Abecedarium (Literatur)

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Ein Abecedarium ist ein nach einem Alphabet strukturierter Text, um die Inhalte dem praktischen Erinnern technisch zu erleichtern. Abecedarien weisen in der Regel sprachmagische oder formspielerische Inhalte auf.

In mittelalterlichen juristischen Handbüchern, wie beispielsweise im Sachsenspiegel und im Schwabenspiegel, ist die alphabetische Registeranordnung eine Ausgestaltung eines formalen Abecedarium.

In religiösen poetischen Texten, wie zum Beispiel bei den alttestamentlichen Psalmen (Ps. 119) und in mittelalterlichen Liturgien, dienen Akrostichen der Orientierung für die Rezitation und vermutlich der musikalisch-gesanglichen Begleitung. Der erste Buchstabe eines Wortes eines Verses reiht sich in Abfolge des hebräischen Alphabets:

  • 1. Zeile mit A,
  • 2. Zeile mit B,
  • usw.

Schulbücher, ob aus dem Mittelalter oder neuzeitliche Vorgänger der Fibel, wurden ebenfalls als Abecedarien bezeichnet.

Auch viele Kinderverse und Kindergedichte können zu den Abecedarien gerechnet werden. Einige dieser Verse wurden als Lernhilfen für das Alphabet erfunden und in Schulen gelehrt. Dies wird wiederum in der Oper Der Wildschütz von Albert Lortzing aufgegriffen und parodiert. Oft werden auch Alphabete mit Namen oder Tiernamen gebildet. [1] In der modernen deutschen Lyrik greift der Dichter SAID in seinem Bestiarium Dieses Tier, das es nicht gibt diese Tradition spielerisch auf.[2]

In "Die Unendliche Geschichte", ein Roman von Michael Ende, beginnen die Kapitel mit den Buchstaben des lateinischen Alphabets in alphabetischer Reihenfolge. Den Kapiteln vorangestellt findet sich jeweils eine holzschnittähnliche Grafik zum Inhalt des Kapitels mit dem Buchstaben als Initial.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Gerhard Grümmer: Spielformen der Poesie. Verlag Werner Dausien, Hanau 1985, ISBN 3-7684-4521-6, S. 21-22.
  2.  Said (Schriftsteller): Dieses Tier, das es nicht gibt. C.H.Beck, München 1999, ISBN 978-3-406-45290-1.