Abraham B. Jehoshua
Abraham B. Jehoshua (hebräisch אברהם ב. יהושע; * 19. Dezember 1936 in Jerusalem) ist ein israelischer Schriftsteller.
Leben [Bearbeiten]
Abraham B. Jehoshua stammt aus einer Familie von Sephardim. Sein Vater war der Historiker Yaakov Jehoshua, seine Mutter Malka Rosilio. Zwischen 1954 und 1957 kämpfte Jehoshua als Fallschirmjäger in der Armee (Sueskrise).
Ab 1957 studierte er an der Hebräischen Universität in Jerusalem Literatur und Philosophie. Aus dieser Zeit stammen auch seine ersten literarischen Versuche. 1962 konnte er mit einer Anthologie von einigen Erzählungen erfolgreich debütieren. In dieser Zeit heiratete er die Psychoanalytikerin Rivka, mit der er drei Kinder hat.
1963 ging Jehoshua nach Paris an die Sorbonne und blieb dort bis 1967. Parallel zu seinen wissenschaftlichen Aufgaben leitete er während dieser Zeit als Generalsekretär die World Union of Jewish Students. 1972 nahm er einen Ruf an die Universität Haifa an und lehrt dort seitdem Vergleichende Literaturwissenschaft und Hebräische Literatur. Unterbrochen nur durch einige Studienaufenthalte im Ausland: 1974 Writer in Residence am St Cross College (University of Oxford) und den Gastprofessuren in Harvard University (1977), Chicago (1988, 1997, 2000) und Princeton (1982).
Rezeption [Bearbeiten]
Jehoshua gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Schriftstellern in Israel. Sein Werk umfasst Erzählungen, Romane, Theaterstücke und politische Essays. Jehoshua zählt selbst William Faulkner, Samuel Agnon und Franz Kafka zu seinen wichtigsten Vorbildern. Der Literaturkritiker Harold Bloom verglich ihn 1984 in einem Artikel mit ersteren.[1]
Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, zwischen Arabern und Israelis eine Mittlerrolle zu spielen. Er ist Befürworter eines eigenen Palästinenserstaates.[2]
In seinem literarischen Werk thematisiert Jehoshua auch immer wieder wichtige politische Themen. Der Roman Der Liebhaber spielt 1973 in Israel zur Zeit des Jom-Kippur-Kriegs. Die politischen und militärischen Verhältnisse spiegeln sich im Verfall einer Familie. Die Handlung wird aus sechs verschiedenen Perspektiven dargestellt, darunter der eines Arabers.
In seinem Roman Die Reise ins Jahr Tausend vermischen sich die arabische und die jüdische Lebenswelten im Mittelalter des Jahres 1000 n.Chr. Im Focus stehen zwei jüdische Händler - Onkel und Neffe - von denen ersterer im arabischen Nordafrika, letztere im christlichen Frankreich lebt. Auch hier wird die Versöhnung der unterschiedlichen kulturellen und religiösen Welten angestrebt.
Ehrungen (Auswahl) [Bearbeiten]
- 1989 Bialik-Preis für schöne Literatur und Wissenschaft des Judentums (zusammen mit Avner Treinin)
- 1990 Ehrendoktor des Hebrew Union College
- 1998 Ehrendoktor der Universität Tel Aviv
- 1999 Ehrendoktor der Universität Turin
- 2000 Ehrendoktor der Bar-Ilan-Universität
- 2012 Ehrendoktor der Scuola Normale Superiore di Pisa
- 2012 Prix Médicis étranger für Rétrospective
Werke (Auswahl) [Bearbeiten]
- Erzählungen
- Angesichts der Wälder. Erzählungen. Piper, München 1992, ISBN 3-492-11664-7.[3]
- Frühsommer 1970. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 1989, ISBN 3-596-29326-X.[3]
- The continuing silence of a poet. The collected stories. Halban, London 1988, ISBN 1-870015-14-2.
- Romane
- Der Liebhaber. Roman. 3. Aufl. Piper, München 1999, ISBN 3-492-21769-9 (EA 1980).[3]
- Die Reise ins Jahr Tausend. Roman in drei Teilen. Piper, München 1999, ISBN 3-492-04012-8 (EA 1997.[4]
- Späte Scheidung. Roman. Piper, München 1997, ISBN 3-492-21723-0 (übersetzt von Barbara Linner).
- Die Manis. Roman. Neuaufl. Piper, München 2001, ISBN 3-492-23369-4.[4]
- Die Rückkehr aus Indien. Roman. Piper, München 1996, ISBN 3-492-03772-0.[4]
- Die fünf Jahreszeiten des Molcho. Roman. Neuaufl. Piper, München 1992, ISBN 3-492-11556-X (EA 1989).[4]
- Freundesfeuer. Roman. Piper, München 2009, ISBN 978-3-492-05161-3.[4]
- Die befreite Braut. Roman.
- Die Passion des Personalbeauftragten. Roman.
- Theaterstücke
- A night in May. A play in three acts. Tel Aviv 1974.
- Objekte.
- A woman in Jerusalem. Halban, London 2006, ISBN 1-870015-98-3.
- Hinterlassenschaften. Theaterverlag Stückgut, München 1986.
- Politische Essays
- Exil der Juden. Eine neurotische Lösung? Verlag Röhrig, Sankt Ingbert 1986, ISBN 3-924555-08-7.
- Between right and right. Doubleday, Garden City, New York 12981, ISBN 978-0-385-17035-2.
Literatur [Bearbeiten]
- Bernard Horn: Facing the fires. Conversations with Abraham B. Yehoshua (Judaic traditions in literature, music and art). University Press, Syracus, N.Y. 1997, ISBN 0-8156-0493-9.
- Adam Z. Newton: Not quite Holocaust Fiction. Abraham B. Yehoshua's „Mr. Mani“ and W. G. Sebalds „The emigrants“. In: Marianne Hirsch, Irene Kacandes (Hrsg.): Teaching the respectations ogf the Holocaust (Options for teachinG; 18). MLAA, New York 2004, ISBN 0-87352-348-2, S. 422–430.
- Gilead Morahg: Shading the truth. Abraham B. Yehoshua's „Facing the Forests“. In: William Cutler, Davcid C. Jacobson (Hrsg.): History of Literature. New Readings of Jewish Texts in honour of Arnold J. Band (Brown Judaic Studies; 334). University Press, Providence, RI 2002, ISBN 1-930675-13-5, S. 409–418.
- Gershon Shaked: Gerson Shaked interviewed Abraham B. Yehoshua. In: Modern Hebrew Literature/3. Serie, Jg. 3 (2006), Heft 3, S. 157–169, ISSN 0334-4266.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Harold Bloom: Domestic derangements. A late divorce. In: New York Times vom 19. Februar 1984.
- ↑ Abraham B. Jehoshua: Mauer oder Grenze. Warum der Staat Israel sich im Interesse von Frieden und Sicherheit dringend von den Palästinensern trennen muss - wenn es sein muss, auch einseitig. In: Die Welt vom 16. August 2003, ISSN 0173-8437
- ↑ a b c aus dem Hebräischen übersetzt von Jakob Hessing.
- ↑ a b c d e Aus dem Hebräischen übersetzt von Ruth Achlama.
Weblinks [Bearbeiten]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jehoshua, Abraham B. |
| ALTERNATIVNAMEN | Jehoschua, Abraham B. |
| KURZBESCHREIBUNG | israelischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 19. Dezember 1936 |
| GEBURTSORT | Jerusalem |