Abd al-Qadir al-Dschilani

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Abd al-Qādir al-Dschīlānī

Abd al-Qādir al-Dschīlānī oder al-Gīlānī (arabisch ‏عبد القادر الجيلاني‎, kurdischEvdilqadirê Geylanî‎, persisch ‏عبد القادر گیلانی‎, * 1088 oder 1077 in der Provinz Gilan, heute Iran; † 1166 in Bagdad, heute Irak) war ein islamischer Mystiker (siehe auch Sufismus) und Gründer der Qadiri-Tariqa (Qadiri-Derwisch-Orden). Er ist verwandt mit dem ebenfalls bekannten Sufi Ahmed Rifai, dessen Rifai-Orden eng mit der Qadiri zusammenarbeitet. Gegen die verbreitete Annahme, dass er Kurde[1] gewesen sei, werden die religiösen Titel 'seyyid' (Nachfahre von Hussain ibn Ali) und 'sharif' (Nachfahre von Hasan ibn Ali) angeführt. Da Hussain und Hasan beides Söhne von Imam Ali waren, wird ihm somit arabische Herkunft zugeschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung [Bearbeiten]

Im Alter von 18 Jahren reiste Abd al-Qādir al-Dschīlānī nach Bagdad, um seine traditionelle islamische Ausbildung zu vertiefen. Er studierte Islamisches Gesetz (Schari'a) bei Qadi Abu Said Mahrami, Literatur bei Abu Zakariya und die Hadith-Literatur bei Bakr al-Muzaffar.

Spiritueller Weg [Bearbeiten]

Weil er sich stark mit dem Sufismus beschäftigte, brach Abd al-Qādir al-Dschīlānī später seine Studien ab und begab sich an einen einsamen Ort in der Nähe Bagdads. Dort lebte er für die nächsten 25 Jahre als einsamer Asket.

Während dieser Zeit besuchte er regelmäßig eine Tekke in Bagdad, die von dem Sufi Abu Said al-Mubarak geleitet wurde. Abd al-Qādir al-Dschīlānī wurde dort als Derwisch akzeptiert, später eröffnete er dann eine eigene Tekke. Diese hatte bald einen sehr guten Ruf und erfuhr deswegen einen regen Zulauf.

Es wird erzählt, dass Abd al-Qādir al-Dschīlānī durch seine Predigten eine solche Menschenmenge anzog, dass er unter freiem Himmel zu ihr sprechen musste, weil kein Gebäude ausreichend Platz bot. Seine möglicherweise bemerkenswertesten Eigenschaften waren Toleranz und Nächstenliebe. Beispielsweise findet man in keinem seiner literarischen Werke auch nur ein Wort der Feindschaft gegenüber dem Christentum. Generell gelten die Anhänger Abd al-Qādir al-Dschīlānīs noch bis in die Gegenwart als äußerst tolerant und fortschrittlich, zwar in der Nähe der Orthodoxie angesiedelt, aber weit entfernt von Fanatismus, egal ob religiöser oder politischer Art.

Legende [Bearbeiten]

Abd al-Qādir al-Dschīlānīs Ruhm wurde sehr groß. Er wird muhyi ud-din (Wiederbeleber der Religion) genannt, denn aufgrund einer Legende half er eines Tages einer schwachen und elenden Person auf, die er völlig erschöpft am Straßenrand vorfand, und versorgte sie zusätzlich mit einer Mahlzeit. Der anschließend wieder zu Kräften Gekommene enthüllte ihm, dass er „die Religion des Islam“ sei, wodurch Abd al-Qādir al-Dschīlānī zu diesem Ehrennamen gelangte.

Seine Verehrer geben ihm die Titel al-Ghauth al-Aʿẓam ("die Höchste Hilfe") und Sulṭān al-auliyā ("Sultan der Heiligen").

Grabstätte [Bearbeiten]

Sein Grab in Bagdad ist noch heute eine stark frequentierte Pilgerstätte frommer Sufis, die hauptsächlich aus dem indo-pakistanischen Raum stammen. Die Pilger, die dort oft wochenlang bleiben, gehen schweigend mit einem kleinen Besen umher und reinigen das Heiligtum. Es wird als ein höchst verdienstliches Werk angesehen, die Schwelle eines Heiligen zu fegen.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Philip Khuri Hitti, "Islam, a way of life ", University of Minnesota Press (August 12, 1970). pg 64: "The earliest and most attractive Sufi order was al-Qadiri, named after its founder, the Persian ‘Abd al-Qadir al-Jili (al-Jilani 1077–1166)