Abd al-Aziz ibn Saud

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Dieser Artikel behandelt den Gründer des modernen Königreichs. Für den zweiten Herrscher der saudischen Dynastie, siehe Abd al-Aziz ibn Muhammad.
Abd al-Aziz ibn Saud (1927)
Abd al-Aziz ibn Saud

Abd al-Aziz ibn Saud, mit vollem Namen Abd al-Aziz ibn Abd ar-Rahman ibn Faisal Al Saud (vermutlich * 15. Januar 1876 in Riad; † 9. November 1953 in Ta'if; arabisch ‏عبد العزيز بن عبد الرحمن بن فيصل آل سعود‎, DMG ʿAbd al-ʿAzīz b. ʿAbd ar-Raḥmān b. Faiṣal Āl Saʿūd) entstammte der Dynastie der Saud und wurde erster König des modernen Saudi-Arabiens.

Ibn Saud einte und unterwarf die Stämme der Arabischen Halbinsel und gründete 1932 das moderne Königreich Saudi-Arabien, das er bis 1953 regierte.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten]

Geboren wurde Ibn Saud 1880 in Riad als Sohn von Abdul Rahman ibn Abdallah, dem Imam der Wahhabiten. Dort ist er auch aufgewachsen, erhielt privaten Schulunterricht und wurde für die Übernahme der Staatsgeschäfte geschult. Nach dem Sturz seines Vaters 1891 musste die Herrscherfamilie der Sauds ins Exil nach Kuwait fliehen.

Dort lebte der junge Ibn Saud mit seiner Familie in einfachen Verhältnissen und lebte von Raubzügen in die Region Nadschd. Gleichzeitig besuchte er die Majlis, wo er von Mubarak Al-Sabah, dem Emir von Kuwait in der Kunst der Staatsführung unterrichtet wurde.

Einigung Saudi-Arabiens (1902 bis 1932)[Bearbeiten]

Der Aufstieg des 21-Jährigen begann am 15. Januar 1902, als er mit 40 Kamelreitern der Ichwan von Kuwait nach Riad zurückkehrte und die Stadt handstreichartig zurückeroberte. Ibn Saud erkannte seinen Vater weiter als Imam der Wahhabiten an, wofür ihm dieser in der Folgezeit freie Hand ließ. Nach der Einnahme sammelten sich die Anhänger des Hauses Saud um Ibn Saud, der ein charismatischer Anführer war und seine Gefolgsleute mit Waffen versorgte. Bei der weiteren Unterwerfung des Nadschd konnte Ibn Saud auf die Unterstützung der Ichwan bauen. In den neu eroberten Gebieten wurden die Beduinen aufgefordert, ihr Vieh zu verkaufen und sich in festen Siedlungen niederzulassen, wo sie von Predigern der Wahhabiten unterwiesen und die Einhaltung der religiösen Pflichten streng überwacht wurden. Zweck dieser Zwangsansiedlung war auch, leichter rekrutierbare Truppen für die Kämpfe gegen andere Stämme zur Verfügung zu haben. Doch durch diesen Machtzuwachs ab 1904 kam es vermehrt zu Konflikten mit dem Osmanischen Reich, der vorherrschenden Macht im Nahen Osten, das weiterhin formal die Oberherrschaft über die Arabische Halbinsel ausübte. Nach einer schweren militärischen Niederlage gegen die Osmanen und deren Verbündete, die Rashidi, änderte Ibn Saud seine Taktik und ging zum erfolgreichen Partisanenkrieg über. Seine Truppen operierten aus dem Schutz der Wüste heraus und durch das Abschneiden der Nachschubwege, mussten sich die Osmanen wieder zurückziehen. Da sich das Osmanische Reich im Niedergang befand, gewann Ibn Saud die Oberhand zurück und konnte 1913 die Provinz al-Hasa seinem Herrschaftsbereich angliedern.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs trat das Osmanische Reich auf Seiten der Mittelmächte in die Kampfhandlungen ein und befand sich nun mit der Triple Entente (Frankreich, Großbritannien, Russland) im Kriegszustand. Folglich suchten vor allem die Briten Verbündete im Kampf gegen die Osmanen und so kam es im Dezember 1915 zu einem inoffiziellen Bündnis Ibn Sauds mit Großbritannien (Vertrag von Darin). Fortan kämpften die Araber auf Seiten der Entente gegen die Osmanen. Das Haus Saud stellte sich unter britischen Schutz, wurde mit Kriegsmaterial versorgt und man definierte vorab die Grenzen eines möglichen unabhängigen Saudi-Reiches nach Kriegsende. Doch nach Kriegsende und dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches hielten die Entente ihr Wort nicht und im Vertrag von Ogair (1922) wurde die Arabische Halbinsel zwischen Frankreich und Großbritannien in Interessenssphären aufgeteilt: Die Briten beanspruchten den Irak, Kuwait und die Südküste von Aden (heute Jemen), Frankreich kolonialisierte Syrien und den Libanon.

