Abenteuervierteiler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Abenteuervierteiler werden 16 Fernsehverfilmungen bezeichnet, die zwischen 1964 und 1983 produziert wurden. Die Mehrteiler liefen in der Regel in Erstausstrahlung während der Advents- oder Weihnachtszeit. Die meist vierteiligen Filme wurden vom deutschen Fernsehsender ZDF in internationaler Koproduktion mit Frankreich hergestellt und sind auch als Adventsvierteiler oder Weihnachtsvierteiler bekannt.

Produktionsnotizen[Bearbeiten]

In den frühen 1960er Jahren entwickelte der deutsche Film- und Fernsehproduzent Walter Ulbrich die Idee, Fernsehmehrteiler in internationaler Koproduktion herstellen zu lassen. Auf diese Weise konnte die aufwendige Produktion epischer Abenteuerfilme finanziert werden. Ulbrich, der durch seine langjährige Produzententätigkeit viele internationale Kontakte hatte, konnte französische Produzenten für die Idee begeistern. Die Mehrteiler wurden in der Regel abwechselnd unter deutscher und französischer Federführung produziert. Als Vorlage dienten zunächst Klassiker der Weltliteratur wie zum Beispiel Robinson Crusoe, Don Quijote, Die Schatzinsel oder Die Abenteuer des Tom Sawyer. Ulbrich überwachte als Herstellungsleiter den gesamten Produktionsablauf und war in vielen Fällen auch als Drehbuchautor an der Gestaltung der Vierteiler beteiligt.

Obwohl die bekannten literarischen Vorlagen bereits für das Kino adaptiert worden waren, konnte ihre epische Handlung im Rahmen der Vierteiler buchgetreuer und ausführlicher erzählt werden. Ulbrich galt zudem als besonders sorgfältiger Produzent, der bei der Herstellung der Filme auf jedes Detail achtgab. Ein von Ulbrich favorisiertes Stilmittel war es, die Handlung durch eine Erzählstimme kommentieren zu lassen. Dies gab ihm beim Schnitt der Filme große Freiheiten, da er die Stimme des allwissenden Erzählers einsetzen konnte, um Handlungslücken zu überbrücken oder wichtige Informationen zu übermitteln. In den späteren Vierteilern wurde auf die Erzählstimme verzichtet, da dieses Stilmittel als veraltet empfunden wurde.

Hinter der Kamera standen bei den Mehrteilern erfahrene Regisseure wie Wolfgang Staudte oder Wolfgang Liebeneiner. Die Qualität der Adventsvierteiler wurde von Kritikern zwar unterschiedlich bewertet, aber vor allem in den 1960er und 1970er Jahren erzielten die Filme hohe Einschaltquoten und waren echte Straßenfeger.

Einigen der Hauptdarsteller gelang mit den Mehrteilern der nationale oder internationale Karrieredurchbruch, so zum Beispiel Robert Hoffmann als Robinson Crusoe, Michael Ande als Jim Hawkins (Die Schatzinsel) oder Hellmut Lange als Lederstrumpf. Raimund Harmstorf wurde zeitlebens mit seiner Rolle als Seewolf identifiziert und vor allem in den 1970er Jahren auch für internationale Filmproduktionen verpflichtet. Er wurde durch diese Rolle so populär, dass er als einziger Hauptdarsteller ein zweites Mal in der Titelrolle besetzt wurde, als Michael Strogoff im gleichnamigen Vierteiler von 1976. Nur der Hauptdarsteller des Don Quijote, Josef Meinrad, war zum Zeitpunkt der Verfilmung bereits ein sehr renommierter Bühnen- und Filmschauspieler.

Bekannte Film- und Fernsehkomponisten steuerten die Musik zu den Vierteilern bei. Hans Posegga war unter anderem für die Musik des „Seewolf“ verantwortlich. Der französische Komponist Vladimir Cosma schrieb 1978 die Titelmelodie zu „Die Abenteuer des David Balfour“, die zu einem bekannten Ohrwurm wurde.

Nach dem Erfolg der Vierteiler im ZDF begann auch das Erste Deutsche Fernsehen damit, Mehrteiler zu produzieren. Diese hielten sich aber nicht so eng an das Vier-Teile-Schema. Da viele der großen literarischen Klassiker bereits als Adventsvierteiler produziert worden waren, wurden hier Romane verfilmt, die etwas weniger bekannt waren.

In den späten 1970er Jahren zeichnete es sich ab, dass geeignete Vorlagen für die Adventsvierteiler immer schwerer zu finden waren. 1982 wurde mit „Der schwarze Bumerang“ erstmals auf keine Romanvorlage zurückgegriffen, sondern ein Originaldrehbuch verfilmt. Ein Jahr später beschloss das ZDF, die Reihe mit „Der Mann von Suez“ einzustellen.

Die Verfilmungen im ZDF einzeln aufgeführt[Bearbeiten]

Jahr Titel Regie Erstausstrahlung Bisher als DVD erschienen
1964 Die seltsamen und einzigartigen Abenteuer des Robinson Crusoe aus York von ihm selbst berichtet Jean Sacha 3.-24. Oktober 1964 X
1965 Die Geschichte des Don Quijote von der Mancha Carlo Rim 8.-29. Oktober 1965 X
1966 Die Schatzinsel Wolfgang Liebeneiner 25. Dezember 1966-1. Januar 1967 X
1968 Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer Wolfgang Liebeneiner 1.-22. Dezember 1968 X
1969 Die Lederstrumpf Erzählungen Pierre Gaspard-Huit(Teil 1+4) Jean Dréville (Teil 2+3) 25.–28. Dezember 1969 X
1971 Der Seewolf Wolfgang Staudte 5.-26. Dezember 1971 X
1973 Cagliostro“ (3 Teile in Deutschland) / „Joseph Balsamo“ (7 Teile in Frankreich) André Hunebelle 23. Dezember 1973-1. Januar 1974 X
1974 Zwei Jahre Ferien Sergiu Nicolaescu, Gilles Grangier 8.-29. Dezember 1974 X
1975 Lockruf des Goldes Wolfgang Staudte, unter Mitarbeit von Serge Nicolaescu 21.-30. Dezember 1975 X
1976 Michael Strogoff Jean-Pierre Decourt 28. Dezember 1976-6. Januar 1977 X
1978 Die Abenteuer des David Balfour Jean-Pierre Decourt 8.-17. Dezember 1978 X
1979 Mathias Sandorf Jean-Pierre Decourt 2.-11. Dezember 1979 X
1980 Tödliches Geheimnis – Die Abenteuer des Caleb Williams Herbert Wise 2.-14. Dezember 1980 X
1981 Wettlauf nach Bombay Christian-Jaque 29. November-8. Dezember 1981 X
1982 Der schwarze Bumerang Rüdiger Bahr 28. November-7. Dezember 1982 X
1983 Der Mann von Suez Christian-Jaque 4.-13. Dezember 1983 X

Weitere Mehrteiler[Bearbeiten]

Jahr Titel Regie Teile Als DVD erschienen
1971 Quentin Durward Gilles Grangier 13 X
1973/5 Kara Ben Nemsi Effendi Günter Gräwert 26 X
1973 Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck Fritz Umgelter 6 X
1975 Die unfreiwilligen Reisen des Moritz August Benjowski Fritz Umgelter 4 X
1975 Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplizissimus Fritz Umgelter 4 X
1978 Wallenstein Franz Peter Wirth 4 X
1979 Martin Eden Giacomo Battiato 4 X
1980 Fantômas Juan Luis Buñuel, Claude Chabrol 4 X

Die Verfilmungen im Ersten Deutschen Fernsehen (Auszug)[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

Filmmusik[Bearbeiten]

