Abū l-ʿAlāʾ al-Maʿarrī

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Abu l-'Ala al-Ma'arri (arabisch ‏أبو العلاء المعري‎, DMG Abū l-ʿAlāʾ al-Maʿarrī; * 973 in Ma'arra; † 1057 in Ma'arra) war ein arabischer Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Al-Ma'arri wurde 973 als Sohn einer angesehenen Familie - sein Vater Abdallah ibn Sulaiman war Dichter und Philologe - in der nordsyrischen Stadt Ma'arra geboren. Im Alter von vier Jahren verlor er infolge einer Pockenerkrankung sein Augenlicht. Diese Behinderung machte er zwar später durch sein ausgezeichnetes Gedächtnis wett, er empfand seine Blindheit jedoch zeitlebens als „Gefängnis“. In seiner Heimatstadt und in Aleppo studierte al-Ma'arri den Islam und die arabische Sprache und Literatur.

Später zog al-Ma'arri nach Bagdad. Dort machte er die Bekanntschaft zahlreicher Gelehrter und erhoffte sich angeblich auch, einen Ruf als Lobdichter zu erwerben. In seine Bagdader Zeit fällt sein Streit mit dem Literaten al-Murtada. Nach einem erhitzten Disput über den Rang der Dichtung al-Mutanabbis ließ dieser al-Ma'arri an den Füßen aus seinem literarischen Salon schleifen.

1010 kehrte al-Ma'arri in seine Heimatstadt zurück. In seinem Haus, das er bis zu seinem Tod nur noch einmal verlassen sollte, sammelte er Schüler um sich und unterhielt eine rege Korrespondenz mit führenden Gelehrten seiner Zeit. Im Alter von 84 Jahren starb al-Ma'arri nach kurzer Krankheit.

Ansichten über den Islam und Religion im Allgemeinen[Bearbeiten]

Al-Ma'arri war ein Skeptiker und prangerte Aberglauben und religiösen Dogmatismus an. Er wurde daher als pessimistischer Freidenker bezeichnet.[1]

Al-Ma'arri lehrte, dass Religion eine „von den Vorvätern ersonnene Fabel“ [2] sei, ohne Wert außer für Ausbeuter leichtgläubiger Massen.[2] Zu Lebzeiten al Ma'arris waren in Ägypten, Bagdad und Aleppo mehrere Kalifate entstanden, welche alle die Religion zur Stützung ihrer Macht instrumentalisierten.[3] Er wies den Wahrheitsanspruch des Islams wie auch anderer Religionen zurück:

Man soll die Behauptungen der Propheten nicht für wahr halten; es sind allesamt Erfindungen. Den Menschen ging es gut, bis sie kamen und das Leben verpfuschten. Die heiligen Bücher sind nur Sammlungen nutzloser Geschichten, wie sie alle Zeiten hervorbringen konnten und auch hervorgebracht haben.[4]

Al-Ma'arri kritisierte viele Dogmen des Islams, wie z.B. den Haddsch, den er einen „Heidenzug“ nannte[5]

Eines seiner Gedichte gibt seiner Sichtweise Ausdruck:

Sie alle irren – Moslems, Christen, Juden und des Zoroaster Legion.
Die Menschheit kennt weltweit nur diese beiden:
Den einen, mit Verstand wohl aber ohne Religion,
Den andern, religiös, doch ohne Hirnarbeiten.[6][7]

Er wies jegliche göttliche Offenbarung zurück.[8] Seine Überzeugungen waren die eines Philosophen und Asketen, für den die Vernunft einen moralischen Leitfaden bereithält und Tugend Belohnung genug für sich selbst ist.[9]

Werke[Bearbeiten]

Al-Ma'arri verfasste sowohl Gedichte als auch Prosawerke. In seine Jugendzeit und Bagdader Periode fällt das Siqt az-zand („Zunderfunke“), eine Sammlung eher konventioneller Gedichte, darunter Trauerklagen über den Tod seiner Eltern und Lobgedichte. Die nach dem Bagdad-Aufenthalt entstandenen Gedichte, gesammelt im Luzum ma la yalzam (Die Vorschrift, die nicht vorgeschrieben ist), beschäftigen sich dagegen in komplizierter Reimtechnik mit philosophischen Themen.

Seine umfangreichste Prosaschrift ist ein Antwortschreiben auf den ebenfalls erhaltenen Brief eines gewissen Ibn al-Qarih. Dieser, ein eher erfolgloser Dichter, wandte sich an al-Ma'arri mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Ibn al-Qarih hatte seinen früheren Mäzen al-Maghribi, einem fatimidischen Staatssekretär, recht schäbig im Stich gelassen, als dessen Familie beim Kalifen in Ungnade fiel. In seinem Brief an al-Ma'arri versucht Ibn al-Qarih, sich von diesem Verhalten reinzuwaschen.

Al-Ma'arris Antwort, die risalat al-ghufran („Sendschreiben über die Vergebung“), hat man oft mit Dantes Divina Commedia verglichen. Der Dichter schickt den noch lebenden Ibn al-Qarih in seiner Vorstellung auf eine Jenseitsreise durch Paradies und Hölle.

al-Fusul wal-ghayat („Abschnitte und Enden“), eine Sammlung von Homilien in Reimprosa, wurde als eine Parodie des Korans bezeichnet.[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Abu l-'Ala al-Ma'arri: Paradies und Hölle. Die Jenseitsreise aus dem „Sendschreiben über die Vergebung“. übers. von Gregor Schoeler. München 2002
  • Henri Laoust: La vie et la philosophie d'Abou- l-'Ala Al-Ma'arri. In: Bulletin d'Etudes Orientales 10 (1944)

Quellen[Bearbeiten]

  1. Philip Khuri Hitti: Islam, a way of life, Seite 147
  2. a b Reynold Alleyne Nicholson, 1962, A Literary History of the Arabs, Seite 318, Routledge
  3. Lamia Ben Youssef Zayzafoon, The Production of the Muslim Woman, Seite 141, Lexington Books
  4. James Hastings, Encyclopedia of Religion and Ethics, Part 3, Seite 190, Kessinger Publishing.
  5. Reynold Alleyne Nicholson, 1962, A Literary History of the Arabs, Seite 319, Routledge
  6. Zitiert in Cyril Glasse, 2001, The New Encyclopedia of Islam, Seite 278, Rowman Altamira.
  7. Freethought Traditions in the Islamic World von Fred Whitehead
  8. Reynold Alleyne Nicholson, 1962, A Literary History of the Arabs, Seite 317, Routledge
  9. Reynold Alleyne Nicholson, 1962, A Literary History of the Arabs, Seite 323, Routledge
  10. Encyclopaedia Britannica

Weblinks[Bearbeiten]