Abercrombie & Fitch

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Abercrombie & Fitch Co.
Logo der Abercrombie & Fitch Co.
Rechtsform Corporation
ISIN US0028962076
Gründung 1892
Sitz New Albany, Ohio, Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Leitung Michael Jeffries (CEO)
Arthur Martinez (Chairman)
Mitarbeiter 95.500 (2013)[1]
Umsatz 4,116 Mrd $ (2013)[1]
Branche Textilien
Website abercrombie.com
Geschäft an der New Yorker Fifth Avenue
Filiale auf der Düsseldorfer Königsallee

Die Abercrombie & Fitch Co. [æbɝkɻɒmbi ænd fɪʧ] mit Sitz in New Albany (Ohio) ist ein US-amerikanisches Modeunternehmen, zu dem auch Abercrombie kids und Hollister gehören.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 4. Juni 1892 gründete David T. Abercrombie die Abercrombie Co. mit der Eröffnung eines kleinen Ladens an der South Street in Manhattan. Das Originalgeschäft war Elite-Ausrüster für Sport- und Ausflugswaren und für teure Schrotflinten, Angelruten und Zelte bekannt.[2]

Im Jahr 1900 kaufte der New Yorker Anwalt Ezra Fitch Anteile des wachsenden Unternehmens. 1904 wurde das Unternehmen in Abercrombie & Fitch Co. umbenannt. Im Jahr 1907 verließ David T. Abercrombie das Unternehmen und verkaufte seinen Anteil Ezra Fitch. Im Jahr 1976 beantragte Abercrombie & Fitch Gläubigerschutz unter Chapter 11 und schloss seinen Flagshipstore in Manhattan im darauffolgenden Jahr.[3]

Ab 1978 war der stillgelegte Firmenname im Besitz von Oshman’s Sporting Goods, unter dem Namen ein auf Jagdbekleidung spezialisiertes Versandgeschäft betrieben und Läden in Beverly Hills, Dallas und New York eröffneten. 1988 verkaufte Oshman’s den Firmennamen und seine Tätigkeiten an Limited Brands.[4] Seitdem zielt Abercrombie & Fitch vor allem auf jugendliche Kundschaft. 1996 erfolgte der Börsengang von Abercrombie & Fitch und Limited Brands trennte sich von allen Unternehmensanteilen.

Im Jahr 1992 wurde Michael Jeffries CEO von Abercrombie & Fitch und übernahm 1998 den Posten des Chairman. Nach finanziellen Verlusten und Bedenken seitens der Aktionäre wurde er im Januar 2014 durch Arthur Martinez als Chairman ersetzt.[5][6]

Im August 2014 kündigte Abercrombie & Fitch an, dass sie in Zukunft in Nordamerika bei ihrer Kleidung auf die Verwendung des Logos verzichten werden.[7]

Marken[Bearbeiten]

Zum Unternehmen gehören neben Abercrombie & Fitch die Marken Hollister, Gilly Hicks und Abercrombie kids und bis Januar 2010 auch Ruehl No.925. 2014 wurden alle Gilly-Hicks-Filialen geschlossen; der Vertrieb der Marke erfolgt nun über den Onlineshop und Hollister-Filialen.[8]

Merkmale[Bearbeiten]

Ein Merkmal von Abercrombie-&-Fitch-Kleidung ist der Elch. Stilbildend sind die Fotoserien von Bruce Weber im Katalog, der das Erscheinungsbild der Marke prägt.[6]

Filialen[Bearbeiten]

Abercrombie & Fitch betrieb im Februar 2014 insgesamt 1006 Filialen, von denen 275 A&F-, 136 abercrombie kids-, 587 Hollister- und 8 Gilly-Hicks-Filialen waren.

Neben den Filialen in Nordamerika, wo Abercrombie & Fitch in Kanada, Puerto Rico und den Vereinigten Staaten vertreten ist, betreibt es 16 Geschäfte in Europa und sieben in Asien.