Gleichzeitig nahmen Ibn Saud und die Ichwan die Kampfhandlungen gegen feindliche Stämme wieder auf, vor allem gegen den bei den Briten in Ungnade gefallenen Haschimiten-König Hussein ibn Ali, König im Hedschas (unabhängiges Königreich an der Westküste der Halbinsel). Ein entscheidender Schlag gegen seinen größten Konkurrenten gelang ihm im September 1924, als die Haschimiten besiegt wurden. Dadurch fiel Ibn Saud das vergleichsweise fruchtbare Gebiet des Hedschas, mit den heiligen Städten Mekka und Medina, zu. Damit waren 700 Jahre haschimitischer Herrschaft beendet und am 10. Januar 1926 proklamierte sich Ibn Saud in der großen Moschee von Mekka zum König von Hedschas und des Nadschd. Anschließend unterstellte sich Asir im Süden der Halbinsel seiner Herrschaft. Diese Einigungen ließ sich Ibn Saud im Abkommen von Dschidda (20. Mai 1927) von den Briten bestätigen, die nun die Unabhängigkeit des Königreichs anerkannten.

Doch die streng gläubigen Ichwan waren damit nicht einverstanden. Sie wollten das Reich weiter nach Norden ausbreiten, sich gegen die Briten wenden und die Trucial States dem Reich angliedern. Doch Ibn Saud stellte sich gegen die Ichwan und erklärte, ein Krieg gegen die Briten sei militärisch aussichtslos. 1929 schlug Ibn Saud die Revolte der Ichwan, ausgerüstet mit britischen Maschinengewehren und Panzerwagen, erfolgreich nieder.[1] Trotz dieses Schlages gegen die Wahhabiten errichtete Ibn Saud seinen Staat als wahhabitischen Gottesstaat mit islamischer Rechtsordnung.[2] Er war nun der unangefochtene Herrscher eines Großteils der Arabischen Halbinsel.

König (1932 bis 1953)[Bearbeiten]

Am 23. September 1932 rief Ibn Saud den neuen Einheitsstaat Saudi-Arabien aus und erklärte sich zum König. Als Staatsform wählte man die absolute Monarchie, ohne Verfassung und Parlament. Der König ist Staatsoberhaupt und Regierungschef in Personalunion und nahezu alle wichtigen Positionen im Staat werden mit Prinzen aus dem Hause Saud besetzt. Grundsatz der Rechtsordnung wurde die Scharia. Da sich mit Mekka und Medina die beiden heiligsten Stätten des Islam in Saudi-Arabien befinden, genießt das Land bei anderen islamischen Staaten einen Sonderstatus. Viele Nomadenstämme wurden in der Folge gezwungen sich niederzulassen, Stammesfehden und die Blutrache wurden verboten. Ibn Saud bekämpfte Verbrechen in seinem Reich, mit dem Ziel die Pilger der heiligen Stätten zu schützen.

