Abraham (Calenberger Land)

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Abraham
Blick auf den Bergzug Limberg (links), Abraham und Haarberg (rechts), der in der Geologie als Limberg-Achse bezeichnet wird

Blick auf den Bergzug Limberg (links), Abraham und Haarberg (rechts), der in der Geologie als Limberg-Achse bezeichnet wird

Höhe 121 m ü. NN
Lage Niedersachsen, Deutschland
Dominanz 2,1 km → Limberg
Koordinaten 52° 11′ 39″ N, 9° 41′ 42″ O52.1941666666679.695121Koordinaten: 52° 11′ 39″ N, 9° 41′ 42″ O
Abraham (Calenberger Land) (Niedersachsen)
Abraham (Calenberger Land)

Der Abraham ist ein kleiner Höhenzug im Calenberger Land.

Geografie[Bearbeiten]

Abraham liegt nordöstlich von Eldagsen im Gebiet von Hallerburg in der Gemeinde Nordstemmen im Landkreis Hildesheim sowie im Stadtgebiet Springe in der Region Hannover in Niedersachsen. Der höchste Punkt liegt 121 Meter über Normalnull. Teilweise weniger als 200 m entfernt fließt die Haller auf weniger als 80 m über NN, so dass der Abraham erkennbar als Höhenzug auftritt.

Östlich angrenzend befindet sich das Waldgebiet Hallerburger Holz, als eines der in Niedersachsen gelegenen FFH-Gebiete in dem europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000. Im südwestlichen Teil des Hallerburger Holzes wurde 1972 ein Naturwaldreservat ausgewiesen, das von der Waldnutzung ausgenommen wurde und sich langfristig zu einem Urwald weiterentwickeln sollte. Dieses Naturwaldreservat[1] wurde aber 1990 aufgelöst und die Weiterentwicklung des bis dahin unter besonderen Schutz gestellten Naturwaldes zum Urwald abgebrochen.

Die Südwestseite des Abraham wird, entsprechend den vorherrschenden Lössböden, ackerbaulich genutzt.

Geologie[Bearbeiten]

Der Abraham befindet sich in einer Schichtstufenlandschaft, in der die besonders festen Gesteine des Abraham in einer Geländerippe aufragen. Im Süden und Westen von Gestorf wurde das Festgestein des Jura durch die Limberg-Überschiebung[2] (auch Limberg-Achse[3] genannt) durchschnitten, bei der Schichten der Trias, die auf Schichten des Oberen Buntsandsteins wurzeln, auf die Schichten des Jura aufgeschoben worden sind.

Die aufragenden Schichten von Unterem Muschelkalk, Mittlerem Muschelkalk, Oberem Muschelkalk, Mittlerem Keuper, Oberem Keuper und Oberem Buntsandstein bilden zwischen Bennigsen und Hallerburg die Höhenzüge Limberg, Abraham, Haarberg und Hallerburger Holz. Das Waldgebiet Hallerburger Holz gehört in dem europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 zu den in Niedersachsen gelegenen FFH-Gebieten.[4]

Die ältesten Gesteine, die am Limberg und am Abraham zu Tage treten, entstanden in der Triaszeit vor etwa 240 Millionen Jahren in einem niedrigen Küstenmeer des Ozeans. In jener Zeit wurde das Germanische Becken im europäischen Kontinent zeitweise vom Ozean überflutet. Die Meeresablagerungen wurden in einigen Steinbrüchen am Abraham abgebaut. Sie enthalten zahlreiche Fossilien von Meeresbewohnern; deshalb wird diese Gesteinsabfolge auch als Muschelkalk bezeichnet. In diesen Schichten kommen neben den namensgebenden Muscheln auch Schnecken, Kopffüßler und teilweise in großer Menge Reste von Seerosen vor. [5]

Das Landschaftsschutzgebiet "Gestorfer Lößhügel"[Bearbeiten]

Der Abraham liegt zusammen mit dem "Haarberg" und dem "Limberg" im Landschaftsschutzgebiet LSG-H 74 "Gestorfer Lößhügel"[6]. Der Text der Verordnung wird im Folgenden in Auszügen wiedergegeben:

"Die Grenze des Landschaftsschutzgebietes verläuft westlich von Gestorf entlang der K 216 in westlicher Richtung bis kurz vor die K 215. Hier schwenkt sie nach Süden in Richtung der Hallerniederung. Noch vor dem Niederungsbereich der Haller wird die Grenze in südöstlicher Richtung bis zur Regionsgrenze geführt, mit der sie auf einer Länge von ca. 2 km in Richtung Osten identisch verläuft. Dann schwenkt sie nach Nordwesten, kreuzt die L 422 nördlich des Waldgebietes Haarberg und wird in Richtung Norden wieder auf die K 216 geführt."