Vertrieb[Bearbeiten]

Das deutsche Markenrecht schützt die exklusiven Vertriebswege, so dass der Weiterverkauf von Markenprodukten eine Markenverletzung sein kann. Darauf basieren zahlreiche Abmahnungen, mit denen Abercrombie & Fitch in Europa gegen Wiederverkäufer vorging, als die Marke noch nicht selbst auf dem europäischen Markt aktiv war.[9]

Von 1988 bis 2005 verkaufte das Hamburger Unternehmen Peek&Cloppenburg Kleidung unter dem Markennamen Abercrombi & Fitch, stellte den Verkauf aber auf Druck von Abercrombie & Fitch ein.[9]

Im Juni 2013 verkaufte Real Kleidungsstücke von Abercrombie & Fitch und Hollister in seinen Filialen in Deutschland.[10]

Kritik[Bearbeiten]

Abercrombie & Fitch wurde 2003 wegen Rassismus verklagt. 2005 endete das Verfahren und Abercrombie & Fitch zahlte den 10.000 Betroffenen insgesamt 40 Millionen Dollar. Jene Personen sollen bei ihrer Bewerbung benachteiligt worden sein, da seinerzeit bei Abercrombie & Fitch fast ausschließlich Weiße arbeiteten. Zur Einigung gehörten auch die Gleichberechtigung fördernde Vereinbarungen.

Aufgrund einer gerichtlichen Einigung zahlte Abercrombie & Fitch im Jahr 2003 2,2 Millionen Dollar an 11.000 ehemalige Mitarbeiter, die die Kleidung des Unternehmens als Arbeitskleidung kaufen mussten. Die Stundenlöhne der Mitarbeiter lagen deswegen teilweise unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Abercrombie & Fitch verpflichtete sich außerdem dies in Zukunft zu unterlassen.[11]

Im Jahr 2006 geriet die Marke in Kritik, als CEO Michael Jeffries in einem Interview sagte, dass „unsere Mode nur für coole, gut aussehende Personen gedacht ist.“[12] Diese Aussage und die Tatsache, dass die Marke für Frauen nur bis Kleidergröße „L“ beziehungsweise 40 nach europäischer Konfektion verfügbar sind, wurden als diskriminierend aufgefasst.[13] Für männliche Kunden bietet die Marke auch Kleidung in XL und XXL.[14]

Im Londoner Flagshipstore wurde eine Angestellte mit Unterarmprothese von Mitarbeitern des "visual teams", die für ästhetische Angelegenheiten zuständig sind, in das Lager versetzt. Abercrombie & Fitch wurde deswegen zur Zahlung einer Entschädigung verurteilt.[15]

Im November 2009 wurde Abercrombie & Fitch vom International Labor Rights Forum in die Sweatshop Hall of Shame 2010 aufgenommen.[16] Dem Unternehmen wird vorgeworfen seine Kleidung durch Kinderarbeit auf den Philippinen für einen unmoralisch niedrigen Lohn und unter menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen herzustellen.[17]

Im Jahr 2009 wurde Abercrombie & Fitch wegen diskriminierenden Verhaltens zu einer Geldstrafe in Höhe von 115.264 Dollar verurteilt, weil einem autistischen Mädchen die Hilfe durch seine Schwester in der Umkleidekabine untersagt wurde.[18]

Im August 2011 wurde bekannt, dass das Unternehmen Darstellern der Reality-Show Jersey Shore, in der eher wenig gebildete Amerikaner ihr Leben öffentlich machen, Geld dafür geboten hatte, keine Kleidung der Marke mehr zu tragen, da dies rufschädigend sei.[19]

