Abstrakte Malerei

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Die abstrakte Malerei ist eine sehr vielfältige Kunstform mit vielen Stilrichtungen, die auf die Abbildung von Gegenständen, Personen oder Landschaften fast völlig verzichtet. Sie bildet nicht die konkrete, sichtbare Wirklichkeit, sondern abstrakte oder abstrahierte Bewegung, Form, Farbe, Strukturen, Muster ab. Die reine Komposition rückt dabei in den Vordergrund der künstlerischen Arbeit.

Abstrakte Malerei wird auch als absolute Kunst oder gegenstandsfreie Kunst bezeichnet. Sie versucht, innere Wirklichkeit, das Wesen von Phänomenen abzubilden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Merkmale

  • allgemein: vom Gegenständlichen losgelöste Darstellungen (geringer bis nicht vorhandener Ikonizitätsgrad = Entfernung vom Naturvorbild)

Darüber hinaus gibt es zwei prinzipielle Richtungen:

  • die expressive Abstraktion, eingeführt von Kandinsky und seinen Freunden. Sie wollten mit der befreiten Farbe ihren Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen. Kandinsky verband ja als Synästhet mit jeder Farbwahrnehmung musikalische Empfindungen.
  • typisch: weiche Formen, teilweise fließende Farbübergänge.
  • die geometrische Abstraktion, verwirklicht vor allen durch
die Suprematisten mit Kasimir Malewitsch und
die De-Stijl-Bewegung mit Theo van Doesburg und Piet Mondrian.
  • typisch: geometrische Formen in einem Farbton, mit klaren Kanten.

[Bearbeiten] Einordnung in Kunstgeschichte

Lange bevor im 20. Jahrhundert die abstrakte Malerei zur Kunstform erklärt wurde, entstanden Gemälde und Grafiken ohne erkennbaren Gegenstand. Hunderte nicht-gegenständliche Bilder umfassten beispielsweise die Werke des englischen „Landschaftsmalers“ William Turner, des französischen Dichters und Zeichners Victor Hugo sowie des französischen „SymbolistenGustave Moreau, [1] dessen Schüler Henri Matisse zu einem führenden Vertreter des Fauvismus wurde. Das Nachdenken über die Wirkung von Linien und Farben und das „Ausprobieren“ fand jedoch vor 1900 fast ausschließlich im Atelier statt, in Form von Vorstudien zu den öffentlich präsentablen Werken. Hieraus wird deutlich, dass „die Errungenschaft der Avantgarde um 1912 nicht in der Erfindung der Abstraktion lag, sondern darin, dass diese zum Kunstwerk erklärt wurde.“ [2]

Der Stil, der in der Malerei seinen Anfang nahm, wurde in der Folge auch in die Plastik und andere Kunstbereiche übernommen. Ein abstraktes Kunstwerk kann Dingliches in Ansätzen und in stark abgewandelter Form noch erkennen lassen oder auch völlig aus Formen und Farben gebildet sein. Verwandt ist das Ornament, das als Design schon viel länger existiert.

Ausgehend von der abbildenden Malerei kann mit Aufkommen der Fotografie eine Tendenz festgestellt werden, sich mehr mit dem Medium Malerei selbst, und mit den Ideen, den Strukturen und der Morphologie der Welt auseinanderzusetzen als mit ihren visuellen Oberflächen. In Malerei-Richtungen wie Kubismus, Pointilismus, Impressionismus oder Expressionismus finden sich erste abstrakte Tendenzen. Verschiedene Richtungen abstrakter Malerei mit unterschiedlichen Zielsetzungen sind abstrakter Expressionismus, Tachismus, Informel, Action Painting, Konstruktivismus, Suprematismus, Minimalismus. Im Laufe dieser Entwicklung veränderte sich auch der Begriff der Harmonie in der Malerei wesentlich.

Auf die abstrakte Malerei reagierte später u. a. die Konzeptkunst, die nicht mehr künstlerisch das abstrakte Wesen der Dinge abbildete (Tafelbild), sondern mit den Dingen selber Netze von Bedeutungen und Kontexten spannt, und sich dabei z. B. auf das Arrangement von vorgefundenen Objekten als Rauminstallation, oder auch auf reine Worte (Marcel Broodthaers) verlegte. Auch die Pop-Art stellte eine Reaktion auf die abstrakte Malerei dar.

In den Jahren von 1931 bis 1937 war die Künstlervereinigung Abstraction-Création in Paris geistiges und organisatorisches Zentrum und Sammelpunkt für die Anliegen der Vertreter der Abstrakten Malerei. Die inhaltliche und öffentlichkeitswirksame Arbeit von „Abstraction-Création“ und ihre Ausstellungen trugen erheblich zur Steigerung der gesellschaftlichen Anerkennung der abstrakten Kunst bei.

In der zeitgenössischen Malerei mischen sich oft Elemente abstrakter und darstellender Malerei. Im Comic (Manga) standen von jeher abstrakte Linien und Formen für Geschwindigkeit oder andere, abstrakte Phänomene. Abstrakte Bildelemente finden sich heute in den Massenmedien wie auch als Design auf Gebrauchsgegenständen.

Wassily Kandinsky, Improvisation 31
Wassily Kandinsky, Improvisation 31

[Bearbeiten] Bekannte Künstler

Wassily Kandinsky oder Piet Mondrian waren Vorreiter dieses Genres. Bald folgten auf europäischer Ebene auch viele andere Maler. Pablo Picasso, Georges Braque und andere später berühmte Maler folgten dieser Richtung, auch wenn sie sich später dann vielfach eher kubistischen Motiven verpflichtet fühlten. Robert Delaunay, Alberto Magnelli und Antoine Pevsner und Jean Bazaine blieben beim Abstrakten zeit ihres Lebens.

[Bearbeiten] Einige Vertreter der abstrakten Malerei

[Bearbeiten] Kunstbegriff

Aufgrund der Ablehnung gegenständlicher Abbildung stießen abstrakte Tendenzen zunächst häufig auf Unverständnis. Der herkömmliche Kunstbegriff forderte Wiedererkennbares, Abbildung der klassischen Sujets auf den Leinwänden. Abstrakte Malerei wurde teils als Schmiererei diffamiert, es wurde behauptet, dass keine große Begabung zu ihrer Erstellung notwendig sei, was zum Teil auch stimmte: Künstler wie Jackson Pollock oder Richtungen wie der Tachismus wollen absichtlich die bewusste Einflussnahme des Künstlers zurücknehmen, Bilder sollen als spontane expressive und unbewusste Äußerungen verstanden werden, die somit grundsätzlich von jedem ausgeführt werden könnten. Ebenso ist das schwarze Quadrat von Malewitsch aufgrund seiner simplen Struktur von Jedem nachvollziehbar. Entscheidend war hier aber die künstlerische Entscheidung, Ausdrucksmittel auf ihre minimale Variante zu beschränken. Entgegen einem manchmal verbreiteten Eindruck ist gelungene abstrakte Malerei oft Ausweis höchster malerischer Fähigkeiten.

[Bearbeiten] Ablehnung im Nationalsozialismus

Die abstrakte Malerei wurde ebenso wie der Expressionismus im Dritten Reich als sogenannte Entartete Kunst gebrandmarkt, verboten und lächerlich gemacht.

[Bearbeiten] Der malende Schimpanse

In den 50er Jahren wurde der 1954 geborene Schimpanse Congo populär, der abstrakte Bilder malte. Einige der ca. 400 Bilder, die er produzierte, wurden in London in einer Kunstausstellung ausgestellt. Für den Laien mögen sie zwar Ähnlichkeiten zu berühmten Werken abstrakter Malerei aufweisen, für Personen mit tieferem Verständnis für die Qualitäten abstrakter Malerei wirken sie eher plump, konzeptlos und beliebig. Für sie hat der Affe offensichtlich keinen Begriff davon, was er tut. Dieses Beispiel wurde aber häufig von Kritikern abstrakter Malerei in polemischer Weise angeführt.

Der Verhaltensforscher Desmond Morris, der Congo „entdeckte“, untersuchte in den 50ern das Verständnis von Affen für Symmetrie und Gestaltung, konnte dabei das Geheimnis der Kreativität jedoch ebenso wenig lösen.

[Bearbeiten] Weiterentwicklungen

[Bearbeiten] Abgrenzung der abstrakten von der konkreten Malerei

Abzugrenzen ist die abstrakte Malerei von der konkreten Malerei bzw. Kunst: konkrete Kunst

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Raphael Rosenberg, Max Hollein: Turner - Hugo – Moreau. Entdeckung der Abstraktion. Hirmer Verlag, 2007, ISBN 3-777-43755-7
  2. www.schirn-kunsthalle.de Begleittext zur Ausstellung Turner - Hugo – Moreau. Entdeckung der Abstraktion in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, dump vom 5. Januar 2008

[Bearbeiten] Weblinks

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