"Das Schutzgebiet befindet sich im Naturraum der „Kalenberger Lößbörde“ und ist der naturräumlichen Einheit „Eldagser Lößhügel“ zuzuordnen. Die besondere Bedeutung des Gebietes ergibt sich aus der Vielfalt der einzelnen Lebensräume in einer Landschaft, die insbesondere durch hügelige Formen geprägt ist. Im Bereich der Gestorfer Lößhügel überwiegen Böden mit höchster Bonität, die aufgrund ihrer Fruchtbarkeit eine intensive ackerbauliche Nutzung ermöglichen. Besonders prägend für das Landschaftsbild sind markant ins Gelände ragende Hügel, die fast vollständig mit Wald bestockt sind. Diesen Waldgebieten wird aufgrund ihres hohen Alters und ihrer Artenzusammensetzung von Seiten des Naturschutzes eine besonders hohe Bedeutung beigemessen. Es handelt sich um historische Waldstandorte, die mit artenreichen Buchen- sowie Eichen-Hainbuchenmischwälder bewachsen sind. In großen Teilen entspricht ihre Zusammensetzung der potentiell natürlichen Vegetation. Sie weisen zahlreiche Orchideenstandorte mit einer artenreichen Ausprägung auf. Stellenweise sind sie mit standortfremden Gehölzarten wie Pappeln und Fichte durchsetzt. Einzelne im Gebiet anzutreffende Feldgehölze, Hecken, Baumreihen, Einzelbäume sowie Gras-und Krautsäume beleben das Landschaftsbild und weisen einen hohen ökologischen Wert auf, da sie durch ihre Lage in der Agrarlandschaft als Rückzugs-und Trittsteinbiotop einer Vielzahl von Tierarten dienen. Kleingewässer in naturnaher Ausprägung befinden sich eingebettet in Gehölzbestände südwestlich des Limberges."

Literatur[Bearbeiten]

  • Flurnamensammlung und Flurnamenkarte 1:10.000 Blatt 5/3 Gestorf des Landkreises Hannover, Hannover 1986.
  • Topografische Karte 1:50.000 L 3922 Hameln, in: Niedersächsisches Landesamt für Ökologie – Naturschutz: Kartografische Arbeitsgrundlage für faunistische und floristische Erfassungen nach Tierarten-Erfassungsprogrammen und Pflanzenarten Erfassungsprogramm der Fachbehörde für Naturschutz. Hannover 1993.
  • Meine Umweltkarte Niedersachsen. Juli 2011.

Zu weiteren Literaturangaben siehe Einzelnachweise.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In Niedersachsen wird jetzt für ein Naturwaldreservate die Bezeichnung "Naturwald" gebraucht.
  2. Peter Rohde: Erläuterungen zu Blatt Nr. 3724 Pattensen. Beiheft zu der Geologischen Karte von Niedersachsen 1:25 000. Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung 1983. Seite 110f und Abbildung 40.
  3. Fr. Dahlgrün: Tektonische, insbesondere kimmerische Vorgänge im mittleren Leinegebiete. In: Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt zu Berlin. Bd. 42, 1923, Seite 723–776 (hier: Seite 731–733). Friedrich Hamm: Erdgeschichtliches Geschehen rund um Hannover. Norddeutsche Verlagsanstalt O. Goedel, Hannover 1952, Seite 75–77.
  4. Vollständige Gebietsdaten der FFH-Gebiete. Downloads zu NATURA 2000. In: Niedersachsen.de. Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), abgerufen am 10. Oktober 2013 (Hallerburger Holz - Interne Nummer in Niedersachsen: 361, Melde-Nr. 3724-331).
  5. Jörg Elbracht: 240 Millionen Jahre Mittelrode. In: Springer Jahrbuch 2014 für die Stadt und den Altkreis Springe. Förderverein für die Stadtgeschichte von Springe e.V., Springe 2014, S. 11–16.
  6. http://www.nlwkn.niedersachsen.de/download/70920 Landschaftsschutzgebietsverordnungen der Region Hannover: LSG-H 74 - Gestorfer Lößhügel.