Abū Inān Fāris

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Abū ʿInān Fāris arabisch ‏ أبو عنان فارس ‎ (* 1329 in Fès; † 1358) war der elfte Nachfolger und Sultan der Meriniden in Marokko (1351–1358).

Aus der Gründungsinschrift der Madrasa:Der Sultan Abū ʿInān, der Befehlshaber der Gläubigen, der auf den Herrn der Welten vertraut‏ السلطان أبو عنان أمير المؤمنين المتوكل على رب العالمين
Eingang zum Hörsaal

Abū ʿInān Fāris war schon zu Lebzeiten seines Vaters Abu l-Hasan (Sultan 1331–1351) als Statthalter in Tlemcen tätig. Als er 1350 von der Niederlage der Meriniden bei Kairouan gegen die Beduinen erfuhr, ließ er sich in Tlemcen zum Herrscher ausrufen, in der Annahme, dass Abu l-Hasan die Niederlage nicht überlebt habe. Diesem gelang aber die Flucht nach Marokko, so dass es innerhalb der Dynastie zu internen Kämpfen kam, in denen sich Abū ʿInān gegen seinen Vater durchsetzen konnte. Nach dem Tod seines Vaters wurde er als Herrscher allgemein anerkannt. Er war der erste, der in der Dynastie den Titel Amīr al-muʾminīn „Befehlshaber der Gläubigen“ - nach dem alten Vorbild der ersten Kalifen nach Mohammed - annahm und verewigte sich mit diesem Titel in der Gründungsinschrift der nach ihm benannten Madrasa Bū ʿInānīya in Fès.

Abū ʿInān war ein großer Förderer von Kunst und Kultur und versammelte Dichter und Gelehrte an seinem Hof. In seinem Auftrag schrieb der Dichter Muhammad Ibn Dschuzaiy die Erlebnisse des großen Reisenden Ibn Battuta in Form eines Berichtes nieder. Abū ʿInān vollendete die von seinem Vater in Angriff genommenen Bauten in Algerien, Meknes und Fès und ließ die imposante Madrasa Bū ʿInānīya ‏مدرسة بو عنانية ‎ in Fès errichten, wo auch Ibn Chaldun lehrte. Wie aus Ibn Dschuzaiys Vorrede zu Ibn Battūtas Reisebericht hervorgeht, ließ er in der Nacht zum Prophetengeburtstag im ganzen Land regelmäßig große Bankette veranstalten.[1]

Wie schon sein Vater versuchte auch Abū ʿInān den Maghreb unter der Herrschaft der Meriniden zu vereinigen. So wurde schon 1352 Tlemcen und Bougie von den Abdalwadiden zurückerobert. Ihm gelang 1358 auch der Einzug in Tunis, doch musste er nach Marokko flüchten, als die arabische Hilfstruppen ihm die Huldigung verweigerten.

In Marokko wurde er 1358 durch eine Verschwörung der hohen Würdenträger am Hof gestürzt und von einem seiner Wesire auf seinem Krankenbett erdrosselt. An den folgenden Machtkämpfen war u.a. auch Ibn Chaldun beteiligt, der darauf hin das Land verlassen musste. Die Wattasiden gewannen in der folgenden Jahren als Wesire die beherrschende Stellung in Marokko und hatten den entscheidenden Einfluss über die Ein- und Absetzung der Sultane.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. Herausgegeben von Heinz Halm. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1, S. 310, 315 (Beck's historische Bibliothek).
  • Stephan Ronart, Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. Ein historisch-politisches Nachschlagewerk. Artemis Verlag, Zürich u. a. 1972, ISBN 3-7608-0138-2.
  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 1, S. 129.
  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 6, S. 571: Liste der Meriniden.

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. N.J.G. Kaptein: Muḥammad's Birthday Festival. Early History in the Central Muslim Lands and Development in the Muslim West until the 10th/16th Century. Leiden u.a.: Brill 1993. S. 107.