Ab die Post

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Ab die Post (englischer Titel: Going Postal) ist ein Fantasy-Roman von Terry Pratchett. Es ist der dreiunddreißigste Scheibenwelt-Roman. Ab die Post wurde 2004 publiziert und stand 2005 auf der Shortlist sowohl des Locus Award, wie des Nebula [1] für den besten Fantasy-Roman. Ort der Handlung ist Ankh-Morpork. Ab die Post gehört zu den Kultur-Geschichten und macht uns erstmals mit Feucht von Lipwig als handlungstragendem Protagonisten vertraut. Der Ex-Gauner soll das marode Postsystem der Stadt reorganisieren und trifft dabei auf Widerstände.

Ab die Post reflektiert die verschiedensten gesellschaftlichen Themen, darunter: Die Geschichte der Post, verantwortungsvolle Regierungsarbeit, Semaphoren, Hacker, das organisierte Verbrechen, Monopole, den Turbokapitalismus, The Smoking Gun und Philatelie.

Deutsche Ausgabe[Bearbeiten]

München, 2006, ISBN 3-442-54608-7

Handlung[Bearbeiten]

Lord Vetinari hat seine eigenen Vorstellungen von Personalrekrutierung und passgenauer Stellenbesetzung. Er zögert keine Sekunde, selbst verurteilte Verbrecher in Dienst zu stellen, sofern er bei ihnen das Potential erkennt, Ankh-Morpork dienen zu können. Seine Menschenkenntnis irrt dabei selten.

In Ab die Post benötigt die Stadt einen neuen Postminister. Vetinari verurteilt den Gentleman-Gauner Albert Spangler zum Tode und lässt ihn hängen. Nachdem Spangler überraschenderweise wieder zu sich gekommen ist, darf Feucht von Lipwig (engl.: Moist von Lipwig), wie er wirklich heißt, entscheiden, entweder den Job des Postministers anzunehmen, oder erneut und diesmal endgültig am Galgen zu enden. Diese Entscheidung fällt Feucht leicht, zumal sofort Dutzende Fluchtszenarien vor seinem inneren Auge ablaufen. Er ergreift die erstbeste Gelegenheit, taucht in der Menge unter, verkleidet sich, kauft ein Pferd, galoppiert aus der Stadt – und lernt seinen "Bewährungshelfer" Herrn Pumpe kennen, einen Golem, der durch karmische Signatur darauf eingestimmt ist, Feucht von Lipwig jeder Zeit und überall zu finden und an den Ort seiner Bestimmung zurückzubringen – ins Postamt. Der erste ist damit zugleich der letzte Fluchtversuch des neuen Postministers.

Seit 20 Jahren hat kein Brief das Postamt mehr verlassen. Die nicht zugestellten Briefe verstopfen das gesamte heruntergekommene Gebäude. Von seinen einzigen Angestellten, dem alten Junior-Postboten Herrn Grütze und dem jungen Postbotenanwärter Stanley, erfährt Feucht, dass die Installation der innovativen Sortieranlage des Absolut Bekloppten Johnson den Anfang des Endes eingeläutet hatte.

Widerwillig beginnt Feucht damit, den Postdienst neu zu organisieren und nimmt sich zuerst den ramponierten Schriftfries über dem Eingang vor: „ WEDER RE EN NOCH SCHNEE ODER DIE D NKELHEIT DER NAC T KANN DIE E BOTEN VON IHRER PFLICHT ABHALTEN.“ Er überredet Hugo S., den Inhaber des gleichnamigen Friseursalons, die Buchstaben seines Ladenschildes inklusive einer großzügigen Spende ans Postamt zurückzugeben. Dann stellt er im Hohen Schlag 1 bei Gemüsehändler Parker einen der uralten Briefe zu, was sich bald als schicksalhaft erweisen soll.

Die Geheimgesellschaft der Postboten prüft Feucht – den "Unfrankierten Mann" – und erkennt ihn dann als tatsächlichen Postminister an; zuvor galt er lediglich als ernannt. Die Dinge kommen in Bewegung und Post wird zugestellt! Allerdings sind die Zusteller nur wenige alte Postpensionäre, die den Tücken des Postbotenalltags nicht mehr gewachsen sind. Das ist der Punkt, an dem Feucht von Lipwig die Golemstiftung aufsucht und Adora Belle Liebherz kennenlernt. Feuchts Werbung um diese schöne, aber schrecklich abgeklärte und zynische junge Frau ist ein weiterer Erzählstrang des Romans.

