Absehen

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Dieser Artikel erläutert den Begriff im Zusammenhang mit Visieren; den Teilbereich der Gebärdensprache siehe Lippenlesen.
Normalabsehen No. 1
PSO-1-Absehen: Mit der Skala links unten kann die Entfernung eines 1,70 Meter hohen Objektes gemessen werden. Passt dieses ganz rechts zwischen die beiden Linien, so ist es 200 Meter entfernt, links sind es 1000 Meter.
Kreisabsehen beim Steyr AUG, ausgelegt für eine Einsatzreichweite von 300 Metern. Auf diese Entfernung kann ein 180 cm großes Ziel genau innerhalb des Absehens zentriert werden.

Als Absehen wird waffentechnisch die Markierung im Fernrohrbild bezeichnet, welche das Zielen mit dem Zielfernrohr einer Feuerwaffe ermöglicht. Umgangssprachlich wird es auch als Fadenkreuz bezeichnet. Das Absehen kann verschiedene Ausbildungen haben, von einem einfachen Fadenkreuz bis zur komplizierten Maßteilung, mit der man sogar Entfernungen schätzen kann.

Varianten[Bearbeiten]

  • Jagdlich genutzte Zielfernrohre haben üblicherweise das Absehen No. 1 (s. Abbildung) oder Absehen No. 4.
  • Moderne sportlich- oder polizeilich- bzw. militärisch genutzte Zielfernrohre besitzen heute meist das Duplexabsehen.
  • Bei militärischen Scharfschützen ist auch das Mildotabsehen üblich. Bei diesem sind auf der senkrechten und waagerechten Linie des Fadenkreuzes noch kleine Punkte, mit Durchmesser 1/4 mil im Abstand von 1 mil angebracht (1 mil ist ca. 1/1000 rad oder 3,44 MOA). Die Anzahl der Punkte wird mit MIL bezeichnet. 1 MIL im Zielfernrohr entspricht bei einem ZF mit konstanter Vergrößerung bei 100 m Entfernung 10 cm und ein Mildot-Punkt entspricht 2,5 cm (von engl. dot „Punkt“): Der Mildot dient also als Längenmaß, entweder der Bestimmung der Abmessung eines Objekts über die Entfernung, oder umgekehrt der Entfernungsmessung bei bekannter (oder geschätzter) Abmessung.

Bei Zielfernrohren mit variabler Vergrößerung und dem Absehen in der 2. Bildebene entsprechen die Größen nur bei einer bestimmten Vergrößerung den jeweiligen Angaben. Meist wird bei diesen Zielfernrohren die zehnfache Vergrößerung als die Maßhaltige vorgegeben.

Bei Zielfernrohren mit Mildot-Absehen und dem Absehen in der 1. Bildebene wird das Absehen mitvergrößert und die angegebenen Maße können weiter angewendet werden.

Formel: \frac{Breite}{Entfernung} = \frac{MILS}{1000}=\frac{B}{E} = \frac{M}{1000} mit Breite und Entfernung in Meter
Beispiel:
Für einen Polizeischarfschützen erscheine ein 2 m breites Fahrzeug 4 MIL breit im Zielfernrohr. Wie weit ist es weg?
Mit M=4 und B=2m und E=\frac{B}{M} \cdot 1000 ist E=500m.
Die Längeneinheit ist hierbei auswechselbar, z. B. wäre ein 1 yard breites Objekt, das mit 5 MIL Breite erscheint, entsprechend 200 yard entfernt.

Durch die vertikalen und horizontalen Markierungen lässt sich das Vorhalten beim Schießen auf bewegte Ziele und das Einschätzen von Entfernungen noch verbessern.

Das Absehen bzw. Teile davon können für den Einsatz in der Dämmerung oder in hellen Nächten auch beleuchtet werden. Damit ist das Erkennen des Absehens auf dem Ziel wesentlich erleichtert.

Eine Sonderform stellt das Leuchtpunkt-Absehen der Reflexvisiere dar. Hier sieht der Schütze lediglich einen (meist roten) Leuchtpunkt im Zielfernrohr. Dieses Absehen gestattet einen besonders schnellen Zielvorgang und wird von Jägern gerne beim Schuss auf flüchtendes Wild verwendet.

Qualitätskriterien[Bearbeiten]

Das Problem eines guten und universellen Absehens ist so zu umreißen:

  • Gute Erkennbarkeit bei allen denkbaren Lichtverhältnissen
  • Das Ziel soll möglichst „punktgenau“ erfasst werden können
  • Das Absehen soll so wenig wie möglich vom Ziel verdecken
  • Das Ziel soll möglichst schnell erfasst werden können
  • Das Auge soll so wenig wie möglich von den Elementen des Absehens abgelenkt werden
  • Das Absehen soll das Schätzen von Entfernungen ermöglichen
  • Das Absehen soll Kontrolle über die Verkantung der Waffe ermöglichen

Alle diese Punkte befriedigend zu optimieren ist nicht möglich, da sie sich teilweise gegenseitig ausschließen. Die Entscheidung für ein bestimmtes Absehen ist vom Verwendungszweck der Waffe und von persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten des Schützen abhängig.

Siehe auch[Bearbeiten]