Abschnittskontrolle

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Der Begriff Abschnittskontrolle bezeichnet ein System zur Überwachung von Tempolimits im Straßenverkehr, bei dem nicht die Geschwindigkeit an einem bestimmten Punkt gemessen wird, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Strecke. Insbesondere in Österreich wird auch der Scheinanglizismus Section-Control verwendet.

Dies geschieht mit Hilfe von zwei Überkopfkontrollpunkten, die mit Kameras ausgestattet sind. Das Fahrzeug wird sowohl beim ersten wie auch beim zweiten Kontrollpunkt fotografiert. Die Identifizierung der Fahrzeuge erfolgt anhand des Kfz-Kennzeichens mittels automatischer Nummernschilderkennung. Aufgrund der benötigten Zeit zwischen den beiden Kontrollpunkten wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt. Liegt diese über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, erfolgt eine automatische Weiterleitung der ermittelten Daten an die Exekutive.

Da alle Fahrspuren inklusive des Pannenstreifens überwacht werden, sind Spurwechsel irrelevant. Das System unterscheidet zwischen PKW, LKW und PKW mit Anhänger und kann somit unterschiedliche erlaubte Höchstgeschwindigkeiten berücksichtigen.

Österreich[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Hinweisschild am Anfang einer Abschnittskontrollstrecke

Seit dem 1. September 2003 ist ein solches System auf der österreichischen Donauuferautobahn (A 22) in Wien im Einsatz. Im Februar 2005 meldete der Kurier, dass sich die Abschnittskontrollen in diesem Bereich durch die Strafmandate bereits selbst finanziert haben. 2012 sah der Betreiber der Abschnittskontrollen, die ASFINAG, den Erfolg dadurch bestätigt, dass seit dem Installieren der Anlage die Zahl der Unfälle und Unfallverletzten um 50 bzw. 60 Prozent abgenommen hat, sowie kein tödlicher Unfall mehr in diesem Bereich geschehen ist.[1]

Auf dem Streckenabschnitt am Wechselabschnitt der Südautobahn (A2) gilt bei Regen und Schnee Richtung Wien eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und die dort installierte Anlage kann auch die Wetterverhältnisse überwachen und selbsttätig darauf reagieren.

Im Februar 2005 wurde auf der Westautobahn (A1) zwischen Haid und Sattledt in einem 18 km langen Baustellenabschnitt erstmals temporär eine mobile Abschnittskontrolle installiert, die seitdem bei anderen Baustellen eingesetzt wird.

Am 10. Oktober 2011 wurde am Plabutschtunnel bei Graz an der Pyhrn Autobahn A9 eine Abschnittskontrolle installiert, bei welcher mithilfe von Frontfotos auch ausländische Kraftfahrer erfasst werden.[2]

Seit Ende Juni 2012 wird erstmals auf einer Landesstraße die Section Control eingesetzt, und zwar im Bereich des Gföhler Bergs der Kremser Straße (B 37).[3][4]

Section-Control auf der B 37 bei Gföhl

Probleme[Bearbeiten]

Anfangs gab es noch rechtliche Probleme bei den Anzeigen zwischen ASFINAG und Polizei, da die genauen Zeitpunkte der angeordneten Tempoänderung nicht genau dokumentiert waren und es deshalb zu Einsprüchen kam. Diese wurden aber nach Klärung zugestellt und waren damit rechtswirksam.

Verwirrung herrschte anfangs auch bei vielen Autofahrern, weil sie die Mautportale der LKW-Maut für Messstellen der Abschnittskontrolle hielten. Beide Systeme unterscheiden sich nur durch die verwendete Software und durch die teilweise fehlende Kameraüberwachung.

VfGH-Erkenntnis[Bearbeiten]

Nach einer Beschwerde eines Wiener Bürgers wegen Bedenken aus Datenschutzgründen beim Verfassungsgerichtshof stellte das Höchstgericht am 15. Juni 2007 in einem Erkenntnis die Unzulässigkeit der bis dato durchgeführten Überwachung fest. Der Verfassungsgerichtshof wertete die elektronische Geschwindigkeitsmessung auch jener Autofahrer, die nicht zu schnell unterwegs sind, als rechtswidrig, da es dafür keine ausreichende Grundlage durch Verordnungen oder Gesetze gibt.[5][6] Dies wurde aber inzwischen durch entsprechende Verordnungen des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie behoben (BGBl. II Nr. 168/2007, 169/2007 und 176/2007), die Abschnittskontrollen werden seither wieder eingesetzt.

Standorte[Bearbeiten]

Eine Liste der Standorte befindet sich in der Liste der Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wurde das Thema Abschnittskontrolle erstmals Ende Januar 2009 auf dem Verkehrssicherheitstag in Goslar diskutiert. In Stuttgart soll unter der grün-roten Landesregierung ein Pilot-Versuch gestartet werden.[7][8][9]

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wurde die erste Abschnittkontrolle im Januar 2011 auf der A2 im Arisdorftunnel im Kanton Basel-Landschaft in Betrieb genommen.[10]

Großbritannien[Bearbeiten]

In Großbritannien werden viele Geschwindigkeitsmessungen auch über eine Abschnittskontrolle, dort SPECS genannt, bewerkstelligt. Im Gegensatz zu anderen Ländern wird allerdings auf die Geschwindigkeitsmessung durch normale Straßenbeschilderung hingewiesen.

Die SPECS-Kameras sind fast alle bekannt, werden auch auf offiziellen Webseiten genannt und auf Karten genau aufgezeigt. Meistens stehen die Kameras in der Mitte der Straße auf Verkehrsinseln und werden von einem blau lackierten Mast über den jeweiligen Fahrspuren gehalten. Die Kameras selbst sind gelb lackiert und haben rechts und links Infrarotemitter. Nur sehr selten sind die Kameras nicht gelb lackiert.[11][12]

Italien[Bearbeiten]

Das in Italien verwendete System wird „Tutor“ genannt und ist in seiner Funktion dem österreichischen System sehr ähnlich. Hinweisschilder kennzeichnen die überwachten Abschnitte.

Niederlande[Bearbeiten]

Auch in den Niederlanden wird eine Art Abschnittskontrolle betrieben, die Trajectcontrole (Streckenkontrolle). Sie fotografiert jedes Fahrzeug mit einem Infrarotblitz von hinten. Angebracht sind die Fotoeinheiten auf der Rückseite beleuchteter Tempolimitanzeigen.

Weitere Trajectcontroles stehen auf der A12 bei Arnheim (zwischen Velperbroek und Kreuz Waterberg, beide Richtungen, 100 km/h), auf der A12 bei Utrecht (beide Richtungen, 100 km/h, Nebenfahrbahnen 80 km/h), auf der A12 Utrecht Richtung Den Haag (120 km/h, nur Richtung Den Haag/Rotterdam), auf der A4 zwischen Hoofddorp und Nieuw Vennep (130km/h), auf der A4 beide richtungen zwischen Zoeterwoude und Leidschendam (130km/h 19:00 bis 06:00, 100km/h 06:00 bis 19:00) und der A10 West bei Ring Amsterdam (100 km/h), auf der A20 Rotterdam zwischen terbregseplein und kleinpolderplein (80-100 km/h) auf der N919 bei Veenhuizen (80 km/h) und auf der Zeelandbrug (80 km/h).

Polen[Bearbeiten]

In Polen findet noch kein System der Abschnittskontrolle auf Autobahnen oder anderen Straßen Anwendung. Jedoch gibt es Vorstellungen, dieses System auf Strecken mit einer hohen Verkehrsdichte und Unfallrate dauerhaft einzuführen. Das System soll auch im innerstädtischen Verkehr zum Einsatz kommen, wo es Blitzer ersetzen soll.

Dazu wurde im Juni 2011 eine Verordnung zur Änderung des Gesetzes über den Straßenverkehr, die am 1. Juli beschlossen worden ist, im Ministerium für Infrastruktur vorgestellt. Die Verordnung erlaubt das Aufstellen zweier Überkopfkontrollpunkten, die mit Kameras ausgestattet sind und das Fahrzeug fotografieren, und die Messung der durchschnittlichen Geschwindigkeit. Die Lokalisierung dieser Kontrollpunkte soll durch eine vorangegangene Analyse der Sicherheit auf diesem Abschnitt beschlossen werden. Zusätzlich werden die Merkmale der Straße, das durchschnittliche Verkehrsaufkommen, Sichtverhältnisse auf der Straße und das Vorhandensein von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Gebetsstätten berücksichtigt werden. Zusätzlich wurde festgelegt, dass der zu kontrollierende Straßenabschnitt eine Länge ab 10 km innerhalb und bis zu 20 km außerhalb geschlossener Ortschaften haben muss. Fahrzeuge werden nicht automatisch registriert, wenn die Grenzwerte von bis zu 10 km/h überschritten werden.[13][14][15]

Vom 22. bis zum 30. Juni wurde das System der Abschnittskontrolle erstmals auf der Autobahn A1 auf dem 16 km langen Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Swarożyn und Pelplin getestet. Dieses Teilstück hat eine erhöhte Unfallrate vorzuweisen. Die entsprechenden Stellen mit den Überkopfkontrollpunkten wurden mit Schildern gekennzeichnet.[16] Es wurden insgesamt 28 Fahrer registriert, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h gefahren sind.[17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. presse.com: Zehn Jahre Section Control: Kein tödlicher Unfall, 24. Mai 2012
  2. http://www.kleinezeitung.at/steiermark/graz/graz/2849299/bei-103-km-h-schlaegt-section-control.story
  3. Kurier: Tempobremse: "Section Control bringt Sicherheit", 31. Mai 2012
  4. OTS: Section Control "Gföhler Berg" geht in Betrieb, 28. Juni 2012
  5. orf.at: Unverzügliches Aus für Section-Control, 15. Juni 2007
  6. G 147,148/06 (PDF; 51 kB) Abgerufen am 4. Juli 2010.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGeschwindigkeitskontrollen – Land denkt über neue Technik nach. In: stuttgarter-zeitung.de. 05.08.2011, abgerufen am 18. Oktober 2013.
  8. spd-bw.de: ACE und SPD fordern Pilotversuch der Section Control
  9. Innenministerium Baden-Württemberg: "Section Control" für Tempolimits diskutieren
  10. Bericht von 20-Minuten-Online
  11. SpeedCamerasUK.com: SPECS speed cameras explained, UK SPECS traffic cameras. Speedcamerasuk.com. Abgerufen am 4. Juli 2010.
  12. SpeedCamerasUK: SPECS speed cameras locations around Great Britain. Speedcamerasuk.com. Abgerufen am 4. Juli 2010.
  13. Bramki pomiaru prędkości kontra polskie drogi - będzie jak zwykle (polnisch)
  14. Odcinkowy pomiar prędkości na A1 (polnisch)
  15. A1: ruszył odcinkowy pomiar prędkości (polnisch)
  16. Pomorze: Monitoring na autostradzie A1 (polnisch)
  17. Odcinkowy pomiar prędkości na A1 działał tydzień (polnisch)