Zunächst aber übernimmt er von ihr, bzw. der Stiftung, alle freien Golems, malt sie blau und golden an und stellt sie den alten Zustellern als Gehilfen zur Seite. Zweieinhalb Meter große Postboten erregen Aufsehen, und Aufsehen ist etwas, was Feucht gerade gut gebrauchen kann. Er selbst trägt inzwischen einen goldenen Anzug und eine goldene, mit Flügeln versehene Kappe. Er erregt Aufmerksamkeit, vor allem nachdem er seine neueste Erfindung, die Briefmarke, vorstellt, die sich sofort größter Beliebtheit erfreut. Nun werden nicht mehr nur alte Briefe zugestellt, es kommt ständig neue, frische Post herein und nicht nur für Ankh-Morpork, sondern für alle Städte im Umland.

An dieser Stelle beginnt der dritte Erzählstrang: Ankh-Morporks revolutionäre Kommunikations-Erfindung, die Klacker – eine scheibenwelttypische Mischung zwischen Telegrafie und Internet – haben ein veritables Problem. Seit ein gewisser Reacher Gilt die Gesellschaft des Großen Strangs übernommen hat, steigen zwar ständig die Gebühren, die Zuverlässigkeit lässt aber deutlich zu wünschen übrig. Unter den Schlagworten "Kostenersparnis, Rationalisierung, Gewinnmaximierung" wird Personal abgebaut und werden unabdingbare Wartungsarbeiten in die Zukunft verschoben. Das hat Folgen. Immer öfter fällt der Strang aus und die teuer bezahlten Leistungen können nicht erbracht werden. In dieser Krisenlage bietet nun der neue Postminister an, Klackernachrichten zwar langsamer, dafür aber deutlich günstiger und vor allem zuverlässig zu transportieren. Reacher Gilt ordnet an, den störenden Konkurrenten zu beseitigen. Das misslingt gründlich, dafür aber brennt das Postamt bis auf die Grundmauern nieder.

Kein Grund für Feucht aufzugeben. Nachdem er Reacher Gilt persönlich begegnet ist, weiß er mit absoluter Sicherheit, dass der ein noch viel größerer Betrüger ist als es Feucht in seinen besten Zeiten je gewesen war. Nach dem Mordanschlag erwacht Feuchts Ehrgeiz, diesen Titan von einem Betrüger zur Strecke zu bringen. Er verspricht Adora Belle Liebherz, die aus familiären und finanziellen Gründen ein Hühnchen mit Reacher Gilt zu rupfen hat, den Vorsitzenden der Klackergesellschaft binnen einer Woche in den Ruin zu treiben.

Öffentlich per Brief bittet nun der Postminister die Götter um Beistand. Er braucht Geld für den Wiederaufbau seines Postamtes und tatsächlich erscheint ihm im Traum der Lageplan für einen gewaltigen Schatz: 150.000 Ankh-Morpork-Dollar in gebrauchten Scheinen sind mehr als genug für dieses Vorhaben.

Als Nächstes fordert Feucht die Konkurrenten vom Großen Strang zu einem Wettstreit heraus. Er behauptet, mit der Postkutsche eine Nachricht schneller nach Gennua bringen zu können als die Klacker – immerhin eine Strecke von 2000 Meilen. Der Postminister kann zwar auf Unterstützung des „Rauchenden Gnu“ bauen, eine Gruppe aus drei Hackern, die den gesamten Strang vernichten könnten, wenn Feucht das von ihnen verlangte, sein Plan ist allerdings ein anderer. Er weiß, dass Ankh-Morpork die Klacker braucht, wen die Stadt aber nicht braucht, ist Reacher Gilt. Er ist das Ziel dieser Attacke.

Die Wettfahrt beginnt. Natürlich weiß Feucht, dass er nicht gewinnen kann, aber darauf kommt es ihm nicht an. Seine Helfer vom „Rauchenden Gnu“ schaffen es, statt der ursprünglichen Nachricht eine Anklageschrift gegen den Vorstand des Großen Strangs ins Klackersystem einzuspeisen. Diese Nachricht wird selbstverständlich (via Omniskop) laut und vernehmlich vor sämtlichen Honoratioren der Stadt verlesen, was zur sofortigen Verhaftung Reacher Gilts und des restlichen Vorstands der Klackergesellschaft führt. Der Große Strang wird zunächst einmal staatlicher Aufsicht unterstellt und provisorisch im Verantwortungsbereich des Postministers angesiedelt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Als zweiteiliger Fernsehfilm von Sky verfilmt 2010. In Deutschland unter dem Titel „Terry Pratchett – Ab die Post“ veröffentlicht.

Als (gekürztes) Hörbuch, Sprecher Peer Augustinski, ISBN 3-86604-036-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2005 Award Winners & Nominees. In: Worlds Without End. Abgerufen am 28. September 2009.