Im April 2013 recherchierte das Verbrauchermagazin Plusminus über die Arbeitsbedingungen in Bangalore (Indien), unter denen für Abercrombie & Fitch hergestellt wird. Als Stoff-Einkäufer getarnt bekamen die Reporter Zutritt zu einem Hersteller, der gemäß eigenen Angaben u. a. für Abercrombie & Fitch produziert. Aufnahmen zeigen, wie Arbeiter ohne Schutzmaßnahmen mit inkorrekt gelagerten Chemikalien arbeiteten und ein unhygienisches Arbeitsumfeld vorherrschte. Laut dem Manager der Textil-Fabrik würden sich die Räume in den Sommermonaten auf über 45 Grad aufheizen. Arbeiter berichteten von Überstunden und ihrem Monatslohn von zirka 10.000 Rupien, was 145 Euro entspricht. Zudem werde den Arbeitern die gewerkschaftliche Organisierung verboten.[20]

Mitte April 2013 untersuchte der TÜV Rheinland im Auftrag von Plusminus Kleidungsstücke von Abercrombie & Fitch und fand in einem Produkt krebserzeugendes Benzidin, in einer Konzentration von über 100 Milligramm pro Kilogramm – mehr als dem Dreifachen des gesetzlichen Höchstwert. Die Kleider waren laut einem Professoren für Toxikologie „nicht verkehrsfähig“ und dürften „nicht verkauft werden“.[20]

Abercrombie & Fitch wurde außerdem kritisiert, weil fehlerhafte Kleidungsstücke nicht sozialen Einrichtungen gespendet, sondern verbrannt werden. Gemäß einem Modeanalysten will Abercrombie & Fitch „den Eindruck vermeiden, dass sich auch arme Leute diese Kleidungsstücke leisten können.“[21] Darauf formierte sich weltweiter Widerstand und in sozialen Netzen riefen User dazu auf, Abercrombie-&-Fitch-Kleidungsstücke an Obdachlose zu verschenken.

Nach Beschwerden von Anwohnern und Passanten musste Abercrombie & Fitch den Parfümduft außerhalb seiner Filialen in München und Hamburg reduzieren.[22][23]

Im Mai 2013 unterzeichneten Abercrombie & Fitch und weitere Unternehmen wie Aldi, H&M und Zara ein Abkommen zu mehr Sicherheit in der Modeproduktion Bangladeschs. Angeregt wurde die Initiative durch den Einsturz eines Fabrikgebäudes mit über 1.100 getöteten Menschen.[24] Das verbindlichen Abkommen sieht Verbesserungen im Brand- und Gebäudeschutz vor.

Im Juni 2014 geriet Abercrombie & Fitch erneut in die Kritik. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen die Konfektionsgröße Triple Zero, was einer Bundweite von 58,5 Zentimeter entspräche, anzubieten. In einem Statement dementierte Abercrombie & Fitch den Vorwurf und berief sich darauf, dass es sich nicht um eine Neueinführung handle, sondern um einen Fehler in der Größentabelle. Jene Konfektionsgröße bietet Abercrombie & Fitch nach eigenen Angaben seit 2012 nicht mehr an. Der Vorfall zog ein großes Medienecho nach sich. [25][26]

Außerdem wurde Abercrombie & Fitch wegen des Verkaufes von Push-up-Bikinis für Siebenjährige und String-Tangas für Zehnjährige kritisiert.[27]

Sonstiges[Bearbeiten]

Bekannt wurde Abercrombie & Fitch durch den Howard-Hawks-Film Man’s Favorite Sport? (Ein Goldfisch an der Leine) von 1964 mit Rock Hudson und Paula Prentiss in den Hauptrollen. Hudson spielt darin einen Angestellten in der Angelabteilung von Abercrombie & Fitch, der, obwohl er selbst noch nie geangelt hat, erfolgreicher Autor eines Fachbuches über das Angeln ist. Geschickt konnte er dies geheim halten, bis sein Chef (John McGiver) seinen Helden eines Tages zu einem Angelwettbewerb anmeldet, um den Umsatz zu steigern. So nimmt die Komödie ihren Lauf.[28]

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abercrombie & Fitch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAbercrombie & Fitch Co.: Jahresabschluss 2013. Abgerufen am 29. August 2014 (englisch).
  2. Abercrombie & Fitch. In: Fortune magazine, Juli 1939.
  3. Abercrombie & Fitch Co. History. Auf: Fundinguniverse, aus: International Directory of Company Histories, Band 35. St. James Press, 2001 (englisch).
  4. Abercrombie & Fitch Co.: Company Information. The New York Times, abgerufen am 5. Juli 2014.
  5. Abercrombie-Chef verliert an Macht. Frankfurter Allgemeine Zeitung; abgerufen am 5. Juli 2014
  6. a b Matthew Shaer: Why Abercrombie Is Losing Its Shirt. New York Magazin, 17. Februar 2014; abgerufen am 5. Juli 2014
  7. Kathrin Werner: Jetzt auch offiziell uncool. Süddeutsche.de, 30. August 2014
  8. Ulrike Howe: Abercrombie schließt alle Gilly Hicks-Filialen. TextilWirtschaft.de, 6. November 2013
  9. a b C. Schlautmann: „Abercrombie & Fitch säubert deutschen Markt“ Handelsblatt vom 18. Januar 2006
  10. Nobel-Marke im Wühlkorb: Abercrombie & Fitch gibt’s jetzt bei „real“. tz.de, 25. Juni 2013; abgerufen am 25. März 2014
  11. Jenny Strasburg: Clothier settles dress-code complaint / Abercrombie to pay $2.2 million over workers’ “uniforms”. sfgate, 24. Juni 2003.
  12. Manuela Tomic: Chef der Modemarke Abercrombie & Fitch möchte nur gut aussehende Kunden. Der Tagesspiegel, 16. Mai 2013
  13. “Since when was a ten plus-size?” Ellen DeGeneres hits back at Abercrombie & Fitch’s “thin and beautiful” customer policy. Daily Mail, 17. Mai 2013
  14. Tobias Dorfer: Dicke Mädchen unerwünscht. Süddeutsche Zeitung, 10. Mai 2013
  15. Abercrombie & Fitch wegen Belästigung zu Entschädigung verurteilt. Klagsverband, 14. August 2009.
  16. Sweatshop Hall of Shame 2010. International Labor Rights Forum, 14. November 2009 (PDF; 130 kB)
  17. Sam Biastre: IHS Child Slave Labor News :: Abercrombie and Fitch Child Labor. IHS Child Slave Labor News, November 2010, Zugriff am 1. Januar 2012
  18. Markus Ladstätter: Abermalige Verurteilung von Abercrombie & Fitch. Informationen von BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, 22. September 2009
  19. Kultmarke Abercrombie & Fitch im Shitstorm. Handelszeitung, 16. Mai 2013
  20. a b Wolfgang Kerler, Vanessa Lünenschloß: Abercrombie & Fitch: Krebserzeugende Substanz in Damenoberteil (Version vom 13. April 2013 im Internet Archive). Informationen zur Sendung PlusMinus auf Das Erste.de, 18. Juni 2013
  21. Sam Biastre: Abercrombie nur für Junge und Schlanke. Die Zeit, 16. Mai 2013
  22. Klaus Vick: Abercrombie & Fitch: Stadt stoppt „Beduftung“. Merkur Online, 21. Februar 2013
  23. Behörde: Modemarke muss Duftwolke verkleinern. Hamburger Abendblatt, 16. Oktober 2012
  24. Bangladesch: Modeproduzenten verpflichten sich zu mehr Sicherheit. In: Die Zeit, 16. Mai 2013. Abgerufen am 21. Juni 2013. 
  25. Tanja Mokosch: Dreifach dünn. Süddeutsche.de, 27. Juni 2014
  26. Steven Wolff: Size 000: Abercrombie & Fitch bringt neue Magergröße auf den Markt. Huffingtonpost.de, 27. Juni 2014
  27. Claire Shipman: Padded Bikini Top For 7-Year-Olds Draws Parents’ Ire. abc News, 28. März 2011
  28. Man’s Favorite Sport? Internet movie database (IMDb), Zugriff am 30. Mai 2012