Abessiv

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Der Abessiv ist ein Kasus in finno-ugrischen Sprachen und Turksprachen, der das Nichtvorhandensein bezeichnet. Der Name des Kasus stammt vom lateinischen Wort abesse „abwesend sein“.

Im Deutschen entspricht die Bedeutung dieses Kasus dem Akkusativ mit der Präposition ohne.

Alternative Fachtermini sind Karitiv (von lateinisch carēre „sich enthalten“) bzw. Privativ (von lateinisch privāre „berauben“). Vom Karitiv spricht man besonders bei kaukasischen Sprachen.

Auch andere Sprachen der Welt bilden derartige Formen, teils als Kasus, teils als Adjektivsuffixe.

Finnisch[Bearbeiten]

Im Finnischen hat er die Endungen -tta bzw. -ttä. Z. B. talotta „ohne Haus“, syyttä „ohne Grund“. Die Endung richtet sich nach der Vokalharmonie. Bei Wörtern mit Stufenwechsel wird die Endung an die „schwache“ Stufe angehängt. Im heutigen Finnischen wird der Abessiv relativ selten verwendet und meistens durch die Präposition ilman mit dem Partitiv ersetzt oder als Nomen ausgedrückt (zum Beispiel rahaton „Person ohne Geld“; koditon „Person ohne Zuhause“, „obdachlos“).

Estnisch[Bearbeiten]

Im Estnischen hat der Abessiv die Endungen -ta bzw. im Plural -teta oder -deta. Z.B. rahata „ohne Geld“.

Mordwinisch[Bearbeiten]

Im Mordwinischen hat der Abessiv die Endungen -втомо (Ersja) bzw. -фтома (Mokscha).

Ungarisch[Bearbeiten]

Im Ungarischen gibt es keine Endung, die den Abessiv ausdrücken würde. Die Endung -etlen bzw. -atlan formt das Nomen in ein Adjektiv um und bedeutet so viel wie „-los“. Der Abessiv wird durch die Postposition nélkül ausgedrückt.

Türkisch[Bearbeiten]

Im Türkischen wird der Abessiv nach der Vokalharmonie jeweils mittels der Endungen -siz/-sız/-suz/-süz ausgedrückt. Es handelt sich dabei um ein Derivationssuffix für Adjektive.

Quellen[Bearbeiten]

  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart / Weimar 1993, ISBN 3-476-00937-8, S. 1.
  • Irja Grönholm: Estnisch Wort für Wort (= Kauderwelsch. Bd. 55). 3. Auflage. Reise-Know-How-Verlag Rump, Bielefeld 2002, ISBN 3-89416-245-7, S. 51.
  • Hillevi Low: Finnisch. Wort für Wort (= Kauderwelsch. Bd. 15). 7. Auflage. Reise-Know-How-Verlag Rump, Bielefeld 2002, ISBN 3-89416-014-4, S. 32, 41.
  • Richard Semrau: Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Finnisch. 6. Auflage. Langenscheidt, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-468-26140-3, S. 162.