Abdullah Abdullah

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Abdullah Abdullah

Abdullah Abdullah (paschtunisch oder persisch: ‏عبدالله عبدالله‎, DMG ʿAbdullāh ʿAbdullāh; * 5. September 1960 in Kabul) ist ein afghanischer Politiker. Er war von 1999 bis 2001 Außenminister des international anerkannten Islamischen Staates Afghanistan (der gegen das Islamische Emirat der Taliban kämpfte) und von 2001 bis 2006 Außenminister Afghanistans in der Regierung Karzai. Er galt als Vertrauter des ermordeten Ahmad Schah Massoud. Bei der Präsidentschaftswahl 2009 trat Abdullah als aussichtsreichster Oppositionskandidat an, verzichtete aber angesichts schwerer Wahlmanipulationen Karzais im ersten Wahlgang auf eine Stichwahl gegen Amtsinhaber Hamid Karzai. Die Electoral Complaints Commission (ECC) der Vereinten Nationen fand heraus, dass in den Wahlen 2009 1,3 Millionen Stimmen durch Betrug zustande gekommen waren und etwa 1 Million davon zu Karzai gehörten.[1] In der Folge gründete Abdullah die „Coalition for Change and Hope“, welche bei den Parlamentswahlen 2010 90 von 249 Sitzen im afghanischen Parlament gewann.[2] Die Coalition for Change and Hope wurde Ende 2011 vergrößert und in „National Coalition of Afghanistan“ umbenannt.

Biografie[Bearbeiten]

Abdullah wurde in der Hauptstadt Kabul geboren.[3] Sein Vater Ghulam Muhayuddin Abdullah war ein Paschtune, Senator und Offizier aus Kandahar, Sohn eines ehemaligen Stammesführers der Alokozai aus Kandahar, seine Mutter war aus Shamali (Panjshir) und tadschikischer (persischer) Muttersprache. [4][5][6]. Einige warfen Abdullah Abdullah in der letzten Präsidentschaftswahlen vor, dass er in Bezug auf seine ethnische Herkunft zu stark politisiert, um beim paschtunischen Volk zu punkten.

Als junger Mann studierte Abdullah Medizin mit Spezialisierung auf Augenheilkunde an der Universität Kabul, und promovierte 1983. Er war bis 1985 in Kabul als Augenarzt tätig, danach behandelte er afghanische Flüchtlinge in Flüchtlingslagern in Pakistan. Dort kam er mit dem antisowjetischen Widerstand in Kontakt. Von jenem Zeitpunkt an, arbeitete Abdullah im afghanischen Panjshir-Tal als Arzt und Gesundheitsexperte. Dort wurde er zu einem engen Freund Ahmad Schah Massouds.

In den 1990er Jahren war Abdullah offizieller Sprecher der im Jahre 1992 mit den Peshawar Accords gegründeten und international anerkannten afghanischen Regierung. 1996 übernahmen die Taliban die Macht in Kabul. Abdullah zog sich mit Ahmad Shah Massoud in die nördlichen Regionen Afghanistans zurück. 1997 wurde er zum stellvertretenden Außenminister berufen. Zwei Jahre später wurde er zum Außenminister der Regierung, die immer noch international als die legitime Regierung Afghanistans angesehen wurde.

Nach den Präsidentschaftswahlen 2004, in denen Hamid Karzai zum ersten demokratisch legitimierten Staatschef Afghanistans gewählt wurde, blieb Abdullah Außenminister. Er überwarf sich jedoch mit Karzai und verlor nach einer Kabinettsumbildung 2006 sein Amt an den außenpolitischen Berater Rangin Dadfar Spanta.[3]

Abdullah spricht fließend Englisch und Französisch. Er ist Vater eines Sohnes und dreier Töchter.[3]

Präsidentschaftswahl 2009[Bearbeiten]

Bei der afghanischen Präsidentschaftswahl im August 2009 trat Abdullah gegen Hamid Karzai an und galt als Mitfavorit. Bei der Stimmauszählung mehrten sich allerdings die Vorwürfe der internationalen Beobachter, dass massiver Wahlbetrug betrieben worden sei. Eine Beschwerdekommission ermittelte mehrere Wochen, ehe diese Mitte Oktober bekannt gab, dass hunderttausende Stimmen ungültig seien. Damit verlor Amtsinhaber Karzai die absolute Mehrheit und es wurde eine Stichwahl zwischen diesem und Abdullah am 7. November 2009 vereinbart.

Ende Oktober 2009, knapp eine Woche vor der Wahl, drohte Abdullah sich laut Medienberichten von der Stichwahl zurückzuziehen. Vorausgegangen waren gescheiterte Gespräche mit Karzai. Abdullah hatte unter anderem die Entlassung des Vorsitzenden der umstrittenen Wahlkommission (IEC) gefordert, um eine „freie und faire“ Stichwahl ermöglichen zu lassen.[7] Sechs Tage vor der geplanten Stichwahl erklärte er seinen Boykott der Abstimmung.[8] Die Electoral Complaints Commission (ECC) der Vereinten Nationen fand heraus, dass in den Wahlen 2009 1,3 Millionen Stimmen durch Betrug zustande gekommen waren, und etwa 1 Million davon zu Karzai gehörten.[1] Als seiner Anhänger auf die Straßen ziehen wollten, hielt Abdullah Abdullah sie zurück, um die fragile Stabilität Afghanistans nicht zu gefährden.

National Coalition of Afghanistan[Bearbeiten]

Nach der Präsidentschaftswahl im Jahre 2009 gründete Abdullah die Coalition for Change and Hope, welche bei den Parlamentswahlen 2010 90 von 249 Sitzen im afghanischen Parlament gewann.[2] Die Coalition for Change and Hope wurde Ende 2011 vergrößert und in National Coalition of Afghanistan umbenannt. Die National Coalition vertritt ähnliche politische Inhalte wie die National Front unter dem Vorsitz von Ahmad Zia Massoud und das National Movement des ehemaligen afghanischen Geheimdienstchefs Amrullah Saleh. Er ist Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abdullah Abdullah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Nick Schifrin: Election Monitor Claims 1M Tainted Karzai Votes. ABC News, 19. Oktober 2009, abgerufen am 21. November 2013 (englisch).
  2. a b Emma Graham-Harrison: Afghan opposition says new parliament can check Karzai. reuters.com, 24. November 2010, abgerufen am 21. November 2013 (englisch).
  3. a b c Abdullah Abdullah, Internationales Biographisches Archiv 01/2007 vom 6. Januar 2007, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 34/2009, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 31. Oktober 2009 (Artikelanfang frei abrufbar)
  4. [1] (Version vom 12. Juli 2008 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  5. Sophie Mühlmann: Abdullah Abdullah – Der afghanische Alternative. welt.de, 31. Oktober 2009, abgerufen am 21. November 2013.
  6. Ben Farmer: Afghan election: Hamid Karzai's rival Abdullah Abdullah crosses ethnic divide. The Telegraph, 13. August 2009, abgerufen am 13. Juli 2014 (englisch).
  7. Abdullah droht mit Boykott. sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 21. November 2013.[ ']
  8. Abdullah tritt nicht zur Stichwahl an (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[2] [3] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung bei tagesschau.de, 1. November 2009