Abfall

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Dieser Artikel bezeichnet den Abfall, der (stofflich) anfällt. Weitere Bedeutungen siehe Abfall (Begriffsklärung).
Überfüllter Abfallcontainer

Unter Abfall bzw. Müll (schweizerisch auch: Kehricht, österreichisch auch: Mist) versteht man Reste, die bei der Zubereitung oder Herstellung von etwas entstehen (Überrest) im festen Zustand, was Flüssigkeiten und Gase in Behältern einschließt. Chemische Rückstände werden auch als Abfallstoffe bezeichnet.

Etymologie[Bearbeiten]

Müll für ‘Haushaltsabfall, Unrat’, ahd. mulli ‘Abfall, Kehricht’ (11./12. Jh.), mhd. mulle, mul, mnd. mül ‘Staub’, nd. Mull, Müll ‘lockere Erde’ gehören wie die Kollektivbildung ahd. gimulli ‘Staub, Schutt’ (9. Jh.), mhd. gemülle, gemül ‘das durch Zerreiben, Zermalmen Entstandene, Staub, Kehricht’ und die Verben ahd. mullen (8./9. Jh.), mhd. müllen, müln ‘zerstoßen, zermalmen’, anord. mylja ‘zerreiben, vermahlen’ als schwundstufige Formen zu mahlen angeführten Wurzel ie. *mel(ə)- ‘zermalmen, schlagen, mahlen’. Erst im 18. Jh. wird das bis dahin nur im Norddeutsche übliche Müll in die hochdeutsche Schriftsprache aufgenommen. Moderne Bildungen dazu sind Mülleimer (19. Jh.), Müllabfuhr, Müllschlucker (20. Jh.).[1]

Kehricht, abstammend vom Verb kehren für ‘fegen’ wurde nur im westgerm. bezeugte Verb belegt, ahd. kerien, kerren (8. Jh.), mhd. kern, mnd. mnl. kēren, nl. keren und setzt germ. *karjan voraus. Das zugehörige Grundwort dürfte in ahd. ubarkara ‘Unreinigkeit, Unflat’ (10./11. Jh.), isl. kar ‘Schmutz’ erhalten sein. Kehricht bezeichnet das, ‘was zusammengefegt ist, Müll’ (15. Jh.) mit unorganisch angefügtem -t (wie bei Obst) neben entwicklungsgeschichtlich älterem kerach (15. Jh.), kehrich (16. Jh.).[2]

Abfallarten[Bearbeiten]

Wilde Müllkippe am Waldrand
Abfallbehälter, wie er zum Beispiel an Haltestellen genutzt wird
Überfüllter Müllkorb

Neben den mineralischen Abfällen fallen Abfälle in Privathaushalten (Hausmüll) und in der Industrie (Industrieabfall) an.

Beispiele für Abfall von Privathaushalten (Hausmüll) sind

Beispiele für industrielle Abfälle:

Auf internationaler Ebene gibt es verschiedene Abfallkataloge, so z.B. die Abfalllisten des Basler Übereinkommens, die Abfalllisten der OECD und das Europäische Abfallverzeichnis (AVV). Jede Abfallart ist hier mit einer Nummer (Abfallschlüssel) versehen, die eine eindeutige Identifizierung des Abfalls ermöglicht. Auf europäischer Ebene existieren mehr als 800 Abfallarten.

Im Bemühen, mit Abfall sachgemäß umzugehen, haben sich Branchen, Gewerbezweige und Fachgebiete entwickelt, die man unter dem Begriff Abfallwirtschaft zusammenfasst, siehe auch Recycling. Das Basler Übereinkommen regelt dabei die „Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung“. Bislang haben sich an die 160 Staaten – nicht aber die USA – auf diese Richtlinien verpflichtet.

Abfallaufkommen[Bearbeiten]

Weltweit wurden 2011 etwa 130 Millionen Tonnen Abfall produziert[3], also pro Person rund 520 Kilogramm. Die globalen Daten unterscheiden sich in den verschiedenen Statistiken erheblich.

Kommunales Abfallaufkommen in Europa

Das jährliche kommunale Abfallaufkommen in einigen zumeist größeren europäischen Ländern belief sich 2011 in Kilogramm pro Person:[4]

  • Dänemark: 718
  • Schweiz: 709[5] bzw. 707[6]
  • Irland: 623
  • Deutschland: 597
  • Niederlande: 596
  • Österreich: 552
  • Italien: 535
  • Spanien: 551
  • Frankreich: 527
  • Vereinigtes Königreich: 518
  • Belgien: 464
  • Schweden: 460
  • Rumänien: 365
  • Polen: 315

Außereuropäisches Abfallaufkommen in 2003

  • Vereinigte Staaten: 760
  • Japan: 410

Rechtliche Einstufung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Abfall (Recht)

Die neuere europäische Gesetzgebung (Richtlinie 2008/98/EG) hat die Zielhierarchie der Abfallwirtschaft neu definiert. Die Abfallhierarchie soll demnach wie folgt aussehen:

Der frühere allgemeine Grundsatz war: Vermeidung vor Verwertung vor Beseitigung. Insgesamt hat aber die umweltverträglichere Möglichkeit Vorrang.

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Die rechtliche Einstufung des Abfalls ist insbesondere im Hinblick auf die weiteren Verwendungsmöglichkeiten und Sicherheits- und Transportvorschriften wichtig. Abfall wird in Deutschland durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG)[7] definiert. In diesem Gesetz und den zugehörigen Verordnungen stehen detaillierte Vorschriften zur Vermeidung, Verwertung und Ablagerung von Abfall.

Abfall muss gemäß KrWG folgende drei Kriterien erfüllen, um auch rechtlich betrachtet ein Abfall zu sein:

  1. bewegliche Sache (also nicht fließendes Abwasser, aber wohl flüssiger Abfall in Fässern)
  2. Nennung in Anhang 1 des KrWG
  3. Entledigung (tatsächliche Entledigung, Entledigungswille oder Zwangsentledigung)

Die Frage der Beweglichkeit ist in der Praxis von großer Bedeutung. So wird kontaminierter Boden nur dann zu Abfall, wenn er beweglich gemacht wurde [8]. Aufgrund dieser Rechtslage werden z.B. auf dem Bau bestimmte Arbeitsweisen vor anderen verwendet, damit kontaminierter Boden - rein rechtlich betrachtet - nicht zu Abfall wird:

  • Herstellung von Rammpfählen anstatt Bohrpfählen (das Bohrgut wäre sonst Abfall gem. KrWG.)
  • Erdtransport mit Planierraupen anstatt mit Bagger und LKW (das Verschieben von Boden verleiht dem Boden nicht die erforderliche Beweglichkeit, die für die Einstufung als Abfall gem. KrWG notwendig ist)
  • Anstatt PAK-haltige/teerhaltige Schichten zu entfernen, werden diese lediglich überbaut ("Hocheinbau")

Gemäß deutschem Recht kann jedoch kontaminierter Boden, welcher nicht unter den Abfallbegriff fällt, unter das Bodenschutzrecht fallen. Dann wird z.B. von der zuständigen Behörde eine Bodensanierung angeordnet.

Eine tatsächliche Entledigung liegt vor, wenn der Abfall wirklich verwertet oder beseitigt wird, oder wenn jegliche Sachherrschaft über eine Sache aufgegeben wird. Ein Entledigungswille wird gesetzlich unterstellt, wenn der ursprüngliche Zweck einer Sache aufgegeben wird, und kein unmittelbar neuer Zweck vorhanden ist. Unmittelbar bedeutet hier „ohne weitere Veränderung“ der Sache. Ferner gibt es diesen Entledigungswillen bei Herstellungsprozessen, wenn ein Stoff nicht zielgerichtet anfällt. Typisches Beispiel sind die Sägespäne beim Schreiner. Eine Zwangsentledigung liegt vor, wenn der ursprüngliche Zweck einer Sache aufgegeben wurde und ein Gefährdungspotential vorhanden ist.

Der Begriff „Abfall“ ist vom Begriff „Produkt“ abzugrenzen. Produkte sind in der Regel frei handelbar und unterliegen nicht den Regelungen des Abfallrechts, das bestimmte Bedingungen für den Transport etc. vorsieht. Eine Sache besitzt gemäß der Verkehrsanschauung die Produkteigenschaft, wenn sie zielgerichtet hergestellt wurde, einen positiven Marktwert besitzt und Qualitätsstandards erfüllt. Ein Beispiel für die schwierige Abgrenzung ist in Pellets gepresster, (brikettierter) und vorsortierter Restmüll zur Verbrennung. Auf den ersten Blick mag er die Voraussetzungen eines Produktes erfüllen. Jedoch ist nach aktueller Rechtsprechung der Punkt „zielgerichtete Herstellung“ nicht erfüllt, da er sicherlich nicht eigens hergestellt würde, wenn es keinen Restmüll gäbe.

Eine weitere wichtige Unterscheidung ist der Unterschied von „Abfall zur Verwertung“ und „Abfall zur Beseitigung“. Bei der Verwertung steht die Nutzbarmachung des stofflichen oder energetischen Potentials im Vordergrund, bei der Beseitigung ist die Vernichtung der Schadstoffe oder die risikolose Deponierung maßgebend. Eine Verwertung muss ordnungsgemäß und schadlos erfolgen. Werden die in den Anhängen zum Krw/AbfG und dessen Verordnungen genannten Grenzwerte nicht eingehalten, unterliegt der jeweilige Abfall strengeren Vorschriften hinsichtlich Transport und Entsorgungsmöglichkeiten.

Abfallbehandlung und -entsorgung[Bearbeiten]

Die Abfallbehandlung kann in der stofflichen oder energetischen Verwertung (Abfallentsorgung, z.B. Aufbereitung, Sortierung in der Müllsortieranlage, etc.) von Abfällen bestehen. Das heißt Abfallbehandlungsanlagen sind z.B. Kompostierungsanlagen oder Vergärungsanlagen (Biogasanlagen oder Trockenvergärung) für Bioabfall und Schrottplätze (Vorsortierung von Stahl bzw. Eisen und anderen Metallen), Müllverbrennungsanlagen (MVA) oder Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen (MBA); siehe auch Recycling.

Deponien dienen in der Regel der zeitlich unbegrenzten Lagerung von Abfällen. Sie werden nach Art des Abfalls, der deponiert werden darf, in Deponieklassen eingeteilt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Bilitewski u.a. (Hrsg.): Müll-Handbuch. Sammlung und Transport, Behandlung und Ablagerung sowie Vermeidung und Verwertung von Abfällen. 2. Auflage. Schmidt, Berlin 2007, ISBN 978-3-503-09778-4 (mehrbändiges Standardwerk, erscheint als Loseblattwerk mit Ergänzungen).
  • Heike Ehrmann, Carl-Friedrich Elmer, Andreas Brenck: Die Entsorgung von Haushaltsabfällen in Deutschland - Entwicklung und Perspektiven aus Verbrauchersicht. In: Müll und Abfall. 38. Jahrgang 2006, Heft 4, ISSN 0027-2957, S. 178-185, (online)
  • Gottfried Hösel: Unser Abfall aller Zeiten. Eine Kulturgeschichte der Städtereinigung. 2. Auflage, Jehle, München 1990, ISBN 3-7825-0271-X
  • Hannah Janowitz, Michael Kamp, Barbara Reitinger (Hrsg.): Ab in die Tonne? Kulturgeschichte des Abfalls im Bergischen Land, Lindlar 2012, ISBN 978-3-932557-10-1
  • Margarete Kranz: Die Ästhetik des Abfalls. In: Volkskundlich-Kulturwissenschaftliche Schriften. 16. Jahrgang (2006), Heft 1, ISSN 1437-8698, S. 51–72 (Volltext als PDF)
  • Annie Leonard: The Story of Stuff - Wie wir unsere Erde zumüllen. Econ, Berlin 2010, ISBN 978-3-430-20083-7.
  • Helmut Paschlau, Ermbrecht Rindtorff: Verwertung von Hausmüll. Wohin führt die „gewerbliche Sammlung“?. In: Müll und Abfall. 36. Jahrgang 2004, Heft 11, ISSN 0027-2957, S. 534-539. (online)
  • Claus-André Radde: 1. Juni 2006 - Ein Jahr Umsetzung der Abfallablagerungsverordnung/TA-Siedlungsabfall. Eine Bestandsaufnahme aus Bundessicht. In: Müll und Abfall. 38. Jahrgang 2006, Heft 6, ISSN 0027-2957, S. 284-289, (online)
  • Sebastian C. Stark: Der Abfallbegriff im europäischen und im deutschen Umweltrecht - Van de Walle überall? Lang, Frankfurt am Main u.a. 2009, ISBN 978-3-631-59479-7 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 2, Rechtswissenschaft, Band 4920, zugleich Dissertation an der Universität Frankfurt (Oder) 2009)
  • Norbert Thomas: Luxusware Müll. Zebulon-Verlag, Düsseldorf 1994. ISBN 3-928679-19-8
  • Neue Richtlinien VDI 2343 Blatt 5 und Blatt 7 – Recycling von elektr(on)ischen Geräten, Beuth, Berlin 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Etymologisches Wörterbuch nach Pfeifer, online im DWDS, abgerufen am 20. Februar 2014
  2. Etymologisches Wörterbuch nach Pfeifer, online im DWDS, abgerufen am 20. Februar 2014
  3. Werner Vontobel: Die Welt versinkt im Müll. In: Blick vom 20. Januar 2012
  4. aus statista
  5. nur für die Schweiz aus 2006 (PDF; 3,7 MB)
  6. Goldgräberstimmung im Abfallmarkt. swissinfo.ch. 3. Juni 2012. Abgerufen am 1. Februar 2014.
  7. Kreislaufwirtschaftsgesetz, Volltext
  8. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Richtlinie über Abfälle.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abfall – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Abfall – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen