Abgeltungsteuer

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Eine Abgeltungsteuer im weiteren Sinne ist eine Quellensteuer, durch die der Steuerabzug bei der auszahlenden Stelle abgegolten ist, welche eine gesonderte Veranlagung des Leistungsempfängers überflüssig macht. Die bekannteste Form sind bestimmte Anwendungen einer Kapitalertragsteuer, welche auch, soweit eine Abgeltungswirkung eintritt, teilweise synonym als Abgeltungsteuer bezeichnet wird. Auch bestimmte abgeltende Erhebungsformen für beschränkt Steuerpflichtige (z. B. bei inländischen Einkünften von ausländischen Künstlern, Sportlern oder Aufsichtsräten) werden als Abgeltungsteuer bezeichnet. Weniger gebräuchlich ist die Bezeichnung der Lohnsteuer als Abgeltungsteuer, wenn eine Veranlagung nicht nötig ist.

Abgeltungsteuer in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland sind bestimmte Anwendungen der Kapitalertragsteuer (§ 43 Abs. 5 EStG, § 32 KStG i.V.m. § 43 ff. EStG), bestimmte Steuerabzüge bei beschränkt Steuerpflichtigen (§ 50 Abs. 2 EStG, § 32 KStG i.V.m § 50a EStG) und (sofern man den Begriff anwenden möchte) bestimmte Lohnsteuertatbestände (§ 46 EStG i.V.m. § 38 ff. EStG) als Abgeltungsteuer ausgestaltet.

Siehe auch Kapitalertragsteuer (Deutschland), Aufsichtsratsteuer und Lohnsteuer (Deutschland).

Abgeltungsteuer in Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gilt seit dem 1. Januar 1993 eine Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge. Rechtsgrundlage ist das Endbesteuerungsgesetz.[1] Der Steuersatz von ursprünglich 22 % wurde ab 1996 auf 25 % angehoben. Von der Abgeltungsteuer ausgenommen sind endbesteuerte körperschaftsteuerpflichtige Zertifikate. Spekulationsgewinne sind höchstens mit einem Steuersatz von 25 %, mindestens aber mit dem individuellem Steuertarif zu versteuern. Kursgewinne aus Investmentfonds, welche länger als zwölf Monate gehalten werden, sind mit 5 % zu versteuern (Substanzgewinne). Sogenannte Schwarze Investmentsfonds sind bestimmte ausländische Fonds, für die zum Jahresende mindestens 2,5 % des gehaltenen Wertes an das Finanzamt abgeführt werden müssen, unabhängig von der vorangegangen Kursentwicklung.

Auf Antrag des Steuerpflichtigen können die Kapitaleinkünfte zur Einkommensteuer veranlagt werden. Ist die Besteuerung mit dem individuellen Steuersatz günstiger als die Pauschalbesteuerung von 25 %, wird die Steuerdifferenz erstattet.[2]

Mit der Abgeltungsteuer wurde in Österreich bis zu ihrer Abschaffung auch die Erbschaftsteuer abgegolten (deshalb die Bezeichnung Endbesteuerung).

Verbunden mit der Einführung der Abgeltungsteuer war eine Steueramnestie für hinterzogene Steuern auf Kapitaleinkünfte, sofern der Steuerpflichtige diese im Einführungsjahr offenlegte.[3] Diese Amnestieregelung führte zur Offenlegung umfangreicher Kapitaleinkünfte.

Hintergrund dieser Regelungen ist das in Österreich in § 38 des Bankwesengesetzes geregelte Bankgeheimnis, das es den Finanzbehörden unmöglich machte, Auskünfte über Kapitaleinkünfte zu erhalten. Es wurde daher davon ausgegangen, dass vor Einführung der Abgeltungsteuer lediglich 5 bis 10 % der Einkünfte aus Kapitalvermögen versteuert wurden.[4]

Abgeltungsteuer in Luxemburg[Bearbeiten]

In Luxemburg gilt für in Luxemburg Steuerpflichtige seit 2006 eine zehnprozentige Abgeltungsteuer auf Zinserträge, zum Beispiel bei Sparkonten, Festgeld, Zinszahlung von Anleihen und Callgeldern. Für EU-Bürger mit Wohnsitz außerhalb Luxemburgs, die aus Luxemburg Zinserträge beziehen, gilt im Rahmen der europäischen Richtlinie über die Besteuerung von Zinserträgen aus Sparvermögen bis zum 30. Juni 2011 ein Quellensteuersatz von 20 %, ab dem 1. Juli 2011 35 %. Die betroffenen EU-Bürger können jedoch auch für den Informationsaustausch zwischen ihrem luxemburgischen Finanzinstitut und ihrer zuständigen Steuerbehörde optieren.

Kursgewinne werden nach einer Haltefrist von sechs Monaten in Luxemburg nicht besteuert.

Europäischer Vergleich von Abgeltungsteuern bei Kapitalerträgen[Bearbeiten]

Die Mehrzahl der europäischen Staaten hat bereits Abgeltungsteuersysteme eingeführt, die Bemessungsgrundlage differiert allerdings von Land zu Land. In einigen Staaten hängt die Belastung der Kursgewinne degressiv von der Haltedauer ab (nach Ablauf einer Haltefrist unterliegen sie in einigen Ländern keiner Steuerpflicht mehr), in anderen werden Zinseinkünfte oder Dividenden mit einer anderen (evtl. progressiven) Einkommensteuer belastet. Der Steuertarif ist teilweise von der Einkommensart (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) abhängig.

Steuersätze in Prozent bei Abgeltungssteuern ausgewählter Länder
Land Zinsen Dividenden Kursgewinne Art
Belgien 15 25 0 Abgeltungsteuer ohne Kursgewinne und mit Optionsmöglichkeit
Dänemark 0 28 28 (bis 59) Abgeltungsteuer mit Optionsmöglichkeit; Spekulationsfrist 36 Monate
Deutschland 26,4...27,8 26,4...27,8 26,4...27,8 25 % (zuzügl. Solidaritätszuschlag, ggf. Verrechnung Kirchensteuer); Optionsmöglichkeit zur Einkommensteuerveranlagung. Bei Zinsen kein Steuerabzug bei Steuerausländern (im Ausland wohnhaft)
Finnland 28 28 17 (28) Definitive Abgeltungsteuer für Zinsen, Kursgewinnsteuer sinkt über zehn Jahre
Griechenland 10 0 0 Definitive Abgeltungsteuer für Zinsen
Irland 25 20 25 Definitive Abgeltungsteuer, Ausnahmen für Private Equity
Italien 20 20 Definitive Abgeltungsteuer
Litauen 0 15 0 Definitive Abgeltungsteuer für Dividenden
Luxemburg 10 10 0 (40) Definitive Abgeltungsteuer, Spekulationsfrist sechs Monate
Malta 15 0 0 Abgeltungsteuer mit Optionsmöglichkeit zur Einkommensteuerveranlagung für Zinsen
Österreich 25 25 5 (25) Abgeltungsteuer mit Optionsmöglichkeit zur Einkommensteuerveranlagung; Spekulationsfrist zwölf Monate; Kursgewinne auf Fonds, aber nicht auf Aktien
Polen 19 19 19 Definitive Abgeltungsteuer
Portugal 20 15 0 (10) Abgeltungsteuer mit Optionsmöglichkeit zur Einkommensteuerveranlagung; Spekulationsfrist zwölf Monate
Schweden 30 30 30 Definitive Abgeltungsteuer
Schweiz 35 35 0 Quellensteuer mit Einkommensteuerpflicht
Spanien 18 18 18 (bis 43) Spekulationsfrist 1 Jahr: innerhalb der Frist bis zu 43 % (je nach Gesamteinkommen), nach Ablauf der Frist 18 %
Tschechien 15 15 0 Definitive Abgeltungsteuer ohne Kursgewinne

Stand 2005[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.jusline.at/Endbesteuerungsgesetz_(EndStG).html
  2. § 1 (5) Endbesteuerungsgesetz
  3. Abschnitt II Endbesteuerungsgesetz
  4. Pressemitteilung des Österreichischen Parlamentes, Parlamentskorrespondenz/05/23. April 2003/Nr. 219
  5. Taxation of Corporate Profits, Dividends and Capital Gains in Europe (PDF) EVCA. Archiviert vom Original am 12. März 2006. Abgerufen am 3. Juli 2010.
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