Ibn Saud und Franklin D. Roosevelt am 14. Februar 1945 an Bord der USS Quincy

Mit dem Beginn der Erdölförderung 1938 stieg Ibn Saud zu einem der reichsten Herrscher der islamischen Welt auf. Durch die reichen Erdölvorkommen erlangte das Königreich Wohlstand und eine enorme Bedeutung für die Wirtschaft der westlichen Industrienationen (von sieben Millionen US-Dollar Staatseinnahmen 1939 auf über 200 Millionen US-Dollar 1953). Die Saudis gewährten amerikanischen Gesellschaften die Förderung des Rohstoffs, was der Beginn einer engen Freundschaft der beiden Staaten war. Seither ist das gute Verhältnis zu den Vereinigten Staaten ein zentrales Element der saudischen Außenpolitik. Am 14. Februar 1945 kam es zu einem historischen Treffen zwischen Ibn Saud und US-Präsident Franklin D. Roosevelt an Bord der USS Quincy. Dort unterzeichneten sie einen Vertrag über eine amerikanische Militärbasis im Persischen Golf, zur Palästina-Frage und ein Militärbündnis. Während des Zweiten Weltkrieges hatte sich Saudi-Arabien zwar neutral erklärt, jedoch die Alliierten aktiv unterstützt.

Seit 1948, der Gründung des Staates Israel, befindet sich Saudi-Arabien offiziell im Kriegszustand. Israel wird bis heute nicht anerkannt, politische Kontakte beider Staaten gibt und gab es nicht. So weigerte sich der König bei einem Treffen mit US-Diplomaten, Bürger jüdischen Glaubens zu empfangen.[3] Zwar hielt sich Ibn Saud aus militärischen Handlungen gegen Israel heraus, jedoch unterstützte er die gemeinsame Sache der Araber durch massive finanzielle Hilfe an die Palästinenser-Organisationen.

Am 9. November 1953 starb Ibn Saud im Alter von 73 Jahren. Er hatte bereits 1933 seinen zweitältesten Sohn Saud ibn Abd al-Aziz zu seinem Thronfolger bestimmt.[4]

Familie[Bearbeiten]

Die Zahl der Kinder Ibn Sauds ist unbekannt, wahrscheinlich sind es 50 bis 60. Das Verfahren der Thronfolge schloss zumeist ältere Mitglieder der Al Saud aus. Die erfolgreichsten Kandidaten sind zumeist männliche Nachkommen, die zuvor höhere Regierungspositionen innehatten und deren Mütter die Frauen von Abd al-Aziz waren. Zudem müssen sie in der Lage sein, die verschiedenen Zweige der Familie zu einen.

  1. von Wadha bint Muhammad bin Burghush al-Hazzam
    1. Turki (I) (1900 – 1919)
    2. Saud (12. Januar 1902 – 23. Februar 1969); König 1953 – 1964
    3. Muneera
  2. von Tarfah bint Abdullah bin Abdullatif al-Shaikh
    1. Khaled (I) (* 1903, Kindstod)
    2. Faisal (April 1904 – 25. März 1975); König 1964 – 1975
    3. Saad (I) (1914 – 1919)
    4. Anud (* 1917)
  3. von Jawhara Bint Musaid Bin Jiluwi al-Saud
    1. Mohammed (1910–1988)
    2. Chalid (II) (1913 – 13. Juni 1982); König 1975 – 1982
  4. von Bazza
    1. Nasser (1919 – 1984)
  5. von Jawhara bint Sa’ad bin Abd al-Muhsin al-Sudairi
    1. Saad (II) (1920 – 1993)
    2. Musa’id (1923 - 19. August 2013)
    3. Abdul Mohsin (1925–1985)
    4. Al-Bandari bint Abd al-Aziz (1928 – 8. März 2008)
  6. von Hasa bint Sudairi (1910 – 8. Mai 2003)
    (Söhne bekannt als die „Sudairi-Sieben“)
    1. Fahd (II) (1923 – 1. August 2005); König 1982 – 2005
    2. Sultan (* 1922, nach anderen Angaben 1924 oder 1928 – 22. Oktober 2011)
    3. Abd ar-Rahman (* 1931)
    4. Naif (1933 – 16. Juni 2012)
    5. Turki (II) (* 1934)
    6. Salman (* 1935)
    7. Ahmed (* 1940)
    8. Loulwa
    9. Jawaher
    10. Lateefa
    11. Al-Jawhara
    12. Moudhi (starb jung)
    13. Felwa (starb jung)
  7. von Shahida
    1. Mansur (1922 – 2. Mai 1951)
    2. Mischal (* 1926)
    3. Qumasha (* 1927)
    4. Mutaib (* 1931)
  8. von Fahda bint al-Asi Al Schuraim († 1934)
    1. Abdullah (* August 1924); König seit 2005
    2. Nuf
    3. Sita († 13. April 2011)
  9. von Bazza (zweite Frau namens Bazza und Marokkanerin)
    1. Bandar (* 1923)
    2. Fawwaz (1934 – 2008)
  10. von Haya bint Sa’ad al-Sudairi (1913 – 18. April 2003)
    1. Badr (I) (1931 – 1932)
    2. Badr (II) (1932 – 2013)
    3. Hussa († 2000)
    4. Abdulillah (* 1939)
    5. Abdul Majeed (1943 – 2007)
    6. Nura
    7. Mishail
  11. von Munaiyir
    1. Talal (II) (* 1931)
    2. Mishari (1932 – 23. Mai 2000)
    3. Nawwaf (* 1933)
  12. von Mudhi
    1. Majed (II) (19. Oktober 1938 – 12. April 2003)
    2. Sattam (21. Januar 1941 – 12. Februar 2013)
    3. Haya
    4. Sultana
  13. von Nouf bint Nawwaf Bin Nouri al-Shalan
    1. Thamir (1937 – 27. Juni 1959)
    2. Mamdouh (* 1940)
    3. Mashhur (* 1942)
  14. von Saida (eine Jemenitin)
    1. Hazloul (1942 – 29. September 2012)
  15. von Baraka (eine Jemenitin)
    1. Muqrin (* 15. September 1945)
  16. von Futayma
    1. Hamad (1947 – 1994)
  17. von ??
    1. Fahd (I) (1905 – 1919)
    2. Sara (1916 – Juni 2000)
    3. Shaikha (* 1922)
    4. Majeed (I) (1934 – 1940)
    5. Talal (I) (1930 – 1931)
    6. Jiluwi (I) (1942 – 1944)
    7. Abdul Salem (1941 – 1942)
    8. Jiluwi (II) (1952 – 1952), jüngster Sohn Ibn Sauds, starb als Kind.

Alle männlichen Personen tragen den Nachnamen „ibn Abd al-Aziz Al Saud“, alle Frauen „bint Abdul Aziz Al Saud“. Ibn Saud ist der Vater aller nachfolgenden Könige Saudi-Arabiens. Saud folgte 1953 auf seinen Vater, nachdem ihn dieser drei Monate zuvor zum Premierminister ernannte hatte. 1964 wurde er vom saudischen Ministerrat abgesetzt und durch Faisal, einen weiteren Sohn Ibn Sauds, ersetzt. Ihm folgten noch drei seiner Söhne. Nach dem saudischen Grundgesetz von 1992 muss der König von Saudi-Arabien ein Sohn oder Enkel Ibn Sauds sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Pfullmann: Ibn Saud - König zwischen Tradition und Fortschritt. Edition Ost/Trafo-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-929161-99-0 / ISBN 3-89626-404-4.
  • Mordechai Abir: Government, Society and the Gulf Crisis. London 1993, ISBN 0415093252.
  • Sharaf Sabri: The house of Saud in commerce a study of royal entrepreneurship in Saudi Arabia. I.S. Publications, New Delhi 2001.
  • Said K. Aburish: Der märchenhafte Aufstieg und Verfall des Hauses Saud. Ist Saudi-Arabien als Partner des Westens noch tragbar? Knesebeck, München 1994, ISBN 3-926901-66-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kenneth Pollack: Arabs at War. Military Effectiveness, 1948–1991. Lincoln 2004, S. 425f.
  2. Albert Hourani : Die Geschichte der Arabischen Völker. 3. Auflage, Frankfurt am Main 2001 S. 425.
  3. Benny Morris: 1948 – A History of the First Arab-Israeli War; New Haven, 2008; S. 493
  4. Albert Hourani : Die Geschichte der Arabischen Völker, 3. Auflage, Frankfurt am Main, 2001 S.443

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ibn Saud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien