Abu Ubaid Abd al-Wahid al-Dschuzdschani

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Abu Ubaid Abd al-Wahid ibn Muhammad al-Dschuzdschani (* um 980; † nach 1037, latinisiert Sorsanus, bei Zedler Arsanus [1]; Ansetzungsform GND: ʿAbd-al-Wāḥid Ǧuzǧānī) war ein persischer Arzt und sowohl Schüler als auch Biograph Avicennas.

Leben[Bearbeiten]

Er stammte aus Dschuzdschan im heutigen Afghanistan und kam aus unbekanntem Grund nach Gorgan am Kaspischen Meer, wo er Schüler Avicennas wurde. Diesen begleitete er nach Ray, Hamadan und schließlich nach Isfahan, wo er bis zu dessen Tod mit ihm arbeitete. Seine Biographie Avicennas, die an eine autobiographische Schrift Avicennas anknüpft und diese weiterführt, ist bis heute die wichtigste Quelle über das Leben Avicennas.

Kurze, nur wenige Zeilen umfassende biographische Angaben auf der Grundlage dieser Biographie kursierten in den lateinischen Avicenna-Ausgaben bereits seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Als sich dann im Nachlass von Andrea Alpago eine umfangreiche arabische Handschrift des Textes fand, ließ Niccolò Massa sie von einem für venezianische Kaufleute tätigen, offenbar getauften arabischen Dolmetscher namens Marcus Fadella ins Italienische („vulgari sermone“) übersetzen und fertigte nach dieser Vorlage eine eigene lateinische Übersetzung, die als Vita (ipsius) Avicennae ex Sorsano Arabe ejus discipulo seit der großen Avicenna-Ausgabe von Rinius (1556) regelmäßig den lateinischen Ausgaben von Avicennas Canon medicinae beigefügt wurde und so wesentlich dazu beitrug, in der westlichen Welt die im lateinischen Mittelalter aufgekommene Vorstellung vom „Fürst“ oder „König“ Avicenna zu korrigieren.

Rezeption[Bearbeiten]

Noah Gordon hat in seinem Roman Der Medicus al-Dschuzdschanis Wirken an der Seite seines großen Lehrmeisters Ibn Sina (Avicenna) beschrieben. Gilbert Sinoué erzählte 1989 in seinem Roman Die Straße nach Isfahan[2] das Leben des Ibn Sina basierend auf den Schriften seines Schülers al-Juzjanis.

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Soheil M. Afnan (Hrsg.): Avicenna: his life and works. Allen & Unwin, London 1958.
  • William E. Gohlman (Hrsg.): The life of Ibn Sina: a critical edition and annotated translation. State University of New York Press, Albany (NY) 1974, ISBN 0-87395-226-X
  • Konrad Goehl: Die Vita Avicennae des Sorsanus oder al-Dschusadschani, lateinisch und deutsch. In: Konrad Goehl und Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters: Festgabe für Gundolf Keil. Königshausen und Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1851-6 (= Texte und Wissen, Band 3), S. 317–337
  • Miguel Cruz Hernández (Hrsg.): La vida de Avicena como introducción a su pensamiento. Anthema, Salamanca 1997, ISBN 84-922437-2-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Avicenna. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 2, Leipzig 1732, Spalte 2198.
  2. Dt. von Stefan Linster, (Knaur TB) München 1994, ISBN 3-426-63014-1.