Am häufigsten wurden für die Verfilmungen die Komponisten Vladimir Cosma (vier Mehrteiler) und Hans Posegga (fünf Mehrteiler) eingesetzt, wobei Herstellungsleiter Ulbrich durchaus Musik eines Mehrteilers in einem anderen erneut verwendete, so geschehen mit der Musik aus „Die Schatzinsel“, die auch zum Teil in „Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer“ und „Die Lederstrumpferzählungen“ eingesetzt wurde. Bei „Robinson Crusoe“ wurde für die englische Fassung Musik von Robert Mellin und Gian Piero Reverberi verwendet, für die deutsch/französische Fassung Musik von Georges van Parys. Bei der Verfilmung von „Cagliostro“ schrieb für die deutsche Fassung Hans Posegga die Musik, die französische Fassung mit dem Titel „Joseph Balsamo“ erhielt Musik von Hubert Rostaing und auch bei der Verfilmung von „Zwei Jahre Ferien“ wurde bei der deutschen Fassung Hans Poseggas Musik genommen, für die französische Fassung „Deux Ans de Vacances“ aber Musik von Alain Le Meur. Von vielen Mehrteilern erschien die Musik auf Langspielplatte um den Zeitpunkt der Erstausstrahlung herum. Von „Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer“ gab es 1969 in Frankreich die Musik von Vladimir Cosma auf zwei EP-Singles und einer normalen Single. [1] Einige CD-Einspielungen wurden erst sehr viel später für Film- und Musikfans herausgegeben und sind mittlerweile auch schon gesuchte Liebhaberstücke.

  • Abenteuerklassiker – Schatzinsel, Seewolf, Lederstrumpf... – 2CD, BSC Music, prudence 398.6619.2 (mit mehreren Ausschnitten aus allen Vierteilern) [2]
  • Robinson Crusoe, Soundtrack der englischen Fassung der Filmmusik, CD (1990 + 1997), Silva Screen FILMCD 705 [3]
  • Die Schatzinsel – Original-Soundtrack des ZDF-Vierteilers, CD (2002), BSC Music, prudence 398.6629.2 [4]
  • Der Seewolf, CD (1997), MSC Records MSC 4990 [5]
  • Lockruf des Goldes, CD (1994), Tarantula Records SKW-86040, zusammen mit Zwei Jahre Ferien [6]
  • Michael Strogoff, CD (1998), Larghetto Music/Pomme Music 95027-2 CB 761 [7]
  • Kidnapped (Die Abenteuer des David Balfour), CD (1987), Pomme Music 950662 (enthält auch die Musik aus „Die Rosen von Dublin“) [8]
  • L'Homme de Suez (Der Mann von Suez), CD (2006) limitierte Ausgabe, Cinéfonia Records CFSAMP002 (enthält auch die Musik aus „La Chambre Des Dames“) [9]

DVDs[Bearbeiten]

  • „Der Seewolf“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, Nr. 2226 und 2547, erschienen 2004 und 2006 (HD-Qualität)
  • „Lockruf des Goldes“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen 2005
  • „Die Schatzinsel“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, Nr. 2289, erschienen 2005
  • „Die Lederstrumpf-Erzählungen“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, Nr. 2290, erschienen 2006
  • „Robinson Crusoe“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, Nr. 2495, erschienen 2006
  • „Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen Sep. 2006
  • „Don Quijote von der Mancha“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen Nov. 2006
  • „Michael Strogoff“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen Nov. 2006
  • „Zwei Jahre Ferien“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen Feb. 2007
  • „Cagliostro“, auf DVD, Concorde Home Entertainment, erschienen Apr. 2007
  • „Mathias Sandorf“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen 2007
  • „Die Abenteuer des David Balfour“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen Herbst 2007
  • „Tödliches Geheimnis“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen 2008
  • „Wettlauf nach Bombay“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen 2008
  • „Der schwarze Bumerang“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen 2008
  • „Der Mann von Suez“, auf 2 DVDs, Concorde Home Entertainment, erschienen 2008
  • "Abenteuerlicher Simplizissimus" (DVD Titel des Mehrteilers "Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplizissimus"), auf 2 DVDs, Universal, erschienen 2008
  • "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck", auf 3 DVDs, Bavaria Film, erschienen 2012

Unter dem Titel Die legendären TV-Vierteiler werden auch als 4teilige Sammlung unterschiedlicher Serien in Form von DVD-Sammelboxen vertrieben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oliver Kellner & Ulf Marek: Seewolf & Co. – Die großen Abenteuer-Vierteiler des ZDF, Schwarzkopf und Schwarzkopf, ISBN 3896026321

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  2. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  3. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  4. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  5. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  6. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  7. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  8. Eintrag bei SoundtrackCollector.com
  9. Eintrag bei SoundtrackCollector.com

Weblinks[Bearbeiten]