Abdecker

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Abdecker, im oberdeutschen Sprachraum Wasenmeister[1], nannte man Personen, die mit der Beseitigung und Verwertung von Tierkadavern beschäftigt waren. Aus der Verwertung ergaben sich Produkte wie Fette, Leim, Knochenmehl, Salmiak, Seife, Bleichmittel und Viehfutter. Ihr Arbeitsplatz, meist auch Wohnstelle, war die Abdeckerei oder Wasenmeisterei.

In der Schweiz und in Liechtenstein ist die Berufsbezeichnung „Wasenmeister“ für die mit der Kadaverbeseitigung befassten Ämter und Personen immer noch gebräuchlich.[2]

Die Aufgaben des Abdeckers oder Wasenmeisters wurden bis in das späte 19. Jahrhundert in so genannten Wasenordnungen oder Wasenmeisterordnungen festgelegt.[3]

Andere Bezeichnungen[Bearbeiten]

Andere Bezeichnungen waren Feld- oder Fallmeister, Luderführer, Schinder (siehe Schinderhannes), Kleeken, Kleemeister, Mausgewitz, Kaviller, Kafiller, Filler, Füller, Racker, Rasenmeister, Abstreifer, Freiknechte oder Kaltschlächter.

In den hamburgischen Stadtrechnungen finden wir bereits im Jahre 1384 neben dem angesehenen Fron (bedello) den in seiner Ehrlichkeit eingeschränkten magister bodelli, cloacarius genannt, dessen Amt in der Verscharrung der von jenem hingerichteten Personen und dem Fortschaffen des gefallenen Viehs bestand.[4]

Lebens- und Arbeitsbedingungen eines Abdeckers[Bearbeiten]

Die Bauern waren verpflichtet, sämtliche Tierkadaver an den Abdecker zu übergeben. Diese verwerteten die Reste und vergruben oder verbrannten, was nicht mehr verwertet werden konnte.

Aufgrund der entstehenden Geruchsbelästigung zwang man die Abdecker, außerhalb der Dörfer zu wohnen. Durch den Kontakt mit den Kadavern hatten die Abdecker ein hohes Risiko, sich zum Beispiel mit Milzbrand zu infizieren. Noch heute sind Erdarbeiten auf derartigen Grundstücken gefährlich. Die Knochen aus der Abdeckerei wurden den Seifensiedereien und Leimsiedereien, die verfaulte Fleischmasse den Salpetersiedern und die Häute den Gerbereien zugeführt.

Es haftete an den Abdeckern bis 1817 der Makel der Anrüchigkeit ihres Gewerbes,[5] sie waren vom Kontakt mit der übrigen Bevölkerung nahezu ausgeschlossen. Sie heirateten meistens nur untereinander und deshalb waren alle Abdecker eines Landes miteinander verwandt oder zumindest befreundet. Die Wasenmeistereien waren wegen ihrer Abgeschiedenheit ideale Schlupfwinkel für gesuchte Verbrecher, Deserteure usw. Zu denen zählten Johann Georg Grasel und Johannes Bückler, genannt Schinderhannes.

Scharfrichter und Abdecker waren – da erstere von den seltenen Hinrichtungen nicht leben konnten – oft dieselbe Person. Der Beruf des Abdeckers galt als unehrlicher Beruf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Heinrich Vogel und Hermann Haefcke: Das Abdeckereiwesen mit besonderer Berücksichtigung der derzeitigen Verwertungsverfahren. Gebr. Unger, Berlin 1897
  • Rudi Palla: Verschwundene Arbeit – Von Barometermachern, Drahtziehern, Eichmeistern, Lustfeuerwerkern, Nachtwächtern, Planetenverkäufern, Roßtäuschern, Seifensiedern, Sesselträgern, Wäschermädeln und vielen anderen untergegangenen Berufen. Bildauswahl Christian Brandstätter, mit 335 Abbildungen, 3. Aufl. (komplett illustrierte, aktualisierte Neuausgabe), Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010, S. 11 ISBN 978-3-85033-327-6
  • Eike Pies: Zünftige und andere alte Berufe. Mit 222 zeitgenössischen Illustrationen und Zunftwappen, 3. Aufl., Verlag E. und U. Brockhaus, Wuppertal 2005, S. 10 ISBN 3-930132-07-9
  • Matthias Blazek: „Scharfrichter und Abdecker in Berlin, Teil V (Nachtrag): Christian Friedrich Krafft“. In: Genealogie – Deutsche Zeitschrift für Familienkunde, Heft 2 (2011), S. 530–542

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lemma Wasenmeister, Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Bd. 4, Leipzig 1801, S. 1399 f.
  2. Siehe u. a. das Tierseuchengesetz der Schweiz (PDF; 169 kB), Stand 2008, Art. 6; Beispiel für eine noch gültige Wasenmeisterordnung: Wasenordnung, LGBl 8/1873 (Liechtenstein).
  3. Z. B. die oberbayerische Wasenmeisterordnung von 1862, vgl. Hauff, Ludwik (Hg.): Gesetzbibliothek für den bayerischen Staatsbürger, II. Bd., München 1863, S. 58–61 (Google-Digitalisat).
  4. Blazek, Matthias: Seeräuberei, Mord und Sühne – Eine 700-jährige Geschichte der Todesstrafe in Hamburg 1292–1949. ibidem, Stuttgart 2012, S. 25, ISBN 978-3-8382-0457-4.
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Bd. 1, Leipzig 1905, S. 20.