Abswurmbachit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abswurmbachit
Andere Namen
  • IMA 1990-007
Chemische Formel

Cu2+Mn63+[O8|SiO4]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.AG.05 (8. Auflage: VIII/B.09) nach Strunz
07.05.01.04 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditetragonal-dipyramidal 4/m 2/m 2/m[1]
Farbe schwarz
Strichfarbe bräunlichschwarz
Mohshärte 6,5
Dichte (g/cm3) berechnet: 4,96
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Spaltbarkeit nicht erkennbar
Habitus mikrokristallin, körnig bis faserig

Das Mineral Abswurmbachit ist ein sehr selten vorkommendes Inselsilikat aus der Braunitgruppe mit der chemischen Zusammensetzung Cu2+Mn63+[O8|SiO4][2]. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und konnte bisher nur in Form mikrokristalliner, schwarzer Körner von etwa 50 μm Größe gefunden werden.

Abswurmbachit bildet mit Braunit eine vollständige Mischreihe.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals gefunden wurde Abswurmbachit bei Apoikia und Myli (auf Euböa) in Griechenland. Analysiert und beschrieben wurde das Mineral durch Thomas Reinecke, Ekkehart Tillmanns und Heinz-Jürgen Bernhardt, die es in Anerkennung ihrer Beiträge zur Kristallchemie, den Stabilitätsrelationen und den physikalischen Eigenschaften von Braunit nach der deutschen Mineralogin Irmgard Abs-Wurmbach (*1938), Tochter des Zoologen Hermann Wurmbach,[3] benannten. Da zur Analyse Material aus beiden griechischen Fundorten verwendet wurde, gelten beide auch als Typlokalität.

Als eigenständiges Mineral anerkannt wurde Abswurmbachit 1990 von der International Mineralogical Association (IMA) unter der Nummer IMA1990-007. Veröffentlicht wurden die Untersuchungsergebnisse und der anerkannte Name ein Jahr später im Wissenschaftsmagazin „Neues Jahrbuch für Mineralogie“ (Abh.: 163).

Typmaterial des Minerals wird im Smithsonian Institution in Washington DC sowie im Institut für Mineralogie, Geologie und Geophysik der Ruhr-Universität Bochum aufbewahrt.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehörte der Abswurmbachit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur allgemeinen Abteilung der „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen (Neso-Subsilikate)“, wo er zusammen mit Braunit, Franciscanit, Katoptrit, Långbanit, Neltnerit, Örebroit, Welinit und Yeatmanit die unbenannte Gruppe VIII/B.09 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Abswurmbachit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Inselsilikate mit zusätzlichen Anionen; Kationen in meist [6] und > [6] Koordination“ zu finden ist, wo es zusammen mit Braunit, Braunit II und Neltnerit die „Braunit-Gruppe“ mit der System-Nr. 9.AG.05 bildet.

Im Gegensatz zu den Strunzschen Systematiken ordnet die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana den Abswurmbachit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ein. Hier ist er zusammen mit Braunit-I, Braunit-II und Neltnerit in der „Humitgruppe (Tetragonal: I41/acd) mit Si“ mit der System-Nr. 07.05.01 innerhalb der Unterabteilung der „Mehrfachen Oxide mit der Formel ABX2“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Zwischen Abswurmbachit und Braunit besteht eine lückenlose Mischkristallreihe, bei der Kupfer nach und nach durch Mangan ersetzt wird. Ein weiteres ähnliches Mineral ist der Neltnerit, der anstatt Kupfer Calcium enthält. Zwischen Abswurmbachit und Neltnerit besteht jedoch wahrscheinlich eine Mischungslücke, so dass keine Mischkristallreihe möglich ist.[4]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Abswurmbachit bildet sich zusammen mit Braunit in mangan- und aluminiumhaltigen Piemontit-Sursassit-Quarziten bei Drücken von 7-11 kbar und Temperaturen von 300-420 °C. Weitere Begleitminerale sind unter anderem Ardennit, Hollandit, Klinochlor, Quarz, Rutil und Shattuckit.[4]

Außer an seinen Typlokalitäten in Griechenland konnte Abswurmbachit noch in Japan bei Iyomishima (heute: Shikokuchūō) gefunden werden.[5]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Abswurmbachit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I41/acd mit den Gitterparametern a = 9,41 Å und c = 18,55 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Abswurmbachite (englisch)
  2. a b Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage, E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 553.
  3. Hermann Wurmbach: Vorwort zur zweiten Auflage. In: Lehrbuch der Zoologie. Band 1: Allgemeine Zoologie und Ökologie, 2. völlig neu bearbeitete Auflage, G. Fischer, Stuttgart 1970, S. VIII
  4. a b Thomas Reinecke, Heinz-Jürgen Bernhardt, Ekkehart Tillmanns: Abswurmbachite, Cu2+Mn63+[O8|SiO4], a new mineral of the braunite group: natural occurrence, synthesis, and crystal structure. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie. 1991, 163, S. 117-143.
  5. Mindat - Abswurmbachite (englisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Reinecke und Heinz-Jürgen Bernhardt (Institut für Mineralogie, Ruhr-Universität Bochum), Ekkehart Tillmanns (Institut für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien): Abswurmbachite, Cu2+Mn63+[O8|SiO4], a new mineral of the braunite group: natural occurrence, synthesis, and crystal structure. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen 163 (1991), S. 117-143 (hinterlegt im OTRS)

Weblinks[Bearbeiten]