Abraham Kuyper

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Abraham Kuyper

Abraham Kuyper (* 29. Oktober 1837 in Maassluis; † 8. November 1920 in Den Haag) war ein niederländischer reformierter Theologe, Politiker, Staatsmann und Journalist.

Leben[Bearbeiten]

Abraham Kuyper war Sohn eines Pastors. Er studierte Theologie in Leiden, wo er auch den Doktorgrad erreichte. Von 1863 bis 1867 war er Pastor in der Gemeinde Beesd.

1871 gründete Kuyper die kirchliche Wochenzeitung De Heraut, ein Jahr später die Tageszeitung De Standaard. Kuyper war Gründer der ersten politischen Partei in den Niederlanden, der ARP, deren Vorsitzender er von 1879 bis zu seinem Tode 1920 war. 1880 stiftete er die Freie Universität Amsterdam, an der er auch als Professor für Theologie lehrte, und war beteiligt an der Bildung des reformierten Kirchenverbands Gereformeerde Kerken in Nederland. Kuyper war von 1901 bis 1905 Ministerpräsident der Niederlande.

1908 wurde ihm der Ehrentitel eines Staatsministers verliehen.

Kuyper war Leiter und Wortführer einer protestantischen Strömung, die in den 1880er Jahren entstand und daran glaubte, dass Gott dauernd in die Welt eingreift. Man ging davon aus, dass dieses Eingreifen Gottes in täglichen Ereignissen sichtbar würde.

Seine Unterstützer kamen vor allem aus einem Volksteil, der als die kleine luyden (einfache Menschen) bezeichnet wurde. Für sie war ein geschätzter politischer Führer. Seine Widersacher waren anfangs vor allem die Liberalen, später die Sozialisten. Der Kommunismus stand dem christlichen Glauben eher abgeneigt gegenüber, da die marxistische Lehre jeglichem transzendenten Glauben die Existenzberechtigung absprach und durch den Staat zu ersetzen suchte. Die antisozialistische Ausrichtung Kuypers wird u.a. daran deutlich, dass er seiner neugegründeten Partei den Namen „antirevolutionär“ gab. Hier liegt der Ursprung einer gesellschaftlichen Entwicklung in den Benelux-Staaten, die als Versäulung (verzuiling) bezeichnet wird. Es etablierte sich eine autonome gesellschaftliche Struktur der Reformierten innerhalb der Gesellschaft (Medien, Bildungswesen, Vereine, usw.); Katholiken, Liberalen und Sozialisten hatten ihre eigene "Säulen".

Werke von ihm sind z. B.: Encyclopaedia Theologiae, 3 Bände, 1894; E voto Dordraceno, 3 Bände, 1900 und Reformation wider Revolution (deutsch 1904). Kuyper wird oft als einer der geistigen Väter der europäischen Christdemokratie angesehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Kolfhaus: Dr. Abraham Kuyper. 1837–1920. Ein Lebensbericht. Erziehungs-Verein, Elberfeld 1924.
  • Leroy Vogel: Die politischen Ideen Abraham Kypers und seine Entwicklung als Staatsmann. Diss. Heidelberg 1937.
  • Louis Praamsma: Let Christ be King – Reflections on the Life and Times of Abraham Kuyper. Paideia Press, Ontario 1985, ISBN 0-88815-064-4.
  • Cornelis Augustijn: Abraham Kuyper. In: Martin Greschat (Hrsg.): Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. 9.2, 1985, S. 289–307.
  • James D. Bratt: Abraham Kuyper: A Centennial Reader. Eerdmans, Grand Rapids 1998.
  • James E. McGoldrick: Abraham Kuyper, God's Renaissance Man. Evangelical Press, 2000, ISBN 0-85234-446-5.
  • Jasper Vree: Kuyper, Abraham. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage, Bd. 4, 2001, Sp. 1912f.
  • Tjitze Kuipers: Abraham Kuyper: An Annotated Bibliography 1857–2010. Brill, Leiden 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abraham Kuyper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien