Abbad II. al-Mu'tadid

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Taifa-Reich Sevilla unter Abu l-Qasim (Abbad I.) (dunkelgrün), Abbad II. al-Mu'tadid (grün) und Muhammad al-Mu'tamid (hellgrün)

Abbad II. al-Mu'tadid (* in Sevilla; † 1069) aus der Dynastie der Abbadiden, war der Sohn und Nachfolger des Emirs Abbad I. als Herrscher von Sevilla, das dieser nach dem Zusammenbruch des Kalifats von Córdoba 1023 als selbständiges Taifa-Königreich etabliert hatte. Unter Abbad II. und seinem Sohn und Nachfolger Muhammad al-Mu'tamid erlebte die Stadt Sevilla ihre Glanzzeit.

Abbad II. erweiterte seinen Herrschaftsbereich in jahrelangen Eroberungskriegen gegen seine Nachbarn. Er eroberte nacheinander die Taifa-Emirate von Mértola (1044–1045), Huelva (1051), Faro (1051–1052), Niebla (1053–1054), Algeciras (1055), Silves (um 1063), Morón de la Frontera (1066), Ronda (1065), Carmona (um 1067) und Arcos de la Frontera (1069). Mit den Ziriden von Granada wie auch mit den Aftasiden von Badajoz kam es zu wiederholten militärischen Auseinandersetzungen, ohne dass sich eine Seite durchsetzen konnte. Er selbst zog fast nie ins Feld, sondern kommandierte seine Truppenführer, denen er zutiefst misstraute, vom sicheren Alcázar in Sevilla aus.

Abbad II. war wegen seiner Grausamkeit und Tyrannei gefürchtet, und seinem Wort konnte man selten trauen. Auch hatte er den Ruf eines Trinkers und Giftmischers. Einen Sohn, der gegen ihn rebelliert hatte, brachte er eigenhändig um. Eine Gesandtschaft von Berberhäuptlingen aus Ronda ließ er im Hitzebad einschließen und ersticken. Die Schädel getöteter Feinde bewahrte er auf; Fürstenschädel sammelte er in Truhen, die von Feinden minderen Geblüts benutzte er als Blumentöpfe.

Gleichzeitig war er aber auch ein großzügiger Patron der Künste und Wissenschaften, und sein Hof zog viele Dichter und Wissenschaftler an. Er selbst schrieb eine Anzahl beachtenswerter Gedichte.

Zwar wurde Sevilla zum mächtigsten Reich in Al-Andalus, doch die endlosen Kriege untereinander schwächten die muslimischen Staaten, sehr zum Vorteil der christlichen Könige von Kastilien und León. Als Ferdinand der Große von Kastilien und León 1063 mit einem Heer vor den Toren von Sevilla erschien, sah Abbad sich gezwungen, dessen Oberhoheit anzuerkennen und ihm Tribut zu zahlen.

Abbad starb 1069. Nachfolger wurde sein Sohn Muhammad al-Mu'tamid, der 1091 von den Almoraviden abgesetzt wurde und 1095 in der Verbannung in Marokko starb.

Siehe auch[Bearbeiten]

Wikisource Wikisource: Abaditen – Artikel der 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Haarmann, Heinz Halm (Hrsg.): Geschichte der Arabischen Welt. C.H. Beck, München 2005, ISBN 3406474861.
  • Günter Barthel, Kristina Stock (Hrsg.): Lexikon Arabische Welt. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3882267836.

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Abbad I. Emir von Sevilla
1042–1069
Muhammad al-Mu'tamid