Abstandszünder

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Ein Abstandszünder, auch Annäherungszünder oder Näherungszünder genannt, dient dazu, eine militärische Sprengladung automatisch in definierter Entfernung vor dem Zielobjekt zu zünden. Eingesetzt werden Abstandszünder unter anderem bei Granaten, militärischen Raketen und Lenkflugkörpern in der Spitze des Geschosses. Erste Konzepte des Abstandszünders wurden im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten und in Deutschland (bis 1940 und dann wieder in 1944) von Rheinmetall[1] vorangetrieben, eine entscheidende Voraussetzung war die Entwicklung der Subminiaturröhre. Die ersten funktionsfähigen Radar-Dopplereffekt-Abstandszünder kamen schon 1943 im Pazifik-Krieg in Luftabwehrgranaten zum Einsatz, entwickelt wurden sie in erster Linie von einem Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Merle Antony Tuve am Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University im US-amerikanischen Baltimore, aber auch auf britischer Seite von Personen wie Samuel Curran.[2]

Den US-Amerikanern gelang es als einziger Macht im Zweiten Weltkrieg, funktionsfähige Abstandszünder für Flakgranaten in Massenproduktion herzustellen und in Geschosse bis hinunter zu einem Durchmesser von 3 Zoll einzubauen. Diese Geschosse wurden bis kurz vor dem Kriegsende aus Angst vor Entdeckung des Geheimnisses durch den Feind nur über See oder über eigenem Territorium verwendet. Die an Großbritannien gelieferten Zünder erhöhten die Abschussrate von V1-Marschflugkörper deutlich.

Funkgestützter Abstandszünder Typ MARK 53

Technisch werden verschiedene Arten von Abstandszündern unterschieden:

  • Funkgestützter Abstandszünder. Diese Form stellt bei Granaten die meistverwendete Form dar.
  • Optische Abstandszünder, meist mittels Laser.
  • Akustische Abstandszünder, ähnlich dem Verfahren bei einem Echolot.
  • Magnetische Abstandszünder
  • Elektrostatische Abstandszünder
  • Auf Druck reagierende Abstandszünder

Funkgestützter Abstandszünder[Bearbeiten]

Der Funkgestützte Abstandszünder wurde im Januar 1943 von dem US-Amerikaner Merle Antony Tuve patentiert und basiert auf dem Radar-Dopplereffekt. Der Zünder ist in der Spitze der Granate untergebracht und besteht aus einem kleinen Hochfrequenzsender, die Hochfrequenz liegt im Frequenzbereich von 180 MHz bis 220 MHz. Bei Annäherung an das Zielobjekt wird ein Teil des hochfrequenten Signals reflektiert und führt im Sender des Zünders zu einem Interferenzmuster, das vom Abstand abhängt und die Resonanz des Senders beeinflusst. Dadurch kommt es bei jeweils ganzzahligen Vielfachen der halben Wellenlänge – die halbe Wellenlänge beträgt in dem verwendeten Frequenzbereich in etwa 0,7 m – zu einer geringen Veränderung der Sendeleistung, die gemessen wird. Je nach Fluggeschwindigkeit der Granate liegen diese Änderungen der Sendeleistung im Frequenzbereich von 200 Hz bis 800 Hz. Dieses Signal wird durch einen Bandpassfilter geleitet, verstärkt, gleichgerichtet und in einem Komparator mit dem eingestellten Referenzpegel verglichen, welcher der gewünschten Zielentfernung entspricht. Bei positivem Vergleich wird die Initialzündung ausgelöst. [3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Truth About the Wunderwaffen by Igor Witowski
  2.  James Brennen: The Proximity Fuze - Whose Brainchild?. United States Naval Institute Proceedings, September 1968.
  3. Radio Proximty (VT) Fuzes, Department of the Navy - Naval Historical Center