Bearbeiten]

1. Vorstellung des kognitiven Modells

Zu Beginn der Therapie versucht der Therapeut dem Klienten die Zusammenhänge zwischen automatischen Gedanken und den kognitiven Grundannahmen zu erklären. Denn es ist entscheidend, dass der Klient weiß, wie die Therapie funktionieren soll. Auf diese Weise verspricht man sich einen größeren Therapieerfolg, da der Klient weiß, was der Therapeut mit seinem methodischen Vorgehen beabsichtigt und was dies bei ihm auslösen soll.

2. Aufdeckung und Bewusstwerdung der dysfunktionalen Kognitionen:

In dieser Phase der Therapie wird der Klient vornehmlich zur Selbstbeobachtung angehalten. Die Selbstbeobachtung ist der Schlüssel zur Bewusstwerdung der dysfunktionalen Kognitionen. Unterstützend werden dabei auch Rollenspiele und systematische Gesprächstechniken mit eingesetzt.

3. Infragestellen der dysfunktionalen Kognitionen

Sind die dysfunktionalen Kognitionen in der vorangegangenen Phase ins Bewusstsein gedrungen, so geht es im nächsten Abschnitt der Therapie um die Überprüfung der Angemessenheit jener Kognitionen. Der Klient muss nun die Kognitionen hinterfragen und nach rationalen Gesichtspunkten überprüfen, ob sie realistisch und begründet sind.

4. Reflexion der Kognitionen

Der Klient reflektiert seine eigenen Kognitionen, lernt selbst deren Unangemessenheit zu erkennen und wird dadurch fähig, die automatischen Gedanken zu hinterfragen und in letzter Konsequenz abzulegen.

5. Entwicklung alternativer Überzeugungen

In dieser Phase der Therapie werden neue funktionale Überzeugungen ausgebildet, mit denen der Klient zukünftige Situationen positiv beeinflussen und erleben kann. Es erfolgt also eine Umstrukturierung der dysfunktionalen Kognitionen in funktionale.

6. Training der funktionalen Kognitionen

Die so entwickelten funktionalen Kognitionen müssen nun im Sinne der Stabilisierung aktiv im Alltag geübt und trainiert werden. Dies kann in einem frühen Stadium zunächst noch mit z.B. Rollenspielen erreicht werden und später dann in realen Alltagssituationen. Bevor die Therapie als abgeschlossen gelten kann, muss zunächst eine Phase erfolgen, welche von ständigen Erfolgskontrollen geprägt ist. Diese Kontrollen sind nötig, um eventuelle Stagnationen oder Rückschläge rechtzeitig zu erkennen und diesen entgegenwirken zu können.

Methoden der kognitiven Umstrukturierung[Bearbeiten]

Zentrale Methode der Gesprächsführung ist der so genannte „Sokratische Dialog,“ damit soll der Klient angeleitet werden seine dysfunktionalen Denkinhalte zu identifizieren und zu verändern. Kognitive Hausaufgaben (in Form von schriftlichen Trainingseinheiten – z. B. Spaltentechniken, Tagesprotokolle negativer Gedanken) kommen ebenfalls zur Anwendung.
Kern der Technik von Beck ist die so genannte Realitätsüberprüfung. Dabei geht es darum, die verzerrten Kognitionen an der Realität zu testen, das heißt zu überprüfen, inwiefern die formulierten Wahrnehmungen und Interpretationen des Klienten empirisch belegbar sind und welche kognitiven Verzerrungen ihnen möglicherweise zu Grunde liegen. Bei dieser Realitätsüberprüfung wird der Klient zum Beispiel angeleitet im Alltag Beobachtungen zu sammeln, die seinen Interpretationen bzw. Schlussfolgerungen widersprechen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aaron T. Beck: Cognitive Therapy and the Emotional Disorders. Intl Universities Press, 1975. ISBN 0-8236-0990-1.
  • Clark, D.A., Beck, A.T., Alford, B.A.,(1999) Scientific Foundations of Cognitive Theory and Therapy of Depression. New York, Wiley, 1999. ISBN 0-471-18970-7.
  • Aaron T. Beck: Kognitive Therapie der Depression. Herausgegeben von Martin Hautzinger. Aus dem Amerikanischen von Gisela Bronder. 3. Auflage. Beltz, Weinheim u. a. 2004 (Beltz-Taschenbuch: Psychologie), ISBN 3-407-33023-5.
  • Herman Hobmair, Sophia Althenthan u. a.: Pädagogik/Psychologie für die berufliche Oberstufe. Band 3. Stam, Köln 2006, ISBN 3-427-05027-0.
  • Beate Wilken: Methoden der kognitiven Umstrukturierung. Ein Leitfaden für die psychotherapeutische Praxis. 5. aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2010 (Urban-Taschenbücher 466), ISBN 978-3-17-021324-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m  Frank Wills: Kognitive Therapie nach Aaron T. Beck. Therapeutische Skills kompakt. S. 11-18 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. psychotherapyresearch.org Abgerufen am 11. September 2010.